Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – Von Kaohsiung zurück in die Hauptstadt Taipei

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – 6. Tag  –  von Kaohsiung bis nach Chiayi (138 km )

Gut die Hälfte des Weges ist zurückgelegt, jetzt geht es wieder stramm nach Norden in Richtung Hauptstadt durch die dichtbesiedelte Westhälfte der Insel. Die heutige Etappe führte uns von Kaohsiung über Tainan bis nach Chiayi, mit 140 km stand die längste Etappe auf dem Programm.

 Weiterhin wunderschönes Wetter bei 30 Grad, allerdings stellte ging es diesmal nur sehr schleppend zum in das eigentlich recht nahe liegende, nur 30 km entfernte Tainan. Kaohsiung ist mit gut 1,5 Mio. Einwohnern Taiwans zweitgrößte Stadt.

Der Verkehr von Kaohsioung war sehr intenstiv, etliche knatternde Mopeds PKWs und LKWs sorgten für Geräuschkulisse und dicke Luft, zudem kam man wegen der zahlreichen Ampeln kaum voran.

 Tainan und Kaoshiung wachsen immer mehr zusammen, zudem befindet sich nahezu sämtliche wirtschaftliche Aktivität an der Westküste, entsprechendicht ist es dort besiedelt. Nur ein Drittel der Fläche ist bewohnbar. So kommt man schnell auf eine Bevölkerungsdichte von 2000 Personen pro km2, inklusive unbewohnter landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Rast machten wir in einem Museums-Park für Merkwürdigkeiten mit dem Namen „Glaub es oder glaub es nicht“.

Irgendwann erreichten wir Anping, einen Vorort von Tainan. Dieser Ort hat nicht nur historisch mit die ältesten Gebäude Taiwans aufzuweisen, sondern ist auch für seine kulinarischen Spezialitäten bekannt, vornehmlich Seafood,  Tainan liegt küstennah.

Nach einem ausgezeichneten Mittagesseen ging es bei über 30 Grad weiter, es wurde richtig heiss, doch zum Glück weg von der Hauptstraße, vorbei an Feldern und Fischteichen.

Im Dunkeln erreichte man nach einem langen Tag das etwas verschlafene Chiayi. Dort scheinen die nettesten Taiwanesen zu leben. Freundlich neugierig zeigten sie sich sehr interessiert, mehrfach wurden wir auf unserem Weg zum Restaurant angesprochen. Durch kleine Gassen ging es, in denen wir zwei auffällig grosse und schöne Tempelanlagen entdecken konnten.

 

Abendessen gab es in einem einfachen Restaurant in der Innenstadt, die aus lediglich einer Hauptstraße zu bestehen scheint.

Gegessen wurde heute mal eine ganz einfache, lokale Küche, die aber immer schmackhaft ist. Sollte es nebenan eine Spezialität geben: Kein Problem, bestellen und rüberbringen lassen!

Kurzum: Chiayi ist zwar nicht spektakulär, die Bewohner vermittelten uns aber ein äußerst positives Lebensgefühl. Von hier kann übrigends man mit der berühmtesten Bergbahn Taiwans den Berg Ali erklimmen. Dieser liegt ca. 70 km von Chiayi entfernt, die Bahn schraubt sich dann bis in 2500 Meter Höhe.

Formosa 900 – 7. Tag – Chiayi nach Taichung (85 km)

Vor dem Start erst ein ausgiebiges Frühstück mit allerlei frischen Dingen. Abgenommen habe ich auf der Fahrt nicht, wahrscheinlich wegen des Muskelzuwachses in den Oberschenkeln.

Nächste Etappe war Taichung, die Metropole Zentraltaiwans und mit gut 1 Mio. Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes.  Lediglich 85 km, das war mittlerweile eine kleine Übung. Das Wetter war weiterhin warm und sonnig, etwas mehr Gegenwind gab es, zum Glück führte uns die Strecke weg von den Hauptstraßen durch verkehrsärmere Gegenden.

Zum Mittagessen besuchten wir ein vom Expräsidenten Chen Shui-bian favorisiertes einfaches Restaurant.

Allez , allez, was tut mir alles weh….

Bei der Nachmittagspause mussten doch einige den Temperaturen, der letzten Woche und wohl auch dem guten Essen Tribut zollen.

Langsam näherten wir uns der Stadtgrenze Taichungs. Auf dem Programm stand noch ein Besuch bei der Verkaufszentrale des Tourveranstalters GIANT.

Dort war man natürlich informiert und vorbereitet, lautstark wurden wir von einem Heer taiwanischer Vuvuzeela und  Chinaböllern empfangen.

Tony Lo, der CEO von GIANT, stellte uns dort vor, wie GIANT auf einem justierbaren Modellrad für seine Kunden die optimalen Fahrradmaße ermittelt. Dies soll in allen größeren Zentralen von GIANT möglich sein.

Day 8 (Nov. 17) Taichung – Hsinchu (110 km)

Bei der Rückfahrt Richtung Norden gerieten wir immer stärker unter den Einfluss des Nordwestmonsuns, im Klartext: Es wehte bereits ein recht strammer Gegenwind, zudem war es jetzt Schluss mit dem Sonnenschein.

Heute galt es 110 km bis nach Hsinchu zu bewältigen. Die Kondition war mittlerweile deutlich verbessert, kleiner Steigungen konnten mühelos auch mit dem großen Zahnkranz bewältigt werden, man war gut im Tritt und hatte seinen Lebensrhythmus mühelos an die neuen Anforderungen angepasst:

Aufstehen , Essen , Morgengymnastik, Fahrradfahren, Essen, Schlafen. Um mehr brauchte man sich nicht zu kümmern, der Alltag war weit weg und wurde von niemandem vermisst .

Doch auch am Morgen des achten Tages, im warmen Hotelbett liegend, fühlten sich die Beine etwas dicker, etwas schwerer an und wiesen ein leichte Druckempfindlichkeit auf. Es handelte sich um eine bisher unbekannte, leichtere Form von Muskelkater, welcher zum permanenten Begleiter geworden war und einen erst drei bis vier Tage nach der Radtour verlassen sollte.

Die Geräusche nach dem Weckruf versprachen nichts Gutes: Regen trommelte gegen die Scheiben des angenehmen, nicht ganz unluxuriösen Hotels in Taichung, der Nordostmonsun versteckte sich nicht mehr und ließ die Werbeflaggen heftig im Wind flattern.

Heute hieß es mal wieder hinein in das Plastikregencape., welches unsere aufmerksamen unermüdlichen Helfer des GIANT-Teams zur Verfügung stellten.

Bei ordentlich Wind und nachlassendem Regen raus aus dem Talkessel von Taichung Richtung Küste und Hafen und dann immer dem Gegenwind entlang, auf irgendwelchen Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr.

Erster Stop am Samstagmorgen war der berühmte Zhenla-Tempel von Dajia. Hier beginnt jährlich die große Prozession der Tempelgöttin Matzu, ihre Reise in den Süden einschließlich Rückkehr statt.  Matzu ist die Schutzpatronin der Fischersleute und daher in Taiwan sehr beliebt. Der Tempel genießt hohes Ansehen und war an diesem Samstagmorgen gut besucht.

Besonders auffällig war die lange Schlange mit Neuwagen im Vorhof des Tempels.

Der Grund: Der Tempel hat seine Schutzdienste ausgeweitet, professionelle Kräfte sorgen dafür, dass der Wagen im Verkehr gegen böse Geister geschützt ist, eine Art „Geisterversicherung“. Den zuckenden Bewegungen und ausgestoßenen, äußerst seltsam klingenden Tönen des Profi-Beschwörers  nach zu urteilen waren die 6-7 EUR Gebühr gut investiertes Geld.

Mittag hatten wir dann mittlerweile vom Regen pitschnass zusammen mit einer Hochzeitsgruppe im gleichen Restaurant.

Am Nachmittag dann der Härtetest: Starker permanenter Gegenwind mit teils heftigen Schauern bei nur noch 16 Grad ließen die Strecke bis nach Hsinchu deutlich länger erscheinen.

Das Abendessen in Hsinchu wurde diesmal individuell auf dem in der Nähe liegenden Nachtmarkt eingenommen.

9. Tag: Von  Hsinchu nach Taipei  (84 km)

Auch der heutige Tag stand im Zeichen des Nordwestmonsuns, Gegenwind mit Regenfällen bei ungemütlichen Temperaturen von 16 Grad, zum Nachmittag stellte uns dann der Regen nochmals auf die Probe.

Stramm in die Pedale tretend erreichten wir dann am Nachmittag das Rathaus von Taipei , wo wir zur „Siegerehrung“ empfangen wurden, das ganze natürlich notariell beglaubigt.

Eine erlebnisreiche Zeit mit vielen positiven Eindrücken, eine Reise, bei der man etliche nette Leuten kennen gelernt hatte, fand damit ihr Ende. Eine gutgelauntes und engagiertes Begleitteam sorgten für einen reibungslosen Verlauf der Inselumrundung. Die Tour steht übrigends allen offen, es handelt sich um keine geschlossene Gesellschaft. Eine gute Möglichkeit, mit Taiwanesen gmeinsam die Insel zu umrunden und Land und Leute näher als sonst kennenzulernen.

Eine Welt ohne Fahrrad? Unmöglich!

Text und Fotos: Frank Pevec

Werbeanzeigen

Mit dem Rad von Taipei nach Hsinchu

In diesem Eintrag will ich insbesondere einige Bilder von der Radtour zeigen und nur ein wenig davon erzählen. Wer mehr darüber erfahren will, kann am 27. Oktober in „Reise durch Taiwan“ reinhören.

Hier zunächst eine kurze Vorschau:

Endziel sollte ein Spa Ressort sein, ein Hotel mit heißen Quellen. Die erste Hälfte entwickelte sich sehr einfach, da ich von Xizhi auf der Ostseite von Taipei bis zum Töpfereiort Yingge die ganze Zeit richtige Radwege benutzen konnte.

Wie gemalt

Wie gemalt

Das waren etwa 40 Kilometer ohne die Gefahr, sich zu verfahren und fast ohne die Gefahr, umgefahren zu werden. In ganz Taiwan arbeitet man an einem Fahrradnetzwerk, mit dem Ziel, einmal vom Norden bis in den Süden nur auf Radwegen fahren zu können.

Eine Teekanne lädt zur Pause ein

Eine Teekanne lädt zur Pause ein

Gerade in Taipei hat man schon die drei großen Flüsse und die anliegenden Flussparks benutzt, um dort immer besser werdende Fahrradwege einzurichten. Interessanterweise heisst das insbesondere außerhalb von Taipei Stadt aber nicht immer, dass Fahrradwege nur für Fahrräder sind, doch das ist ein anderes Thema.

Kontrast - Gebäude aus der Qing Dynastie vs. Gebäude aus den 1970ern

Kontrast – Gebäude aus der Qing Dynastie vs. Gebäude aus den 1970ern

So ist eben beispielsweise YingGe per Radweg, der nur für Radfahrer ist, an Taipei angeschlossen. Nach Yingge ging es dann weiter auf normalen Landstrassen, was nicht immer so schön war wie auf dem Radweg. Denn in Taiwan ist gerade am Wochenende auf den Straßen immer viel los und auch Lastwagen rasen am Wochenende unbegrenzt über die Straßen.

Ein kleines Örtchen an einer Nebenstraße - noch hoffe ich, dass ich auf der richtigen Straße bin

Ein kleines Örtchen an einer Nebenstraße – noch hoffe ich, dass ich auf der richtigen Straße bin

Um die großen Straßen zu vermeiden, hatte ich per Internet einige kleine Nebenstraßen gesucht, was das Fahren tatsächlich angenehmer machte. Meistens war es etwas ruhiger und weniger befahren, aber auch weniger bebaut, so dass man auch die Landschaft geniessen konnte und auch einiges vom „alten“ Taiwan sehen konnte.

Ein altes Bauernhaus im Stil der Qing Dynastie

Ein altes Bauernhaus im Stil der Qing Dynastie

Also z.B. kleine Bauernhäuser im Stile der Qing Dynastie. Allerdings waren diese Straßen weniger beschildert, so dass ich mich hin und wieder verfuhr und letztendlich etwa 15 Kilometer mehr zurückgelegt hatte, als für die eigentliche Strecke vorgesehen war.

Bananen- und Pampelmusenbäume

Bananen- und Pampelmusenbäume

Je mehr ich mich dem Ziel näherte, desto bergiger wurde es auch, und wäre ich auf der Hauptstrecke geblieben, wäre es wohl meistens immer langsam stetig bergauf gegangen. Die kleinen Nebenstrecken zeichneten sich aber dadurch auf, dass es immer wieder bergab ging und dann wieder extremer bergauf ging, was das „sich Verfahren“ auch noch anstrengender machte.

Etwas anderes, was mir auffiel, während ich mich dem Ziel näherte, waren die Hinweise auf Ureinwohner. Tatsächlich war dies früher eine Region, die insbesondere von den Atayal bewohnt wurde, ehe sich auch hier die Han-Chinesen insbesondere die Hakka niederliessen. Diese Hinweise sind z.B. (neuere) Gebäude mit den markanten, kunstvollen Mustern, die traditionell auf den Gewändern der Atayal zu sehen waren, oder Schnitzereien und Statuen, die auf Ureinwohner hinweisen.

Endlich der erste Blick auf das Ziel - das Spa Ressort

Endlich der erste Blick auf das Ziel – das Spa Ressort

Nach knapp 105 km statt der vorgesehenen etwa 90 km erreichte ich dann schließlich das Spa Ressort in den Bergen, wo ich mich in der Ansammlung von Wasserbecken (es gab sogar ein Becken mit Fischen, die einem die Haut abknabbern) erst einmal entspannen konnte.

Teile des Ressorts inmitten der Berge

Teile des Ressorts inmitten der Berge

Nach Abendessen, einer nicht so ruhigen Nacht (eine Reisegruppe machte mit Karaoke die Nacht zum Tage) und einem Frühstück mit wunderbarer Aussicht ging es wieder auf den Rückweg, der auch bis auf den Gegenwind ziemlich problemlos verlief. Ich fand sogar noch einen neuen Radweg, der es mir erlaubte, mich schon etwa 10 Kilometer vor Yingge wieder auf den Radweg zu begeben, ehe es von Yingge weiter auf dem Radweg nach Taipei zurückging.

Von Ilon Huang

Ein "Heiße Quellen Bad" auch im Hotelzimmer

Ein „Heiße Quellen Bad“ auch im Hotelzimmer

Auf dem Balkon des Frühstückssaals

Auf dem Balkon des Frühstückssaals

Und die Aussicht vom Balkon

Und die Aussicht vom Balkon

Kleinkunst in der MRT Taipei

Fortbewegung ist in Taipei mittlerweile durch das effiziente Metronetz, kurz MRT genannt, recht komfortabel geworden.

Alles steht in der "Rush hour"

Alles steht in der „Rush hour“       (Foto: Frank Pevec)

 

 

Zu gut erinnere ich mich noch an den Baubeginn Ende der 80er Jahre, der den Nahverkehr fast zum erliegen brachte.  Die Taipei in Nord-Süd-Richtung trennende Fuxing-Straße im Zentrum der Stadt wurde damit quasi lahmgelegt und beeinflusste den gesamten Verkehr.
Abgasschwaden von Mopedschwärmen,  2-Takter, waberten durch die Straßen, Fußgänger waren kaum zu sehen, da auch der Bürgersteig von den Mopeds genutzt wurde, sei es als Parkplatz oder als letze Möglichkeit, den Dauerstau auf der Straße zu umfahren.

Bau einer weiteren MRT-Linie an der Xinyi Rd.

Bau einer weiteren MRT-Linie an der Xinyi Rd.         (Foto: Frank Pevec)

Das gehört jetzt glücklicherweise der Vergangenheit an, die MRT ist mit 10 Strecken recht gut ausgebaut und entlastet mit knapp 1,6 Mio. Fahrgästen täglich deutlich den Verkehr.

MRT-Station Fuhsing Rd.

MRT-Station Fuhsing Rd. (Foto: Frank Pevec)

Im Jahr 2006 waren es noch 1 Mio. Passagiere am Tag, die Streckenerweiterung macht die MRT beliebter. Mit knapp 100 Stationen und etwa 110 km Streckenlänge bietet sie eine angenehme Alternative zum täglichen Kampf um die Lücke auf Taiwans Straßen. Vor allem bietet sie ein verlässliches Vorwärtskommen, unabhängig von der Tageszeit und auch vom Wetter.

Die gut funktionierende Airkondition macht im brütend-schwül-heißen Sommer die Fahrt zu einer Phase der Erholung, in den weniger frequentierten Zeiten am Abend ist allerdings angeraten, einen Schal dabei zu haben.

Was Verlässlichkeit, Sicherheit und Sauberkeit betrifft, so zählt die MRT zu den besten der Welt. Auch Keine zerkratzen Scheiben, keine aufgeschlitzenen Sitze – hier sind sie auch aus Hartplastik bzw. Stahl – das völlige Fehlen destruktiver Äußerungen zwangspubertierender Elemente macht sich angenehm bemerkbar, es kommen keinerlei Gedanken auf, dass Grafitti-Hieroghlyphen etwas zur Bereicherung beitragen könnten.

MRT Station Taipei Fuhsing Rd.

Damit es nicht zu langweilig wird, bemüht man sich auch um das Auge. Wohl eine der am besten designten U-Bahnstationen der Welt findet man allerdings nicht in Taipei, sondern in Kaoshiung in Südtaiwan. Der von einem italienischen Designer entwickelte Lichtdom an der Formosa-Boulevard-Station ist wohl somit das aufwändigste, was zur Dekoration einer Metrostation getan werden konnte. Vier Jahre Bauzeit soll der Lichtdom benötigt haben, ein Kunstwerk, dessen Betrachtung mit dem Kauf eines Fahrscheins abgegolten ist – dabei würden etliche sogar Eintritt dafür bezahlen.

MRT Kaohsiung „Formosa Boulevard-Station“ (Foto: Frank Pevec)

Taipei blieb da pragmatischer und realistischer, hier steht das Vorwärtskommen von A nach B im Vordergrund. Kaohsiung verfügt zwar über die schöneren Stationen, allerdings reichte das Geld nur für zwei Linien, die Metro dort ist hochdefizitär. Kaohsiungs Metro ist eher etwas für Liebhaber der schönen Künste, etliche Stationen sind ansprechend gestaltet, doch geht man natürlich nicht jeden Tag ins Museum.

MRT-Kunst in der MRT

MRT-Kunst in der MRT (Foto: Frank Pevec)

Doch auch in Taipei lässt man das Ästethische nicht völlig außer acht. Verstärkt bemüht man sich nicht nur um großformatige Werbeflächen sondern auch um künstlerische Darstellungen innerhalb der Metro. Ein kleines Beispiel aus der Fuxing-Zhongxiao-Station.

Reise durch die Zeiten?

Reise durch die Zeiten? (Foto: Frank Pevec)

Die alternative Fortbewegung?

Die alternative Fortbewegung? (Foto: Frank Pevec)

Clark Kent mit Barbie im taiwanischen Traum

Clark Kent mit Barbie im taiwanischen Traum(Foto: Frank Pevec)

Romantisches Europa - Reiseträume (Foto: Frank Pevec)

Romantisches Europa – Reiseträume (Foto: Frank Pevec)

Taipei in der Neuzeit (Foto: Frank Pevec)

Taipei in der Neuzeit (Foto: Frank Pevec)

Altes Taipei (Foto: Frank Pevec)

Altes Taipei (Foto: Frank Pevec)

Che , Engel und Lou Reed bei der Jagd?  Taiwanisches Bild des Westens? (Foto: Frank Pevec) (Foto: Frank Pevec)

Che , Engel und Lou Reed bei der Jagd? Taiwanisches Bild des Westens? (Foto: Frank Pevec)

Letztes Fenster der MRT

Letztes Fenster der MRT

Autor: Frank Pevec

Verkehr in Taiwan – Survival of the Fittest


Motorrollerfahren mag in unseren Breiten nicht unbedingt die komfortableste Art der Fortbewegung sein, zumal nur an wenigen Sommertagen tagsüber leicht bekleidetes Fahren möglich ist.

Für das dichtbesiedelte Taiwan mit seinem subtropischen Klima sind die mehr oder weniger stark knatternden Fahrzeuge DAAASSSS Verkehrsmittel schlechthin, rund um die Uhr.

13 Mio. soll es davon mittlerweile geben, in der Tat scheinen die meisten von ihnen auch auf der Straße zu sein.

Flink, wendig , relativ geringe Parkplatzprobleme und jede Menge Freiheit beim Ausnutzen der Lücken im Verkehr bietet der Roller, kostengünstig und zeitsparend ist er ebenfalls. Zudem erlauben sie auch individuelle Ausflüge in die schöne Umgebung von Taipei, sei es an den Strand oder in die Berge.

Allerdings ist man nicht allein, wie Hornissenschwärme treiben sie aus, sie sind überall. In den 90er Jahren,  als Staus noch häufig waren, fuhr man auch auf dem Bürgersteig, Fußgänger gab es damals fast keine.  Mit dieser Unsitte hat dann Taiwans ehemaliger Präsident Chen Shui-bian und damaliger Bürgermeister von Taipei aufgeräumt und die Rollerfahrer ein wenig in die Schranken verwiesen.

In der Tat verspricht Rollerfahren auch jede Menge Aufregung und Abenteuer …. bis man sich an den Verkehr gewöhnt hat und ein Sicherheitsgefühl aufkommt. Um emotionslos durch den Verkehr zu rollen, dafür braucht es allerdings mindestens 2 Jahre Härtetest in Taipei.

…wie komme ich da durch…

Hier einige Überlebenstips, um diese Phase gut zu überstehen:

1. Alles kann passieren!

Ohne Licht auf der Gegenfahrbahn Fahrrad fahrende, telefonierende Oma mit dem Regenschirm in der Hand, in der Kurve in zweiter Reihe parkende Autos, an Kreuzungen anhaltende Taxis, alles ganz normal. Ampeln und Blinker haben eher Dekorationsfunktion, letztere besser ignorieren. Einfach agieren, wie es die Situation erfordert, auch wenn dabei nicht zwingend gleichzeitig die Verkehrsregeln beachtet werden können. Grundregel: Berechenbar bleiben, keine plötzlichen Richtungsänderungen.

2. Roller checken:

Wichtigstes Teil ist die Hupe, man kann kostengünstig für 10 EUR eine lautere einbauen lassen, eine der besten Investitionen in die Sicherheit.

Wegen der starken Regenfälle sollte das Reifenprofil ausreichend sein, mindestens 3mm sind zu empfehlen. Helme gibt es hier günstig, schon ab 3 Euro zu bekommen, doch helfen Eierschalen nicht wirklich bei einem Sturz. Gute Helme findet man fast nur in Fachgeschäften für Motorradbekleidung, nicht billig. Halbwegs akzeptable lokale Qualität gibt es für ca. 25 EUR (kein Integralhelm).

Bei der Wahl des Gefährts ist ein moderner Roller mit Scheibenbremsen und mindestens 12 PS einem älteren Modell klar überlegen und bietet vielfältigere Reaktionsmöglichkeiten auf den ständigen Zusammenprall hochindividualisierten Fahrverhaltens. Kants Gedankengänge  (Was Du nicht willst, dass man Dir tu….) sind Rollerfahrern in Taiwan nicht unbedingt geläufig, hier steht der Alltag unter dem Diktat der Zeit, Schnelligkeit und maixmaler Verwertung.

3. Verkehrsregeln

Im Prinzip vorhanden, werden allerdings kaum beachtet. Vorfahrtsregeln sind kaum bekannt, die Einbahnstraße ist für Taiwanesen oft keine, von Nebenstraßen in die Hauptstraße kommende Fahrer fahren ohne zu schauen einfach hinein und achten seltenst auf den Verkehr .

Ampelphasen:   In Taiwan gibt es nur extrem kurze Gelbphasen !!!  Taiwanesen überqueren daher auch bei Dunkelrot noch schnell die oft großen Kreuzungen. Angefahren wird ebenfalls oft schon, wenn die Ampel der Gegenseite auf Rot springt (genau, beide laufen Gefahr, sich zu treffen).

Mein Tip: beim Anfahren an der grünen Ampel  erst nochmal nach links schauen, meist kommt noch jemand.

3.   Besonderheiten

  •    Linksabbiegeverbot an großen Kreuzungen für Roller:  Man ordnet sich nach Überqueren der Kreuzung rechts ein und wartet auf die nächste Grünphase in der markierten Wartezone.
  •  An Ampeln schneiden Linksabbieger oft den geradeaus fahrenden Verkehr ab und drängeln sich vor.
  • Ampelphasen: Bei Wechsel auf Grün nochmals nach links und rechts schauen, 2 Sekunden zeitverzögert starten hat sich empirisch als das sicherste Verhalten bewährt.
  • Langsame Seitwärtsbewegung ist für  Autofahrer die einzige Möglichkeit des Richtungswechsels, ohne mit einem Rollerfahrer zusammen zu stoßen (Grundregel: keine plötzlichen Richtungsänderungen)
  • Dicht vor der Ampel wartende Autofahrer lassen bei Beginn der Grünphase erst den Motorrollerpulk passieren und rollen dann langsam an.
  •   Es wird fast nie geblinkt, wenn geblinkt wird, wahrscheinlich aus versehen.  Man achtet kaum auf Blinker, Motorroller überholen auch rechts. Richtungsänderungen deuten sich meist durch Geschwindigkeitsverlangsamung oder durch minimale seitliche Drift an. Blinker von Motorrollern  können jede erdenkliche Farbe haben, oft blinken alle möglichen kleineren Lampen gemeinsam um die Wette (das macht attraktiv/ist sicherer/sieht doch gut aus oder …?)

  • Fußgängerüberwege/Fußgängerampeln:  Lücken im Fußgängerstrom werden von den Autos und Rollern genutzt (nach dem Prinzip der Effizienzsteigerung durch Verdichtung von Zeit und Raum )
  •  Fahrradfahrer fahren immer ohne Licht. Lampen sind zwar vorgeschrieben, doch an kaum einem Fahrrad vorhanden, sie gehören auch nicht zur Grundausstattung eines neuen Komplettfahrrades.
  •  Taxifahrer scheeren aus oder halten an, wie es der Kunde will. Ihr Alltag ist hart, der Verdienst bescheiden, sobald jemand auf dem Bürgersteig einen Moment zögert, riskieren die Ritter des Lenkrades fast alles, um ihn als Kunden zu gewinnen. Für Mopedfahrer geht von ihnen eindeutig die größte Gefahr aus. Ergo: Auf Fußgänger am Straßenrand achten, um mögliche Schnittgeraden der Taxifahrer zu ermitteln
  • Ähnlich unberechenbar sind Handwerker auf einem kleinen aber extrem flinken Minitransporter.
  •    Nie mit Taxifahrern oder schwarzen BMWs anlegen, sie sind gut organisiert.
  •   Nur Motorräder mit mehr als 550 ccm dürfen auf die Schnellstraßen in der Stadt, Autobahn nach wie vor passee!
  •    Lastwagenfahrer an der Ostküste: überarbeitet, beladen mit 30 Tonnen Marmor, Sand, oder Steinen. Ergo: Schwache Reaktionszeit, lange Bremswege. Abstand halten und schnell vorbei. Ohne Ladung testen sie das ungewohnte Gefühl der unbeschwerten Beschleunigung, Kurvenkratzer, vielleicht mal eine Pause machen.

Bau der neuen MRT-Linie Hsin-Yi Rd.

...so bequem geht es auch...

Letzte Tips: die laue Luft, die größere Freiheit bei der kreativen Bewältigung des Verkehrschaos und die unorthodoxe Auslegung der Verkehrsregeln vor Ort können einen schnell zu übermütig machen, darauf kann leicht der freie Fall erfolgen, daher sich nie zu sicher fühlen.

Apropos Alkohol: die Strafen für Fahren unter Alkoholeinfluß sind deutlich angehoben worden. Bei über 0,25 Promille bis 0,5 Promille zahlt man ca. 1500 EUR an Strafe, über 0,5 Promille sind es geschlagene 3000 EUR inclusive Gerichtsverhandlung. Die meisten Taxifahrten im Stadtgebiet kosten kaum 5 EUR und sind garantiert sicherer.

Das Wichtigste zum Schluß: der Internationale Führerschein ist nur 30 Tage gültig und muss für Expats innerhalb dieses Zeitraumes in eine lokale Fahrerlaubnis umgewandelt werden. Ansonsten muß man eine örtliche Fahrprüfung gemeistert werden (die theorethische Prüfung ist auch auf Englisch möglich).  Für Mopeds bis 50 ccm reicht ein Autoführerschein.

…der Verkehr ist überall…

Author: Frank Pevec