Taiwan auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin

Auch in diesem Jahr präsentierte sich Taiwan wieder auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin. Mehrere Hörerinnen und Hörer von Radio Taiwan International waren auf der ITB und haben auch den Stand Taiwans besucht.
Bernhard Henze berichtet am Freitag, den 17. März 2017, in der Sendung Briefkasten  über den Taiwan-Stand und Reiseangebote.


Vielen Dank an Bernhard Henze, Frank Dombrowski und Werner  Hoffmann für die Fotos von der ITB 2017!

Fotos: Bernhard Henze, Frank Dombrowski und Werner Hoffmann

von Eva Triendl

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Wenn nur der Wind nicht wäre-Radfahren an der Ostküste

Die Geografie Taiwans lässt sich in acht Wörtern zusammenfassen: Im Westen nur Städte, im Osten nur Gebirge. Und Gebirge heißt auch wirklich Gebirge. Der höchste Berg Taiwans-der Yushan (玉山)-misst knapp 4.000 Höhenmeter. Ganz im Osten fallen die Bergketten steil ab und treffen auf den Pazifischen Ozean, es gibt nur wenig Platz zwischen Berghängen und Meer. Darum finden sich an der Ostküste Taiwans auch nur sehr wenig  Städte, vor allem Hualien und Taitung. Ausreichend Platz ist aber für eine Straße direkt am Meer, auf der man großartig Fahrrad fahren kann.

Ende Dezember bin ich mit sechs Freunden diese Strecke gefahren. Von Taitung im Süden nach Hualien im Norden, etwa 190 Kilometer, insgesamt drei Tage. Unter Radfahrern hat sich die Ostküste Taiwans mittlerweile als Ziel herumgesprochen. Aus gutem Grund. Man muss nur einer einzigen Straße folgen, die immer direkt am Meer entlangführt. Der Verkehr ist nicht sehr stark und es gibt sogar einen breiten Seitenstreifen extra für Fahrradfahrer. Nicht mal ein eigenes Fahrrad ist von Nöten. In Taitung können diese ausgeliehen und in Hualien wieder zurückgegeben werden. Anders herum geht auch. Für drei volle Tage haben wir pro Rad etwa 40 Euro Leihgebühr bezahlt. Für gute Fahrräder, voll ausgestattet. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich überall am Weg, auch wenn beim Einchecken Chinesischkenntnisse nützlich sind.

Wer jetzt denkt, dass 190 Kilometer für drei Tage nicht gerade viel sind, der hat Recht. Auf den ersten Blick. Die Strecke kommt zwar nicht ohne Steigungen aus, ist aber in dieser Hinsicht auch recht harmlos. Das Problem ist ein ganz anderes: Der Wind. Vielleicht lag es an der Jahreszeit, in der wir unterwegs waren: rund um den Jahreswechsel, vom 30. Dezember bis zum 1. Januar. Der Wind war so stark, dass aus den etwa 60 bis 70 Kilometern pro Tag locker gefühlte 120 bis 140 wurden. Dass wir genau in die andere Richtung hätten fahren sollen, von Hualien im Norden nach Taitung im Süden, wurde uns recht schnell klar. So fanden wir es schon am ersten Tag verdächtig, dass wir doch relativ viele Radfahrer trafen, uns aber alle entgegenkamen. Immerhin haben sie uns freundlich gegrüßt, mit einem mitleidsvollen Lächeln, kompletter Rennradausrüstung und Rückenwind.

Aber gelohnt hat es sich in jedem Fall. Meistens fuhren wir direkt an der Küste, manchmal, wenn die Berge zu nahe ans Meer heranrückten, führte unser Weg etwas hinauf in die Berge, wobei man dann aber immer durch einen wunderbaren Ausblick entlohnt wurde. Und durch die frische Luft. Unsere ganze Gruppe hatte sich in Kaohsiung kennengelernt, wo wir ein Semester zusammen studiert hatten. Danach wurde uns an der Ostküste zum ersten Mal wieder klar, wie gut die Luft außerhalb einer Großstadt sein kann. Und wie klein und nett die ganzen Ortschaften waren, durch die war kamen.

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Meer und Berge, ansonsten nichts

Am meisten aber hat uns die Herzlichkeit der Taiwaner erfreut. Nein, man muss sagen angetrieben. Egal an welchem Punkt unserer Reise, an wem auch immer wir vorbeifuhren, er rief uns ein freundliches jiayou! (加油) zu. Zu Deutsch: Gebt Gas! Ein Jahreswechsel also der ganz besonderen Art.

Taiwan – auf den Spuren des Dinosaurierfutters

Das am Rande des eurasischen Kontinents liegende Taiwan weist , was Topographie, Klima und Vegetationszonen angeht, eine große Vielfalt auf.  Die an Niederschlägen reiche Insel wird vom Wendekreis des Krebses durchquert, der klimatisch die Grenze zwischen Subtropen und Tropen markiert.

Insel Taiwan - vielfältige Natur

Insel Taiwan – vielfältige Natur (Foto: Frank Pevec)

Trotz der südlichen Lage, etwa auf der Höhe von Marrakesch gelegen, gibt es vielfältige klimatische Unterschiede auf der kleinen Insel. Die Monate Mai bis September sind im allgemeinen inselweit die niederschlagsreiche Zeit und es ist garantiert heiß – auch wenn das Wetter durch den Einfluß von El Nino und globaler, vom Menschen verursachter Erwärmung hier ebenfalls ein wenig und immer mehr verrückt spielt.

Heiße niederschlagsreiche Sommer und feucht-kalte Winter im Norden und Nordosten bei trockenen mildem Wetter im Süden schaffen auf Taiwan recht unterschiedliche Klimazonen.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die verschiedenen Höhenlagen bis hinauf auf 4000 m. Unterschiedlichste Vegetationsstufen sind anzutreffen, welche vom Grasland in der Ebene des Westens bis zu waldbedeckten Hochgebirgen in Zentraltaiwan reichen, darunter auch teilweise vulkanische Böden. Von im Winter schneebedeckten Bergen bis zu tropischen feucht-warmen Regionen bietet die Insel dem Tier- und Pflanzenreich etliche Möglichkeiten der spezifischen Ausprägung. Tropische, subtropische Zonen und in den Hochgebirgen auch kühle Regionen, die mit der arktischen Tundra verglichen werden können, sind hier vertreten.

Fehlende Eiszeit und subtropisch-tropische Lage ermöglichen Begrünung auch in knapp 3300 m Höhe (Foto: Frank Pevec)

Mehr als 200 Berge mit 3000 Metern gibt es auf Taiwan, der höchste von ihnen ist der Jadeberg mit einer Höhe von knapp 4000 Metern – und die fast alle wegen der fehlenden Eiszeit und der südlichen Lage bis in die Gipfel begrünt sind. Gut die Hälfte der Insel ist nach wie vor bewaldet, angesiedelt haben sich hier Pflanzen aus den nördlichen und südlichen Regionen Ostasiens. Insgesamt zeigt sich hier eine Biodiversifität, die deutlich höher ist als in den meisten Regionen der Welt.

Da die letzte Eiszeit die Gebiete Ost- und Südostasiens nicht betraf, ist hier die Artenvielfalt, insbesondere bei den Pflanzen, deutlich größer als bei uns in Europa und auch die frühe Entwicklung in China lässt sich u. A. damit erklären.

Ostasien ist insbesondere für Botaniker ein wahres Paradies, für eine andere Berufsgruppe ist der gleiche Grund Anlass permanenten Unwohlseins – für den Reiseleiter. Die legitime Ausrede auf bohrende Fragen der Reisegäste ist die eben beschriebene hohe Artenvielfalt wegen fehlender Eiszeit – nicht umsonst werden etliche Blattgemüsearten in China und Taiwan vom Volksmund nicht weiter spezifiziert sondern einfach als „grünes Gemüse“ bezeichnet.

…allerdings ist es dort im Winter auch kalt….Hehuan-Berg on the Rocks (Foto: Frank Pevec)

Kurzum, fingen wir in Nord- und Mitteleuropa vor 10.000 Jahren nach dem  Abschmelzen der Gletscher in Europa etwa wieder bei Null an, stand hier alles in voller Pracht und konnte weiter mutieren.

Die frühe geographische Isolation vom Festland führte in Taiwan zu einem hohen Niveau an Endemismus, also einer spezifisch-lokalen Ausprägung der Pflanzen und Tiere. Mehr als 4200 vaskuläre Pflanzen, über 5700 verschiedene Pilzsorten und 19.000 verschieden Tiere sind auf der Insel anzutreffen. Allerdings stellt die rapide Industrialisierung und die Vervierfachung der Bevölkerung innerhalb der letzten 50 Jahre eine Gefahr für Taiwans Ökosystem dar.

Fast 700 Farnarten finden sich in Taiwan

Unter Botanikern ist Taiwan vor allem für seine große Vielfalt an Farnen bekannt. Farne waren die ersten pflanzlichen Vertreter auf der Erde und begrünten als Baumfarne schon vor 400 Mio. Jahren zusammen mit Gräsern den Globus. Farne waren ab 250 Mio. bis 66 v. Chr. auch das Grundnahrungsmittel für die Vegetarier unter den Dinosauriern. Baumfarne wachsen auch heute noch in tropischen Gegenden und sind daher auch in Taiwan anzufinden.

Baumfarne – Futter der pflanzenfressenden Dinosaurier

In Taiwan wachsen sie nicht nur im Wald, sondern im wahrsten Sinne des Wortes an allen Ecken und Hauswänden. Eine ihrer großen Stärken und Grund für ihre Vielfalt: Sie sind ein Meister der Anpassung an unterschiedlichste Umgebungen und Klimazonen. Mehr als 600 Varietäten aus 37 Farnfamilien gibt es hier in Taiwan zu entdecken. Allerdings muss man schon nach ihnen schauen. Als älteste Bewohner der Wälder haben Farne die Eigenschaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Sie blühen nicht, sie tragen keine Früchte sondern bilden eher bescheiden die Hintergrundkulisse.

Doch in den letzten Jahren baut sich eine neue Bedrohung für die Baumfarne in Taiwan auf. Botaniker befürchten ein Aussterben dieser Art in Taiwan. Grund dafür ist ein Pilzbefall, von dem mittlerweile schon 70% aller Baumfarne betroffen sind.  Ein Grund dafür könnten die klimatischen Veränderungen sein, die längere Trockenphasen schafft und die Baumfarne anfälliger für Pilzkrankheiten macht.

Baumfarne können über 10 Meter hoch werden

Taiwans Forstforschungsinstitut ist eifrig bemüht, durch Aufspüren von    sauberen, infektionsfreien Sporen deren genetischen Bestand zu sichern.

Wegen der fehlenden Eiszeit boten etliche Teile Ostasiens und Nordamerikas den Farnen  „Unterschlupf“ vor der Kälte. In Japan, der an Tibet und Burma grenzenden südchinesischen Provinz Yunnan und den Philippinen findet sich eine noch größere Varietät als in Taiwan. Allerdings gibt es kaum ein Gebiet, welches auf solch kleinem Raum eine derart hohe Artenvielfalt wie Taiwan aufweisen kann. Man schätzt, das etwa 10% der Farne in Taiwan ausschließlich hier vorkommen, also „echte“ Taiwaner sind, etwa 90% kamen über den Luftweg auf die Insel.

Farne vermehren sich über Sporen, die fein wie Puder sein können. Wechselnde Monsunwinde und Taifune wehten Farnsporen aus allen Richtungen, aus Japan, dem Festland und aus den Philippinen hinüber auf die Insel.  Daher weist Taiwan mit knapp 700 Farnarten und verwandten Arten deutlich mehr auf als die 100 in Europa und den gut 400 Arten in Nordamerika.

Die Farnsporen benötigen zur Teilung viel Feuchtigkeit , um wachsen zu können, Taiwan ist dafür der perfekte Standort und konnte damit diese Vielseitigkeit schaffen.

Das „Fragezeichen“ der Natur

Das meiste Interesse wurde den Farnen von Forschern entgegen gebracht, die wie sie zumindest anfangs, aus dem Ausland kamen.  Schon früh, 1856, begann der britische Gesandte Robert Swinhoe, Taiwans botanische Vielfalt zu katalogisieren. Sein Werk umfasste 246 lokale Pflanzen und 33 Farnfamilien.

Die Japaner machten ab 1895 nach der Übernahme Taiwans erst einmal Bestandsaufnahme, und das gründlich, auch die Pflanzenwelt wurde genauestens durchleutet. Zwei Jahrzehnte nahm man sich Zeit und erfasste gut 80% aller Farnvarietäten.

Nach dem Rückzug der Japaner konnte sich auch die Taiwanesen stärker der Forschung zuwenden und  die botanische Forschung fortführen.  Charles E. De Vol, ein amerikanischer Quäker, der mit seiner Familie nach Taiwan übersiedelte und in den 50er Jahren im Botanischen Institut der Nationalen Taiwan Universität lehrte, verhalf der Farnforschung zu neuem Auftrieb.

Vogelnestfarn – lecker!!!

Der normale Taiwanese interessiert sich, wenn es ihm gut geht, wahrscheinlich nur für zwei von ihnen: Und zwar für die Essbaren!

Diplazium esculentum und Asplenium nidus, für uns populi vulvo heißen sie der „Gebratene Gemüsefarn“ und der „Vogelnestfarn“, letzterer ist bei uns eventuell auch als Hirschzungenfarn bekannt (der Botaniker möge mir verzeihen, ich hoffe, ihm wird bei diesen vulgären Bezeichnungen nicht unwohl).

Sollte es dem Taiwaner schlecht gehen, könnte er eventuell noch Bekanntschaft mit einem Farn via einer Kräutermedizin machen , die  gegen eine Kontamination mit Bakterien eingesetzt wird, mit Lygodium japonicum, dem japanischen Kletterfarn.

Weitere medizinisch nutzbare Arten sind der „schlanke Bremser“ , das „gewöhnliche Frauenhaar“ und der „fliegende Spinnenaffenbaumfarn“.

Asplenium Nidus (Vogelnestfarn) aus der Nähe

Sollten Sie nach Taiwan kommen, können sie sich gleich in Taipeis Botanischem Garten (Nanhai Rd.) einen ersten Eindruck von der pflanzlichen Vielfalt verschaffen, eine Anlage für Farne ist ebenfalls vorhanden (das kleine Geschichtsmuseum, in dem regelmäßig auch Gemälde ausgestellt werden, befindet sich ebenfalls in der Anlage und lädt im oberen Stock beim Tee zum Entspannen und einem Blick auf den Lotusteich ein).

Geschichtsmuseum im Botanischen Garten von Taipei – ideale Verschnaufpause von der Großstadt (Foto: Frank Pevec)

Desweiteren gibt es im Nordosten in Yilan ein Farngebiet, im Landkreis Taichung hat das Forschungsinstitut für einheimische Arten einen Farngarten angelegt, 200 Arten von 32 Familien sind dort zu in 1000 Metern Höhe zu besichtigen, der ideale Besuchsort für die heißen Sommertage.

Betelnuss – beliebt bei der ländlichen männlichen Bevölkerung des Südens. Davon mehr in einem anderen Beitrag.

Text und Bilder: Frank Pevec