Halloween in Taipei

Waren die Tage bis zum letzten Oktoberwochenende klar von den Sommergeistern beherrscht, meldeten sich die Regengeister am Zombiemonstertag zahlreich zurück – das letzte Samstag des Oktobers ist der Tag,  an dem in Taipei zahlreiche Halloween-Parties steigen.

Der plötzliche Temperatursturz  ließ es den ganzen Tag bis in den späten Abend vom Himmel  triefen. Dies vertrieb etliche , oft deutlich ansprechender aussehende, mehr oder weniger böse Monster.

Doch Regen ist in Taiwan kein Thema, er ist eben da, gefeiert wurde trotzdem und einige  kreative Einfälle  kamen mir trotzdem vor die Fotolinse.

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John W. ist doch nicht tot (Foto:Frank Pevec)

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Etliche Engel verbreiteten Hoffnung (Foto: Frank Pevec)

Text und Fotos: Frank Pevec

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Silvesterfeuerwerk 2014 am Taipeier 101-Hochhaus

Zum Silvesterfeuerwerk 2014….

Alles Beste für das Neue Jahr an unsere Hörer und Taiwaninteressierte!

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Umsetzung Ihrer Pläne und natürlich viel Spaß und Gesundheit!

KTV-Neujahrsgesang auf den Hügeln im Stadtzentrum von Taipei

KTV-Neujahrsgesang auf den Hügeln im Stadtzentrum von Taipei

Weihnachtsimpressionen taiwanischer Art

Zwar sind Christen in Taiwan relativ schwach vertreten und deren Anteil kommt auch bei Einbeziehung einiger amerikanischer Sonderwege nicht über 600.000 Anhänger hinaus, doch für den weltoffenen Taiwaner ist das noch lange kein Grund, auch ein wenig Weihnachten auf seine Art zu feiern.

Weihnachtsmann als Super-Model

Weihnachtsmann als Super-Model

Dies erfolgt weniger im Privaten  sondern in den öffentlichen Räumen der Gastronomie, der Kaufhäuser und Geschäfte, Bahnhöfen , Sportzentren und und und

Hier spielt natürlich das „Erlebnis“ die Hauptrolle, das die Familienzugehörigkeit betonende chinesische „Weihnachtsfest“ findet erst ein bis zwei Monate später statt, es ist das Chinesische Neujahrsfest, welches in etwa Weihnachten und Silvester in einem verbindet.

Auch der unternehmungslustige und beigeisterungsfähige Taiwaner mag nett geschmückte Christbäume und fühlt sich von der feierlich-getragenen Stimmung westlicher Weihnachtslieder ebenfalls angesprochen, konstruktiven und positiven Lebensäußerungen gegenüber zeigt sich der Taiwaner immer aufgeschlossen, bunt mag er es auch, wie der „Wettkampf“ um den schönsten Weihnachtsbaum zeigt.

Hier einige Eindrücke weihnachtlicher Äußerungen in Taiwans Hauptstadt Taipei.

Text und Fotos: Frank PevecW

„Ruf der Wildnis“ im Zentrum der Großstadt

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Urbanes Wohnen (Foto: Frank Pevec)

Weltweit steigt der Urbanisierungsgrad, alles zieht aus verschiedensten Gründen in die Großstädte. Ein größeres Stellenangebot lockt, die Chance auf einen besseren Job ist in der Regel ebenfalls gegeben, ein umfangreicheres Kulturangebot, eine deutlich erweitertes kulinarisches Angebot, vielseitigere Einkaufsmöglichkeiten und eine buntere Freizeitgestaltung, nicht zuletzt auch in den Abendstunden, machen die Lichter der Großstadt so anziehend.

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Pulsierender Verkehr auf dem Civic-Boulevard (Foto: Frank Pevec)

Taipei ist ebenfalls eine dieser brodelnden, wuseligen Metropolen Asiens. Offiziell hat die Stadt Taipei zwar nur 2,7 Mio. Einwohner, allerdings strömen täglich aus dem umliegenden Neu-Taipei Hunderttausende in die Stadt, um ihrer Arbeit nachzugehen. Das ebenfalls gut 3 Mio. Einwohner aufweisende Neu-Taipei , früher als Landkreis Taipei bezeichnet, geht fließend in die Stadt Taipei über, die umgebenden Flüsse machen einen großen Teil des Grenzverlaufes aus. Eine echte Trennung zwischen den beiden Gebieten ist optisch und gefühlt kaum auszumachen, so tummeln sich etwa 5 Mio. Einwohner in dem Talkessel um Taipei.
Dies kommt mit einem erhöhten Geräuchschpegel, stärkerem Verkehrsaufkommen bei schlechterer Luft , beengterem Wohnen und deutlich mehr Gedränge daher. Der Großstadtmensch muß daher entsprechende Strategien entwickeln, um auch einmal abschalten zu können. Nichts ist heilsamer als ein Spaziergang in der Natur, weg von den Massen und mal wieder Vogelstimmen lauschen anstatt von Verkehrsgetöse bedröhnt zu werden.

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„Raus auf´s Land, ab in die Berge, an das Meer“ … so spricht die nach Entspannung suchende Seele, zumindest ab und an meldet sie sich. Leider liegen diese Ruhe und Entspannung suggerierenden Orte in der Regel außerhalb der Ballungszentren.
In Taipei ist dies zum Glück nicht der Fall. Etliche kleine Bergzüge, dank des regenreichen subtropischen Klimas alle stark bewaldet, kriechen in den Talkessel hinein und stellen damit grüne Bollwerke gegen die Betonierungswut der Ebene dar. Damit sind sie herrliche Fluchtorte der Erholung gegenüber dem hektischeren Alltag der Großstadt.

Auch die Stadtväter haben dies erkannt und etliche dieser 200 bis 300 Meter hohen Berge mit Wanderwegen ,Wegweisern und kleinen oft überdachten Rastplätzen ausgestattet, um den Freizeitwert zu steigern. Die am Berghand wohnenden Bewohner der Stadt haben auch schon oft in Eigenregie mit Steinen, Beton und Holz die zum Teil recht steilen Steigungen gesichert. Ab und an kann man Kieshaufen am Beginn des Wanderweges sehen, die Spazierenden sind dann aufgerufen, eine kleine Tüte dieser Kiesel weiter nach oben zu bringen, um die anderen ein wenig zu entlasten.

Heute möchte ich kurz den Fuzhou-Park vorstellen, ein etwa 2 km südlich vom Hochhaus 101 liegender Park. Trotzdem er ganz in der Nähe meiner Wohnung gelegen ist, habe ich ihn erst vor kurzem entdeckt, werde jetzt aber öfter die Chance zu einem Spaziergang wahrnehmen.

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Der subtropische Einfluss bezieht sich allerdings nicht nur auf die Pflanzenwelt, auch die Tierwelt ist davon geprägt, Taiwan weist eine Fülle von Schlangensorten auf, einige können sogar recht giftig sein. Die wechselblütigen Schlangen sind insbesonder im Sommer aktiv, die normalen Trampelpfade sollte man dann besser nicht verlassen.

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Taiwan ist Heimat einer breiten Palette von teils sehr giftigen Schlangen (Foto: Frank Pevec)

Teilweise wirkt er wie ein Park , teilweise hat man das Gefühl, im Urwald zu sein, und dass in zwei Kilometern Entfernung vom neuen Hauptgeschäftszentrum um das 101.

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Die gute Aussicht belohnt die kleinen Mühen des Anstieges

Bei dem langsamen Aufstieg kann man auf einige „schrille“ Parkbesucher treffen.

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Doch nach etwa einer Viertelstunde ist Schluß, ein Felsbrocken stellt sich als unüberwindbar dar. Wie man erkennt, haben sich einige frühere Besucher noch lange nicht geschlagen gegeben und für wagemutigere Kraxler bereits ein Tau ausgehängt.

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Endstation (Foto: Frank Pevec)

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Wagemutige bitte links oben ziehen (Foto: Frank Pevec)

Da es kein Hochsommer war, die Schlangen daher mehr oder weniger erstarrt, entschloss ich mich zu einer Querfeldeinroute, die allerdings auch nach 200 Metern beendet war.

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Taiwan ist berühmt für seine mehr als 600 Farnarten

Beim Rückweg auf dem Bergkamm bietet sich ein herrlicher Blick über den Talkessel und auf das 101.

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Dies ist nur eine der vielen kleinen Hügelketten in der Stadt, etliches gibt es hier zu entdecken.

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Talkessel von Taipei (Foto: Frank Pevec)

…und das alles ohne zeitraubende Autofahrt in die zugegeben reizvolle Umgebung von Taipei, wie nach Wulai oder dem Nationalpark am Yangming-Berg, die am Wochenende einen leicht zwei bis drei Stunden im Stau verbringen lässt – bei der Hin- und bei der Rückfahrt. Das Glück liegt doch so nah.

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Blick aus dem „Urwald“

Author und Fotos: Frank Pevec

Silvester – Die Jagd nach dem großen Feuer

Nach überstandenem Ende der Zeitrechnung des mayanischen Kalenders nahte erneut das diesjährige Jahresende nach westlicher Zeitrechnung. Die Nachrichtensendung für Silvester rechtzeitig im Kasten, hatte ich die Gelegenheit, nach einem wärmespendenen Hotpot-Essen mich in Richtung des Hochhauses 101 zu bewegen.

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Dort findet seit 2005 jährlich in der Silvesternacht ein Feuerwerk statt, welches mehr und mehr Besucher anzieht. In diesem Jahr wurde eine weltbekannte französische Pyrotechnikergruppe angeheuert, die eine stärkere Betonung des theatralischen ankündigte und ein neues Erlebnis versprach – na eben Froonkreisch Cültür – und auch wegen des Einsatzes bester selektiver Materialien eine geringe Rauchentwicklung versicherte.

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Das 101 von der Sun-Yat-Sen Gedächtnishalle aus betrachtet

Nachdem ich mich im letzten Jahr rechtzeitig mit der Kamera in vermeintlich gutem Blickwinkel auf einer der umliegenden Hügelketten positioniert hatte, und anschließend das 101 nach den ersten paar Böllern wegen einer unglücklichen Windrichtung in Rauchschwaden versank, wusste ich diese Äußerungen zu schätzen.

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Diesmal wollte ich direkt dabei sein, auf Augennähe. Nach einem späteren Abendessen sprangen wir um 23 Uhr 15 ins Taxi, um das 3 km entfernte 101anzusteuern, um 23 Uhr 17 standen wir im Stau. Nach der ersten größeren Kreuzung gab es eine Straßensperrung, noch zwanzig Minuten Zeit, das schaffen wir schon, weiter geht es nun zu Fuß.

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Nicht ganz allein folgten wir per Pedes dem Tross in Richtung 101, geschätzte 800.000 Besucher sollen in diesem Jahr dem Spektakel beigewohnt haben.

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Kurze 188 Sekunden später – der große Aufbruch

Vor uns bereits die Sun-Yat-Sen Gedächtnishalle, nur noch um die Ecke und dann haben wir den freien Blick auf das zweithöchste Haus der Welt, dem Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit. Plötzlich aufkommende Hektik, kurz vor Zwölf, Gedränge, dunkle Menschenmassen vor uns, vor und zurücklaufende Gestalten auf der Suche nach einem Weg zur Überwindung der schwarzen Menschenwand, es zischt es knallt, alles rennt hin und her. Hinter der Sun-Yat-Sen-Halle lodert es hell am Himmel, schnell die Empore hoch, nein auch da kein Weg über die Hecke vor der Treppe, mindestens die Hälfte der 188 aufregenden Sekunden des Feuerwerks waren bereits vergangen. Letztlich Entspannung, ok, es bleibt bei dem Blick durch die Säulen der Halle auf das untere Drittel des 101, Silvester gibt es ja jedes Jahr, und schon wendete sich die Hauptrichtung des Menschenpulks. Feuerwerk ade, die meisten wollten zurück nach Hause.

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Lassen wir sie laufen, erschien am wenigsten herausfordernd zu sein, nehmen wir uns die Zeit für einen Blick auf die Konzertbühne, auf der auch Taiwans weibliche Rockikone A-mei einige Lieder zum Besten brachte, umsonst und draußen.

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Ein recht großes Aufgebot an Lautsprecherboxen und Lichteffekten, Pyrotechnik kam auch hier später zum Einsatz, letztlich flog die Rockröhre Amei aus dem Nichts mit einem Ballon zurück auf die Bühne, Spektakel, Spektakel, etwas später war der Weg in Richtung Wohnung frei. Man schlenderte langsam an auf der Straße Karten spielenden am Boden Fotos schießenden Jugendlichen vorbei durch das neue Einkaufsviertel nach Hause.

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Auffallend war, dass ich lediglich zwei Betrunkene gesehen hatte, die aber von ihren Freunden unterstützt wurden. Die fast völlige Abstinenz von Alkohol wahr schon auffallend, doch in keinster Weise störend. Feuerwerkskörper wurden zum Glück aus der Menschenmenge nicht abgefeuert, es gab auch kein Gegröhle oder Gepöbel, alles friedlich und entspannt. Dann hatte ich die Sonderbusse erreicht, die einen zur nächsten Metrostation brachten. Die Metro fuhr diesmal zwei Tage durchgängig, Nonstop.

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Das Hsinyi-Shopping-Viertel noch sehr belebt

Die letzten Meter etwas fußmüde nach Hause, eine etwas andere, relativ ruhige Silvesternacht kam zum Ende. Das nächste Jahr dann wieder auf einem der Bergkämme mit einer Flasche Sekt.

Text und Bilder: Frank Pevec

Africa-Day Taipei

Ende Mai wurde in Taipei erneut der AFRIKA-Tag gefeiert und ist mittlerweile zu einer festen Einrichtung geworden.Die zweitägige Veranstaltung wurde vom Außenministerium geplant.  Der Afrika/Tag erinnert an die Wiedererlangung der Unabhängigkeit verschiedener afrikanischer Naitonen nach dem 2. Weltkrieg von der Kolonialherrschaft. Weltweit wird dieser Tag von der afrikanischen Gemeinde gefeiert.

Taiwan schließt sich dem an, immerhin unterhält man mit vier afrikanischen Staaten diplomatische Beziehungen und gibt mit dem den Nationen mit dem Afrika-Tag in Taipei eine Plattform, ihre Kultur vorzustellen und Interesse für Afrika zu wecken.

Gefeiert wurde im neuen Einkaufsviertel von Taipei in der Fußgängerzone auf dem Mitsukoshi Plaza, einem weiträumigen Gelände, welches Platz für Outdoor-Aktivitäten bietet.

Taiwaner im Afro-Design

An etlichen Ständen  wurde über die Lebensumstände informiert und Kunsthandwerkliches dargestellt. Darüberhinaus stellte in diesem Jahr Burkina Faso eine Tanzgruppe vor und präsentierte die neuesten Kollektionen ihrer Modeindustrie.

Getrommelt wurde in mehrfachem Sinne, auch taiwanische Gruppen schlossen sich dem an, eine Sambatrommelgruppe aus Taiwan legte ebenfalls Afro-Rhythmen und afrikanischen Gesang auf das Parkett.

Später tauschten noch Taiwaner und Afrikaner die Trommeln und legten gemeinsam los.
Angesichts des Temperaments , welches die heimischen Trommlergruppen darboten, zeigten sich anscheinend selbst die Meister des Trommelns ein wenig beeindruckt.

Den Off-Beat und komplexere Rhythmen beherrschen die Taiwaner recht gut, diese sind ebenfalls Ausdruckselemente der Musik der Ureinwohner und damit ebenso geläufig. Der Vier-Viertel-Takt des „Alten Fritz“ blieb den Taiwanern erspart.

Autor und Photos: Frank Pevec

Über die Treppe den Taipei 101 hoch

Ich hatte es geschafft – ich konnte endlich mal am „Taipei 101 – Lauf“ teilnehmen. Genau, es ging bei dieser Veranstaltung darum, das einstmals höchste Gebäude der Welt zu Fuß also über die Treppen zu besteigen. Bei dem Lauf ging es nicht ganz in den obersten Stock, sondern „nur“ in den 91. Stock, d.h. insgesamt 390 Meter und 2046 Stufen.

Da sollte es hochgehen

Da sollte es hochgehen

Meine erste Teilnahme bot mir gleich noch eine zweite Premiere – der Besuch der Außenterasse auf der 91. Etage, denn dort würde der Lauf, das Klettern, vielleicht auch das Hochkriechen enden. Ich war zwar schon des öfteren auf der inneren Aussichtsplattform des Taipei 101 im 89. Stock gewesen, doch aus verschiedenen Gründen hatte ich es noch nie auf die Außenterasse geschafft. Das sollte sich nun ändern, wenn ich es denn bis nach oben schaffen würde. Bei wunderschönem Wetter fand ich mich also kurz vor 10 Uhr am Taipei 101 ein, mehr als eine Stunde früher, als ich eigentlich starten sollte, doch ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen und ein Programm für RTI produzieren. Dazu wollte ich schon vorher ein wenig der Stimmung vor dem Taipei 101 einfangen (denn natürlich war einiges los) und ich wollte versuchen noch ein oder zwei Interviewpartner vors Mikrofon zu zerren.

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Und durch die nette Hilfe des Organisationsteam hatte ich tatsächlich das Glück ein paar Informationen direkt von Michael Liu (Assistence Vice President/Taipei 101 Financial Center Corp.) zu der Organisation des Laufes zu erhalten. Er erzählte mir, dass sich etwa 4100 LäuferInnen angemeldet hatten, davon etwa 100 Ausländer. Übrigens hatte der diesjährige 101-Lauf ein besonderes Motto: „Run for a reason“, also „Lauf aus einem Grund“. Michael Liu erklärte mir, dass es vielzählige Gründe gebe, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Einer war, sich selber herauszufordern, ein zweiter Grund war, dass Teile der Einnahmen für gute Zwecke gespendet wurden.Außerdem hatte ich im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, mich mit Thomas Dold aus Deutschland zu verabreden.

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold, der nicht nur den Taipei 101 Lauf einige Male gewonnen hat, sondern auch eine Vielzahl anderer derartiger Läufe. Ich hatte Thomas Dold schon im letzten Jahr nach seinem Sieg ausführlich interviewt, allerdings nur über Telefon. Diesmal hatte ich also die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen. Leider konnte er in diesem Jahr seinen 1. Platz nicht verteidigen, sondern verlor ganz knapp mit vier Sekunden gegen Mark Bourne aus Australien.

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 ...

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 …

Die sogenannte Elitegruppen (Männer und Frauen) hatten ihr Rennen bei meinem Eintreffen schon beendet (dazu gleich noch ein paar Details) und so konnte ich Thomas Dold bei der Siegerehrung abfangen.

... und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

… und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

Wenn ich befürchtet hatte, dass er vielleicht schlecht gelaunt ob des super knapp verpassten Sieges sein würde und keine Lust haben würde, meine Fragen zu beantworten, sah ich mich getäuscht. Er bestätigte meinen frühreren Eindruck von unserem Telefoninterview, dass er ein sehr freundlicher, offener Zeitgenosse ist und beantwortete alle meine Fragen lachend und lebhaft. Zum Schluss gab er mir noch den Tip, langsam anzugehen und dann hinten raus noch mal zuzulegen, denn dieser Taipei 101 sei wirklich ein sehr herausfordernder Turm. Diesen Rat zu Herzen nehmend, machte ich mich also auf zum Start, wobei mir klar war, dass ich langsam anfangen würde und dann noch langsamer aufhören.

Das Drachenbootteam "Team Max", bei dem ich mitlief

Das Drachenbootteam „Team Max“, bei dem ich mitlief

Doch zunächst an dieser Stelle noch ein paar Informationen zum Ablauf. Wie gesagt nahmen an diesem 8. Taipei 101 Lauf (wird seit 2005 durchgeführt) über 4100 LäuferInnen teil. Dass diese nicht auf einmal auf den Treppenturm losgelassen werden konnten, ist wohl selbstverständlich. Also wurden verschiedene Kategorien organisiert, die dann zu verschiedenen Zeiten losgelassen wurden. Einmal die Elite-Läufer, die um 8 Uhr morgens losliefen. Dann die Staffelteams, wobei die jeweiligen Teams ihre Mitglieder in verschiedenen Stockwerken platzieren mussten, und diese starteten um 8:45. Dann waren die Teams an der Reihe, die auch als Team losliefen. Hierbei bestand jedes Team aus 30 LäuferInnen und die Zeiten der 15 schnellsten LäuferInnen aus jedem Team wurden zusammengerechnet, um die Siegermannschaft zu ermitteln. Insgesamt nahmen 52 Teams am „Team-Wettkampf“ teil, der um 9:10 begann.

Vor dem Start

Vor dem Start

Sehr positiv war, dass die Organisatoren schon im Vorfeld die Startzeiten noch genauer eingeteilt hatten. D.h. es wurde nicht einfach gesagt, „Team-Wettkampf um 9:10“ und die späteren Teams hätten dann zwei oder drei Stunden warten müssen, sondern es wurde schon vorher gesagt, z.B. die Teams mit den Startnummern 1651-1950 starten zwischen 10:30 und 11:00. Tatsächlich funktionierte das recht gut und wir mussten nicht einmal eine halbe Stunde anstehen. Dann ging es tatsächlich los, ich mit Aufnahmegerät, Mikrofon und Blackberry (als Videokamera) in beiden Händen. Denn ich wollte ja zwischendurch und vom Zieleinlauf sowohl Ton- als auch Videoaufnahmen machen.

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Gemäß dem Rat von Thomas Dold liess ich es locker angehen und joggte vor mich hin. Ich muss sagen, dass ich vor dem Taipei 101 schon über ein Jahr nicht mehr gelaufen war und im Vorfeld nur einige Mal bei uns im 10-stöckigen Haus hoch- und runtergelaufen war, also war mir klar, dass ich da nicht hochsprinten könnte. Lustigerweise erinnerten mich viele der anderen Teilnehmer an Kinder, die das erste Mal an einem Rennen teilnehmen. Kinder tendieren oft dazu, mit Elan und Volldampf loszurennen, ehe sie nach einiger Zeit dann keine Kraft mehr haben, um weiterzulaufen. So war es auch hier mit vielen LäuferInnen. Mit Geheul und Jubbel ging es über die Startlinie und die ersten zwei/drei Etagen, ehe viele dann merkten, dass die Beine schon anfingen zu brennen, die Lunge fast platzte und man noch über 80 Etagen vor sich hatte. So konnte man dann Leute sehen, die sich wahrlich die Stufen hochquälten und fast auf allen vieren kletterten. Und nicht wenige mussten sich hinsetzen, um entweder wieder zur Puste zu kommen, oder den Lauf ganz abzubrechen. Aber auch wenn sich dieser Wechsel zwischen anfänglichem Enthusiasmus und folgender Ernüchterung lustig anhört, ist es nicht ganz ungefährlich. Denn 91 Etagen zu steigen, ist tatsächlich körperlich sehr anstrengend und eine fehlende Vorbereitung kann böse enden. Dieses Mal habe ich niemand gesehen, der tatsächlich zusammengebrochen ist, doch ich habe das schon öfter während der Triathlons erlebt. Also, wer mal am Taipei 101 Lauf teilnehmen möchte, sollte im Vorfeld mal die eine oder andere Treppe zu Fuss zurücklegen. Lobenswert fand ich übrigens die gute Atmosphäre im Treppenhaus und das sehr disziplinierte Benehmen der LäuferInnen. Schon im Vorfeld hatten die Organisatoren erklärt, dass vom rücksichtslosen Überholen abzusehen sei und während ich auf den Schwimmstrecken der Triathlon Wettkämpfen schon den einen oder anderen Fuss im Mund oder Ellbogen am Kopf gefühlt habe, war davom beim 101 Lauf nichts zu spüren.

Auf dem Dach der Welt

Auf dem Dach der Welt

So trottete ich also die 91 Etagen langsam vor mich hin (Gott sei Dank, dass es iPods gibt), wobei ich zwar langsam angefangen war, aber leider zum Schluss auch langsam aufhörte. Naja, mit brennenden Oberschenkeln und schwer atmend kam ich dann nach 33 Minuten (eingeschlossen einer zwei-minütigen Toilettenpause im 49 Stock) oben an, wo sich das sehr schöne Wetter doch noch auszahlte. Man hatte eine wunderbare Sicht über Taipei und Umfeld.

Ohne Worte - mir fehlte noch die Puste

Ohne Worte – mir fehlte noch die Puste

Und nach einer kurzen Verschnauffspause ging es wieder runter, und zwar diesmal mit den sehr schnellen Aufzügen. Damit man sich eine kleine Vorstellung machen kann, wie lange es dauert, bis man diese 91 Etagen und 2046 Stufen erklommen hat – Eliteläufer wie Mark Bourne oder Thomas Dold schaffen das schon in unter 11 Minuten, ich selber brauchte 33 Minuten, wobei ich etwas schlechter als das Mittelfeld war, und die längste Zeit war etwas über zwei Stunden.

Und zum Abschluss ein kurzes Video:

Wer an dem Radio-Beitrag interessiert ist, kann diesen auf der Webseite der RTI-Deutschabteilung nachhören. Und zwar im Sonntagsmagazin  vom 10. Juni 2012.

von Ilon Huang

Fotos von Ilon Huang, Lynn Lee, Thomas Dold