Taiwan, ein Land der Kaffeetrinker

Wenn man zum ersten Mal nach Taiwan kommt und sich durch die Straßen von Taipei bewegt, so wird einem nach kurzer Zeit auffallen, wie groß das Angebot an Kaffee ist. Inzwischen gibt es unzählige kleine Cafés in Taipei, dazu kommen die wachsende Anzahl an Filialen von ausländischen und taiwanischen Kaffeehausketten und außerdem führen inzwischen auch die kleinen Supermarktketten wie 7Eleven, Family Mart und OK Mart erfolgreich ihre eigenes Sortiment an frischem Kaffee. Aber ist dieses Straßenbild denn nicht eigentlich untypisch für ein asiatisches Land, das kulturell von je her eine Nation der Teetrinker war? „Der Kaffee trinkende Taiwaner“ – das entspricht doch nun wirklich nicht dem westlichen Stereotyp.

Typisches Café in Taipei

Typisches Café in Taipei

In Wirklichkeit hat sich das Blatt schon vor vielen Jahren gewendet und man kann inzwischen wirklich von Taiwan als einer Insel der Kaffeetrinker sprechen. Anfang der 1990er Jahre begannen japanische Kaffeeketten wie Doutor oder Kohikans sich in Taiwan niederzulassen, ein paar Jahre später folgten dann taiwanesische Ketten wie Dante Coffee, Ikari Coffee, Barista Coffee oder auch Mr. Brown Coffee. 1998 eröffnete die erste Filiale der amerikanischen Kaffehauskette Starbucks, ein paar Jahre später folgten weitere taiwanesische Ketten wie 85C, City Café oder Let`s Café. Allein die Kaffeehauskette Starbucks hat zwischen den Jahren 2007 und 2013 303 neue Läden eröffnet. Weltweit gibt es über 21 000 Starbucks Filialen, zwei Drittel davon sind auf dem amerikanischen Kontinent zu finden. Am stärksten wächst Starbucks allerdings zurzeit in Asien. In China gibt es mehr als 1300 Filialen der erfolgreichen Kaffeehauskette. Kontinuierlich kommen neue Filialen dazu, sodass China neben den USA bald zum zweitgrößten Absatzmarkt für Starbucks wird. In Taiwan gibt es inzwischen mehr als 300 Filialen, die Anzahl ist auch hier exponenziell steigend. Zwischen 2007 und 2013 hat die Anzahl privater Cafés sowie Kaffeehausketten wie zum Beispiel Starbucks, Mr. Brown Coffee oder auch Barista Coffee in Taiwan um 71 Prozent zugenommen.

Zu einer guten Tasse Kaffee lässt es sich gleich viel besser lernen

Zu einer guten Tasse Kaffee lässt es sich gleich viel besser lernen

Dass ein Großteil der Taiwaner inzwischen zu Kaffeetrinkern geworden ist, das belegen auch andere Fakten. So ist Taiwans Import von Kaffee um 525 Prozent in den vergangenen 17 Jahren gestiegen, außerdem hat in den letzten 15 Jahren der Konsum von frisch gebrühtem Kaffee um das 4,5-fache zugenommen. Heutzutage werden etwa sechs Millionen Tassen Kaffee pro Tag in Taiwan getrunken. Am liebsten trinken die Taiwaner Milchkaffee und Cappuccino, gefolgt von schwarzem Kaffee nach amerikanischer Art. Aber trotz des wachsenden Konsums von Kaffee sind Taiwaner im internationalen Vergleich noch weit hinten, was den täglichen Genuss von Kaffee angeht. So kommen in Taiwan pro Kopf etwa 0,3 Tassen Kaffee am Tag, in den USA sind es 1,1 Tassen pro Tag und Deutschland 2,6 Tassen pro Tag. Trotzdem kann man sagen: der Großteil der Taiwaner liebt Kaffee und zieht diesen inzwischen oftmals einer Tasse Tee vor.
Wie schon zu Anfang erwähnt, findet man hier an nahezu jeder Ecke ein kleines Café, das seine Kaffeespezialitäten anbietet.Meiner Meinung nach sind es vor allem diese kleinen, oft unscheinbaren privaten Cafés, die Taipei eine besondere Atmosphäre verleihen. Von schwarzen Kaffee über verschiedene Varianten Milchkaffee bis hin zu Cappuccino kann man hier alles finden, was das Kaffeetrinkerherz begehrt. In diesen Cafés kann man nicht nur nach westlichem Vorbild eine Tasse Kaffee genießen, sondern auch Essen.

DIe Eingangstafel vor einem Café in Taipei

DIe Eingangstafel vor einem Café in Taipei

Auf der Speisekarte stehen gewöhnlich kleinere Gerichte wie Sandwiches, Waffeln, Kuchen oder Salate, in den allermeisten Fällen frisch zubereitet. Diese Cafés haben ihren ganz eigenen Charme. Manchmal sind sie etwas schwer zu finden, da sie sich im zweiten oder dritten Stock eines unscheinbaren Hauses befinden und man nur über einen Aufzug in das Café kommt. Außerdem findet man viele Cafés an Orten, an denen man sie weniger vermuten würde, in kleinen Nebenstraßen oder Wohngebieten.

Wenn sie sich im Erdgeschoss befinden, so haben sie meistens eine kleine Terasse vor dem Haus oder einen Außenbereich, sodass man, dank Taiwans subtropischen Klima, auch oft im Winter draußen bei Sonnenschein eine Tasse Kaffee genießen kann. Außerdem sind die Cafés selbst immer sehr liebevoll und detailreich eingerichtet, oft in einem etwas älteren Stil mit Möbeln aus dunklem Holz, Sofas oder Sesseln, mottogetreuen Bildern, Bücherregalen oder auch besonders gestalteten Menükarten. In der Nähe der Yuanshan-Metro Station in Taipei gibt es zum Beispiel ein Café, dessen Besitzer eine besondere Liebe zu Katzen pflegen und dies offensichtlich auch bei der Gestaltung des Cafés eine wichtige Rolle gespielt hat. Für Katzenliebhaber ist dies ein besonderes Ereignis, denn zu dem Café selbst gehören ein bis zwei Katzen, die an die Gäste gewöhnt sind.

Doch Kaffeeläden in Taiwan sind inzwischen weit mehr als nur ein guter Ort um Kaffee zu trinken. Sie bieten auch eine gute Möglichkeit um zu lernen, sich mit Freunden zu treffen, für Lerngruppen aber auch für Geschäftstreffen.

Thailändischer Schwarztee mit Milch

Thailändischer Schwarztee mit Milch

Und welche Unterschiede kann man zwischen taiwanischen und deutschen Cafés fesstellen? Meiner Meinung nach ist das vor allem ihre besondere Auswahl an Teegetränken. So kann man in manchen Kaffeeläden zum Beispiel thailändischen Schwarztee kalt oder heiß genießen, der mit Milch zubereitet worden ist und einen ganz eigenen Geschmack hat. Außerdem findet man in nahezu jedem Café in Taiwan den hierzulande sehr beliebten Matcha Tee, welcher ursprünglich aus Japan stammt. Hierbei handelt es sich um zu Pulver gemahlene Grünteeblätter, die dem Tee seinen besonderen Geschmack und seine intensive Grünfärbung geben. Dieser Tee wird gerne heiß oder kalt mit Milch getrunken, mal mehr und mal weniger süß und hat sich inzwischen zu einem Kultgetränk entwickelt, das man in Deutschland leider eher nicht finden wird.
Neben dem „frischen gebrühtem“ Kaffee hat sich auch der Instantkaffee mit großem Erfolg in Taiwan etabliert. Kleine Supermärkte wie 7Eleven und Family Mart bieten eine Bandbreite an verschiedenen kalten Kaffeegetränken an, das weit über das Angebot in deutschen Supermärkten hinaus geht.Taiwaner trinken lieber auswärts ihren Kaffee oder kaufen ihn sich bereits fertig zubereitet in Supermärkten. Während dagegen das Einschalten der Kaffeemaschine in den allermeisten deutschen Haushalten zur alltäglichen Morgenroutine dazu gehört, so ist die eigene Kaffeemaschine in Taiwan (noch) eher unpopulär.

Die Cafés sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet

Die Cafés sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet

Und was lässt sich als Fazit ziehen? Die Kaffeeindustrie hat in den letzten 20 Jahren erfolgreich Taiwan erobert und ist weiter auf dem Vormarsch – in einem Land, welches kulturell eher durch den Tee geprägt ist. Wenn man noch vor einigen Jahren verzweifelt nach einer „vernünftigen Tasse Kaffee“ in Taipei gesucht hat, so erscheint einem die Auwahl inzwischen endlos und Kaffeehausketten trifft man hierzulande inzwischen mehr an als in deutschen Großstädten.

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Das Phänomen „Taiwanischer Perlenmilchtee“

Warum Taiwanischer Perlenmilchtee und Deutscher Bubble Tea nicht dasselbe sind
Taiwan gilt als das Ursprungsland des berühmten Perlenmilchtees (chin.: 珍珠奶茶,pinyin: zhēnzhū nǎichá), den in China, Taiwan und anderen süd- und ostasiatischen Ländern jedes Kind kennt und der vom heutigen Straßenbild dieser Länder nicht mehr wegzudenken ist. Besonders in Taiwan sieht man an jeder Straßenecke Verkaufsläden- und stände, an denen man sich aus einer Bandbreite verschiedener Milchtees für wenig Geld das beliebte Getränk erwerben kann. Auch in Deutschland ist dieses Getränk mittlerweile zu finden, dort meist bekannt unter dem Namen „Bubble Tea“. Doch wahre Kenner des Milchtees werden sofort feststellen, dass der quietschbunte und meist recht teure Bubble Tea nur noch sehr wenig mit dem Original aus Taiwan gemeinsam hat.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Doch was sind die Unterschiede zwischen dem taiwanischen Perlenmilchtee und dem deutschen Bubble Tea und wieso ist das Getränk in Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern so beliebt, wohingegen der „Bubble Tea Boom“ in Deutschland von nicht allzu langer Dauer war? All diesen Fragen möchte ich im Folgenden auf den Grund gehen und dabei auch von meinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen berichten, die ich mit dem besagten taiwanischen Getränk gemacht habe. Meine erste Begegnung mit dem süßen Perlenmilchtee machte ich, als ich im Sommer 2013 für einige Wochen in Taichung in Zentraltaiwan einen Chinesischsprachkurs an der Chung Hsing Universität besucht habe. Gleich zu Anfang sind mir die vielen Verkaufsläden- und stände aufgefallen, die man in Taiwan vielleicht noch häufiger findet als Filialen von 7Eleven oder Family Mart. Oder auch anders ausgedrückt: Es gibt sie vor allem an belebteren Ecken fast so viel wie Sand am Meer. Da wurde ich natürlich neugierig und kaufte mir das vielumworbene Getränk. Ab diesem Moment wusste ich, warum es in Taiwan und anderen Teilen Ostasien so beliebt ist.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Was steckt drin im Milchtee Das Original besteht auf der Basis von gesüßtem grünen oder schwarzen Tee, dem Milch und oder Fruchtsyrup beigefügt wird. Weiterer Bestandteil sind die farbigen aber geschmacksneutralen, festen Geleekügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke, die beim Trinken durch einen dickeren Strohhalm gesogen werden. Der Milchtee kann sowohl warm als auch kalt mit Eis getrunken werden. Man kann meist selbst entscheiden, wie süß man ihn haben möchte und außerdem gibt es ihn heutzutage in den verschiedensten Formen und Ausführungen: zum Beispiel mit dem japanischen Matcha Tee, mit roten süßen Bohnen, mit Karamellgeschmack, als Puddingmilchtee oder auch ganz ohne Kügelchen oder Zusatz. Die Auswahl ist wirklich groß und mag sich für westliche Ohren durchaus gewagt oder skuril anhören. Ich selbst habe mich inzwischen durch diese Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten durchprobiert und wurde geschmacklich wirklich selten enttäuscht, mein Favorit ist und bleibt jedoch der originale Perlenmilchtee mit wenig Zucker.

Milchtee in China Während meines Studienaufenthalts in China habe ich die chinesische Variante auch oft getrunken. Der chinesische Milchtee ist dem Taiwanischen sehr ähnlich, wird meist aber süßer getrunken, da man sich den Zuckeranteil im Getränk nicht selbst raussuchen kann oder vielleicht auch, weil die Chinesen es etwas süßer mögen. Preislich ist der Milchtee auf dem Festland mit dem in Taiwan zu vergleichen, auch hier gibt es viele Stände und kleine Läden, die das süße Getränk in verschiedenen Varianten anbieten. Außerdem kann man manche Ketten aus Taiwan auch auf dem chinesischen Festland wiederfinden, allerdings nicht mit der selben Häufigkeit.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größere Angebotskarten.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größeres Angebot.

Bubble Tea in Deutschland Aber wie steht es nun um den besagten Bubble Tea in Deutschland? Viele von uns können sich sicherlich noch an die Zeit vor etwa zwei bis drei Jahren erinnern, in der auf einmal nahezu täglich neue Bubble Tea Läden in Deutschland eröffnet haben, die hinter bunten Theken das quietschbunte und zuckersüße Getränk angeboten haben. In manchen Städten konnte man gar von einem Bubble Tea Boom sprechen und es hatte nicht lange gedauert, bis die amerikanische Fastfoodkette Mc Donalds ebenfalls mit auf den Zug gesprungen ist und in ihren Mc Cafés Bubble Tea angeboten hat. Ich muss gestehen, dass ich persönlich bei der Bestellung immer etwas überfordert war. Das lag daran, dass man sich sowohl in den kleinen Bubble Tea Läden als auch bei Mc Donalds den süßen Tee selbst zusammenstellen konnte, von der Teebasis über die Geschmacksrichtung bishin zu den Kügelchen und sonstigen Extras. Bei all diesen Punkten gab es gefühlt hundert verschiedene Möglichkeiten, wobei sich eine süßer als die andere anhörte. Außerdem ist die deutsche Variante im Vergleich zur Taiwanischen kein Schnäppchen, im Durchschnitt bezahlt man drei bis vier Euro pro Becher. Und wie das ja so oft ist mit Produkten oder Essen, das eigentlich aus Asien kommt, hat die deutsche Ausführung des Bubble Teas geschmacklich und äußerlich nur noch sehr wenig gemein mit dem taiwanischen Original. Meiner Ansicht nach ist diese Tatsache wirklich sehr schade, denn richtiger taiwanischer Milchtee würde sicherlich auch gut in Deutschland ankommen.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Und wie steht es nun heute um den einst so beliebten Bubble Tea in Deutschland? Man könnte sagen, dass es sich „ausgebubbelt“ hat, die kurze Euphorie hat nicht lange angehalten, den Bubble Tea Läden sind die Kunden ausgeblieben und so verschwanden sie so schnell wie sie gekommen waren. Auch Mc Donalds nahm das Angebot aus dem Programm. Das Verschwinden mag mehrere Faktoren gehabt haben. Von den Vertreibern des Bubble Teas werden hauptsächlich neben dem Kommen der kalten Jahreszeit auch Behauptungen und Medienberichte über angeblich gesundheitsschädlich und krebserregende Stoffe im Bubble Tea als Hauptfaktoren genannt. Was letztendlich der wahre Grund für das Verschwinden der Begeisterung war, darüber lässt sich viel diskutieren.

Und was lässt sich als Fazit ziehen? Ich, als Liebhaberin und regelmäßige Konsumentin des originalen taiwanischen Perlenmilchtees, kann der eingedeutschten, bunten und teuren Variante leider nur sehr wenig abgewinnen. Dennoch halte ich die Augen offen. Wer weiß, vielleicht schafft es doch irgendwann einmal der echte Perlenmilchtee nach Deutschland. Bis dahin werde ich weiterhin den taiwanischen Milchtee genießen und kann jedem empfehlen, der nach Taiwan kommt, einmal dieses Getränk zu probieren.