Kulinarisches und Kultur – Taichung

Heute geht es um die zentraltaiwanische Metropole Taichung. Gab man früher Taichungs Einwohnerzahl mit 1 Mio. Menschen an, wuchs die Stadt durch die Gebietsreform auf über 2,5 Mio. Einwohner und ist dabei flächenmäßig acht mal so groß wie Taipei geworden – etliche ländlichere Kreise wurden der Stadt zugeschlagen.

Rein gefühlt ist die Stadt Taichung mindestens die drittgrößte Taiwans. Die Regierenden der Stadt sind eifrig bemüht, den größeren Städten Kaohsiung und Taipei den Rang abzulaufen.

Ein mächtiger Bauboom hat dort eingesetzt, der auch für architektonisch Interesssierte etwas zu bieten hat. Interessant ist oft der Zusammenprall der Stilrichtungen, wobei die amerikanische Moderne nach wie vor ein wenig die Oberhand behält. Dieser Eindruck entsteht wohl auch durch die zahlreichen Kettenläden und Supermärkte und nicht zu vergessen die Kettenrestaurants, die das Bild der Stadt mitprägen.

Doch es entwickelt sich auch etliches Freieres, wie z.B. das Viertel „Little Europe“ ( meine ganz persönliche Bezeichnung. Es besteht aus einer Aneinanderreihung von unterschiedlichsten Restaurant, die jeweils ein Land in der Vorstellung ihrer Erbauer darstellen. Einen kleinen Eindruck davon können Sie hier
bekommen.

Wirtschaftlich ist Taichung Zentrum des Maschinenbaus und der Metallverabeitung, Taiwans Auto-, Moped- und Fahrradindustrie ist hier ebenfalls angesiedelt. Ferner ist Taichung wohl auch die eindeutige KTV-Hauptstadt Taiwans, etliche große KTV-Paläste lassen sich hier finden. Ebenso beeindruckend ist die Zahl der Motels; von Taichung aus lassen sich zudem leicht Ausflüge in die nahegelegene Berggegend machen, auch der Sonne-Mond-See ist in einer Autostunde zu erreichen.

Doch Taichung hat auch für verfeinerte Gaumenfreuden etwas zu bieten, in der Gegend um Taichung wird Kaffee und auch der beste Tee in Taiwan angebaut, ferner ist die Stadt für ihre Sonnenblumenkekse bekannt.

Berglandschaft bei Taichung

Berglandschaft bei Taichung (Foto: Frank Pevec)

Kaffeeanbau? Das mag ein wenig überraschend klingen, doch gab es hier seit den 50er Jahren bei der landwirtschaftlichen Modernisierung Versuche, die Landwirtschaft auf die Produktion hochwertigerer Agrarprodukte wie z.B. Kaffee anzubauen. Damals analysierte man pragmatisch und mit ökonomischem Sachverstand, was sich denn hier in Taiwan am gewinnträchtigsten anbauen ließe. Man stellte fest, dass das Klima in den Berghöhen um Taichung auf 1500 bis 2000 Metern Höhe dem des Klimas in Jamaika entspricht, und von dort kommt der hocharomatische Blue Mountain Kaffee, einer der besten der Welt.

Danach setzte eine rapide Entwicklung ein , die Landwirtschaft verlor dabei sehr schnell seine Rolle als treibende Kraft . Innerhalb von 30 Jahren gelang Taiwan der Sprung von einem Agrar- zu einem sich entwickelnden Industrieland, doch auch in kulinarischer Hinsicht blieb die Entwicklung ebenfalls nicht stehen.

Davon hatte ich im Rahmen einer Journalisteneinführung Gelegenheit, mich zu überzeugen. Übernachtet hatten wir im City Resort , einem recht neuen in einer Neubaugegend errichtetem Hotel, welches in zwei, drei Jahren – nach Fertigstellung des Messegeländes – dann bestens positioniert sein wird.

Auf Chinesisch trägt es den interpretationsschwangeren Namen Zhongnanhai , auf Deutsch bedeutet dies das Mittelsüdmeer, damit trägt es genau den gleichen Namen wie die kaiserliche Parkanlage im Zentrum von Beijing, die auch Revolutionsführer Mao Zedong jahrelang als das richtige Umfeld für die Entwicklung seiner einzig wahren revolutionären Ideen betrachtete.

Das Hotelmanagment gab auch zu, daß man damit die Aufmerksamkeit der Touristen vom Festland auf sich lenken wollte, welcher Festländer würde nicht gerne davon erzählen, im völlig abbeschotteten Regierungsdomizil übernachtet zu haben.

Doch gleichzeitig versicherte man auch , dass es sich um ein Hotel mit taiwanischem Geist und taiwanischer Prägung handele.

 

Das man sich hier nicht vor großen Mächten zu fürchten musste, verdeutlichten einem die vielen Teddybären in teils imposanter Größe, die in der Hotel-Lobby auf neomingzeitlichen Möbeln verteilt waren. Diese Teddy Bär Aktion mit jeweils neuen Teddy-Themen läuft zur Zeit nicht nur in Taichung, sondern im ganzen Land. Imposant war auch die 6m hohe Hochzeitssuite des Hotels.

Zum Kaffeetrinken ging es in das wohl bekannteste Kaffeehaus in Taichung, welches einem landesweit bekannten Taichunger Bürger gehört: es handelt sich um Lai Beiyuan, auch Lai Sa genannt, der sein Leben schon früh der Verbesserung der Umwelt verschrieben hatte.


Lai Sa, in Taiwan auch König der Bäume oder auch Mr. Tree genannt, bekam damals die Idee, Taiwan zu retten und Bäume zu pflanzen. Taiwans Abholzung begann in größerem Ausmaße während der japanischen Besatzungszeit 1895, etliche der tropischen Baumriesen, meist Zedern und Kampherbäume wurden gefällt, Hartholzarten waren bei den Japanern für den Bau von Schreinen und Särgen sehr beliebt.

Doch auch nach der Wiedererlangung der Souveränität nach dem 2. Weltkrieg ging die Abholzung weiter, erst 1989 wurden diese Machenschaften rechtlich unterbunden. War Taiwan Ende des 19. Jhdt. noch zu über 90% bewaldet, sind es heute nur noch 47%.
Mr. Tree, Lai Sa bemerkte die negativen Einflüsse der rapiden Industrialisierung, verkaufte seine Unternehmen und investierte sein Geld in den Kauf von Bergen, die er wieder aufforstete. Mittlerweile hat er eine Fläche von 130 ha Land gekauft, und mit einheimischen, tiefwurzelnden Zedern und Zimtbäumen aufgeforstet. Dafür inklusive der Wiederaufforstungsanstrengungen sollen bisher 50 bis 70 Mio. USD investiert worden sein. Für seine Anstrengungen wurde Lai mit diversen Auszeichnungen bedacht, auch Präsident Ma Ying-jeou lobte ihn mehrmals. Um Geld habe man bei der Regierung für die Umsetzung der Projekte aber noch nie gefragt.
Bäume werden laut der Philosophie von Lai Sa nicht gefällt, lediglich eine Teilfläche stellte Lai Sa seinen Söhnen für den Kaffeeeanbau zur wirtschaftlichen Verwertung zur Verfügung. Von diesen Geldern und den Einnahmen aus dem Kaffeehausgeschäft gehen 95% in die Wiederaufforstung.

Bei der Herstellung des Kaffees und der Kekse ließ man auch geschmacklich den Wald mit in den Kaffeegeschmack durch Kräuter und Blätter des Waldes und durch Osmanthusblüten einfließen.

Auf den König der Bäume wird mittlerweile auch im Schulunterricht hingewiesen, nicht wenige Kinder sollen ihre Mutter um einen Besuch des Kaffeehauses bitten und haben ihr auch schon deutlich gemacht, Baumpflanzer werden zu wollen, wenn sie einmal groß sind.

Die von Lai Sas Söhnen angebaute Kaffeesorte „Wolkenweg “ überzeugte in diesem Jahr beim „15 Uhr 15 Teatime“ – Wettbewerb der Stadt Taichung die Jury und wurde mit einem Hauptpreis dekoriert.

Danach ging es weiter zur nächsten kulinarischen Spezilität, zum Gebäckhaus Fengdan, einem weiteren Preisträger beim Teatime Wettbewerb von Kunst und Kulinarsichem , der Wahl der besten Kaffee- und Teehäuser bzw. von Produkten für den Tee oder Kaffee am Nachmittag.

Fengdan bedeutet üppiges Zinnoberrot, die Farbe Rot ist im chinesischen Kulturraum generell positiv belegt. Von der Bedeutung her spielt der Name auf eine Geschichte im alten China in der Stadt Kaifeng in der Provinz Henan an.

Geröstete Datteln mit Longan- und Walnußfüllung erwies sich als außergewöhnlich schmackhafte Kombination, die besonders bekömmlich für Frauen sein sollte.

In der Tat waren die uns gereichten Süßspeisen auch für Männer recht schmackhaft, leicht kross angebackene aufgeschnittene Datteln, in die Walnüsse und etwas Longan Füllung gelegt wurden, erwiesen sich als äußerst gelungene Kombination.

Die im gehobenen Stil gehaltene Patisserie hatte noch diverse Karamel-Nuss-Süßigkeiten , Kekse als auch eine Reihe von unterschiedlichsten Mondkuchen mit Füllungen neueren Stils im Angebot. Einen Blick in die Bäckerei durften wir auch noch werfen und konnten uns von der Handarbeit der Produkte überzeugen.

Anschließend ging es weiter, endlich zum Mittagstisch ins Biancapasta, ein mit Italien liebäugelndem Restaurant in einer der In-Gegenden Taichungs, im Künstlerviertel in der Nähe der Donghai – Universität.

Das Restaurant und Kaffee ist dort schon seit 1995 anwesend und dort für seinen besonders gelungenen Käsekuchen bekannt. Das Restaurant ist für seine Verwendung von Gemüse und Kräutern aus organischem Anbau geschätzt und wurde im letzten Jahr ebenfalls für ein besondere mit Waldkräutern angerichtete Nachspeise zu einer der besten zehn Speisen Taichungs mit einem Preis ausgezeichnet. Die verwendeten Zutaten kommen alle aus ökologischem Anbau, eine besondere Spezialität ist der in Taiwan wahrscheinlich einzigartige Anbau von Artischocken.

Nach einem ausgedehnten Mal ausreichend gestärkt ging es dann zu einer der weiteren Attraktionen Taichungs, zum Hochzeitsparadies Mon Ceour, auf Chinesisch in etwa „Kammer des Wohlgeruchs des Herzens„.

Hochzeiten in Taiwan können gar nicht romantisch genug sein, am besten noch mit einem ausländischen Touch, und genau dort wurde die Marktlücke gesehen. Am Rande des Talkessels von Taichung gelegen, also oben, platzierte man mit herrlichem Ausblick nach unten. Dort zu finden war ein Hochzeitsparadies mit weissen Gebäuden, Pavillions und der berühmten LOVE Plastik, zu der man sich, umringt von Mutter Natur, ebenfalls ganz in Weiß, von einem der zahlreichen Fotographen Taiwans ablichten lassen kann.

MonCeours ist spezialisiert auf individualisiertere Hochzeiten in westlich anmutendem Ambiente, also dem Duft der großen weiten Welt.

Besonders angetan war man von dem oe im Französischen Wort für Herz, dessen enge Verbundenheit doch so herrlich zur Hochzeit passte.

Der Ort bot alles , was man brauchte: für früher von weiter her kommende Gäste einen Ruheraum, einen Ruheraum für Braut und Bräutigam einen Stock höher mit größerer begrünter Terasse. Zudem zwei Gebäude, natürlich ebenfalls in weiß, für die eigentliche Hochzeitsfeier. Wer wollte, konnte auch ganz romantisch in Häusern europäischen Stils, die je nach Region mit der jeweiligen „Ich liebe Dich“ Aufschrift abgesichert waren, seine Hochzeit begehen.

 

Das Besondere an dem Hochzeitsgeschäftskonzept: Das europäische Viertel bot im Vorfeld die Möglichkeit für einen Schnupperkurs. Es waren Kaffees oder Terassen mit Blick über den Talkessel eingerichtet, etliche Souvernierläden gab es, und die Anlage bot reichlich Gelegenheit zu romantischen Schnappschüssen, mit reichlich Vorfreude auf eine exclusive Hochzeit.

 

Nach einem anschließenden Abendessen  in einem modernen Restaurant und Kaffeehaus im neugebauten Ahornpark von Taichung führte uns unser letzter Weg in das Kunstmuseum von Taichung. Dort gibt es die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre in die Grundlagen der Teezeremonie einführen zu lassen und kann dabei einen Blick auf Kunstinteressierte werfen, die gerade vom großen Meister Unterricht in der Kalligraphie bekommen.

Aus der Gegend von Taichung kommen einige der weltbesten Teesorten, wenn es um grünen Tee geht. Geheimtip: auch  den extra-alten schwarzen Tee probieren!

(von Frank Pevec)

Taiwan- ein Paradies für Kaffeetrinker?

Berühmt ist Taiwan für seinen Tee- besonders die Sorten Oolong Tee, Schwarztee und Grüntee sind international sehr bekannt. Denn Tee wird in Taiwan schon sehr lange getrunken- die ersten Aufzeichungen über Teeanbau in Taiwan gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Doch es ist nicht Tee, worüber in den Medien in den letzen Jahren mehr und mehr gesprochen wird. Ganz im Gegenteil: Kaffee scheint sich als das neue Getränk im Alltag der Bewohner Taiwans zu etablieren- besonders in Taipei boomt die Kaffeeszene. Dabei gibt es Kaffee noch nicht sehr lange hier in Taiwan.

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Ein typischer Cafe Latte in Taipei- Preis: ca. 60 NTD

Die British Trade Company brachte im Jahr 1884 die ersten Kaffeepflanzen nach Taiwan, besonders während der japanischen Kolonialherrschaft wuchs der Kaffeeanbau stetig. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die Kaffeeplantagen beseitigt, um mehr Platz für den Anbau von wichtigeren Lebensmitteln zu schaffen. Im Jahr 1958 suchte das United States Department of Agriculture nach einer Möglichkeit, das Einkommen der Farmer Taiwans zu steigern. Es wurde festgestellt, dass Taiwan durchaus geeignet sei für den Kaffeeanbau. Infolgedessen wurde der Anbau von Kaffee wieder begonnen. Seit dem Jahre 1960 stieg der Kaffee Konsum, allerdings über Jahrzehnte hinweg nur sehr langsam. Jedoch kam es dann ab dem Jahr 1990 zu einem extremen und rasanten Anstieg. Die in Taiwan produzierte Menge an Kaffee reichte infolgedessen nicht mehr aus, um der Nachfrage nachzukommen, daher begann man im größeren Maße mit dem Import von Kaffeebohnen. Der Kaffeekonsum hat sich in den letzten 12 Jahren vervierfacht. Wo im Jahr 1999 noch 5000 Tonnen Kaffeebohnen importiert wurden, waren es im Jahr 2010 bereits schon 18000 Tonnen. Doch was steckt dahinter? Und wie ist das Kaffeeangebot in Taiwan (vor allem Taipei) heute?

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Das Wilbeck Cafe in Guting/Taipei. Die Mitarbeiter haben eine zusätzliche Ausbildung gemacht, um professionell Kaffee verkaufen zu können.

Kaffee ist heutzutage in Taiwan mehr als nur ein Modegetränk- mehr und mehr integriert es sich in den Alltag der Taiwanesen und ist auch Symbol eines neuen, modernen Lebensstils geworden. Doch zu den Anfangszeiten des Kaffeekonsums in Taiwan war das anders gewesen. Zu Beginn war Kaffee vor allem ein Getränk der Geschäftsleute, der Intelektuellen, der Politiker und der High-Society gewesen. Durch den Konsum von Kaffee wollte man sich auch von dem normalen Bürger Taiwans abgrenzen. So lässt sich auch erklären, warum der erste Versuch der Convenience Store Kette 7-11 fehlschlug, einen „Kaffee-to-go“ in ihrem Geschäfstkonzept zu integrieren. Im Jahr 1986 wurde frischer Kaffee neu in das Angebot aufgenommen. Allerdings musste nach relativ kurzer Zeit dies wieder eingestellt werden, da der Kaffeeumsatz zu gering war. Da Kaffee damals ein Getränk der oberen Schichten der Gesellschaft war, weigerten sich die Kaffeekonsumenten, diesen in einem Convenience Store zu kaufen. Im Jahr 1998 wurde die erste Starbucks Filiale in Taiwan eröffnet und konnte sich relativ schnell etablieren. Die Kette 7-11 startete dann im Jahr 2004 nochmals einen Versuch. Eigens dafür wurde eine eigene Kaffemarke kreiert, „ City Cafe“. Man bot nun einen günstigen und qualitativ hochwertigeren Kaffee als zuvor an. Dieses Mal ging das Konzept auf, der Konsum von 7-11 Kaffee ist rasant angestiegen und ist mittlerweile sogar Taiwans größte Take-away-Kaffee-Kette. Durch den Eintritt von 7-11 in den Kaffeemarkt war auch der Weg für die weitere Entstehung von günstigen Kaffeeläden in Taiwan geebnet. Besonders in den letzten Jahren sind vor allem in Taipei zahlreiche neue Kaffeeläden entstanden, die preiswerten und qualitativ hochwertigen Kaffee anbieten. Einen sehr guten Cafe Latte bekommt man mittlerweile für einen Preis von 40-70 NTD (ca. 1-1.80 Euro).

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Man kann in dem Wilbeck Cafe in Guting/Taipei sowohl Kaffee trinken als auch frisch geröstete Kaffeebohnen kaufen.

Besonders in Taipei hat sich die Kaffeeszene sehr stark weiterentwickelt. In der Kaffeeindustrie vor Ort kann man mittlerweile vier Hauptbereiche unterscheiden: Spezialitäten-Läden, Kleine Cafes, Ketten-Läden und Convenience Stores. In den Spezialitäten-Läden arbeiten ausgebildete Baristas, es wird frischer und selbst gerösteter Kaffee verkauft. Die kleinen Kaffeeläden haben manchmal auch Sitzmöglichkeiten, das Hauptgeschäft besteht aber in dem Verkauf von „Coffee-to-go“. Der Kaffee ist relativ günstig und qualitativ hochwertig. Die Kaffee-Kettenläden wie Starbucks haben sich trotz des deutlich teuren Preises sehr etabliert und werden vor allem häufig von Studenten als Arbeitsplatz genutzt. Doch woher kommt der Kaffee? Genau 1 Prozent des konsumierten Kaffees kommt aus Taiwan selbst- der Rest wird importiert. Den größten Anteil des Imports haben grüne Kaffeebohnen, das heißt noch ungeröstete Kaffeebohnen. Hauptsächlich wird Kaffee aus Südamerika importiert, teilweise auch aus Afrika. Der Import von Fair Trade Kaffee wächst ebenfalls zunehmend. Wenn man in Taiwan zufällig einen Kaffeeladen der Kaffee-Kette „Bar-Den“ entdeckt, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, dort einen Kaffee zu probieren! Der Name „Bar Den“ ist sowohl die Bezeichnung für eine taiwanische Kaffeekette als auch für eine Kaffeesorte, die in Gukeng Township/Südtaiwan angebaut wird. Dieses Anbaugebiet hat ein ähnliches Klima wie Jamaika, woher der weltberühmte „Blue Mountain Coffee“ kommt. Es gibt zwar noch andere Kaffeeplantagen in Taiwan, zum Beispiel in Tainan County oder Nantou County, allerdings ist trotz der ebenfalls hervorragenden Qualtiät die produzierte Menge an Kaffee zu gering und reicht nur für den lokalen Bedarf aus. Gukeng hat sich mittlerweile als Kaffeeanbaugebiet etabliert, es gibt bereist über 50 Coffeeshops in Taiwan, die frisch gerösteten taiwanischen Kaffee anbieten. Da Kaffeeanbau eine sehr zeitaufendige Arbeit ist, die Kosten dabei sehr hoch sind und in Taiwan nur begrenzt geeigentes Land für den Anbau vorhanden ist, wird Kaffee aus Taiwan wohl nie mit ausländischen Kaffeesorten konkurrieren können, da der Verkaufspreis von taiwanischem Kaffee zu hoch ist. Das Angebot an Kaffeeläden in Taiwan wird immer besser- besonders Taipei entwickelt sich mittlerweile zu einem regelrechten „Kaffee-Paradies“!

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Das Padouva Cafe in Gongguan/Taipei. Ein gutes Cafe, um zu arbeiten und seinen Kaffee zu genießen (sehr gutes WiFi).

Die Auswahl an Cafes und Kaffeeläden in Taipei ist beeindruckend- manchmal auch etwas erdrückend, weil man gar nicht mehr weiß, in welchen Kaffeeladen man nun gehen soll. Doch es gibt Hilfe- falls man kein Chinesisch spricht, gibt es nun im Internet auch immer mehr Kaffeeratgeber/Blogs, wo man Tipps und Vorschläge bekommt. Wer Kaffee liebt, der wird Taipei nicht mehr verlassen wollen- zu gut und auch günstig ist der Kaffee, den man dort an jeder Straßenecke bekommen kann!

Hier noch ein paar nützliche Links:

http://www.taipeitrends.com.tw/a-coffee-a-day-our-5-favorite-cafes-in-taipei/

http://lifeoftaiwan.com/food-drink/coffee/ http://taiwanlovescoffee.tumblr.com/

von Maria Elisa Legelli

Taiwans Baseballgeschichte – im Sonntagsmagazin im Januar

Dr. Andrew Morris, Professor für moderne chinesische und taiwanische von der Cal Poly Universität in Kalifornien, hat neben Geschichte eine weitere Leidenschaft – Sport. In seiner akademischen Tätigkeit hat er diese beiden Leidenschaften immer wieder kombiniert und ist dabei tief in Taiwans Sportgeschichte eingedrungen.

Professor Andrew Morris

Professor Andrew Morris

So hat Professor Andrew Morris z.B. vor einiger Zeit das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ herausgegeben, aber auch sonst sehr viel Forschung über Taiwans und Chinas Sportgeschichte betrieben. Morris Book

 Und ich hatte das Glück, dass Professor Morris sich freundlicherweise bereit erklärte, ein Interview mit mir durchzuführen, was sich so interessant entwickelte, dass es statt der angedachten 15-20 Minuten letztendlich eine Stunde dauerte. Daher steht das Sonntagsmagazin im Januar ganz im Zeichen von Taiwans Sportgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Baseball. Eine kleine Übersicht darüber, was sie im Gespräch mit Professor Andrew Morris erwartet:

1. Teil am Sonntag, den 5. Januar 2014

Professor Morris erzählt darüber, was ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal nach Taiwan brachte und wie sein Interesse am taiwanischen Sport insbesondere Baseball geweckt wurde. Ausserdem geht Professor Morris auf C. K. Yang ein, den vielleicht ersten taiwanischen Weltklasseathleten, der nicht nur bei den Olympischen Spielen 1960 im Zehnkampf die Silbermedaille gewann, sondern 1963 auch den Weltrekord im Zehnkampf hielt.

C K Yang Sports Illustrated

C K Yang auf der Titelseite von Sports Illustrated
(Dezember 1963)

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C K Yang in UCLA
mit Freund und Rivalen Rafer Johnson
und Trainerlegende Ducky Drake

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

2. Teil am Sonntag, den 12. Januar 2014

Im zweiten Teil des Gespräches geht Professor Morris darauf ein, wie sich die Idee für das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ entwickelt hat, und geht dann natürlich auf den Inhalt des Buches selber ein. Zunächst geht es darum, welche Rolle Baseball in der japanischen Kolonialzeit bei dem Versuch, Taiwan zu japanisieren, gespielt hat. Denn Baseball kam nicht durch Amerikaner sondern durch die Japaner nach Taiwan und entwickelte sich zu einem wichtigen Werkzeug bei der versuchten Japanisierung der Taiwaner – sowohl der mit hanchinesischem Ursprung als auch der Ureinwohner.

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Das berühmte Kano Team aus Chiayi (1931)

3. Teil am Sonntag, den 19. Januar 2014

Dann endete der zweite Weltkrieg und Taiwan wurde der Republik China zugeführt. Das hatte auch Einfluss auf den Baseball in Taiwan, denn der eigentliche neue Nationalsport der Republik China war in erster Linie Basketball und Baseball wurde von der neuen chinesischen Regierung als Teil der japanischen Kultur angesehen. Doch auch wenn Baseball nicht die gleiche Förderung erfuhr wie Basketball, wurde er jedoch nicht unterdrückt, denn die Regierung sah Sport als sehr wichtig an, und der beliebteste Sport in Taiwan zu der Zeit war Baseball. Und natürlich erzählt Professor Morris von den berühmten Little League Teams Taiwans, die in den 70er Jahren die Welt dominierten. Doch dabei spielten diese Teams nicht nur eine sportliche Rolle, sondern auch eine politische Rolle. Das mussten die Amerikaner und die amerikanischen Medien mit Erstaunen feststellen, als sie Zeuge davon wurden, dass es während der Endspiele in den USA zwischen Fans, die alle die taiwanischen Little League Teams unterstützten, immer wieder zu Schlägereien kam.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

4. Teil am Sonntag, den 26. Januar 2014

Welche Rolle spielt Baseball im modernen Taiwan und welchen Einfluss hatten und haben die Wettskandale? Professor Morris legt seine Schlussfolgerung dar und geht nochmal auf die interessanten Widersprüche der Baseballgeschichte Taiwans ein. Außerdem nimmt er Stellung zu der scheinbaren Widersprüchlichkeit bei der Einstellung vieler Taiwaner zum Sport – das Verlangen nach internationalem Erfolg taiwanischer Athleten bei gleichzeitigem Widerstreben, die eigenen Kinder eine Sportlerkarriere einschlagen zu lassen.

Mehr über Professor Andrew Morris kann man auf dieser Webseite von Cal Poly erfahren:

http://cla.calpoly.edu/hist_morris.html

Und hier mehr zum Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“:

http://www.amazon.com/Colonial-Project-National-Game-Baseball/dp/0520262794

Übrigens arbeitet der taiwanische Regisseur We Te-sheng (Cape No. 7, Seediq Bale) an einem Film über das berühmte Kano Baseballteam aus dem zentraltaiwanischen Chiayi, das 1931 an den Oberschulmeisterschaften des gesamten japanischen Reiches teilnahm und den zweiten Platz belegte.

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Dieser Film soll im Februar 2014 in die Kinos kommen –  und hier eine kurze Vorschau:

http://www.youtube.com/watch?v=BlXvc-Nd2xg

Ilon Huang

„Weihnachtsfeier“ Weiya-Party ( 尾牙) bei Radio Taiwan International

Was bei uns die betriebliche Weihnachtsfeier ist, entspricht im taiwanischen Kulturkreis die Weiya-Party (Chinesich: 尾牙) und gehört insbesondere in Taiwan zu einem der Höhepunkte zum Jahresende. Einem Jahresende  nach chinesischer Zeitrechnung, genau dem 16. Tag des zwölften Monats des Mondkalenders.

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Vorbereitung

RTI-Präsident mit einigen Mitarbeitern der vietnamesischen Abteilung kurz vor dem Show-Down

Das erste der  beiden Zeichen des Begriffes  bedeuten „Schwanz“ oder auch „Ende“, das letztere „Zahn“, früher wurde damit aber der Markthändler bezeichnet, der sich dann zum Jahresende dem Erdgott gegenüber erkenntlich zeigte.

Traditionell war es früher eine jährlich stattfindenden Dankeszeremonie zu Ehren des Erdgottes, ihm fällt die nicht ganz unwichtige Aufgabe zu, für Reichtum zu sorgen.

Heute ist dies in etlichen Betrieben Taiwans eine soziale Veranstaltung zum Abschluss des Geschäftsjahres, der Boss oder die Geschäftsführung bedankt sich damit bei seinen Angestellten für den harten Einsatz.

Neben dem Beisammensein bei einem opulenten Mahl kommt auch der Spass nicht zu kurz. Es gibt etliche Wettbewerbe, bei denen es Preise zu gewinnen gibt und Darbietungen der Angestellten, teils auch der Chefs.

Wer ist der neue Shooting-Star?

Wer ist der neue Shooting-Star?

Eine besonders gelungene Elvis-Auferstehung gewann den ersten Preis

Eine besonders gelungene Elvis-Auferstehung gewann den ersten Preis

...doch dabeisein ist alles...

…doch dabeisein ist alles…

Die taiwanesischen Angestellten laufen dabei zur Hochform auf. Oft hat man den Eindruck, dass sie förmlich auf diesen Tag warten und die Bühne als Sprungbrett für einen Entritt in das Schowgeschäft nutzen wolllen.

Bei den RTI-Kollegen hat man oft sogar den Eindruck, sie kommen alle aus dem Showgeschäft und haben noch nie etwas anderes gemacht. Hochdotierte deutsche TV-Showmaster und Conferencies wirken da wie biedere Anfänger, dies ist nicht dahergeredet.

Gang Nam Style mit doppeltem Bauchtanz

Gang Nam Style mit doppeltem Bauchtanz

Was nicht fehlen darf , ist eine Verlosung, bei der es oft Sachgewinne und auch mal Geldpreise zu gewinnen gibt.

Wurden im letzten Jahr Handies, Fahrräder und computerähnliche Geräte aller Art verlost, gab es in diesem Jahr Geldpreise. Angefangen von Kleinstgewinnen von 100 NTD bis zu 30.000 NTD, immerhin knapp 800 EUR, der Preis wurde leider nur ein Mal verliehen. Die deutsche Abteilung blieb diesmal vom Glück verschont, doch vielleicht läutet es ja im nächsten Jahr.

RTI-Quiz

Dann wurde es ernst beim beliebten RTI-Quiz

...mit überraschendem Ausgang...

…mit überraschendem Ausgang…

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...kulinarisch kam niemand zu kurz....

…kulinarisch kam niemand zu kurz….

Natürlich wird bei einer echten Weiya-Feier ordentlich gegessen, das beliebte Gericht „Buddha springt über die Wand“  (Chinesisch : 佛跳牆) darf dabei natürlich auch nicht fehlen . Keine Frage, auch für dieses Gericht gibt es eine Legende. Angeblich soll es so gut schmecken, dass man damit auch die sich vegetarisch ernährenden Mönche über die Klosterwand springen lassen kann, wenn dieser Geruch ihre Nasenspitze erreicht. So soll es zumindest dem Volksmund nach einmal geschehen sein, vor einer Weile im südchinesischen Fuzhou.

(von Frank Pevec)

Das Laternenfest in Taipei bei Tag

Am Montag den 6. Februar 2012 findet das diesjährige Laternenfest statt. Es ist nach dem chinesischen Mondkalender der 15. Tag des neuen Jahres und schliesst die Feierlichkeiten zum Chinesischen Neujahr oder Frühlingsfest ab. Zwar findet in Taiwan das Hauptlaternenfest jedes Jahr an einem anderen Ort statt, doch natürlich haben auch die anderen Städte und Orte immer ein Laternenfest, mal größer mal kleiner. So auch die Stadt Taipei, und zwar findet es in der Gegend um die Sun-Yat-Sen Gedenkstätte und dem Rathaus von Taipei statt. Dazu werden unzählige Laternen in verschiedenen Größen und Formen aufgestellt und es gibt auch die eine oder andere Aktivität oder Vorführung. Damit auch möglichst viele Menschen möglichst lange etwas von dem Laternenfest haben, dauert es an vielen Orten etwa zwei Wochen und beginnt oft schon einige Tage vor dem eigentlichen Tag des Laternenfestes. Und so hatte ich schon vorher die Möglichkeit einmal während des Tages zwischen den Laternen umherzuspazieren. Natürlich sind bei Nacht die Effekt wirkungsvoller, aber immerhin hatte ich so etwas Platz, um überhaupt nah genug an die Laternen heranzukommen, was am Abend dann doch schwieriger wird. Die Laternen haben traditionell die Formen von Göttern, Sagengestalten, Helden, symbolträchtigen Tieren und natürlich auch der chinesischen Tierkreiszeichen, wobei das Tierkreiszeichen des jeweiligen Jahres dominiert. D.h. in diesem Jahr der Drachen. Aber auch moderne Figuren, wie Comicfiguren haben heutzutage ihren Platz während des Festes. So gab es diese Motive natürlich auch alle in Taipei zu sehen. Hier nun also ein paar Eindrücke.

Aladins Lampengeist begrüsst die Besucher

Aladins Lampengeist begrüsst die Besucher

Kein Drache - sondern ein Qilin (麒麟), ein anderes Fabelwesen

Kein Drache - sondern ein Qilin (麒麟), ein anderes Fabelwesen

Die Götter des Wohlstands in moderner Ausführung

Die Götter des Wohlstands in moderner Ausführung

Moderne Comic/Weltalllaternen

Moderne Comic/Weltalllaternen

Das schöne Wetter hat hunderte von Interessierten zur Sun-Yat-Sen Gedenkstätte gelockt, um die Laternen zu bewundern

Das schöne Wetter hat hunderte von Interessierten zur Sun-Yat-Sen Gedenkstätte gelockt, um die Laternen zu bewundern

Auch die Gänge der Gedenkstätte sind mit Laternen geschmückt

Auch die Gänge der Gedenkstätte sind mit Laternen geschmückt

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Die Hauptlaterne des Taipeier Laternenfestes - natürlich ein Drache

Die Hauptlaterne des Taipeier Laternenfestes - natürlich ein Drache, der sich nicht nur drehen, sondern auch seinen Mund bewegen kann

Auch am Tag gibt der Drache alles - eine Wassershow

Auch am Tag gibt der Drache alles - eine Wassershow

Diese Laternen sind unverkennlich vom Unternehmen Tatung gesponsort

Diese Laternen sind unverkennlich vom Unternehmen Tatung gesponsort

Hier die Götter des Wohlstandes in einer eher klassischen Aufmachung

Hier die Götter des Wohlstandes in einer eher klassischen Aufmachung

Karpfen tanzen vor dem Taipei 101

Karpfen tanzen vor dem Taipei 101

Der fliegende Drache...

Der fliegende Drache...

...und der tanzende Phönix

...und der tanzende Phönix

Der Drache auf den neun Karpfen

Der Drache auf den neun Karpfen

Noch ein Drache

Noch ein Drache

Mazu darf natürlich auch nicht fehlen

Mazu darf natürlich auch nicht fehlen

Bewacht von einigen Göttern

Bewacht von einigen Göttern

Von Ilon Huang