Wenn nur der Wind nicht wäre-Radfahren an der Ostküste

Die Geografie Taiwans lässt sich in acht Wörtern zusammenfassen: Im Westen nur Städte, im Osten nur Gebirge. Und Gebirge heißt auch wirklich Gebirge. Der höchste Berg Taiwans-der Yushan (玉山)-misst knapp 4.000 Höhenmeter. Ganz im Osten fallen die Bergketten steil ab und treffen auf den Pazifischen Ozean, es gibt nur wenig Platz zwischen Berghängen und Meer. Darum finden sich an der Ostküste Taiwans auch nur sehr wenig  Städte, vor allem Hualien und Taitung. Ausreichend Platz ist aber für eine Straße direkt am Meer, auf der man großartig Fahrrad fahren kann.

Ende Dezember bin ich mit sechs Freunden diese Strecke gefahren. Von Taitung im Süden nach Hualien im Norden, etwa 190 Kilometer, insgesamt drei Tage. Unter Radfahrern hat sich die Ostküste Taiwans mittlerweile als Ziel herumgesprochen. Aus gutem Grund. Man muss nur einer einzigen Straße folgen, die immer direkt am Meer entlangführt. Der Verkehr ist nicht sehr stark und es gibt sogar einen breiten Seitenstreifen extra für Fahrradfahrer. Nicht mal ein eigenes Fahrrad ist von Nöten. In Taitung können diese ausgeliehen und in Hualien wieder zurückgegeben werden. Anders herum geht auch. Für drei volle Tage haben wir pro Rad etwa 40 Euro Leihgebühr bezahlt. Für gute Fahrräder, voll ausgestattet. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich überall am Weg, auch wenn beim Einchecken Chinesischkenntnisse nützlich sind.

Wer jetzt denkt, dass 190 Kilometer für drei Tage nicht gerade viel sind, der hat Recht. Auf den ersten Blick. Die Strecke kommt zwar nicht ohne Steigungen aus, ist aber in dieser Hinsicht auch recht harmlos. Das Problem ist ein ganz anderes: Der Wind. Vielleicht lag es an der Jahreszeit, in der wir unterwegs waren: rund um den Jahreswechsel, vom 30. Dezember bis zum 1. Januar. Der Wind war so stark, dass aus den etwa 60 bis 70 Kilometern pro Tag locker gefühlte 120 bis 140 wurden. Dass wir genau in die andere Richtung hätten fahren sollen, von Hualien im Norden nach Taitung im Süden, wurde uns recht schnell klar. So fanden wir es schon am ersten Tag verdächtig, dass wir doch relativ viele Radfahrer trafen, uns aber alle entgegenkamen. Immerhin haben sie uns freundlich gegrüßt, mit einem mitleidsvollen Lächeln, kompletter Rennradausrüstung und Rückenwind.

Aber gelohnt hat es sich in jedem Fall. Meistens fuhren wir direkt an der Küste, manchmal, wenn die Berge zu nahe ans Meer heranrückten, führte unser Weg etwas hinauf in die Berge, wobei man dann aber immer durch einen wunderbaren Ausblick entlohnt wurde. Und durch die frische Luft. Unsere ganze Gruppe hatte sich in Kaohsiung kennengelernt, wo wir ein Semester zusammen studiert hatten. Danach wurde uns an der Ostküste zum ersten Mal wieder klar, wie gut die Luft außerhalb einer Großstadt sein kann. Und wie klein und nett die ganzen Ortschaften waren, durch die war kamen.

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Meer und Berge, ansonsten nichts

Am meisten aber hat uns die Herzlichkeit der Taiwaner erfreut. Nein, man muss sagen angetrieben. Egal an welchem Punkt unserer Reise, an wem auch immer wir vorbeifuhren, er rief uns ein freundliches jiayou! (加油) zu. Zu Deutsch: Gebt Gas! Ein Jahreswechsel also der ganz besonderen Art.

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – Von Kaohsiung zurück in die Hauptstadt Taipei

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – 6. Tag  –  von Kaohsiung bis nach Chiayi (138 km )

Gut die Hälfte des Weges ist zurückgelegt, jetzt geht es wieder stramm nach Norden in Richtung Hauptstadt durch die dichtbesiedelte Westhälfte der Insel. Die heutige Etappe führte uns von Kaohsiung über Tainan bis nach Chiayi, mit 140 km stand die längste Etappe auf dem Programm.

 Weiterhin wunderschönes Wetter bei 30 Grad, allerdings stellte ging es diesmal nur sehr schleppend zum in das eigentlich recht nahe liegende, nur 30 km entfernte Tainan. Kaohsiung ist mit gut 1,5 Mio. Einwohnern Taiwans zweitgrößte Stadt.

Der Verkehr von Kaohsioung war sehr intenstiv, etliche knatternde Mopeds PKWs und LKWs sorgten für Geräuschkulisse und dicke Luft, zudem kam man wegen der zahlreichen Ampeln kaum voran.

 Tainan und Kaoshiung wachsen immer mehr zusammen, zudem befindet sich nahezu sämtliche wirtschaftliche Aktivität an der Westküste, entsprechendicht ist es dort besiedelt. Nur ein Drittel der Fläche ist bewohnbar. So kommt man schnell auf eine Bevölkerungsdichte von 2000 Personen pro km2, inklusive unbewohnter landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Rast machten wir in einem Museums-Park für Merkwürdigkeiten mit dem Namen „Glaub es oder glaub es nicht“.

Irgendwann erreichten wir Anping, einen Vorort von Tainan. Dieser Ort hat nicht nur historisch mit die ältesten Gebäude Taiwans aufzuweisen, sondern ist auch für seine kulinarischen Spezialitäten bekannt, vornehmlich Seafood,  Tainan liegt küstennah.

Nach einem ausgezeichneten Mittagesseen ging es bei über 30 Grad weiter, es wurde richtig heiss, doch zum Glück weg von der Hauptstraße, vorbei an Feldern und Fischteichen.

Im Dunkeln erreichte man nach einem langen Tag das etwas verschlafene Chiayi. Dort scheinen die nettesten Taiwanesen zu leben. Freundlich neugierig zeigten sie sich sehr interessiert, mehrfach wurden wir auf unserem Weg zum Restaurant angesprochen. Durch kleine Gassen ging es, in denen wir zwei auffällig grosse und schöne Tempelanlagen entdecken konnten.

 

Abendessen gab es in einem einfachen Restaurant in der Innenstadt, die aus lediglich einer Hauptstraße zu bestehen scheint.

Gegessen wurde heute mal eine ganz einfache, lokale Küche, die aber immer schmackhaft ist. Sollte es nebenan eine Spezialität geben: Kein Problem, bestellen und rüberbringen lassen!

Kurzum: Chiayi ist zwar nicht spektakulär, die Bewohner vermittelten uns aber ein äußerst positives Lebensgefühl. Von hier kann übrigends man mit der berühmtesten Bergbahn Taiwans den Berg Ali erklimmen. Dieser liegt ca. 70 km von Chiayi entfernt, die Bahn schraubt sich dann bis in 2500 Meter Höhe.

Formosa 900 – 7. Tag – Chiayi nach Taichung (85 km)

Vor dem Start erst ein ausgiebiges Frühstück mit allerlei frischen Dingen. Abgenommen habe ich auf der Fahrt nicht, wahrscheinlich wegen des Muskelzuwachses in den Oberschenkeln.

Nächste Etappe war Taichung, die Metropole Zentraltaiwans und mit gut 1 Mio. Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes.  Lediglich 85 km, das war mittlerweile eine kleine Übung. Das Wetter war weiterhin warm und sonnig, etwas mehr Gegenwind gab es, zum Glück führte uns die Strecke weg von den Hauptstraßen durch verkehrsärmere Gegenden.

Zum Mittagessen besuchten wir ein vom Expräsidenten Chen Shui-bian favorisiertes einfaches Restaurant.

Allez , allez, was tut mir alles weh….

Bei der Nachmittagspause mussten doch einige den Temperaturen, der letzten Woche und wohl auch dem guten Essen Tribut zollen.

Langsam näherten wir uns der Stadtgrenze Taichungs. Auf dem Programm stand noch ein Besuch bei der Verkaufszentrale des Tourveranstalters GIANT.

Dort war man natürlich informiert und vorbereitet, lautstark wurden wir von einem Heer taiwanischer Vuvuzeela und  Chinaböllern empfangen.

Tony Lo, der CEO von GIANT, stellte uns dort vor, wie GIANT auf einem justierbaren Modellrad für seine Kunden die optimalen Fahrradmaße ermittelt. Dies soll in allen größeren Zentralen von GIANT möglich sein.

Day 8 (Nov. 17) Taichung – Hsinchu (110 km)

Bei der Rückfahrt Richtung Norden gerieten wir immer stärker unter den Einfluss des Nordwestmonsuns, im Klartext: Es wehte bereits ein recht strammer Gegenwind, zudem war es jetzt Schluss mit dem Sonnenschein.

Heute galt es 110 km bis nach Hsinchu zu bewältigen. Die Kondition war mittlerweile deutlich verbessert, kleiner Steigungen konnten mühelos auch mit dem großen Zahnkranz bewältigt werden, man war gut im Tritt und hatte seinen Lebensrhythmus mühelos an die neuen Anforderungen angepasst:

Aufstehen , Essen , Morgengymnastik, Fahrradfahren, Essen, Schlafen. Um mehr brauchte man sich nicht zu kümmern, der Alltag war weit weg und wurde von niemandem vermisst .

Doch auch am Morgen des achten Tages, im warmen Hotelbett liegend, fühlten sich die Beine etwas dicker, etwas schwerer an und wiesen ein leichte Druckempfindlichkeit auf. Es handelte sich um eine bisher unbekannte, leichtere Form von Muskelkater, welcher zum permanenten Begleiter geworden war und einen erst drei bis vier Tage nach der Radtour verlassen sollte.

Die Geräusche nach dem Weckruf versprachen nichts Gutes: Regen trommelte gegen die Scheiben des angenehmen, nicht ganz unluxuriösen Hotels in Taichung, der Nordostmonsun versteckte sich nicht mehr und ließ die Werbeflaggen heftig im Wind flattern.

Heute hieß es mal wieder hinein in das Plastikregencape., welches unsere aufmerksamen unermüdlichen Helfer des GIANT-Teams zur Verfügung stellten.

Bei ordentlich Wind und nachlassendem Regen raus aus dem Talkessel von Taichung Richtung Küste und Hafen und dann immer dem Gegenwind entlang, auf irgendwelchen Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr.

Erster Stop am Samstagmorgen war der berühmte Zhenla-Tempel von Dajia. Hier beginnt jährlich die große Prozession der Tempelgöttin Matzu, ihre Reise in den Süden einschließlich Rückkehr statt.  Matzu ist die Schutzpatronin der Fischersleute und daher in Taiwan sehr beliebt. Der Tempel genießt hohes Ansehen und war an diesem Samstagmorgen gut besucht.

Besonders auffällig war die lange Schlange mit Neuwagen im Vorhof des Tempels.

Der Grund: Der Tempel hat seine Schutzdienste ausgeweitet, professionelle Kräfte sorgen dafür, dass der Wagen im Verkehr gegen böse Geister geschützt ist, eine Art „Geisterversicherung“. Den zuckenden Bewegungen und ausgestoßenen, äußerst seltsam klingenden Tönen des Profi-Beschwörers  nach zu urteilen waren die 6-7 EUR Gebühr gut investiertes Geld.

Mittag hatten wir dann mittlerweile vom Regen pitschnass zusammen mit einer Hochzeitsgruppe im gleichen Restaurant.

Am Nachmittag dann der Härtetest: Starker permanenter Gegenwind mit teils heftigen Schauern bei nur noch 16 Grad ließen die Strecke bis nach Hsinchu deutlich länger erscheinen.

Das Abendessen in Hsinchu wurde diesmal individuell auf dem in der Nähe liegenden Nachtmarkt eingenommen.

9. Tag: Von  Hsinchu nach Taipei  (84 km)

Auch der heutige Tag stand im Zeichen des Nordwestmonsuns, Gegenwind mit Regenfällen bei ungemütlichen Temperaturen von 16 Grad, zum Nachmittag stellte uns dann der Regen nochmals auf die Probe.

Stramm in die Pedale tretend erreichten wir dann am Nachmittag das Rathaus von Taipei , wo wir zur „Siegerehrung“ empfangen wurden, das ganze natürlich notariell beglaubigt.

Eine erlebnisreiche Zeit mit vielen positiven Eindrücken, eine Reise, bei der man etliche nette Leuten kennen gelernt hatte, fand damit ihr Ende. Eine gutgelauntes und engagiertes Begleitteam sorgten für einen reibungslosen Verlauf der Inselumrundung. Die Tour steht übrigends allen offen, es handelt sich um keine geschlossene Gesellschaft. Eine gute Möglichkeit, mit Taiwanesen gmeinsam die Insel zu umrunden und Land und Leute näher als sonst kennenzulernen.

Eine Welt ohne Fahrrad? Unmöglich!

Text und Fotos: Frank Pevec

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – Vom Südosten bis zur Hafenstadt Kaohsiung

4. Tag: Vom Thermalort Chiben nach Checheng an die Südküste  (108KM)

Heute die Fortführung der Fahrradtour „Formosa 900“, einmal herum um Taiwan.
In der Zwischenzeit kam sie leider etwas ins „stocken“, klassischer Fall von „Hardware-Schwäche“, die letztlich in den Griff bekommen wurde. Die „900“ steht für die Anzahl der Kilometer, die es dabei zurückzulegen galt.

Im ersten Teil ging es von Taipei Richtung Yilan an die Ostküste, weiter nach Hualien und von dort über den Thermalort Ruishui zum Thermalort Chiben, etwa 20 Kilometer südlich von Taidung.

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Das Aufstehen erfolgte am vierten Tag bei herrlichstem Wetter, der Eintritt in die Tropen hatte sich gelohnt. Sonnenschein, aber nicht zu heiss, ein leichte Brise wehte, alles Bestens, bis auf den vermeintlich besiegten Muskelkater.

Die Morgengymnastik erfolgte diesmal im Beisein von neugierigen Reisegruppen vom Festland, denen wir ein beliebtes Fotomotiv darstellten.

Die heutige Etappe war etwa 110 km lang, es ging in das küstennah gelegene Checheng in Südtaiwan, ganz in der Nähe des wohl bekanntesten Badeortes Kending. Eine abwechslungsreiche Strecke wartete auf uns, die alles bot. Küste, Berge und eine schöne Abfahrt ins tropische Binnenland.

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Unendliche Weite des Pazifik

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Im ersten Abschitt führte die Strecke etwa 50 km am Meer entlang. Sanfte Steigungen mit kleineren Abfahrten sorgten für einen abwechslungsreichen beschwingten Rhythmus, dazu gab es weiten Blick auf den Pazifik, auf Wellen und Brandung. Sonne , Wolken und Wasser boten unterhaltsame, fast meditative Lichtspiele, die Küstenstrecke hätte noch viel länger sein können. Der Gedanke an das weit entfernt auf der anderen Seite liegende Amerika verschaffte einem ein Gefühl unendlicher Weite.

Unterwegs hatten wir noch unser tägliches Treffen mit einer weiteren von insgesamt 10 Teilnehmergruppen, die uns entgegen kamen. Am heutigen Tag trafen wir auf die Behinderten-Gruppe, die auf Spezialfahrrädern mit der Kraft ihrer Arme und bei Bedarf elektrisch unterstützt die über 900 km lange Strecke bewältigten.

Danach machten wir uns zur Herausforderung des Tages , und zwar der Erklimmung des Shouka-Passes. Der Name verspricht ein zusätzliches Leben – wenn man es hinauf geschafft hat!

Photo 4 5 6

Die Sonne lief an dem Novembertag dann zur Hochform auf, 30 Grad wurden erreicht, genau das Richtige für die 10 km lange Steigung. Etwa 450 Meter ging es hinauf, ab und an auch etwas steiler. Eine Höhe, die auch für engagiertere Hobbyradler zu erklimmen ist und eine gute Balance zwischen Anstrengung und Abfahrtsfreuden darstellt. Damit hatten wir denn auch die zweithöchste Erhebung auf unserer Tour erklommen, von nun an war Entspannung angesagt, so glaubte man es zumindest.

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

05 Praerie-Durchquerer aller Laender 06 Alles OK

Wer in Taiwan etwas höher hinaus will, kann dies mit Leichtigkeit tun: Fast alle Pässe sind höher als die von uns erklommenen. Der höchste Pass, der Wuling Pass am oberen Ende der Taroko-Schlucht, liegt in der luftigen Höhe von 3275 Metern und ist damit auch der höchste Pass in Südostasien.

Der Shouka Pass befindet sich an der Kreuzung von der Nationalstraße 9 mit der 199. Weiter ging es dann auf der kleineren 199 in Richtung Chiben durch landschaftlich nahezu unberührte Strecke. Die 9 ist die Hauptverbindung zwischen den Kreisen Pingtung und Kaohsiung mit der Ostküste und entsprechend stärker befahren. Fahrradfahrer sollten diese Strecke daher meiden.

Nach einer kurvigen Abfahrt ging es noch zum Dongyuan See mit Gruppenfoto, vorbei an einer Talsperre in Richtung Chiben.
08 Taiwans Sueden

07 Unberuehrter Sueden
Ein schöner runder Tag ging zu Ende, im Hotel angekommen ging es gleich zur Lockerung in das Schwimmbad und in die Sauna.

09 Rast auf dem Weg nach ChechengKending

5. Tag – Von Checheng nach Kaohsiung (100KM)

Von Chechen aus, gut 20 km vom Badeort Kenting entfernt, ging es am fünften Tag in Richtung Hafenmetropole Kaohsiung Richtung Nordwesten, ca. 100 km waren zurückzulegen.

 01 Checheng

Insbesondere die Südhälfte bietet sich Mitte November zum Fahrradfahren an, eine leichte Brise bei 25 bis 28 Grad, was will man mehr. Die ersten 10 km hatte man noch den Blick auf Berge und Hügel zur Rechten, dann verflachte die Landschaft, Felder wechelten sich mit Gewerbeindustrie ab, man näherte sich der Schwerindustrieregion von Pingdong und Kaohsiung, hier befindet sich ein Großteil von Taiwans Stahl- und Chemieindustrie.

02 Spezilitaet der Region

Etliche Schilder wiesen darauf hin, die besten Wasserkastanien zu beissen gibt, das stimmte wohl auch.

03 Wasserkastanie

Wasserkastanien aus Pingdong

Einige kleinere kulinarische Spezilitäten gab es natürlich ebenfalls, insbesondere die heiße und süße Mehlspeise, mit Bohnen und Früchten angereichert auf geraspeltem Eis, hatte es etlichen angetan.

 04 Kulinarischer Spezialitaetenstop

05 Cycle forever05 Wer sein Moped liebt der schiebt

Nach der wunderschönen Strecke im Osten war dies ein eher normaler Tag, es ging aber mit jetzt strammeren Beinmuskeln flott voran, sodass wir uns recht früh am Nachmittag Kaohsioung näherten. So blieb noch ein wenig Zeit für einen kleinen Stadtbummel.  Das Hotel war zentral am Aihe , dem Liebesfluss, gelegen.

06 Metropole Kaohsiung am Liebesfluss

Kaohsiung-Zentrum mit dem Liebesfluß

Zum Abendessen ging es dann ein Stück am Fluss entlang und später an den alten Kaianlagen des Hafens zum Abendessen. Diesmal speisten wir auf einer Veranstaltung des Rotary-Clubs von Kaohsiong, die auch im Zeichen von Formosa 900 stand.

07 Kai der wahren Liebe

Hafenmole der „wahren Liebe“

08 Treffen des Rotary Clubs Kaohsiung

Auch der Rotary-Club im Fahrradfieber

 Kaohsiung hat das Gebiet um den Liebesfluß für die innerstädtische Freizeit gestaltet, Radlerwege sind vorhanden, alte Hafengebäude sind jetzt zu Kunstgalerien und Aktionsstätten geworden, das ganze natürlich mit einem Meer von LED-Lichterketten illuminiert. Nach dem Abendessen schlenderte ich dann, völlig unüblich zu Fuß,  über die Nachtmärkte Richtung Hotel zurück.

09 Kaohsiung am Abend 09 Kaoshsiung am Abend 2

09 Vespa-Oldtimer

Vespa-Revival-Werkstatt

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 Radtour – Rund um die Insel

Formosa 900

Einmal mit dem Fahrrad um die Insel, dass ging einem schon des Öfteren durch den Kopf. Beim morgendlichen E-mail-Check dann die Nachricht des Tapeier Clubs der Auslandsjournalisten: Formosa 900 – Medienvertreter für eine Taiwanrundreise gesucht!

Bewerbungsfrist: bereits abgelaufen…

Egal.

Eine kurze Email-Nachfrage, eine schnelle Antwort, nach der Kleidergröße wurde gefragt und weitere Kontaktdaten des Reiseausrichters GIANT übermittelt…Infoveranstaltung am Samstag in Taipei.

Info-Veranstaltung im GIANT-Shop

… und damit genau 10 Tage Zeit, sich noch ein wenig in Form zu bringen.

Am Vorabend der Rundreise  noch schnell die letzte Trainingseinheit,   ein wenig Hügel mit 300-400 Höhenmetern und zwei lange Sprints, 60 km in 2 Stunden,  man fühlte sich gewappnet – dass sollte reichen.

Das Packen zog sich allerdings ein wenig in die Länge, mit nur einer Stunde Schlaf ging es dann am 10. November um 7:30 Uhr zum frühen Treffpunkt am Rathaus in Taipei. Taiwans herbstlicher November zeigte sich von der besten Seite, Sonne pur, kein Wölkchen am Himmel, 30 Grad könnten es werden.

1. Tag: (Nov. 10) Taipei – Luodong bei  Yilan (86KM)

Bei Ankunft tummelten sich schon hunderte Personen auf dem Rathausplatz. Unter den wohl 100 auf den Boden liegenden Fahrrädern suchte ich mir meines heraus, kleiner Testlauf, kleine Anpassungen, das Rad machte einen guten Eindruck, ich war bereit!
Find your Bike

Offizielle Eroeffnung
Doch erst gab es noch eine Weile ein großes Gewimmel und Medienspektakel: Vertreter von Politik und Wirtschaft waren anwesend, ein Präfekt aus Japan nahm ebenfalls mit einer Gruppe japanischer Fahrradfreunde teil und hatte als Gastgeschenk bergeweise Mandarinen aus Okinawa mitgebracht – somit die Besten , die ich je in meinem Leben gegessen hatte. Typisch chinesisch-asiatisch: schon vor der Abfahrt gab es kleine Spezialitäten.

First Class Mandarinen aus Japanwirklich lecker

Die Teams

Zehn Gruppen mit etwa je 25 – 30 Teilnehmern traten die 9-tägige Tour gleichzeitig an, allerdings von verschiedenen Etappenpunkten aus.  Wir in der Unternehmer- und Mediengruppe reisten im Uhrzeigersinn, alle anderen entgegengesetzt. Zum Mittag oder abends im Hotel traf man dann täglich eine der Gruppen. Es gab eine Seniorengruppe, eine Frauengruppe, eine Behindertengruppe, Firmengruppen etc. , insgesamt wollten ca. 300 Personen im Rahmen von Taiwans Fahrradfestival die gut 900 km um die Insel strampeln – eben Formosa 900.

Mit viel Tamtam verließen ca. 250 Radler das Rathaus, darunter auch der 78 jährige Gründer der Fahrradschmiede GIANT, der mit 74 Jahren die Formosa 900 Rundfahrt ins Leben gerufen und auch geradelt ist. Diesmal reiste er aber aus nicht weiter genannten Gründen nur am ersten Tag ein Stück mit des Weges.

Die erste Pause wurde schon nach gut 10 km in Bitan eingelegt, dort gab es ein großes Verabschieden, dort trennten sich die Gruppen, wir fuhren in den Osten , die anderen Richtung Westen.

Flussufer bei Bitan

Für alle die zu Besuch in Taipei sind: Man muss nicht gleich um die Insel fahren, hier kann man auch gemütlich an einem Tag die Stadt auf Fahrradwegen am Flußufer umrunden, etwa 50 km lang ist die Strecke, auf der man vom normalen Verkehr verschont bleibt und den Talkessel von Taipei angenehm entdecken kann. .

Die erste Etappe der Formosa 900 war gleich die „Königsetappe“ – zumindest wähnte ich mich anfangs in dem Glauben, es gäbe nur diese eine. Etwa 100 km von Taipei ging es immer die Hügel durch das Teeanbaugebiet um Pinglin hinauf bis nach Luodong an die Ostküste.

Teehuegel Richtung Pinglin

Von Bitan bis zur nächsten Raststätte waren es 30 km bergauf mit Steigungen von bis zu 9% , ein würdiger Anfang für den Rest der Reise.

Das Thermometer erreichte die befürchteten 30 Grad, der wenige Schlaf und die späte Trainingseinheit am Vorabend machten sich bei dem langen Anstieg Richtung Yilan bemerkbar.

Pinglin

Das man Tee nicht nur trinken kann, erfuhren wir dann beim Mittagessen: Frittierte Teeblätter, Teekekse und Teebonbons, Pinglin hat auch kulinarisch einiges zu bieten. Ansonsten gab es deftige Kost vom Lande, gerade richtig für hungrige Radler.

Nach dem Essen ging es wieder bergab und bergauf, irgendwann war es dann geschafft, erleichtert konnte man am späteren Nachmittag den Blick aus etwa 500 Metern Höhe über die Tiefebene der Ostküste genießen.

Pass von Yilan

Blick auf die Tiefbebene von Yilan – 500 Höhenmeter in Serpentinen bergab

Tiefebene von Yilan

Tiefebene von Yilan

Lediglich eine etwa  15 km lange Serpentinenabfahrt galt es noch zur Belohnung zu bewältigen, der Rest verlief dann im Flachen durch das dichtbesiedelte  Ortschaften bis Luodong.

Wie selten genoss man die warme Dusche am Abend, und auch für das Abendessen war man nach dem langen Tag wohl präpariert, es schmeckte vorzüglich. Ungewöhnlich früh um 10 Uhr legte man sich auf ein himmlisch weiches Bett und sank in einen wohligen Tiefschlaf.

2. Tag:  Luodong – Hualien – Ruisui (90 km)

Morgengrauen in Luodong

Morgengrauen in Luodong mit der Schildkröteninsel im Hintergrund (links)

Der Morgen begann natürlich erstmal mit einem stärkenden Frühstück, etliches aus Taiwans Küche wurde aufgefahren, doch auch ein westliches Frühstück liess sich leicht aus dem großen Büffett zusammenstellen. Eine große Palette an Früchten und Salaten neben deftiger Kost wurde ebenfalls angeboten.

Asiatisch gesund

Ein Bruchteil dessen, was das Frühstücksbuffet zu bieten hatte.

Der Morgen begann mit einem kurzen 10 km – Antritt bis zur kleien Hafenstadt Suao, auf dem Weg dahin wurde noch ein etwas längerer Photostopp eingelegt, nicht der letzte auf der Reise, um dann von Suao  aus mit der Bahn 80 km weiter in Richtung Hualien zu fahren.

BizMedia Team

Der Grund: die Strecke ist für den Fahrradverkehr gesperrt. Etliche z. T. mehr als 2 km lange Tunnel müssen auf der an der Steilküste liegenden Straße passiert werden. Da es die Hauptverkehrsader an der Ostküste ist, herrscht dort reges Verkehrsaufkommen und etliche ambitionierte Lastwagenfahrer oberhalb der 20 to Klasse mit anscheinend größeren Zeitproblemen sind dort anzutreffen.

Trotz der landschaftlichen Schönheit ist diese Strecke nicht nur für Fahrradfahrer sondern auch für Rollerfahrer recht gefährlich. Neben des erhöhten Risikos von Steinschlag können die einsatzfreudigen Lastwagenfahrer eine echte Gefährdung darstellen, u.a. werden dort riesige, etliche Tonnen schwere Marmorplatten auf den kurvigen und bergigen Straßen transportiert. Als Zweiradfahrer fühlt man sich angesichts dieser Riesen in der Tat ziemlich deplatziert und sehnt sich plötzlich nur noch nach seinem sicheren Heim.

Daher zu dieser Strecke mein absolutes Nein, die Bahnfahrt ist auch nicht schlecht und bietet ebenfalls des öfteren einen schönen Panoramablick auf die Ostküste Taiwans.

Bahnwagon

Tunnelmarathon nach Huelien

Suao-Hualien-Bahnfahrt

Inkognito

Inkognito

In Hualien ging es dann erstmals zum Mittagessen und relativ spät, um halb Zwei, konnte man dann endlich wieder einige Kalorien abarbeiten. Doch fehlgeschlagen, eine weitere „Stärkung“ galt es zu bewältigen: Eine lokale Spezialität namens Douhua, Doufu-Pudding !

Auf der Bundestraße 9 radelten wir im Binnenland weiter Richtung Süden, der schon am Morgen wolkenverhangene Himmel wurde noch ein wenig dunkler, ab und an ein bischen Regen, am Abend dann etwas mehr.

Ruishui liegt in einem immergrünen Talbecken, mystisch wolkenverhangen oder mit Fernblick auf das blauschwarze Gebirge – je nach Wetterlage – doch beides hat seinen Reiz. Der Ort ist wegen seiner extrem mineralstoffhaltigen Quellen in ganz Taiwan beliebt und bekannt – und genau das richtige Wasser für verhärtete Radlerbeine. Die fühlten sich mittlerweile mindestens 5 cm dicker an und schmerzten schon bei leichtem Druck recht ordentlich- klassischer Fall von Muskelkater. Auch am heutigen Abend schlief es sich hervorragend und erneut zu ungewohnt früher Uhrzeit.

3. Tag: (Nov. 12) Ruisui – Zhiben (123KM)

Die dritte Etappe der gut 900 km langen Taiwanumrundung führte vom Thermalort Ruisui im Osten des Landes zum Thermalort Zhiben etwa 20 km südlich von Taidung. Obwohl beides Thermalorte sind, gibt es deutliche Unterschiede: In Ruisui ist das Wassser enorm mineralstoff- und eisenhaltig, es läuft in der Tat braun aus der Leitung, das perfekte Sportlerwasser.

In Zhiben ist das Wasser besonders weich, es fühlt sich fast wie flüssigerer Wackelpudding an und verschafft einem eine besonders weiche Haut, Zhiben ist daher oft bei der Damenwelt beliebt.

Doch noch waren wir nicht dort,  es stand eine der längeren Etappen auf dem Programm. Schlappe 125 km auf der Nationalstraße 9 galt es zu bewältigen, immer weiter im Tal des östlichen Grabens Richtung Süden.

Das Einschlafen bereitet einem auch am dritten Tag keine Probleme, ähnlich verhält es sich mit dem Aufstehen. Sehr früh um halb fünf mit dem ersten Hahnenschrei wurde ich wach, deutlich vor der Abfahrtszeit. Ein Plätschern von Regentropfen war auszumachen. Mal leise Aufstehen , nicht meinen Zimmerkollegen Ruben wecken, doch: Ruben ist nicht da! Etwas verwundert löst sich dies dann auf: Er nutzte schon die dunkelgrauen Morgenstunden, um in der Gartenanlage unseres Hotels, eher eine Ansiedlung kleinerer, komfortabler Holzhäuser, seine Taiqi-Übungen zu machen. Ein mystischer Regen verstärkte das Gefühl von Ruhe und Abgeschiedenheit , recht passend zum Taiqi,  für das Fahrradfahren gibt es natürlich bessere Bedingungen, doch als kalt wurden die 22 Grad nicht empfunden.

Endlich um 6 Uhr 30 ging es los, die Abfahrtszeit kam mir mittlerweile etwas spät vor – so schnell kann eine Nachteule seinen Lebensrhythmus wechseln.

Auf das Plastikregencape verzichtete ich angesichts der aktzeptablen Temperaturen,es gab nur noch Nieselregen. Meine Spekulation, dass der Einfluss des Nieselregens geringer ist als der des Schwitzen unter einem Plastikcape ging auf, der leicht feuchte Nieselfilm auf meiner Haut erwies sich als angenehme Kühlung. Ansonsten empfehle ich Radlern für Reisen in Taiwan eine leichte, atmungsaktive Regenjacke.

Ein Fotostop wurde dann am Wendekreis des Krebses eingelegt, dem Übergang von den Subtropen zu den Tropen.

Wendekreis

Bruecke ueber den Wendekreis

Ansonsten ging es durch Reisfelder, Reisfelder Reisfelder , links und rechts in der Ferne die Berge, der Himmel meist verhangen  teils etwas dunkler, was aber das Grün besser zur Geltung kommen ließ.

Tempel im Reisfeld RuishuiReisfelder auf dem Weg nach ZhibenPausenteam

Kaum Verkehr im abgelegeneren Süden, nach Taidung , einem Ort mit 100.000 Einwohnern, kommt eben nicht mehr viel. Kurzum – die perfekte Gegend für entspanntes Radeln.

Das Mittagessen war heute etwas einfacher aber sehr berühmt, ein Biandang, welches wir an einem Bahnhofsrestaurant einnahmen. Biandangsind diese in Taiwan so beliebten Mittagessen in Pappschachteln zum Mitnehme. Bestückt meist mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten und einem Teeei an Reis, vegetarische Varianten sind auch zu bekommen.

Der erste und echte Biandang

Der Urvater aller Biandang

An dem Bahnhof hier vor Ort soll in der grauen Vorzeit ohne Speisewagen dieser für die Reise bestens geeignete Biandang erfunden worden sein.

Das Streckenprofil war ein sehr angenehmes, man hatte das Gefühl es ginge ständig bergab, nur zum Schluss einige etwas längere Steigungen, die man mit relativer Leichtigkeit nahm. War diese Leichtigkeit schon den Trainingserfolgen der Vortage zu verdanken…spekulierte man hoffnungsvoll. Zum Schluss belohnte nochmals eine längere Abfahrt für die Anstrengungen des Tages, die erwartet langen 125 km erwiesen sich als relativ leichte Aufgabe.

Chulu-Milch ist die Beste

Chulu-Milch, schmeckt frisch wie zu Hause!Taitung ist Heimat der glücklichsten Milchkühe Taiwans

Nach der Ankunft im Hotel von Zhiben fühlte man sich wie in Festlandchina. Etliche Reisegruppen aus China waren anzutreffen. Das Abendessen, es gab Buffet, machte einem mehr deutlich, dass die langen Jahre der Mangelwirtschaft immer noch nicht verdaut sind und nach wie vor das Essverhalten einiger Besucher vom Festland prägen: Greife zu, solange noch etwas da ist.

Die Leichtigkeit, mit der man sich tagsüber bewegte, war allerdings nach dem Essen verschwunden, Muskelkater machte sich breit, Beine , Rücken Arme, einfach alles angespannt und unangenehm. Glücklicherweise fand ich einen Massagesalon, in dem die Masseuse anscheinend besser über die Unannehmlichkeiten meiner angespannten Muskeln Bescheid wusste als ich selber. Zwei Stunden war ich in Bearbeitung, danach war der Muskelkater fast weg.  Wunderbar.