Der Nenggao Wanderweg

Blick vom Qilai Südgipfel

Der Spätherbst ist in Taiwan eine gute Zeit für Gebirgswanderungen. Der histroische Nenggao Wanderweg (能高越嶺古道) ist ein beliebter Wanderweg im Gebirge in Zentraltaiwan. Es ist bzw. war eigentlich ein Verbindungsweg von Nantou bis Hualien in Osttaiwan, ist aber oft nicht durchgängig begehbar (bei meiner ersten Wanderung dort traf ich noch Leute, die mit dem Mountainbike unterwegs waren). Der westliche Teil des Nenggao-Wanderwegs beginnt auf rund 2000 Metern Höhe am Tunyuan Eingang (屯原登山口). Um dorthin zu kommen fährt man von Puli im Landkreis Nantou auf der Provinzstraße 14 über Wushe (霧社) Richtung Lushan Heiße Quellen (廬山溫泉) bis zum Anfang des westlichen Teils des Nenggao Wanderwegs Tunshan. Die meisten machen eine zweitägige Wanderung auf dem Westteil des Nenggao Wanderwegs. Am ersten Tag geht es vom Eingang zum Wanderweg Tunyuan zur Tianchi Hütte (天池山莊) auf 2860 Metern Höhe. Dort übernachtet man dann und am nächsten Tag geht noch vor Tagesanbruch weiter über den Tianchi See auf 3080 Metern Höhe (天池) zum 3358 Meter hohen Qilai Südgipfel (奇萊南峰) und zum 3184 Meter hohen Berg Nanhua. (南華山). Man kann von der Tianchi Hütte aus natürlich auch noch andere Touren unternehmen.

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Der Nenggao Wanderweg ist auch historisch interessant. Auf diesem Weg entlang haben schon die Japaner während der Kolonialzeit Posten eingerichtet, um das Gebiet und die dortigen Ressourcen zu erschließen und die dort lebenden Ureinwohner unter Kontrolle zu bringen. Beim Wushe Aufstand der Ureinwohner Atayal bzw. Sediq wurden die meisten japanischen Stützpunkte niedergebrannt, aber später wieder aufgebaut. Außerdem hat das Elektrizitätswerk Taipower über diesen Weg die Stromtrasse zwischen dem Westen und dem Osten Taiwans errichtet worden. Es gibt auf 2802 Meter Höhe noch ein Denkmal dafür.

Der Weg vom Anfang des Wanderwegs Tunyuan bis zur Tianchi Berghütte ist knapp 15 Kilometer lang. Nach etwa 5 Kilometern kommt man zur Wartungsstation des Elektrizitätswerkes Yunhai (Wolkenmeer Wartungsstation). Diese Station auf 2.360 Metern Höhe wurde 1950 als Wartungsstation des Elektrizitätswerkes erbaut. Schon während der japanischen Kolonialzeit befand sich an dieser Stelle ein japanischer Posten. Die meisten Wanderer legen an der Yunhai Station eine kurze Rast ein. Von dort sind es noch knapp 10 Kilometer bis zur Tianchi Hütte.

Yunhai Station von Taipower

Yunhai Station

Die Tianchi Hütte wird auch oft als „Luxus-Berghütte“ bezeichnet. Sie hat 88 Plätze auf zwei Stockwerken in mehreren Schlafräumen. Gegenüber den Schlafplätzen sind Regale angebracht, in denen die Wanderer ihre Rucksäcke und andere Dinge abstellen können. Es gibt sowohl einen Raum zum Kochen für Selbstversorger (man muss einen eigenen Gaskocher mitbringen, fließendes Wasser und Trinkwasser steht zur Verfügung), man kann jedoch auch Essen vorbestellen. Die jetzige Hütte wurde 2011 erbaut. Die alte Hütte bot nicht mehr genug Platz für die wachsende Zahl der Wanderer auf dem Nenggao Wanderweg. Die erste Hütte dort wurde jedoch schon 1918 während der japanischen Kolonialzeit gebaut.
Von der Hütte aus hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Gebirgslandschaft und man kann Wolkenfälle, Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und den Sternenhimmel betrachten. Der Nenggao Wanderweg ist sehr beliebt und die Hüttenplätze werden unter den Anmeldungen verlost. Es stehen vor der Hütte auch noch Zeltplätze zur Verfügung. Aber an Wochenenden und Feiertagen ist es oft schwer, Hütten- oder Zeltplätze zu bekommen. Man benötigt für die Tour auch eine Berggenehmigung.

Tianchi Hütte

Tianchi Hütte

Am zweiten Tag machen sich die meisten Wanderer schon frühmorgens um etwa fünf Uhr auf den Weg Richtung Qilai Südgipfel (3358 m) und Nanhua Berg (3184 m). Der Weg ist recht einfach zu gehen und man kann so in aller Ruhe die schöne Gebirgslandschaft genießen.
Die meisten Wanderer gehen vom Berg Nanhua aus wieder den gleichen Weg zurück zur Tianchi Hütte. Man kann jedoch auch auf der anderen Seite über den Bergrücken absteigen. Dieser Pfad ist weniger begangen und man muss sich manchmal seinen Weg durch hohes Bambusgestrüpp bahnen.
Außerdem ist dieser Abstieg bei starkem Wind eher nicht zu empfehlen.

Blick vom Qilai Südgipfel

Blick vom Qilai Südgipfel

Die Wanderung von der Tianchi Hütte zum Qilai Südgipfel und Nanhua Berg und wieder zurück zur Tianchi Hütte dauert ungefähr fünf, sechs Stunden, wenn man sich genug Zeit nehmen möchte, die ein oder andere Pause einzulegen und ausgiebig die Landschaft zu genießen.

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Mittags kann man dann an der Tianchi Hütte wieder eine kleine Pause einlegen und sich wieder auf den Rückweg machen.

 

Blick von der Tianchi Hütte

Abendstimmung an der Tianchi Hütte

von Eva Triendl

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Durch die Taroko Schlucht auf den Hehuanshan

Hualien ist eine Provinz an der Ostküste Taiwans. Landschaftlich ist die Region überwältigend. An der Küste überragen bis zu 1200 Meter hohe Berge das Meer. Bereits wenige Kilometer im Landesinneren beginnt der Aufstieg auf einige der höchsten Berge Taiwans. Wir haben uns mit gemieteten Motorollern auf die Reise durch die Taroko Schlucht auf den Hehuanshan (Hehuanberg) gemacht.

Die Taroko Schlucht ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Taiwans. Es lohnt sich aber etwas mehr Zeit einzuplanen und der einzigen Straße durch die Schlucht und in die Berge in Richtung Westen zu folgen. Dabei gelangt man fast automatisch auf den Hehuanshan. Der über 3000 Meter hohe Berg befindet sich nur knapp 36km (Luftlinie) von der Küste entfernt.

Die Roller bekamen eine Pause und wir machten uns zu Fuß daran die Schlucht erkunden.

Wir ließen die Taroko Schlucht hinter uns und schlängelten uns in gemächlichem Tempo die Bergstraßen hinauf.

Nach einer um die 8 Grad kalten Nacht führte uns die nächste Etappe hinauf auf den Hehuanshan.

Silvesterfeuerwerk 2014 am Taipeier 101-Hochhaus

Zum Silvesterfeuerwerk 2014….

Alles Beste für das Neue Jahr an unsere Hörer und Taiwaninteressierte!

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Umsetzung Ihrer Pläne und natürlich viel Spaß und Gesundheit!

KTV-Neujahrsgesang auf den Hügeln im Stadtzentrum von Taipei

KTV-Neujahrsgesang auf den Hügeln im Stadtzentrum von Taipei

„Blumenmeer“ Xinshe

Zentraltaiwan ist für sein im Vergleich zur Hauptstadt Taipei  angenehmeren  Klimas und auch seine Berglandschaft bekannt. Die meisten Touristen fahren von der zentraltaiwanischen Metropole Taichung zum etwa 100 km entfernten Sonne-Monde-See. Seit den letzten 10 bis 15 Jahren führt jedoch für die ortskundigen Einheimischen die Reise immer öfter in den nur 25 km östlich von Taichung  gelegenen Landkreis Xinshe und weckten ihn damit aus seinem Dornröschenschlaf.

Blumenmeer Xinshe

Blumenmeer Xinshe (Foto: Frank Pevec)

Nach dem verheerenden Erdbeben im September 1999  wurden von der Lokalregierung zur Förderung des Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Wiederbelebung dieser Region einige Projekte angeregt, unter anderem auch der Anbau von chinesischen Duftpilzen, den sogenannten Xianggu. War die Gegend früher nur für die Landwirtschaft freigegeben, lockerte man nun die Bestimmungen und gab auch dem Tourismus größeren Freiraum zur Entwicklung. Mit Erfolg.

Mittlerweile ist der etwa 50 Autominuten von Taichung gelegene Kreis zu einem beliebten Naherholungsgebiet geworden . Das Gebiet erstreckt sich auf etwa 20 km Länge in die Berggegend und weist Höhenlagen von 350 bis gut 1100 m auf und ist daher insbesondere in der heißen oder wärmeren Jahreszeit mit Temperaturen über 30 Grad – und die dauert in Taiwan mindestens ein halbes Jahr – wegen seiner angenehmen Temperaturen ein sehr beliebtes Ausflugsziel . Die saubere, sauerstoffreiche  Luft gibt es hier natürlich das ganze Jahr, zudem weht meist ein leichtes Lüftchen.

Lebten die knapp 30.000 Bewohner früher hauptsächlich von der Landwirtschaft, angebaut werden neben diversen Pilzsorten auch Ananas, Khaki, Weintrauben , Birnen, Pfirsiche, Kamelien aber auch Kräuter und Tees, integriert man seit einigen Jahren die Landwirtschaft in den Tourismus und errichtete Tourismusfarmen und Gartenrestaurants.

Der Pilzanbau ist natürlich weiterhin sehr bedeutend und auch für den gaumenfreudigen Taiwaner ein wichtiger Reisegrund. Touristisch wurde das ganze dann aber aufgepeppt, nun hat man die Möglichkeit, einiges über die Pilzzucht   zu erfahren, sich seine eigenen Pilze zu pflücken und diese dann fachmännisch und vor allem  gaumengerecht zubereiten zu lassen.


Unbedingt probieren sollte man das Pilzeis , Pilzchips und getrocknete Pilzstengel, letztere schmecken wie  getrocknetes Rindfleisch, eine der Spezialiäten Taiwans.


Xinshe wird auch als der Garten Taichungs betrachtet und als „Blumenmeer“ bezeichnet. Neben dem Blumenanbau und der Orchideenzucht  gibt es hier an diversen Stellen in der Natur großflächig mit Blumen bewachsene Stellen, die zu einem Spaziergang einladen und den fotofreudigen Taiwaner zu etlichen Schnappschüssen anregen.

Besonders beliebt ist die Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember, wenn der Lavendel blüht und die ganze Umgebung mit  dessen Duft erfüllt ist, den man besonders im Lavender Cottage genießen kann. Xinshe wird daher auch als der „lila Landkreis“   beschrieben.


Im subtropischen, gemäßigten Klima blüht es allerdings das ganze Jahr, sodaß etwa jeder Monat im Zeichen einer anderen Blüte steht. Seien es Obstbäume wie Pfirsich, Loquat oder Khaki , als auch Lilien, die Lotusblume oder der im Mai weißblühende Tempelbaum , die Palownia Tomentosa, weiterer Höhepunkt im Frühjahr ist das Bestaunen der zahlreichen Glühwürmchen.


Ein idealer Ort zum Entspannen. Der Landkreis Xinshe ist allerdings relativ arm an Wasser. Dies wurde schon während der japanischen Besatzungszeit erkannt und man legte dort  1935 das  größte Aquadukt in Südostasien an, welches fortan das Gebiet mit Wasser versorgte. Das geschah zwar nicht aus reiner Nächstenliebe, geholfen hat es aber trotzdem. Dem japanischen  Wasserbauingenieur errichtete man später ein kleines „Denkmal“, bei einem Spaziergang kann man die Anlage auch besichtigen.


Anschließend bietet sich im Garten von Prinzessin Anne  ein Päuschen an. Erfrischung oder Stärkung kann man dort bei ausgewählten, garantiert frischen Speisen und Getränken finden, die mit selbst angebauten lokalen Kräutern und Gewürzen angereichert sind.

Den touristischen Anfang nahm Xinshe aber durch den Bau einer  einen gewissen neugotischen Stil ausstrahlenden „Burg“-Anlage, drumherum gibt es einen recht weitläufigen Park.  In den diversen Bauten kann natürlich ebenfalls eingekehrt werden, Kaffees und Restaurants befinden sich dort, die Anlage selbst hat sich bereits als passende Kulisse für Hochzeiten etabliert.

Das besondere an der Anlage: man verwendete für dessen Bau nur recycelte Materialien. Nach dem schweren Erdbeben von 1999 wollte der Erbauer damit dem Zerstörten neues Leben einhauchen und hat sich daher zu diesem umweltfreundlichen Schritt entschieden.  Erst ein Zehntel der gesamten Fläche wurde für die Parkanlage verwendet, das restliche Gebiet soll in seinem natürlichen Zustand verbleiben. In der Zukunft soll verstärkt der Ausbau der Wanderwege in die Umgebung fortgesetzt werden.

Unterkunft

Übernachten kann man in Xinshe mittlerweile in einer Reihe zum Teil recht individuell gestalteten Pensionen, große Hotels wird man in dieser Gegend nicht finden, die sind glücklicherweise nicht zugelassen.


Vom Stil aber auch von der subtropischen Vegetation könnte man leicht den Eindruck bekommen, sich auf der indonesischen Insel Bali zu befinden, einige der Anlagen verfügen über weitläufige Gartenanlagen.

Restaurants

Ansonsten lässt sich in Xinshe in einem der mittlerweile zahlreichen, in die Landschaft eingebetteten offenen Restauraunts oder Kaffees mit oft wunderschönem Ausblick und einer ständigen Brise,  hervorragend  die Sommerhitze vergessen.

Der richtige Ort , um eine der zahlreichen lokalen Pilz-Spezialitäten  oder Früchte wie Anananas, Weintrauben oder Kaki zu probieren, neben etlichen anderen kleinen Spezialitäten. Besonders gut ist aber der lokale „Feuertopf“.

Xinshe ist zudem auch ein großer Kräutergarten, der Eingang in die Speisen und Getränke findet. Etliche der Restaurants haben sich der Verwendung von organisch angebauten Zutaten verschrieben, frisch sind sie hier allemal.

Zudem haben sich auch einige Restaurants des gehobenen Stils angesiedelt, auch hier gibt es einiges zu entdecken.

Sei es das „Tausend Birken“ Park-Restaurant, eines  in einem fachmännisch angelegetem privaten botanischen Garten gelegenen Restaurants …

oder auch eines im Grünen gelegenen, im japanischen Stil gehaltenen Restaurants mit Blick in die Berge , in beiden sind erstklassige, frische Speisen garantiert.

Hier findet man eine Kreativküche vor, in der es keine Speisekarte gibt. Der Betreiber möchte sich keine  Begrenzungen auferlegen und wählt lediglich die frischesten verfügbaren Zutaten aus.

Verkehrsanbindungen:

Mit dem Bus oder dem Auto

Bei der Anfahrt mit dem Taxi vom Hauptbahnhof in Taichung muß mit etwa 600-700 NTD gerechnet werden (15 – 18 EUR).

Text und Fotos: Frank Pevec

Das Shi-Yang Teehaus – mehr als Teetrinken

Foto: Lovely Taiwan

Die Stiftung „Lovely Taiwan “ hat nun ihr Internationales Spotlight Programm erweitert. Die Stiftung „Lovely Taiwan“ (台灣好基金會) wurde 2009 gegründet, mit dem Ziel am Schaffen einer örtlichen Kultur teilzuhaben. Dadurch sollte auch Bürgern Taiwans und Besuchern ermöglicht werden, das Leben in den Städten, Stadtteilen oder Gemeinden zu erfahren.

Nach den Internationalen Spotlights im Osten 

– wie das Tiehua Music Village in Taitung, Chishan, Makutaay oder Hualien im Osten Taiwans hat „Lovely Taiwan“ nun in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro Taiwan auch Internationale Spotlights in Nordtaiwan ausgewählt. Das Internationale Spotlight Projekt hat das Ziel, Reisende einen tieferen und genaueren Blick in die reichhaltige Kultur Taiwans zu ermöglichen und diese zu erfahren.

Angefangen mit dem Laden von „Loveley Taiwan“ selbst und dem umliegenden Stadtviertel. Der Laden befindet sich zwischen den MRT-Stationen Zhongshan und Shuanglian auf der roten Linie Richtung Tamsui.

Der Laden bietet handgefertigte lokale Produkte und Kunsthandwerk aus verschiedenen Orten. Mit den Einnahmen werden wiederum die jeweiligen Gemeinschaften, die die Produkte herstellen, unterstützt.

In der obersten Etage des Ladens befindet sich ein Raum mit Prospekten, Karten, Reisematerial und Informationen, in dem auch Ausstellungen und Workshops stattfinden. Besucher sind auch eingeladen, dort eine Pause einzulegen und sich ein wenig auszuruhen.

Der Laden ist auch ein guter Ausgangspunkt, um die Gegend mit seinen kleinen Gassen, Geschäften, Kulturstätten, Cafes und Restaurants zu erkunden.

Shi-Yang Teehaus

Ein weiteres neues Angebot im Rahmen des Internationales Spotlight Nordtaiwan ist ein Besuch des Shi-Yang Teehauses und Restaurants in den Bergen von Xizhi nahe Taipei. Das Teehaus ist ein sehr guter Ort, um zur Ruhe zu kommen. Die Architektur aus Holz mit großen Schiebefenstern- und Türen aus Glas ermöglicht überall einen schönen Blick in die bergige Landschaft.

Shi-Yang Teehaus

Im Shiyang Teehaus kann man keine bestimmten Teesorten bestellen und im Restaurant gibt es keine Speisekarte. Der Teemeister bereitet für die Gäste zwei verschiedene Teesorten zu. Das Essen wird in einem Nebenhaus serviert – man kann wählen zwischen einem normalen und vegetarischen Menü.

Das Shiyang Restaurant liegt etwas Abseits in den Bergen und ist für Touristen aus dem Ausland vielleicht nicht so einfach zu erreichen. Außerdem muss man sich vorher anmelden.

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Deshalb bietet „Lovely Taiwan“ jeden Mittwoch um 15:15 Uhr eine Fahrt zum Shi-Yang Teehaus. Man kann die Fahrt über die Webseiten oder direkt im Laden buchen. Die Kosten betragen 1.225 Taiwan Dollar, eingeschlossen Teezeremonie und Menü mit Kostenloser Hin- und Rückfahrt vom Laden von „Lovely Taiwan“

Anmelden kann man sich über die Webseite

http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/news_detail.php?id=192 (Chinesisch und Englisch)

Dieses Programm ist auch für Reisende ohne Chinesischkenntnisse gut geeignet – es gibt englischsprachige Begleitung und englischsprachige Teemeister.

Ein weiterer Punkt der Internationalen Spotlights im Norden ist das U-Theatre in den Bergen von Muzha. Das U-Theatre ist ein bekanntes Trommel-Ensemble mit dem Konzept „Erst Meditation, dann Trommeln“. Das U-Theater hat seinen Sitz in den Mucha-Bergen, wo sich auch ein Freilufttheater befindet.

Kurse und Camps werden für Gruppen abgehalten. Bei Interesse kann man sich an die Stiftung „Lovely Taiwan“ wenden, um nähere Informationen zu erhalten.

Mehr Informationen über die Angebote von Lovely Taiwan auf den Webseiten

www.lovelytaiwan.org.tw (chinesisch)

oder:
http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/index.en.php (englisch)

von Eva Triendl

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – Vom Südosten bis zur Hafenstadt Kaohsiung

4. Tag: Vom Thermalort Chiben nach Checheng an die Südküste  (108KM)

Heute die Fortführung der Fahrradtour „Formosa 900“, einmal herum um Taiwan.
In der Zwischenzeit kam sie leider etwas ins „stocken“, klassischer Fall von „Hardware-Schwäche“, die letztlich in den Griff bekommen wurde. Die „900“ steht für die Anzahl der Kilometer, die es dabei zurückzulegen galt.

Im ersten Teil ging es von Taipei Richtung Yilan an die Ostküste, weiter nach Hualien und von dort über den Thermalort Ruishui zum Thermalort Chiben, etwa 20 Kilometer südlich von Taidung.

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Das Aufstehen erfolgte am vierten Tag bei herrlichstem Wetter, der Eintritt in die Tropen hatte sich gelohnt. Sonnenschein, aber nicht zu heiss, ein leichte Brise wehte, alles Bestens, bis auf den vermeintlich besiegten Muskelkater.

Die Morgengymnastik erfolgte diesmal im Beisein von neugierigen Reisegruppen vom Festland, denen wir ein beliebtes Fotomotiv darstellten.

Die heutige Etappe war etwa 110 km lang, es ging in das küstennah gelegene Checheng in Südtaiwan, ganz in der Nähe des wohl bekanntesten Badeortes Kending. Eine abwechslungsreiche Strecke wartete auf uns, die alles bot. Küste, Berge und eine schöne Abfahrt ins tropische Binnenland.

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Unendliche Weite des Pazifik

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Im ersten Abschitt führte die Strecke etwa 50 km am Meer entlang. Sanfte Steigungen mit kleineren Abfahrten sorgten für einen abwechslungsreichen beschwingten Rhythmus, dazu gab es weiten Blick auf den Pazifik, auf Wellen und Brandung. Sonne , Wolken und Wasser boten unterhaltsame, fast meditative Lichtspiele, die Küstenstrecke hätte noch viel länger sein können. Der Gedanke an das weit entfernt auf der anderen Seite liegende Amerika verschaffte einem ein Gefühl unendlicher Weite.

Unterwegs hatten wir noch unser tägliches Treffen mit einer weiteren von insgesamt 10 Teilnehmergruppen, die uns entgegen kamen. Am heutigen Tag trafen wir auf die Behinderten-Gruppe, die auf Spezialfahrrädern mit der Kraft ihrer Arme und bei Bedarf elektrisch unterstützt die über 900 km lange Strecke bewältigten.

Danach machten wir uns zur Herausforderung des Tages , und zwar der Erklimmung des Shouka-Passes. Der Name verspricht ein zusätzliches Leben – wenn man es hinauf geschafft hat!

Photo 4 5 6

Die Sonne lief an dem Novembertag dann zur Hochform auf, 30 Grad wurden erreicht, genau das Richtige für die 10 km lange Steigung. Etwa 450 Meter ging es hinauf, ab und an auch etwas steiler. Eine Höhe, die auch für engagiertere Hobbyradler zu erklimmen ist und eine gute Balance zwischen Anstrengung und Abfahrtsfreuden darstellt. Damit hatten wir denn auch die zweithöchste Erhebung auf unserer Tour erklommen, von nun an war Entspannung angesagt, so glaubte man es zumindest.

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

05 Praerie-Durchquerer aller Laender 06 Alles OK

Wer in Taiwan etwas höher hinaus will, kann dies mit Leichtigkeit tun: Fast alle Pässe sind höher als die von uns erklommenen. Der höchste Pass, der Wuling Pass am oberen Ende der Taroko-Schlucht, liegt in der luftigen Höhe von 3275 Metern und ist damit auch der höchste Pass in Südostasien.

Der Shouka Pass befindet sich an der Kreuzung von der Nationalstraße 9 mit der 199. Weiter ging es dann auf der kleineren 199 in Richtung Chiben durch landschaftlich nahezu unberührte Strecke. Die 9 ist die Hauptverbindung zwischen den Kreisen Pingtung und Kaohsiung mit der Ostküste und entsprechend stärker befahren. Fahrradfahrer sollten diese Strecke daher meiden.

Nach einer kurvigen Abfahrt ging es noch zum Dongyuan See mit Gruppenfoto, vorbei an einer Talsperre in Richtung Chiben.
08 Taiwans Sueden

07 Unberuehrter Sueden
Ein schöner runder Tag ging zu Ende, im Hotel angekommen ging es gleich zur Lockerung in das Schwimmbad und in die Sauna.

09 Rast auf dem Weg nach ChechengKending

5. Tag – Von Checheng nach Kaohsiung (100KM)

Von Chechen aus, gut 20 km vom Badeort Kenting entfernt, ging es am fünften Tag in Richtung Hafenmetropole Kaohsiung Richtung Nordwesten, ca. 100 km waren zurückzulegen.

 01 Checheng

Insbesondere die Südhälfte bietet sich Mitte November zum Fahrradfahren an, eine leichte Brise bei 25 bis 28 Grad, was will man mehr. Die ersten 10 km hatte man noch den Blick auf Berge und Hügel zur Rechten, dann verflachte die Landschaft, Felder wechelten sich mit Gewerbeindustrie ab, man näherte sich der Schwerindustrieregion von Pingdong und Kaohsiung, hier befindet sich ein Großteil von Taiwans Stahl- und Chemieindustrie.

02 Spezilitaet der Region

Etliche Schilder wiesen darauf hin, die besten Wasserkastanien zu beissen gibt, das stimmte wohl auch.

03 Wasserkastanie

Wasserkastanien aus Pingdong

Einige kleinere kulinarische Spezilitäten gab es natürlich ebenfalls, insbesondere die heiße und süße Mehlspeise, mit Bohnen und Früchten angereichert auf geraspeltem Eis, hatte es etlichen angetan.

 04 Kulinarischer Spezialitaetenstop

05 Cycle forever05 Wer sein Moped liebt der schiebt

Nach der wunderschönen Strecke im Osten war dies ein eher normaler Tag, es ging aber mit jetzt strammeren Beinmuskeln flott voran, sodass wir uns recht früh am Nachmittag Kaohsioung näherten. So blieb noch ein wenig Zeit für einen kleinen Stadtbummel.  Das Hotel war zentral am Aihe , dem Liebesfluss, gelegen.

06 Metropole Kaohsiung am Liebesfluss

Kaohsiung-Zentrum mit dem Liebesfluß

Zum Abendessen ging es dann ein Stück am Fluss entlang und später an den alten Kaianlagen des Hafens zum Abendessen. Diesmal speisten wir auf einer Veranstaltung des Rotary-Clubs von Kaohsiong, die auch im Zeichen von Formosa 900 stand.

07 Kai der wahren Liebe

Hafenmole der „wahren Liebe“

08 Treffen des Rotary Clubs Kaohsiung

Auch der Rotary-Club im Fahrradfieber

 Kaohsiung hat das Gebiet um den Liebesfluß für die innerstädtische Freizeit gestaltet, Radlerwege sind vorhanden, alte Hafengebäude sind jetzt zu Kunstgalerien und Aktionsstätten geworden, das ganze natürlich mit einem Meer von LED-Lichterketten illuminiert. Nach dem Abendessen schlenderte ich dann, völlig unüblich zu Fuß,  über die Nachtmärkte Richtung Hotel zurück.

09 Kaohsiung am Abend 09 Kaoshsiung am Abend 2

09 Vespa-Oldtimer

Vespa-Revival-Werkstatt

Gipfelstürmen für Anfänger – Hsueshan – der zweithöchste Gipfel Taiwans

Auf dem Hauptgipfel des Hsueshan - 3886 Meter

Auf dem Hauptgipfel des Hsueshan – 3886 Meter

Gruppenfoto mit freundlicher Genehmigung von Basecamp

Taiwan ist etwa zur Hälfte von Bergen bedeckt – davon sind über 200 Gipfel über 3000 Meter hoch – der höchste Gipfel Taiwans ist der Hauptgipfel des Yushan 玉山 mit 3952 Metern.
Die gute Nachricht ist, dass viele Berge Taiwans auch für die allgemein Wanderfreudigen, die einigermaßen fit und gut zu Fuß sind, zu besteigen sind. Das gilt auch für den höchsten und zweithöchsten Berg Taiwans – die Hauptgipfel des Yushan 玉山 und des Hsueshan 雪山.

Da die Route zum  雪山 (auch Syue Mountain, Shiue Shan oder Xueshan) als sehr schön und normalerweise als „für Anfänger mit normaler Kondition“ geeignet gelten. Die Besteigung des Hsueshan – mit Ost- und Hauptgipfel – ist eine der beliebtesten Bergwanderrouten Taiwans. Normalerweise plant man für die Besteigung des Hsueshan insgesamt drei Tage ein. Der Hsueshan liegt im Shei-Pa-Nationalpark etwas an der Grenze zwischen dem Landkreis Miaoli und Taichung.

So habe ich schließlich die Gelegenheit ergriffen, und mich mit einer geführten Gruppe auf den Weg gemacht…

Los ging es frühmorgens von Taichung aus. Der Bus gabelte auf dem Weg noch einige Gruppenmitglieder auf – letzte Station Taipei, wo es dann um 10.00 Uhr vormittags weiterging Richtung Ilan und dann zur Wuling Farm (武陵農場). Dort auf 2165 Metern treffen sich Ausflügler, Spaziergänger, Camper, Wanderer und Bergsteiger. Hinter dieser Bergstation der Wuling Farm beginnt der Wanderweg, der zum Hsueshan führt.

Angekommen an der Bergstation der Wuling Farm werden erst einmal die Personalien gecheckt. Um von hier weiter in die Berge zu gehen, benötigt man nämlich eine Berggenehmigung, die man vorher beantragen muss. Auch die Schlafplätze in den Hütten müssen vorher schon beantragt werden. Das hat unsere Bergführerin schon für die gesamte Gruppe vorher über Internet erledigt.

Außerdem muss die Gruppe, bevor man sich auf den Wanderweg begibt, ein Video ansehen, in dem unter anderem Sicherheitstipps bei Unfällen, Hitzschlag, Unterkühlung, Höhenkrankheit usw. gegeben werden – oder es wird gezeigt, wie man die umweltfreundlichen Toiletten ohne Wasserspülung auf den Berghütten benutzt.

Dann kann es endlich losgehen … Am ersten Tag nur etwa 2 km hoch bis zur Qika Hütte (七卡山莊) auf einer Höhe von 2463 Metern. Dort angekommen ist es gerade dunkel geworden. Unsere Bergführer fangen gleich nach der Ankunft an, einen Topf Reis und zwei Töpfe Suppe zu kochen – einen mit Fleisch und einen ohne – damit auch die Vegetarier unter uns gut versorgt sind. Die Qika Hütte hat über 100 Schlafplätze, Kochgelegenheit und Toiletten- und Waschgelegenheit. In den allermeisten Berghütten in Taiwan muss man sein eigenes Essen mitbringen und sich selbst versorgen.

Trotz der Aussicht, am nächsten Tag um etwa halb vier aufstehen zu müssen, ist der wunderschöne Sternenhimmel einfach zu faszinierend, um sich frühzeitig in die Hütte zurückzuziehen. Schlaf bekam man in dieser Nacht sowieso nicht viel – die einen kamen spät in der Hütte an, die anderen krochen schon wieder um 2 Uhr morgens aus dem Schlafsack, packten ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Bei uns gab es um vier Uhr Frühstück und bald darauf ging es los, wir wollten an diesem Tag ja noch bis zum Hauptgipfel auf 3886 Meter steigen und dann wieder hinunter zur 369 Hütte zum Übernachten.

Bei Dunkelheit geht es weiter langsam immer weiter hinauf – der Weg ist nicht besonders schwierig, mit einer Stirnlampe kommt man auch im Dunkeln gut voran. Dann färbt sich der Himmel langsam und alle bleiben stehen, um den Sonnenaufgang zu sehen – allein der Sonnenaufgang in den Bergen bei schönstem Herbstwetter ist den Ausflug schon wert. Dann geht es langsam weiter – bis zu einer Aussichtsplattform am Fuß des sogenannten Ku Bo „哭玻“ – dem „Berghang der Tränen“ – „Ku“ heißt „Weinen“ und „Bo“ heißt „Berghang“. Dieser Hang ist jedoch nicht so schlimm, wie der Name befürchten lässt – der Weg hinauf ist nicht wirklich übermäßig steil oder lang. Falls Sie also den Hsueshan besteigen möchten – der „Ku Bo“ ist nichts, worüber man sich Sorgen machen muss. Falls man jedoch hier schon anfängt zu keuchen – nun, es wird später beim Aufstieg zum Hauptgipfel des Hsueshan noch steiler – und die Luft noch dünner.
Wir sind mittlerweile wohl etwa eine Stunde unterwegs, haben 2 Kilometer zurückgelegt und befinden uns auf einer Höhe von 3000 Metern. Nach einer kurzen Pause und Stärkung geht es weiter über den „Ku Bo“ Richtung Ostgipfel. Nach etwa einer weiteren Stunde mäßigem Aufstieg sind wir auf dem Ostgipfel auf 3201 Meter – man hat einen schönen Blick auf die Gebirgslandschaft bei klarem Himmel und Sonnenschein. Wir hatten wirklich Glück, denn am Wochenende vorher war Taifun und das Wochenende darauf war wieder Taifun. Da mussten alle Wanderungen im Gebirge abgesagt werden. Vom Ostgipfel geht es weiter zur 369 Hütte – dort werden wir auch übernachten – nachdem wir vom Hauptgipfel wieder zurückgekommen sind.

Die 369 Hütte liegt auf einer Höhe von 3155 Metern – eine Haupthütte mit den üblichen doppelstöckigen Schlafplätzen, eine Hütte zum Kochen, eine extra Hütte mit Toiletten und einige Tische und Bänke draußen zum Essen. Wir haben mittlerweile vom Ausgangspunkt unserer Wanderung an der Wuling Farm 7,1 Kilometer zurückgelegt – bis zum Hauptgipfel des Hsueshan sind es vom Beginn des Wanderwegs an der Wuling Farm 10,9 Kilometer.

Zwei der Mitglieder unserer Gruppe bleiben an der 369 Hütte und gehen nicht mehr weiter zum Hauptgipfel. Das ist auch ein Grund, warum die Wanderroute zum Hsueshan als geeignet für Anfänger gilt. Falls es jemandem nicht besonders gut geht, sei es wegen der Höhe oder wegen mangelnder Kondition, kann man an der 369 Hütte bleiben und warten, bis der Rest der Gruppe wieder zurückkommt – und man kann auch an der 369 Hütte die schöne Berglandschaft genießen oder dort ein wenig spazieren gehen.

Wir legen erst einmal unsere schwereren Sachen ab – es geht nämlich mit leichtem Gepäck weiter – Regensachen müssen mit, eine Stirnlampe, Wasser, etwas zum Essen für den Weg, eine Jacke, alles andere lassen wir in der Hütte zurück. Unser Bergführer hatte vor Abmarsch noch ein paar Instant-Nudeln gekocht, damit wir auf dem Weg zum Gipfel nicht schlappmachen. Dann geht es weiter, es ist mittlerweile etwa 10 Uhr vormittags. Unsere Bergführerin sagt, dass man hin- und zurück ungefähr etwa sechs Stunden benötigt. „Aber egal was ist, um drei Uhr müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen“, sagt sie.

Bergführerin Yihua vor dem Eingang zum "Schwarzwald"

Bergführerin Yihua vor dem Eingang zum „Schwarzwald“

Hinter der 369 Hütte geht es dann wieder langsam weiter nach oben und bald sind wir am Eingang zum Schwarzwald – „黑森林“ – angekommen. Der Wald heißt so, weil man eben meinen könnte, man sei im Schwarzwald. Nur, dass es solche Wälder in Taiwan nur in höheren Höhen gibt. Etwa zwei Kilometer geht es weiter durch den Wald mit riesig hohen Bäumen – so wirken sie zumindest auf mich –  über Wurzeln, Schotter und Stein – man kommt auch an zwei Wasserquellen vorbei, an denen man seinen Wasservorrat auffüllen kann.

Auf dem Weg durch den Wald haben wir uns langsam auf 3500 Meter hochgearbeitet – und sind am „Runden Tal“ – einem Kar, an dessen linkem Rand wir entlang weiter zum Hauptgipfel des Hsueshan gehen. Hier ist die Luft schon etwas dünner – der ein oder andere wird schon etwas langsamer. Das letzte Stück das Tal entlang zum Gipfel ist nur etwas über einen Kilometer weit – mit einem Höhenunterschied von etwas über 300 Metern. Wir überholen einige Nachzügler der Gruppe vor uns, die schon ganz schön heftig schnaufen und etwas blass um die Nase aussehen. Mitglieder einer anderen Gruppe, die schon früher aufgebrochen war, kommen uns beim Abstieg vom Gipfel entgegen. Drei Engländer, die in Hongkong wohnen, und übers Wochenende nach Taiwan gekommen sind, um den Hsueshan zu besteigen, sind auch wieder beim Abstieg. Sie fanden den Aufstieg zum Hsueshan schon sehr anstrengend – obwohl sie, wie sie sagen, jedes Wochenende Hiking gehen – dass die Tour als Route geeignet für Unerfahre und Anfänger gilt, überrascht sie etwas.  Aber es liegt sicher auch an der Höhe, dass man die Anstrengung deutlicher spürt, meinen sie.  Wir steigen weiter den Schotterweg hinauf. Einer in der Gruppe meint, ihm ist flau im Magen, ein anderer bekommt Kopfschmerzen, aber eigentlich sind alle noch ganz gut dabei. Unser Bergführer, der das Schlusslicht macht, begleitet die Langsameren langsam nach oben und nimmt einer den Rucksack ab. Etwa eine Stunde braucht man normalerweise das Tal entlang hinauf zum Gipfel – aber es ist oft schwer zu sagen, meint unsere Bergführerin, wegen der Höhe geht es hier oft etwas langsamer voran. Noch eine kleine Pause und dann die letzten paar Höhenmeter. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich am Gipfel angekommen bin ich denke, es war etwa 13.45 Uhr. Ich hatte glücklicherweise weder Höhenprobleme noch sonstige Beschwerden – und konnte sogar auf der ganzen Strecke gebührend die schöne Gebirgslandschaft bewundern.

Auf dem Gipfel werden natürlich die obligatorischen Gipfelfotos gemacht – eine Frau aus unserer Gruppe, die nicht das erste Mal auf dem Hsueshan ist, sagt, dass man sein Foto auf dem Gipfel an die Shei-Pa Nationalparkverwaltung mailen kann, mit der Bitte um Bestätigung, dann erhält man ein sehr schönes Zertifikat, dass man den Gipfel des Hsueshan bestiegen hat – eins zum Aufklappen mit Beschreibung des Nationalparks.

Um etwa 14.00 Uhr sind alle am Gipfel angekommen. Ein Ehepaar einer anderen Gruppe bedankt sich bei unserem Bergführer, weil er die Frau mehrmals ermutigt hat, noch das letzte Stück zum Gipfel weiterzugehen. Sie freut sich sehr, dass sie doch noch den Gipfel erreicht hat. Ein Mann kommt erschöpft mit einem Bergführer zum Gipfel – es sind die Nachzügler der Gruppe, zu dem auch das Ehepaar gehört. Ihr Bergführer drängt, sich nicht allzu lange aufzuhalten und bald wieder abzusteigen – wir sind langsamer, wir brauchen länger, meint ihr Bergführer. Wir machen natürlich auch noch ein Gruppenfoto – bleiben noch ein bisschen und genießen das Gefühl auf dem zweithöchsten Gipfel Taiwans zu sein – und machen uns dann langsam wieder an den Abstieg – wir sind gut in der Zeit, das Wetter ist stabil, es steigt nur ein bisschen Nebel auf. Beim Abstieg bin ich recht froh, dass es relativ trocken ist, bei Regen müssen die steilen Schotterwege nach unten sicher sehr anstrengend sein. Unser Bergführer sagt, dass im Winter hier die Landschaft mit den schneebedeckten Bergen sehr schön ist –  etwa drei Stunden sollte man für den Abstieg rechnen, ich denke, wir haben es bei dem guten Wetter etwas schneller geschafft – und es ist immer noch hell, als wir wieder an der 369 Hütte ankommen.

Auf dem Weg durch den „Schwarzwald“ war es zwar schon etwas nebelig, aber immer noch recht gute Sicht – auf dieser Strecke durch den Wald bestehen die Bergführer normalerweise darauf, dass sich die Gruppe nicht zu weit auseinanderbewegt – denn besonders bei Regen und Nebel kann man sich dort einfach verirren. Aber der Weg durch den Schwarzwald ist bei etwas Nebel auch sehr schön …

Bergführer Wen-chen im "Schwarzwald"

Bergführer Wen-chen im „Schwarzwald“

Zurück an der 369 Hütte treffen wir wieder die „Zurückgebliebenen“, denen es auch ohne uns nicht langweilig geworden ist – wie gesagt, man kann auch von der Hütte aus spazieren gehen und die Landschaft genießen. Zurück an der Hütte, suchen wir uns unsere Schlafstellen, packen Schlafmatte und Schlafsack aus und unsere Bergführer fangen an zu kochen – es gibt einen großen Topf Nudeln und Suppe. Unser Bergführer isst den Rest und beschwert sich, dass er immer, wenn er in den Bergen mit einer Gruppe unterwegs ist, zunimmt. Über mangelnde Ernährung konnten wir uns auf unserer Wanderung wirklich nicht beklagen, außer dem Essen, dass unsere Bergführer für uns gekocht haben, hatte natürlich Jeder noch einige Portionen „Wegzehrung“ dabei – ich muss zugeben, dass ich einen ganz Apfelkuchen und ein ganzes Brot dabei hatte, beides vom deutschen Bäcker. Aber mithilfe aller Mitwanderer hat auch das bei den kurzen Pausen, die man etwa alle halbe Stunde einlegt, schnell seine Abnehmer gefunden.

Am Tag der Gipfelbesteigung waren wir wohl über 11 Stunden unterwegs – mit Pausen – und so haben sich die meisten schon relativ frühzeitig in die Schafsäcke verkrochen. Es war relativ kühl, aber nicht wirklich unangenehm kalt in dieser Nacht. Wenn man früh schlafen geht, hat das den Vorteil, dass man schon vor Sonnenaufgang wieder wach wird – und den Sonnenaufgang sehen kann. Wir haben es an diesem Morgen nicht so besonders eilig – der Abstieg zur Wuling Farm zurück dauert vielleicht nur etwa vier Stunden. Von der Wuling Farm aus geht es am frühen Nachmittag gleich wieder zurück nach Taipei.  In Jiaoxi in Ilan wurde noch ein Halt eingelegt, nach einem kurzen Aufenthalt in den heißen Quellen in Jiaoxi und einem gemeinsamen Abendessen waren wir dann abends wieder in Taipei.  Es war wirklich eine sehr schöne Wanderung, für normal Sportliche und ein wenig Übung in den Bergen um Taipei durchaus geeignet. Das kann ich nun bestätigen – schade, dass es insgesamt nur drei Tage dauerte – ich hätte gut noch einige Tage länger über 3000 Meter zubringen können. Die Berge in Taiwan sind wirklich eine Wanderung bzw. eine Reise wert. Falls man unerfahren ist, oder die Gegend und das Umfeld nicht kennt, ist es doch ratsam, sich einer Gruppe mit Bergführern anzuschließen. Und falls man nicht zu Fuß so hoch hinaus will, kann man auch irgendwohin mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln oder einer Reisegruppe einfach zu einem Ausflugsort in den Bergen fahren und dort spazieren gehen und die Landschaft genießen. Ich hoffe, dass ich bald wieder Gelegenheit habe, die Berge weiter zu erkunden. Dass diese Wanderung ein so schönes Erlebnis war, ist natürlich auch meinen netten Mitwanderern zu verdanken und Yihua und Wen-chen von Basecamp, den besten Bergführern, die man sich wünschen kann.

Hsueshan Gebirge

Hsueshan Gebirge

Fotos: Eva Triendl

von Eva Triendl