Wenn nur der Wind nicht wäre-Radfahren an der Ostküste

Die Geografie Taiwans lässt sich in acht Wörtern zusammenfassen: Im Westen nur Städte, im Osten nur Gebirge. Und Gebirge heißt auch wirklich Gebirge. Der höchste Berg Taiwans-der Yushan (玉山)-misst knapp 4.000 Höhenmeter. Ganz im Osten fallen die Bergketten steil ab und treffen auf den Pazifischen Ozean, es gibt nur wenig Platz zwischen Berghängen und Meer. Darum finden sich an der Ostküste Taiwans auch nur sehr wenig  Städte, vor allem Hualien und Taitung. Ausreichend Platz ist aber für eine Straße direkt am Meer, auf der man großartig Fahrrad fahren kann.

Ende Dezember bin ich mit sechs Freunden diese Strecke gefahren. Von Taitung im Süden nach Hualien im Norden, etwa 190 Kilometer, insgesamt drei Tage. Unter Radfahrern hat sich die Ostküste Taiwans mittlerweile als Ziel herumgesprochen. Aus gutem Grund. Man muss nur einer einzigen Straße folgen, die immer direkt am Meer entlangführt. Der Verkehr ist nicht sehr stark und es gibt sogar einen breiten Seitenstreifen extra für Fahrradfahrer. Nicht mal ein eigenes Fahrrad ist von Nöten. In Taitung können diese ausgeliehen und in Hualien wieder zurückgegeben werden. Anders herum geht auch. Für drei volle Tage haben wir pro Rad etwa 40 Euro Leihgebühr bezahlt. Für gute Fahrräder, voll ausgestattet. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich überall am Weg, auch wenn beim Einchecken Chinesischkenntnisse nützlich sind.

Wer jetzt denkt, dass 190 Kilometer für drei Tage nicht gerade viel sind, der hat Recht. Auf den ersten Blick. Die Strecke kommt zwar nicht ohne Steigungen aus, ist aber in dieser Hinsicht auch recht harmlos. Das Problem ist ein ganz anderes: Der Wind. Vielleicht lag es an der Jahreszeit, in der wir unterwegs waren: rund um den Jahreswechsel, vom 30. Dezember bis zum 1. Januar. Der Wind war so stark, dass aus den etwa 60 bis 70 Kilometern pro Tag locker gefühlte 120 bis 140 wurden. Dass wir genau in die andere Richtung hätten fahren sollen, von Hualien im Norden nach Taitung im Süden, wurde uns recht schnell klar. So fanden wir es schon am ersten Tag verdächtig, dass wir doch relativ viele Radfahrer trafen, uns aber alle entgegenkamen. Immerhin haben sie uns freundlich gegrüßt, mit einem mitleidsvollen Lächeln, kompletter Rennradausrüstung und Rückenwind.

Aber gelohnt hat es sich in jedem Fall. Meistens fuhren wir direkt an der Küste, manchmal, wenn die Berge zu nahe ans Meer heranrückten, führte unser Weg etwas hinauf in die Berge, wobei man dann aber immer durch einen wunderbaren Ausblick entlohnt wurde. Und durch die frische Luft. Unsere ganze Gruppe hatte sich in Kaohsiung kennengelernt, wo wir ein Semester zusammen studiert hatten. Danach wurde uns an der Ostküste zum ersten Mal wieder klar, wie gut die Luft außerhalb einer Großstadt sein kann. Und wie klein und nett die ganzen Ortschaften waren, durch die war kamen.

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Meer und Berge, ansonsten nichts

Am meisten aber hat uns die Herzlichkeit der Taiwaner erfreut. Nein, man muss sagen angetrieben. Egal an welchem Punkt unserer Reise, an wem auch immer wir vorbeifuhren, er rief uns ein freundliches jiayou! (加油) zu. Zu Deutsch: Gebt Gas! Ein Jahreswechsel also der ganz besonderen Art.

RTI im Fußballfieber

Auch RTI ist im Fußballfieber – ein wenig zumindest.

Die Fußballfans der Frendsprachenredaktionen trafen sich vor dem Sender, um sich für die nächsten Spiele in Stimmung zu bringen

 

Mitarbeiter verschiedener Sprachredaktionen beim Gruppenbild zur WM 2014:

RTI im Fußballfieber

RTI im Fußballfieber

 

Die deutsche Redaktion stark vertreten. Der Ball beweist, dass es sich nicht nur um Fans handelt, sondern dass (zumindest einer davon) auch selbst Fußball spielt:

Dominik und Frank von der deutschen Redaktion

Dominik und Frank von der deutschen Redaktion

 

Die französische Redaktion ist fast vollständig dabei:

Stark vertreten: die französische Redaktion

Stark vertreten: die französische Redaktion

 

Auch aus der vietnamesischen Redaktion fanden sich die Fußball-Fans ein:

Die Fans von der vietnamesischen Redaktion

Die Fans von der vietnamesischen Redaktion

 

 

Voll im Bild:

Dominik und Frank

Dominik und Frank

 

…. hier noch mal alle in der Aufstellung bei der 2. Fan-Halbzeit:

RTI-Fußballfans

RTI-Fußballfans

 

 

… falls Sie sich fragen, wer denn nun der Mitarbeiter der deutschen Redaktion ist, der nicht nur Fußball guckt, sondern auch selbst spielt, hier ein kleiner Hinweis ….

Frank

Taiwans Baseballgeschichte – im Sonntagsmagazin im Januar

Dr. Andrew Morris, Professor für moderne chinesische und taiwanische von der Cal Poly Universität in Kalifornien, hat neben Geschichte eine weitere Leidenschaft – Sport. In seiner akademischen Tätigkeit hat er diese beiden Leidenschaften immer wieder kombiniert und ist dabei tief in Taiwans Sportgeschichte eingedrungen.

Professor Andrew Morris

Professor Andrew Morris

So hat Professor Andrew Morris z.B. vor einiger Zeit das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ herausgegeben, aber auch sonst sehr viel Forschung über Taiwans und Chinas Sportgeschichte betrieben. Morris Book

 Und ich hatte das Glück, dass Professor Morris sich freundlicherweise bereit erklärte, ein Interview mit mir durchzuführen, was sich so interessant entwickelte, dass es statt der angedachten 15-20 Minuten letztendlich eine Stunde dauerte. Daher steht das Sonntagsmagazin im Januar ganz im Zeichen von Taiwans Sportgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Baseball. Eine kleine Übersicht darüber, was sie im Gespräch mit Professor Andrew Morris erwartet:

1. Teil am Sonntag, den 5. Januar 2014

Professor Morris erzählt darüber, was ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal nach Taiwan brachte und wie sein Interesse am taiwanischen Sport insbesondere Baseball geweckt wurde. Ausserdem geht Professor Morris auf C. K. Yang ein, den vielleicht ersten taiwanischen Weltklasseathleten, der nicht nur bei den Olympischen Spielen 1960 im Zehnkampf die Silbermedaille gewann, sondern 1963 auch den Weltrekord im Zehnkampf hielt.

C K Yang Sports Illustrated

C K Yang auf der Titelseite von Sports Illustrated
(Dezember 1963)

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C K Yang in UCLA
mit Freund und Rivalen Rafer Johnson
und Trainerlegende Ducky Drake

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

2. Teil am Sonntag, den 12. Januar 2014

Im zweiten Teil des Gespräches geht Professor Morris darauf ein, wie sich die Idee für das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ entwickelt hat, und geht dann natürlich auf den Inhalt des Buches selber ein. Zunächst geht es darum, welche Rolle Baseball in der japanischen Kolonialzeit bei dem Versuch, Taiwan zu japanisieren, gespielt hat. Denn Baseball kam nicht durch Amerikaner sondern durch die Japaner nach Taiwan und entwickelte sich zu einem wichtigen Werkzeug bei der versuchten Japanisierung der Taiwaner – sowohl der mit hanchinesischem Ursprung als auch der Ureinwohner.

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Das berühmte Kano Team aus Chiayi (1931)

3. Teil am Sonntag, den 19. Januar 2014

Dann endete der zweite Weltkrieg und Taiwan wurde der Republik China zugeführt. Das hatte auch Einfluss auf den Baseball in Taiwan, denn der eigentliche neue Nationalsport der Republik China war in erster Linie Basketball und Baseball wurde von der neuen chinesischen Regierung als Teil der japanischen Kultur angesehen. Doch auch wenn Baseball nicht die gleiche Förderung erfuhr wie Basketball, wurde er jedoch nicht unterdrückt, denn die Regierung sah Sport als sehr wichtig an, und der beliebteste Sport in Taiwan zu der Zeit war Baseball. Und natürlich erzählt Professor Morris von den berühmten Little League Teams Taiwans, die in den 70er Jahren die Welt dominierten. Doch dabei spielten diese Teams nicht nur eine sportliche Rolle, sondern auch eine politische Rolle. Das mussten die Amerikaner und die amerikanischen Medien mit Erstaunen feststellen, als sie Zeuge davon wurden, dass es während der Endspiele in den USA zwischen Fans, die alle die taiwanischen Little League Teams unterstützten, immer wieder zu Schlägereien kam.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

4. Teil am Sonntag, den 26. Januar 2014

Welche Rolle spielt Baseball im modernen Taiwan und welchen Einfluss hatten und haben die Wettskandale? Professor Morris legt seine Schlussfolgerung dar und geht nochmal auf die interessanten Widersprüche der Baseballgeschichte Taiwans ein. Außerdem nimmt er Stellung zu der scheinbaren Widersprüchlichkeit bei der Einstellung vieler Taiwaner zum Sport – das Verlangen nach internationalem Erfolg taiwanischer Athleten bei gleichzeitigem Widerstreben, die eigenen Kinder eine Sportlerkarriere einschlagen zu lassen.

Mehr über Professor Andrew Morris kann man auf dieser Webseite von Cal Poly erfahren:

http://cla.calpoly.edu/hist_morris.html

Und hier mehr zum Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“:

http://www.amazon.com/Colonial-Project-National-Game-Baseball/dp/0520262794

Übrigens arbeitet der taiwanische Regisseur We Te-sheng (Cape No. 7, Seediq Bale) an einem Film über das berühmte Kano Baseballteam aus dem zentraltaiwanischen Chiayi, das 1931 an den Oberschulmeisterschaften des gesamten japanischen Reiches teilnahm und den zweiten Platz belegte.

Kano Movie

Dieser Film soll im Februar 2014 in die Kinos kommen –  und hier eine kurze Vorschau:

http://www.youtube.com/watch?v=BlXvc-Nd2xg

Ilon Huang

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 – Vom Südosten bis zur Hafenstadt Kaohsiung

4. Tag: Vom Thermalort Chiben nach Checheng an die Südküste  (108KM)

Heute die Fortführung der Fahrradtour „Formosa 900“, einmal herum um Taiwan.
In der Zwischenzeit kam sie leider etwas ins „stocken“, klassischer Fall von „Hardware-Schwäche“, die letztlich in den Griff bekommen wurde. Die „900“ steht für die Anzahl der Kilometer, die es dabei zurückzulegen galt.

Im ersten Teil ging es von Taipei Richtung Yilan an die Ostküste, weiter nach Hualien und von dort über den Thermalort Ruishui zum Thermalort Chiben, etwa 20 Kilometer südlich von Taidung.

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Das Aufstehen erfolgte am vierten Tag bei herrlichstem Wetter, der Eintritt in die Tropen hatte sich gelohnt. Sonnenschein, aber nicht zu heiss, ein leichte Brise wehte, alles Bestens, bis auf den vermeintlich besiegten Muskelkater.

Die Morgengymnastik erfolgte diesmal im Beisein von neugierigen Reisegruppen vom Festland, denen wir ein beliebtes Fotomotiv darstellten.

Die heutige Etappe war etwa 110 km lang, es ging in das küstennah gelegene Checheng in Südtaiwan, ganz in der Nähe des wohl bekanntesten Badeortes Kending. Eine abwechslungsreiche Strecke wartete auf uns, die alles bot. Küste, Berge und eine schöne Abfahrt ins tropische Binnenland.

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Unendliche Weite des Pazifik

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Im ersten Abschitt führte die Strecke etwa 50 km am Meer entlang. Sanfte Steigungen mit kleineren Abfahrten sorgten für einen abwechslungsreichen beschwingten Rhythmus, dazu gab es weiten Blick auf den Pazifik, auf Wellen und Brandung. Sonne , Wolken und Wasser boten unterhaltsame, fast meditative Lichtspiele, die Küstenstrecke hätte noch viel länger sein können. Der Gedanke an das weit entfernt auf der anderen Seite liegende Amerika verschaffte einem ein Gefühl unendlicher Weite.

Unterwegs hatten wir noch unser tägliches Treffen mit einer weiteren von insgesamt 10 Teilnehmergruppen, die uns entgegen kamen. Am heutigen Tag trafen wir auf die Behinderten-Gruppe, die auf Spezialfahrrädern mit der Kraft ihrer Arme und bei Bedarf elektrisch unterstützt die über 900 km lange Strecke bewältigten.

Danach machten wir uns zur Herausforderung des Tages , und zwar der Erklimmung des Shouka-Passes. Der Name verspricht ein zusätzliches Leben – wenn man es hinauf geschafft hat!

Photo 4 5 6

Die Sonne lief an dem Novembertag dann zur Hochform auf, 30 Grad wurden erreicht, genau das Richtige für die 10 km lange Steigung. Etwa 450 Meter ging es hinauf, ab und an auch etwas steiler. Eine Höhe, die auch für engagiertere Hobbyradler zu erklimmen ist und eine gute Balance zwischen Anstrengung und Abfahrtsfreuden darstellt. Damit hatten wir denn auch die zweithöchste Erhebung auf unserer Tour erklommen, von nun an war Entspannung angesagt, so glaubte man es zumindest.

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

Shou-Ka-Pass erledigt, ein Extra-Leben gewonnen

05 Praerie-Durchquerer aller Laender 06 Alles OK

Wer in Taiwan etwas höher hinaus will, kann dies mit Leichtigkeit tun: Fast alle Pässe sind höher als die von uns erklommenen. Der höchste Pass, der Wuling Pass am oberen Ende der Taroko-Schlucht, liegt in der luftigen Höhe von 3275 Metern und ist damit auch der höchste Pass in Südostasien.

Der Shouka Pass befindet sich an der Kreuzung von der Nationalstraße 9 mit der 199. Weiter ging es dann auf der kleineren 199 in Richtung Chiben durch landschaftlich nahezu unberührte Strecke. Die 9 ist die Hauptverbindung zwischen den Kreisen Pingtung und Kaohsiung mit der Ostküste und entsprechend stärker befahren. Fahrradfahrer sollten diese Strecke daher meiden.

Nach einer kurvigen Abfahrt ging es noch zum Dongyuan See mit Gruppenfoto, vorbei an einer Talsperre in Richtung Chiben.
08 Taiwans Sueden

07 Unberuehrter Sueden
Ein schöner runder Tag ging zu Ende, im Hotel angekommen ging es gleich zur Lockerung in das Schwimmbad und in die Sauna.

09 Rast auf dem Weg nach ChechengKending

5. Tag – Von Checheng nach Kaohsiung (100KM)

Von Chechen aus, gut 20 km vom Badeort Kenting entfernt, ging es am fünften Tag in Richtung Hafenmetropole Kaohsiung Richtung Nordwesten, ca. 100 km waren zurückzulegen.

 01 Checheng

Insbesondere die Südhälfte bietet sich Mitte November zum Fahrradfahren an, eine leichte Brise bei 25 bis 28 Grad, was will man mehr. Die ersten 10 km hatte man noch den Blick auf Berge und Hügel zur Rechten, dann verflachte die Landschaft, Felder wechelten sich mit Gewerbeindustrie ab, man näherte sich der Schwerindustrieregion von Pingdong und Kaohsiung, hier befindet sich ein Großteil von Taiwans Stahl- und Chemieindustrie.

02 Spezilitaet der Region

Etliche Schilder wiesen darauf hin, die besten Wasserkastanien zu beissen gibt, das stimmte wohl auch.

03 Wasserkastanie

Wasserkastanien aus Pingdong

Einige kleinere kulinarische Spezilitäten gab es natürlich ebenfalls, insbesondere die heiße und süße Mehlspeise, mit Bohnen und Früchten angereichert auf geraspeltem Eis, hatte es etlichen angetan.

 04 Kulinarischer Spezialitaetenstop

05 Cycle forever05 Wer sein Moped liebt der schiebt

Nach der wunderschönen Strecke im Osten war dies ein eher normaler Tag, es ging aber mit jetzt strammeren Beinmuskeln flott voran, sodass wir uns recht früh am Nachmittag Kaohsioung näherten. So blieb noch ein wenig Zeit für einen kleinen Stadtbummel.  Das Hotel war zentral am Aihe , dem Liebesfluss, gelegen.

06 Metropole Kaohsiung am Liebesfluss

Kaohsiung-Zentrum mit dem Liebesfluß

Zum Abendessen ging es dann ein Stück am Fluss entlang und später an den alten Kaianlagen des Hafens zum Abendessen. Diesmal speisten wir auf einer Veranstaltung des Rotary-Clubs von Kaohsiong, die auch im Zeichen von Formosa 900 stand.

07 Kai der wahren Liebe

Hafenmole der „wahren Liebe“

08 Treffen des Rotary Clubs Kaohsiung

Auch der Rotary-Club im Fahrradfieber

 Kaohsiung hat das Gebiet um den Liebesfluß für die innerstädtische Freizeit gestaltet, Radlerwege sind vorhanden, alte Hafengebäude sind jetzt zu Kunstgalerien und Aktionsstätten geworden, das ganze natürlich mit einem Meer von LED-Lichterketten illuminiert. Nach dem Abendessen schlenderte ich dann, völlig unüblich zu Fuß,  über die Nachtmärkte Richtung Hotel zurück.

09 Kaohsiung am Abend 09 Kaoshsiung am Abend 2

09 Vespa-Oldtimer

Vespa-Revival-Werkstatt

Taiwanrundfahrt: Formosa 900 Radtour – Rund um die Insel

Formosa 900

Einmal mit dem Fahrrad um die Insel, dass ging einem schon des Öfteren durch den Kopf. Beim morgendlichen E-mail-Check dann die Nachricht des Tapeier Clubs der Auslandsjournalisten: Formosa 900 – Medienvertreter für eine Taiwanrundreise gesucht!

Bewerbungsfrist: bereits abgelaufen…

Egal.

Eine kurze Email-Nachfrage, eine schnelle Antwort, nach der Kleidergröße wurde gefragt und weitere Kontaktdaten des Reiseausrichters GIANT übermittelt…Infoveranstaltung am Samstag in Taipei.

Info-Veranstaltung im GIANT-Shop

… und damit genau 10 Tage Zeit, sich noch ein wenig in Form zu bringen.

Am Vorabend der Rundreise  noch schnell die letzte Trainingseinheit,   ein wenig Hügel mit 300-400 Höhenmetern und zwei lange Sprints, 60 km in 2 Stunden,  man fühlte sich gewappnet – dass sollte reichen.

Das Packen zog sich allerdings ein wenig in die Länge, mit nur einer Stunde Schlaf ging es dann am 10. November um 7:30 Uhr zum frühen Treffpunkt am Rathaus in Taipei. Taiwans herbstlicher November zeigte sich von der besten Seite, Sonne pur, kein Wölkchen am Himmel, 30 Grad könnten es werden.

1. Tag: (Nov. 10) Taipei – Luodong bei  Yilan (86KM)

Bei Ankunft tummelten sich schon hunderte Personen auf dem Rathausplatz. Unter den wohl 100 auf den Boden liegenden Fahrrädern suchte ich mir meines heraus, kleiner Testlauf, kleine Anpassungen, das Rad machte einen guten Eindruck, ich war bereit!
Find your Bike

Offizielle Eroeffnung
Doch erst gab es noch eine Weile ein großes Gewimmel und Medienspektakel: Vertreter von Politik und Wirtschaft waren anwesend, ein Präfekt aus Japan nahm ebenfalls mit einer Gruppe japanischer Fahrradfreunde teil und hatte als Gastgeschenk bergeweise Mandarinen aus Okinawa mitgebracht – somit die Besten , die ich je in meinem Leben gegessen hatte. Typisch chinesisch-asiatisch: schon vor der Abfahrt gab es kleine Spezialitäten.

First Class Mandarinen aus Japanwirklich lecker

Die Teams

Zehn Gruppen mit etwa je 25 – 30 Teilnehmern traten die 9-tägige Tour gleichzeitig an, allerdings von verschiedenen Etappenpunkten aus.  Wir in der Unternehmer- und Mediengruppe reisten im Uhrzeigersinn, alle anderen entgegengesetzt. Zum Mittag oder abends im Hotel traf man dann täglich eine der Gruppen. Es gab eine Seniorengruppe, eine Frauengruppe, eine Behindertengruppe, Firmengruppen etc. , insgesamt wollten ca. 300 Personen im Rahmen von Taiwans Fahrradfestival die gut 900 km um die Insel strampeln – eben Formosa 900.

Mit viel Tamtam verließen ca. 250 Radler das Rathaus, darunter auch der 78 jährige Gründer der Fahrradschmiede GIANT, der mit 74 Jahren die Formosa 900 Rundfahrt ins Leben gerufen und auch geradelt ist. Diesmal reiste er aber aus nicht weiter genannten Gründen nur am ersten Tag ein Stück mit des Weges.

Die erste Pause wurde schon nach gut 10 km in Bitan eingelegt, dort gab es ein großes Verabschieden, dort trennten sich die Gruppen, wir fuhren in den Osten , die anderen Richtung Westen.

Flussufer bei Bitan

Für alle die zu Besuch in Taipei sind: Man muss nicht gleich um die Insel fahren, hier kann man auch gemütlich an einem Tag die Stadt auf Fahrradwegen am Flußufer umrunden, etwa 50 km lang ist die Strecke, auf der man vom normalen Verkehr verschont bleibt und den Talkessel von Taipei angenehm entdecken kann. .

Die erste Etappe der Formosa 900 war gleich die „Königsetappe“ – zumindest wähnte ich mich anfangs in dem Glauben, es gäbe nur diese eine. Etwa 100 km von Taipei ging es immer die Hügel durch das Teeanbaugebiet um Pinglin hinauf bis nach Luodong an die Ostküste.

Teehuegel Richtung Pinglin

Von Bitan bis zur nächsten Raststätte waren es 30 km bergauf mit Steigungen von bis zu 9% , ein würdiger Anfang für den Rest der Reise.

Das Thermometer erreichte die befürchteten 30 Grad, der wenige Schlaf und die späte Trainingseinheit am Vorabend machten sich bei dem langen Anstieg Richtung Yilan bemerkbar.

Pinglin

Das man Tee nicht nur trinken kann, erfuhren wir dann beim Mittagessen: Frittierte Teeblätter, Teekekse und Teebonbons, Pinglin hat auch kulinarisch einiges zu bieten. Ansonsten gab es deftige Kost vom Lande, gerade richtig für hungrige Radler.

Nach dem Essen ging es wieder bergab und bergauf, irgendwann war es dann geschafft, erleichtert konnte man am späteren Nachmittag den Blick aus etwa 500 Metern Höhe über die Tiefebene der Ostküste genießen.

Pass von Yilan

Blick auf die Tiefbebene von Yilan – 500 Höhenmeter in Serpentinen bergab

Tiefebene von Yilan

Tiefebene von Yilan

Lediglich eine etwa  15 km lange Serpentinenabfahrt galt es noch zur Belohnung zu bewältigen, der Rest verlief dann im Flachen durch das dichtbesiedelte  Ortschaften bis Luodong.

Wie selten genoss man die warme Dusche am Abend, und auch für das Abendessen war man nach dem langen Tag wohl präpariert, es schmeckte vorzüglich. Ungewöhnlich früh um 10 Uhr legte man sich auf ein himmlisch weiches Bett und sank in einen wohligen Tiefschlaf.

2. Tag:  Luodong – Hualien – Ruisui (90 km)

Morgengrauen in Luodong

Morgengrauen in Luodong mit der Schildkröteninsel im Hintergrund (links)

Der Morgen begann natürlich erstmal mit einem stärkenden Frühstück, etliches aus Taiwans Küche wurde aufgefahren, doch auch ein westliches Frühstück liess sich leicht aus dem großen Büffett zusammenstellen. Eine große Palette an Früchten und Salaten neben deftiger Kost wurde ebenfalls angeboten.

Asiatisch gesund

Ein Bruchteil dessen, was das Frühstücksbuffet zu bieten hatte.

Der Morgen begann mit einem kurzen 10 km – Antritt bis zur kleien Hafenstadt Suao, auf dem Weg dahin wurde noch ein etwas längerer Photostopp eingelegt, nicht der letzte auf der Reise, um dann von Suao  aus mit der Bahn 80 km weiter in Richtung Hualien zu fahren.

BizMedia Team

Der Grund: die Strecke ist für den Fahrradverkehr gesperrt. Etliche z. T. mehr als 2 km lange Tunnel müssen auf der an der Steilküste liegenden Straße passiert werden. Da es die Hauptverkehrsader an der Ostküste ist, herrscht dort reges Verkehrsaufkommen und etliche ambitionierte Lastwagenfahrer oberhalb der 20 to Klasse mit anscheinend größeren Zeitproblemen sind dort anzutreffen.

Trotz der landschaftlichen Schönheit ist diese Strecke nicht nur für Fahrradfahrer sondern auch für Rollerfahrer recht gefährlich. Neben des erhöhten Risikos von Steinschlag können die einsatzfreudigen Lastwagenfahrer eine echte Gefährdung darstellen, u.a. werden dort riesige, etliche Tonnen schwere Marmorplatten auf den kurvigen und bergigen Straßen transportiert. Als Zweiradfahrer fühlt man sich angesichts dieser Riesen in der Tat ziemlich deplatziert und sehnt sich plötzlich nur noch nach seinem sicheren Heim.

Daher zu dieser Strecke mein absolutes Nein, die Bahnfahrt ist auch nicht schlecht und bietet ebenfalls des öfteren einen schönen Panoramablick auf die Ostküste Taiwans.

Bahnwagon

Tunnelmarathon nach Huelien

Suao-Hualien-Bahnfahrt

Inkognito

Inkognito

In Hualien ging es dann erstmals zum Mittagessen und relativ spät, um halb Zwei, konnte man dann endlich wieder einige Kalorien abarbeiten. Doch fehlgeschlagen, eine weitere „Stärkung“ galt es zu bewältigen: Eine lokale Spezialität namens Douhua, Doufu-Pudding !

Auf der Bundestraße 9 radelten wir im Binnenland weiter Richtung Süden, der schon am Morgen wolkenverhangene Himmel wurde noch ein wenig dunkler, ab und an ein bischen Regen, am Abend dann etwas mehr.

Ruishui liegt in einem immergrünen Talbecken, mystisch wolkenverhangen oder mit Fernblick auf das blauschwarze Gebirge – je nach Wetterlage – doch beides hat seinen Reiz. Der Ort ist wegen seiner extrem mineralstoffhaltigen Quellen in ganz Taiwan beliebt und bekannt – und genau das richtige Wasser für verhärtete Radlerbeine. Die fühlten sich mittlerweile mindestens 5 cm dicker an und schmerzten schon bei leichtem Druck recht ordentlich- klassischer Fall von Muskelkater. Auch am heutigen Abend schlief es sich hervorragend und erneut zu ungewohnt früher Uhrzeit.

3. Tag: (Nov. 12) Ruisui – Zhiben (123KM)

Die dritte Etappe der gut 900 km langen Taiwanumrundung führte vom Thermalort Ruisui im Osten des Landes zum Thermalort Zhiben etwa 20 km südlich von Taidung. Obwohl beides Thermalorte sind, gibt es deutliche Unterschiede: In Ruisui ist das Wassser enorm mineralstoff- und eisenhaltig, es läuft in der Tat braun aus der Leitung, das perfekte Sportlerwasser.

In Zhiben ist das Wasser besonders weich, es fühlt sich fast wie flüssigerer Wackelpudding an und verschafft einem eine besonders weiche Haut, Zhiben ist daher oft bei der Damenwelt beliebt.

Doch noch waren wir nicht dort,  es stand eine der längeren Etappen auf dem Programm. Schlappe 125 km auf der Nationalstraße 9 galt es zu bewältigen, immer weiter im Tal des östlichen Grabens Richtung Süden.

Das Einschlafen bereitet einem auch am dritten Tag keine Probleme, ähnlich verhält es sich mit dem Aufstehen. Sehr früh um halb fünf mit dem ersten Hahnenschrei wurde ich wach, deutlich vor der Abfahrtszeit. Ein Plätschern von Regentropfen war auszumachen. Mal leise Aufstehen , nicht meinen Zimmerkollegen Ruben wecken, doch: Ruben ist nicht da! Etwas verwundert löst sich dies dann auf: Er nutzte schon die dunkelgrauen Morgenstunden, um in der Gartenanlage unseres Hotels, eher eine Ansiedlung kleinerer, komfortabler Holzhäuser, seine Taiqi-Übungen zu machen. Ein mystischer Regen verstärkte das Gefühl von Ruhe und Abgeschiedenheit , recht passend zum Taiqi,  für das Fahrradfahren gibt es natürlich bessere Bedingungen, doch als kalt wurden die 22 Grad nicht empfunden.

Endlich um 6 Uhr 30 ging es los, die Abfahrtszeit kam mir mittlerweile etwas spät vor – so schnell kann eine Nachteule seinen Lebensrhythmus wechseln.

Auf das Plastikregencape verzichtete ich angesichts der aktzeptablen Temperaturen,es gab nur noch Nieselregen. Meine Spekulation, dass der Einfluss des Nieselregens geringer ist als der des Schwitzen unter einem Plastikcape ging auf, der leicht feuchte Nieselfilm auf meiner Haut erwies sich als angenehme Kühlung. Ansonsten empfehle ich Radlern für Reisen in Taiwan eine leichte, atmungsaktive Regenjacke.

Ein Fotostop wurde dann am Wendekreis des Krebses eingelegt, dem Übergang von den Subtropen zu den Tropen.

Wendekreis

Bruecke ueber den Wendekreis

Ansonsten ging es durch Reisfelder, Reisfelder Reisfelder , links und rechts in der Ferne die Berge, der Himmel meist verhangen  teils etwas dunkler, was aber das Grün besser zur Geltung kommen ließ.

Tempel im Reisfeld RuishuiReisfelder auf dem Weg nach ZhibenPausenteam

Kaum Verkehr im abgelegeneren Süden, nach Taidung , einem Ort mit 100.000 Einwohnern, kommt eben nicht mehr viel. Kurzum – die perfekte Gegend für entspanntes Radeln.

Das Mittagessen war heute etwas einfacher aber sehr berühmt, ein Biandang, welches wir an einem Bahnhofsrestaurant einnahmen. Biandangsind diese in Taiwan so beliebten Mittagessen in Pappschachteln zum Mitnehme. Bestückt meist mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten und einem Teeei an Reis, vegetarische Varianten sind auch zu bekommen.

Der erste und echte Biandang

Der Urvater aller Biandang

An dem Bahnhof hier vor Ort soll in der grauen Vorzeit ohne Speisewagen dieser für die Reise bestens geeignete Biandang erfunden worden sein.

Das Streckenprofil war ein sehr angenehmes, man hatte das Gefühl es ginge ständig bergab, nur zum Schluss einige etwas längere Steigungen, die man mit relativer Leichtigkeit nahm. War diese Leichtigkeit schon den Trainingserfolgen der Vortage zu verdanken…spekulierte man hoffnungsvoll. Zum Schluss belohnte nochmals eine längere Abfahrt für die Anstrengungen des Tages, die erwartet langen 125 km erwiesen sich als relativ leichte Aufgabe.

Chulu-Milch ist die Beste

Chulu-Milch, schmeckt frisch wie zu Hause!Taitung ist Heimat der glücklichsten Milchkühe Taiwans

Nach der Ankunft im Hotel von Zhiben fühlte man sich wie in Festlandchina. Etliche Reisegruppen aus China waren anzutreffen. Das Abendessen, es gab Buffet, machte einem mehr deutlich, dass die langen Jahre der Mangelwirtschaft immer noch nicht verdaut sind und nach wie vor das Essverhalten einiger Besucher vom Festland prägen: Greife zu, solange noch etwas da ist.

Die Leichtigkeit, mit der man sich tagsüber bewegte, war allerdings nach dem Essen verschwunden, Muskelkater machte sich breit, Beine , Rücken Arme, einfach alles angespannt und unangenehm. Glücklicherweise fand ich einen Massagesalon, in dem die Masseuse anscheinend besser über die Unannehmlichkeiten meiner angespannten Muskeln Bescheid wusste als ich selber. Zwei Stunden war ich in Bearbeitung, danach war der Muskelkater fast weg.  Wunderbar.

DER REGENBOGEN-GESUNDHEITSPFAD IN TIANMU

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Abseits der Hauptstraßen ist der Bezirk Tianmu ruhig und beschaulich. Er liegt im Norden von Taipei und bildet das Tor zum Yangmingshan Nationalpark.

Bei einem Spaziergang entdeckte ich den „Regenbogen-Gesundheitspfad“ entlang der Lane 62, Tianmu West Road. Auf beiden Seiten des Huangxi Flusses laden Wege auf begrünten Wällen zum flanieren, oder joggen ein.

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Nicht nur Hochhäuser, sondern auch Palmen säumen den Weg. In regelmäßigen Abständen liegen links und rechts der Wälle kleine Parks mit Bänken unter schattenspendenden Bäumen und Sportgeräten für gymnastische Übungen, so wie Sport- oder Kinderspielplätze. Jederzeit kann nicht nur die Laufrichtung, sondern auch die Flussseite gewechselt werden – dafür sorgen mehr als sieben Brücken.

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Der Bach rauscht, die Grillen zirpen, Frösche quaken und dunkelbraune, 1 Meter lange Schlangen versuchen bei starker Strömung den Fluss zu durchqueren. Schildkröten mit schlamm-gelben Panzern nehmen auf den Steinen am Flussufer ein Sonnenbad und auf ebendiesen hüpft auch gerne die taiwanische Version der Bachstelze herum. Vögel mit prächtig goldfarbenem Bauchgefieder und graubraunem Federkleid singen auf Schilfhalmen und abends drehen Fledermäuse ihre Runden. Im Hintergrund thronen die Berge des Yangmingshan Nationalparks wenn sie sich nicht gerade in den Wolken verstecken.

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Der „Regenbogen-Gesundheitspfad“ ist ein schöner Weg um mal abzuschalten und die Natur mitten in der Stadt auf sich wirken zu lassen, oder um sich sportlich zu betätigen. In der Nähe der MRT Station Mingde beginnt der Pfad und endet im Norden nach einigen Kilometern und vielen Brücken später in üppigem Grün, aber auch an der recht lauten Tianmu West Hauptstraße, die einen unsanft wieder in das Stadttreiben hineinwirft und polternd ruft: „aufwachen!“

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Mandy Fox

Mit dem Rad von Taipei nach Hsinchu

In diesem Eintrag will ich insbesondere einige Bilder von der Radtour zeigen und nur ein wenig davon erzählen. Wer mehr darüber erfahren will, kann am 27. Oktober in „Reise durch Taiwan“ reinhören.

Hier zunächst eine kurze Vorschau:

Endziel sollte ein Spa Ressort sein, ein Hotel mit heißen Quellen. Die erste Hälfte entwickelte sich sehr einfach, da ich von Xizhi auf der Ostseite von Taipei bis zum Töpfereiort Yingge die ganze Zeit richtige Radwege benutzen konnte.

Wie gemalt

Wie gemalt

Das waren etwa 40 Kilometer ohne die Gefahr, sich zu verfahren und fast ohne die Gefahr, umgefahren zu werden. In ganz Taiwan arbeitet man an einem Fahrradnetzwerk, mit dem Ziel, einmal vom Norden bis in den Süden nur auf Radwegen fahren zu können.

Eine Teekanne lädt zur Pause ein

Eine Teekanne lädt zur Pause ein

Gerade in Taipei hat man schon die drei großen Flüsse und die anliegenden Flussparks benutzt, um dort immer besser werdende Fahrradwege einzurichten. Interessanterweise heisst das insbesondere außerhalb von Taipei Stadt aber nicht immer, dass Fahrradwege nur für Fahrräder sind, doch das ist ein anderes Thema.

Kontrast - Gebäude aus der Qing Dynastie vs. Gebäude aus den 1970ern

Kontrast – Gebäude aus der Qing Dynastie vs. Gebäude aus den 1970ern

So ist eben beispielsweise YingGe per Radweg, der nur für Radfahrer ist, an Taipei angeschlossen. Nach Yingge ging es dann weiter auf normalen Landstrassen, was nicht immer so schön war wie auf dem Radweg. Denn in Taiwan ist gerade am Wochenende auf den Straßen immer viel los und auch Lastwagen rasen am Wochenende unbegrenzt über die Straßen.

Ein kleines Örtchen an einer Nebenstraße - noch hoffe ich, dass ich auf der richtigen Straße bin

Ein kleines Örtchen an einer Nebenstraße – noch hoffe ich, dass ich auf der richtigen Straße bin

Um die großen Straßen zu vermeiden, hatte ich per Internet einige kleine Nebenstraßen gesucht, was das Fahren tatsächlich angenehmer machte. Meistens war es etwas ruhiger und weniger befahren, aber auch weniger bebaut, so dass man auch die Landschaft geniessen konnte und auch einiges vom „alten“ Taiwan sehen konnte.

Ein altes Bauernhaus im Stil der Qing Dynastie

Ein altes Bauernhaus im Stil der Qing Dynastie

Also z.B. kleine Bauernhäuser im Stile der Qing Dynastie. Allerdings waren diese Straßen weniger beschildert, so dass ich mich hin und wieder verfuhr und letztendlich etwa 15 Kilometer mehr zurückgelegt hatte, als für die eigentliche Strecke vorgesehen war.

Bananen- und Pampelmusenbäume

Bananen- und Pampelmusenbäume

Je mehr ich mich dem Ziel näherte, desto bergiger wurde es auch, und wäre ich auf der Hauptstrecke geblieben, wäre es wohl meistens immer langsam stetig bergauf gegangen. Die kleinen Nebenstrecken zeichneten sich aber dadurch auf, dass es immer wieder bergab ging und dann wieder extremer bergauf ging, was das „sich Verfahren“ auch noch anstrengender machte.

Etwas anderes, was mir auffiel, während ich mich dem Ziel näherte, waren die Hinweise auf Ureinwohner. Tatsächlich war dies früher eine Region, die insbesondere von den Atayal bewohnt wurde, ehe sich auch hier die Han-Chinesen insbesondere die Hakka niederliessen. Diese Hinweise sind z.B. (neuere) Gebäude mit den markanten, kunstvollen Mustern, die traditionell auf den Gewändern der Atayal zu sehen waren, oder Schnitzereien und Statuen, die auf Ureinwohner hinweisen.

Endlich der erste Blick auf das Ziel - das Spa Ressort

Endlich der erste Blick auf das Ziel – das Spa Ressort

Nach knapp 105 km statt der vorgesehenen etwa 90 km erreichte ich dann schließlich das Spa Ressort in den Bergen, wo ich mich in der Ansammlung von Wasserbecken (es gab sogar ein Becken mit Fischen, die einem die Haut abknabbern) erst einmal entspannen konnte.

Teile des Ressorts inmitten der Berge

Teile des Ressorts inmitten der Berge

Nach Abendessen, einer nicht so ruhigen Nacht (eine Reisegruppe machte mit Karaoke die Nacht zum Tage) und einem Frühstück mit wunderbarer Aussicht ging es wieder auf den Rückweg, der auch bis auf den Gegenwind ziemlich problemlos verlief. Ich fand sogar noch einen neuen Radweg, der es mir erlaubte, mich schon etwa 10 Kilometer vor Yingge wieder auf den Radweg zu begeben, ehe es von Yingge weiter auf dem Radweg nach Taipei zurückging.

Von Ilon Huang

Ein "Heiße Quellen Bad" auch im Hotelzimmer

Ein „Heiße Quellen Bad“ auch im Hotelzimmer

Auf dem Balkon des Frühstückssaals

Auf dem Balkon des Frühstückssaals

Und die Aussicht vom Balkon

Und die Aussicht vom Balkon

Über die Treppe den Taipei 101 hoch

Ich hatte es geschafft – ich konnte endlich mal am „Taipei 101 – Lauf“ teilnehmen. Genau, es ging bei dieser Veranstaltung darum, das einstmals höchste Gebäude der Welt zu Fuß also über die Treppen zu besteigen. Bei dem Lauf ging es nicht ganz in den obersten Stock, sondern „nur“ in den 91. Stock, d.h. insgesamt 390 Meter und 2046 Stufen.

Da sollte es hochgehen

Da sollte es hochgehen

Meine erste Teilnahme bot mir gleich noch eine zweite Premiere – der Besuch der Außenterasse auf der 91. Etage, denn dort würde der Lauf, das Klettern, vielleicht auch das Hochkriechen enden. Ich war zwar schon des öfteren auf der inneren Aussichtsplattform des Taipei 101 im 89. Stock gewesen, doch aus verschiedenen Gründen hatte ich es noch nie auf die Außenterasse geschafft. Das sollte sich nun ändern, wenn ich es denn bis nach oben schaffen würde. Bei wunderschönem Wetter fand ich mich also kurz vor 10 Uhr am Taipei 101 ein, mehr als eine Stunde früher, als ich eigentlich starten sollte, doch ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen und ein Programm für RTI produzieren. Dazu wollte ich schon vorher ein wenig der Stimmung vor dem Taipei 101 einfangen (denn natürlich war einiges los) und ich wollte versuchen noch ein oder zwei Interviewpartner vors Mikrofon zu zerren.

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Und durch die nette Hilfe des Organisationsteam hatte ich tatsächlich das Glück ein paar Informationen direkt von Michael Liu (Assistence Vice President/Taipei 101 Financial Center Corp.) zu der Organisation des Laufes zu erhalten. Er erzählte mir, dass sich etwa 4100 LäuferInnen angemeldet hatten, davon etwa 100 Ausländer. Übrigens hatte der diesjährige 101-Lauf ein besonderes Motto: „Run for a reason“, also „Lauf aus einem Grund“. Michael Liu erklärte mir, dass es vielzählige Gründe gebe, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Einer war, sich selber herauszufordern, ein zweiter Grund war, dass Teile der Einnahmen für gute Zwecke gespendet wurden.Außerdem hatte ich im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, mich mit Thomas Dold aus Deutschland zu verabreden.

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold, der nicht nur den Taipei 101 Lauf einige Male gewonnen hat, sondern auch eine Vielzahl anderer derartiger Läufe. Ich hatte Thomas Dold schon im letzten Jahr nach seinem Sieg ausführlich interviewt, allerdings nur über Telefon. Diesmal hatte ich also die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen. Leider konnte er in diesem Jahr seinen 1. Platz nicht verteidigen, sondern verlor ganz knapp mit vier Sekunden gegen Mark Bourne aus Australien.

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 ...

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 …

Die sogenannte Elitegruppen (Männer und Frauen) hatten ihr Rennen bei meinem Eintreffen schon beendet (dazu gleich noch ein paar Details) und so konnte ich Thomas Dold bei der Siegerehrung abfangen.

... und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

… und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

Wenn ich befürchtet hatte, dass er vielleicht schlecht gelaunt ob des super knapp verpassten Sieges sein würde und keine Lust haben würde, meine Fragen zu beantworten, sah ich mich getäuscht. Er bestätigte meinen frühreren Eindruck von unserem Telefoninterview, dass er ein sehr freundlicher, offener Zeitgenosse ist und beantwortete alle meine Fragen lachend und lebhaft. Zum Schluss gab er mir noch den Tip, langsam anzugehen und dann hinten raus noch mal zuzulegen, denn dieser Taipei 101 sei wirklich ein sehr herausfordernder Turm. Diesen Rat zu Herzen nehmend, machte ich mich also auf zum Start, wobei mir klar war, dass ich langsam anfangen würde und dann noch langsamer aufhören.

Das Drachenbootteam "Team Max", bei dem ich mitlief

Das Drachenbootteam „Team Max“, bei dem ich mitlief

Doch zunächst an dieser Stelle noch ein paar Informationen zum Ablauf. Wie gesagt nahmen an diesem 8. Taipei 101 Lauf (wird seit 2005 durchgeführt) über 4100 LäuferInnen teil. Dass diese nicht auf einmal auf den Treppenturm losgelassen werden konnten, ist wohl selbstverständlich. Also wurden verschiedene Kategorien organisiert, die dann zu verschiedenen Zeiten losgelassen wurden. Einmal die Elite-Läufer, die um 8 Uhr morgens losliefen. Dann die Staffelteams, wobei die jeweiligen Teams ihre Mitglieder in verschiedenen Stockwerken platzieren mussten, und diese starteten um 8:45. Dann waren die Teams an der Reihe, die auch als Team losliefen. Hierbei bestand jedes Team aus 30 LäuferInnen und die Zeiten der 15 schnellsten LäuferInnen aus jedem Team wurden zusammengerechnet, um die Siegermannschaft zu ermitteln. Insgesamt nahmen 52 Teams am „Team-Wettkampf“ teil, der um 9:10 begann.

Vor dem Start

Vor dem Start

Sehr positiv war, dass die Organisatoren schon im Vorfeld die Startzeiten noch genauer eingeteilt hatten. D.h. es wurde nicht einfach gesagt, „Team-Wettkampf um 9:10“ und die späteren Teams hätten dann zwei oder drei Stunden warten müssen, sondern es wurde schon vorher gesagt, z.B. die Teams mit den Startnummern 1651-1950 starten zwischen 10:30 und 11:00. Tatsächlich funktionierte das recht gut und wir mussten nicht einmal eine halbe Stunde anstehen. Dann ging es tatsächlich los, ich mit Aufnahmegerät, Mikrofon und Blackberry (als Videokamera) in beiden Händen. Denn ich wollte ja zwischendurch und vom Zieleinlauf sowohl Ton- als auch Videoaufnahmen machen.

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Gemäß dem Rat von Thomas Dold liess ich es locker angehen und joggte vor mich hin. Ich muss sagen, dass ich vor dem Taipei 101 schon über ein Jahr nicht mehr gelaufen war und im Vorfeld nur einige Mal bei uns im 10-stöckigen Haus hoch- und runtergelaufen war, also war mir klar, dass ich da nicht hochsprinten könnte. Lustigerweise erinnerten mich viele der anderen Teilnehmer an Kinder, die das erste Mal an einem Rennen teilnehmen. Kinder tendieren oft dazu, mit Elan und Volldampf loszurennen, ehe sie nach einiger Zeit dann keine Kraft mehr haben, um weiterzulaufen. So war es auch hier mit vielen LäuferInnen. Mit Geheul und Jubbel ging es über die Startlinie und die ersten zwei/drei Etagen, ehe viele dann merkten, dass die Beine schon anfingen zu brennen, die Lunge fast platzte und man noch über 80 Etagen vor sich hatte. So konnte man dann Leute sehen, die sich wahrlich die Stufen hochquälten und fast auf allen vieren kletterten. Und nicht wenige mussten sich hinsetzen, um entweder wieder zur Puste zu kommen, oder den Lauf ganz abzubrechen. Aber auch wenn sich dieser Wechsel zwischen anfänglichem Enthusiasmus und folgender Ernüchterung lustig anhört, ist es nicht ganz ungefährlich. Denn 91 Etagen zu steigen, ist tatsächlich körperlich sehr anstrengend und eine fehlende Vorbereitung kann böse enden. Dieses Mal habe ich niemand gesehen, der tatsächlich zusammengebrochen ist, doch ich habe das schon öfter während der Triathlons erlebt. Also, wer mal am Taipei 101 Lauf teilnehmen möchte, sollte im Vorfeld mal die eine oder andere Treppe zu Fuss zurücklegen. Lobenswert fand ich übrigens die gute Atmosphäre im Treppenhaus und das sehr disziplinierte Benehmen der LäuferInnen. Schon im Vorfeld hatten die Organisatoren erklärt, dass vom rücksichtslosen Überholen abzusehen sei und während ich auf den Schwimmstrecken der Triathlon Wettkämpfen schon den einen oder anderen Fuss im Mund oder Ellbogen am Kopf gefühlt habe, war davom beim 101 Lauf nichts zu spüren.

Auf dem Dach der Welt

Auf dem Dach der Welt

So trottete ich also die 91 Etagen langsam vor mich hin (Gott sei Dank, dass es iPods gibt), wobei ich zwar langsam angefangen war, aber leider zum Schluss auch langsam aufhörte. Naja, mit brennenden Oberschenkeln und schwer atmend kam ich dann nach 33 Minuten (eingeschlossen einer zwei-minütigen Toilettenpause im 49 Stock) oben an, wo sich das sehr schöne Wetter doch noch auszahlte. Man hatte eine wunderbare Sicht über Taipei und Umfeld.

Ohne Worte - mir fehlte noch die Puste

Ohne Worte – mir fehlte noch die Puste

Und nach einer kurzen Verschnauffspause ging es wieder runter, und zwar diesmal mit den sehr schnellen Aufzügen. Damit man sich eine kleine Vorstellung machen kann, wie lange es dauert, bis man diese 91 Etagen und 2046 Stufen erklommen hat – Eliteläufer wie Mark Bourne oder Thomas Dold schaffen das schon in unter 11 Minuten, ich selber brauchte 33 Minuten, wobei ich etwas schlechter als das Mittelfeld war, und die längste Zeit war etwas über zwei Stunden.

Und zum Abschluss ein kurzes Video:

Wer an dem Radio-Beitrag interessiert ist, kann diesen auf der Webseite der RTI-Deutschabteilung nachhören. Und zwar im Sonntagsmagazin  vom 10. Juni 2012.

von Ilon Huang

Fotos von Ilon Huang, Lynn Lee, Thomas Dold

Eine taiwanische Handball-Mannschaft bei den Handballtagen in Lübeck

Handball ist alles andere als populär in Taiwan. Die Berichterstattung ist fast nicht existent, so dass man denken könnte, in Taiwan wird überhaupt kein Handball gespielt. Und tatsächlich hörte ich von taiwanischen Handballern das erste Mal in deutschen Medien und zwar wurde gemeldet, dass bei den Handballtagen in Lübeck tatsächlich auch taiwanische Mannschaften am Start seien. Es gelang mir, eine der Mannschaften, eine Schülermannschaft aus Kaoshiung, ausfindig zu machen und die Trainerin der Mannschaft, Chuang Feimin (莊斐旻) , erklärte sich bereit, nicht nur über ihr Erlebnis bei den Handballtagen in Lübeck zu erzählen, sondern auch über Handball in Taiwan zu sprechen. Auch eine der Spielerinnen der Mannschaft, die Mittelschülerin Huang Hsing-ru (黃杏如) war bereit über ihre Reise nach Lübeck zu erzählen. Der erste Teil des Gespräches über Handball in Taiwan kann man in der Sportsendung des deutschsprachigen Programmes von Radio Taiwan International am Sonntag, den 12. Februar 2012 hören. Der zweite Teil über die taiwanische Handballmannschaft bei den Handballtagen in Lübeck folgt dann am Sonntag, den 19 Februar 2012. Natürlich werden auf einer derartigen Reise auch eine Vielzahl von Fotos gemacht, von denen eine Auswahl hier zu sehen sind.

Teil 1, „Handball in Taiwan“, in Sport in Taiwan, am Sonntag, den 12. Februar

Teil 2, „Eine taiwanische Mannschaft bei den Handballtagen in Lübeck“,  in Sport in Taiwan, am Sonntag, den 19. Februar

Zunächst hier noch ein Link zu einer Reportage des NDR über die Mannschaft in Lübeck

http://www.facebook.com/#!/photo.php?v=251990538151379&set=t.100000213033013&type=3&theater

Am Flughafen - das Abenteuer beginnt

Am Flughafen - das Abenteuer beginnt

Flüge von Taiwan nach Deutschland dauern lange und man muss oft ein- oder zweimal umsteigen

Flüge von Taiwan nach Deutschland dauern lange und man muss oft ein- oder zweimal umsteigen

Aber irgendwann hat man es dann doch geschafft

Aber irgendwann hat man es dann doch geschafft

Ganz links Trainerin Chuang Fei-min

Ganz links Trainerin Chuang Fei-min

Bei der Parade durch Lübeck...

Bei der Parade durch Lübeck...

... wehte auch die taiwanische Flagge

... wehte auch die taiwanische Flagge

In den Unterkünften

In den Unterkünften

Bzw. die Räumlichkeiten für die Speisen, die für die taiwanischen Spielerinnen manchmal etwas fremd waren

Bzw. die Räumlichkeiten für die Speisen, die für die taiwanischen Spielerinnen manchmal etwas fremd waren

Die Spiele beginnen...

Die Spiele beginnen...

... hier ist das Wetter noch relativ gut

... hier ist das Wetter noch relativ gut

Aber oft war es nass wie hier

Aber oft war es nass wie hier

Nicht die taiwanische Mannschaft, aber so niedlich, die mussten unbedingt mit rein

Nicht die taiwanische Mannschaft, aber so niedlich, die mussten unbedingt mit rein


Von Ilon Huang

Fotos von Chuang Feimin (莊斐旻) und ihrer Mannschaft

Sommertage – Strategien gegen die Hitze

Freut man sich in Mitteleuropa auf die beschwingte Sommerzeit, hält sich dieses Gefühl in Taiwan ein wenig in Grenzen. Sommer bedeutet hier: heiß-schwül, heißer-schwül oder unausstehlich schwül-heiß.

Lediglich die Nachtstunden bringen angenehme Temperaturen, zumindest wenn man sich draußen befindet. Die Häuser mutieren oft zu Backöfen, die den Einsatz der Aircondition geradezu erzwingen.

Ein Grund, warum es im dichtbesiedelten Talkessel Taipei im Norden der Insel wärmer ist als im Süden.

Doch wie verbringt der Taiwanese angesichts von Temperaturen, die in der Regel mindestens bei 35 Grad Celsius liegen, dies bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 80%,  sein Sommerwochenende?

Verschiedene Optionen bieten sich da an: Das Wochenende ist für den recht eingespannten Taiwanesen traditionell die Zeit der Einkäufe – und er kauft gerne ein.  Früher gab es  ohnehin nur am Sonntag frei, daher sind geöffnete Kaufhäuser am Ruhetag ein Muss.

Coole Konsumtempel

Chinesischer Konsumtempel

Besonders beliebt sind die Konsumtempel von oft beachtlicher Größe insbesondere im Sommer: Es gibt eine sehr aktive Aircondition, die einen überhaupt nicht an unerträgliche Hitze denken lässt.  Eine angenehm Kühle dominiert und ein wenig Bewegung lässt sich auch in den weit ausladenden Hallen etlicher Mega-Konsumzonen finden. Insbesondere die Damenwelt wählt diese Variante als anregenden Fluchtweg zur Vermeidung sommerlicher Unangenehmlichkeiten.

Hallen des Glücks

Hitzefreies Mittagessen

Hitzefreies Mittagessen

Wer glaubt, am Wochenende wird sich ordentlich ausgeschlafen, ist in Taiwan am verkehrten Ort. Quirlig agil ist man auch hier schon früh am Morgen, im Sommer rückt dieser Zeitpunkt noch weiter nach vorn.

Auf die Hügel und Berge wandert man dann schon in der Nacht, ab 3 oder 4 Uhr kann es da schon losgehen. Fahrradtouren in die Umgebung sind ebenfalls beliebt, bester Zeitpunkt sind dann ebenfalls die frühesten Morgenstunden, um möglichst vor dem großen Showdown zur Mittagzeit die heimische Aircondition genießen zu können oder zum Mittagessen in ein gut gekühltes Kaufhaus zu gehen.

Doch wie bekämpft man Hitze am besten? Genau, mit Wasser. Die Stadt Taipei liegt recht dicht bei der Küste, auch südlich der Stadt sind einige Flüsse zu finden, in denen man sich ein wenig Abkühlung verrschaffen kann.

Kühlendes Nass in Richtung Wulai

Hot Spring Wulai – der Herr in der Mitte könnte in einer heißen Quelle sitzen

Eine weitere Option sind die Strände nördlich von Taipei, die man inner- halb von 1 bis 1,5 Stunden Fahrtzeit erreichen kann – für eine Großstadt von 3,5 Mio. Einwohnern in erträglicher Nähe.

Baishawan im Nordwesten, Jinshan und die Feicui-Bucht im Norden oder der langgezogene Strand von Fulong im Nordosten der Insel sind beliebte Ausflugsziele.

Jinshan

Surfen oder Kaffee trinken

Auch für sportlicher Gesinnte ist etwas zu finden. Surf-Fans aus dem Norden bevorzugen den Strand von Jinshan und die Honigmond-Bucht im Nordosten, etwa 15 km nördlich von Yilan.

Kaffeeterrasse in Jinshan

Der Strand von Fulong ist ebenfalls beliebt, dort und in Jinshan finden Anfänger des Wasserbrettsports ein günstiges Areal. Die Honeymoonbay (Miyuewan) kann auch dem fortgeschritteneren Surfer etwas Freude bringen, ebenso der Strand von Tucheng, etwa 10 km noerdlich von Yilan.

Für den Anfänger ist Jinshan zu empfehlen, dort gibt es auch entsprechende Surfschulen. Der Wellengang ist gut berechenbar, böse Überraschungen sind dort nicht angesagt, nur am Rande der Bucht befinden sich Felsen im Wasser. Die Wellen dort sind nicht sehr stark, doch ausreichend, um die Basistechniken ohne Turbulenzen zu erlernen.

Auf geht`s !

Auf ein Neues!

…und noch einmal!!!

Oma passt auf

…“böse“ Jungs…


…es muß nicht immer Surfen sein…

Geheimtip der fortgeschrittenen Surfer ist Miyuewan die Honeymoon Bay. Etwas versteckt liegend und touristisch nahezu unerschlossen, strömen die Surffreaks gerne an diesen Strand, dessen Untergrund aus Sand und Kiesel besteht, also recht harmlos ist und kaum gefährliche Felsen aufweist.

Die Wellen hier sind etwas stärker und häufiger in der Frequenz. Das Herz der Surffreaks schlägt natürlich beim Nahen eines Taifuns  noch höher als die zu erwartenden Wellen.

Honey Moon bei schönem Wetter

Honey Moon Bay – Miyue Wan



Als alter Bodysurfer an der französischen Atlantikküste, dort gibt es Wellen von knapp 4 Metern Höhe, machte ich mich beim nahen eines Taifuns auf den Weg. Endlich einmal dabei sein, Miyuewan war mein Ziel. Leider waren die Surfer bei meinem Eintreffen schon wieder auf dem Heimweg.

Honeymoon Bay     bei     Sturm


   Das Meer war in der Tat nicht mehr besonders vertrauenserweckend.

Autor: Frank Pevec