Taiwans Baseballgeschichte – im Sonntagsmagazin im Januar

Dr. Andrew Morris, Professor für moderne chinesische und taiwanische von der Cal Poly Universität in Kalifornien, hat neben Geschichte eine weitere Leidenschaft – Sport. In seiner akademischen Tätigkeit hat er diese beiden Leidenschaften immer wieder kombiniert und ist dabei tief in Taiwans Sportgeschichte eingedrungen.

Professor Andrew Morris

Professor Andrew Morris

So hat Professor Andrew Morris z.B. vor einiger Zeit das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ herausgegeben, aber auch sonst sehr viel Forschung über Taiwans und Chinas Sportgeschichte betrieben. Morris Book

 Und ich hatte das Glück, dass Professor Morris sich freundlicherweise bereit erklärte, ein Interview mit mir durchzuführen, was sich so interessant entwickelte, dass es statt der angedachten 15-20 Minuten letztendlich eine Stunde dauerte. Daher steht das Sonntagsmagazin im Januar ganz im Zeichen von Taiwans Sportgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Baseball. Eine kleine Übersicht darüber, was sie im Gespräch mit Professor Andrew Morris erwartet:

1. Teil am Sonntag, den 5. Januar 2014

Professor Morris erzählt darüber, was ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal nach Taiwan brachte und wie sein Interesse am taiwanischen Sport insbesondere Baseball geweckt wurde. Ausserdem geht Professor Morris auf C. K. Yang ein, den vielleicht ersten taiwanischen Weltklasseathleten, der nicht nur bei den Olympischen Spielen 1960 im Zehnkampf die Silbermedaille gewann, sondern 1963 auch den Weltrekord im Zehnkampf hielt.

C K Yang Sports Illustrated

C K Yang auf der Titelseite von Sports Illustrated
(Dezember 1963)

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C K Yang in UCLA
mit Freund und Rivalen Rafer Johnson
und Trainerlegende Ducky Drake

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

2. Teil am Sonntag, den 12. Januar 2014

Im zweiten Teil des Gespräches geht Professor Morris darauf ein, wie sich die Idee für das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ entwickelt hat, und geht dann natürlich auf den Inhalt des Buches selber ein. Zunächst geht es darum, welche Rolle Baseball in der japanischen Kolonialzeit bei dem Versuch, Taiwan zu japanisieren, gespielt hat. Denn Baseball kam nicht durch Amerikaner sondern durch die Japaner nach Taiwan und entwickelte sich zu einem wichtigen Werkzeug bei der versuchten Japanisierung der Taiwaner – sowohl der mit hanchinesischem Ursprung als auch der Ureinwohner.

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Das berühmte Kano Team aus Chiayi (1931)

3. Teil am Sonntag, den 19. Januar 2014

Dann endete der zweite Weltkrieg und Taiwan wurde der Republik China zugeführt. Das hatte auch Einfluss auf den Baseball in Taiwan, denn der eigentliche neue Nationalsport der Republik China war in erster Linie Basketball und Baseball wurde von der neuen chinesischen Regierung als Teil der japanischen Kultur angesehen. Doch auch wenn Baseball nicht die gleiche Förderung erfuhr wie Basketball, wurde er jedoch nicht unterdrückt, denn die Regierung sah Sport als sehr wichtig an, und der beliebteste Sport in Taiwan zu der Zeit war Baseball. Und natürlich erzählt Professor Morris von den berühmten Little League Teams Taiwans, die in den 70er Jahren die Welt dominierten. Doch dabei spielten diese Teams nicht nur eine sportliche Rolle, sondern auch eine politische Rolle. Das mussten die Amerikaner und die amerikanischen Medien mit Erstaunen feststellen, als sie Zeuge davon wurden, dass es während der Endspiele in den USA zwischen Fans, die alle die taiwanischen Little League Teams unterstützten, immer wieder zu Schlägereien kam.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

4. Teil am Sonntag, den 26. Januar 2014

Welche Rolle spielt Baseball im modernen Taiwan und welchen Einfluss hatten und haben die Wettskandale? Professor Morris legt seine Schlussfolgerung dar und geht nochmal auf die interessanten Widersprüche der Baseballgeschichte Taiwans ein. Außerdem nimmt er Stellung zu der scheinbaren Widersprüchlichkeit bei der Einstellung vieler Taiwaner zum Sport – das Verlangen nach internationalem Erfolg taiwanischer Athleten bei gleichzeitigem Widerstreben, die eigenen Kinder eine Sportlerkarriere einschlagen zu lassen.

Mehr über Professor Andrew Morris kann man auf dieser Webseite von Cal Poly erfahren:

http://cla.calpoly.edu/hist_morris.html

Und hier mehr zum Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“:

http://www.amazon.com/Colonial-Project-National-Game-Baseball/dp/0520262794

Übrigens arbeitet der taiwanische Regisseur We Te-sheng (Cape No. 7, Seediq Bale) an einem Film über das berühmte Kano Baseballteam aus dem zentraltaiwanischen Chiayi, das 1931 an den Oberschulmeisterschaften des gesamten japanischen Reiches teilnahm und den zweiten Platz belegte.

Kano Movie

Dieser Film soll im Februar 2014 in die Kinos kommen –  und hier eine kurze Vorschau:

http://www.youtube.com/watch?v=BlXvc-Nd2xg

Ilon Huang

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Wahlkampf in Taiwan

Am 27. November 2011 ist in Taiwan „Supersamstag“ oder „Superwahlkampftag“. Zum einen werden die Bürgermeister für 5 (teilweise neu gegründete) Städte gewählt. Durch eine Verwaltungsreform werden einige Städte und Landkreise zusammengelegt und zu sogenannten “regierungsunmittelbaren Städten” ernannt oder aufgewertet. Das sind zum einen die südtaiwanischen Städte und Kreise Kaohsiung und Tainan und die zentraltaiwanische Stadt Taichung samt Landkreis. Auch der Kreis Taipei (Taipei County/台北縣) wird zu einer “regierungsunmittelbaren Stadt” aufgewert. Der chinesische Name dieser neuen Stadt bedeutet übersetzt etwa soviel wie Xinbei Stadt (新北市). „Xin“ (新) bedeutet „neu“ und „Bei“ (北) bedeutet „Nord“. Also soviel wie die neue Stadt im Norden. Über den englischen Namen scheint man sich noch nicht ganz einig zu sein. Je nach Partei-Zugehörigkeit scheinen die Spitzenkandidaten eine andere Meinung bzgl. des englischen Namens zu haben.

Fahnenmeer

Wahl in Taiwan - ein Meer von Fahnen an jeder Straßenecke

Wir werden wahrscheinlich also auf den Wahlausgang warten müssen, bevor wir 100% wissen, wie der offizielle englische Name lauten wird. Für diese vier neuen “regierungsunmittelbaren Städte” und für die Hauptstadt Taipeh werden die Bürgermeister gewählt. Doch es werden nicht nur die Bürgermeister für diese 5 Städte gewählt, sondern auch die Stadtratsabgeordneten und in vielen Gemeinden die Gemeindevorsteher (Li Zhang 里長).

Fahnenmeer

... und an den Straßen entlang

 Die Wahl wird unter anderem als Barometer für die derzeitige Stimmung der Bevölkerung in Bezug auf die derzeitige Zentralregierung, die von der KMT gestellt und vom KMT-Vorsitzenden Ma Ying-jeou als Präsident angeführt wird. Daher wird diesem Wahltag nicht nur aufgrund des Umfangs eine große Bedeutung beigemessen und mit großer Aufmerksamkeit auch im Ausland beobachtet.

Plakate

Jede freie Stelle wird für Plakate benutzt

Doch hier will ich nicht die Wahl selber analysieren, sondern ein paar Eindrücke vom Wahlkampf vermitteln. Als ich während eines kürzlichen Interviews gefragt wurde, wo die großen Unterschiede zu Wahlkämpfen in Deutschland liegen, mußte ich zugeben, dass ich mich nicht mehr so gut an Wahlkämpfe in Deutschland erinnern konnte.

Auf einen Blick

Aber immerhin hat man gleich alle Kandidaten auf einen Blick

Außerdem bin ich in Deutschland auf dem „Lande“, aufgewachsen, wo Wahlkämpfe sich unter Umständen von denen in den Großstädten unterscheiden. Daher kann es sein, dass manche Leser bei meinen Beschreibungen denken, „das ist doch nichts besonderes, das ist in Deutschland genauso.“ Ich hoffe, es gibt den Lesern trotzdem einige interessante Eindrücke. Zunächst fällt mir immer wieder auf, mit wieviel Pathos und Gefühl der Wahlkampf getrieben wird.

Bitte Bitte

Nein, das ist kein Kandidat. Hier wird sich aufs Bitten verlegt. Die Botschaft heisst in etwa "Bitte, bitte, helft mir, für sie zu stimmen." Und darunter der Name der Kandidatin plus deren Wahlnummer

Sprüche in der Art „Er ist dafür gemacht, ein Held zu sein“ sind keine Seltenheit. Auch das Wort „Bitte“ (chin. Baituo 拜託) kommt in fast jeder Rede vor. So in der Art „Bitte, gebt mir noch eine Chance“. Und die Kandidaten, egal ob Kandidaten für die Bürgermeister, Stadtratsabgeordneten oder Gemeindevorsteher, alle suchen die Nähe zum „einfachen Volk“. Immer wieder tauchen Kandidaten auf den Märkten auf, um den frischen Fisch, eine Suppe oder sonst ein Gericht zu probieren, oder um irgendein Gemüse zu probieren.

Schnelle Kandidatin

Hier war die Mannschaft dieser Kandidatin schneller als alle anderen.

Oder Sie gehen umher, um ihre Brochüren zu verteilen und möglichst vielen Menschen die Hand zu schütteln. Außerdem ist der Wahlkampf sehr laut – Feuerwerk, Trommeln, Musik und Ansagen per Lautsprecher sind auf der Tagesordnung – und wirklich überall sichtbar – die ganze Stadt ist in einem Meer von Fahnen und Plakaten getaucht.

Fahnen am Tempel

Auch vor einem Tempel wird nicht haltgemacht. Aber vielleicht hilft ja göttliche Unterstützung

Ganze Fassaden sind von Wahlplakaten verhüllt. An Balkonen und Fußgängerbrücken flattern Fahnen in den Farben der verschiedenen Parteien. Und wenn einige Wähler dann aufgrund der Informationsflut leicht irritiert sind, fahren dann Lautsprecherwagen in den verschiedensten Formen und Aufmachungen durch die Straßen, um diese Wähler dann wieder auf die richtige Spur zu bringen, bzw. diesem nochmal klar zu machen, wo das Kreuz gemacht werden soll.

Ein Lautsprecherwagen

Die Kandidaten rüsten Autos aber auch Scooters mit Mikrofonen und Fahnen aus, um ihre Botschaft noch deutlicher an den Mann oder die Frau zu bringen

Diese Lautsprecherwagen oder auch -Scooter sind allgegenwärtig und verbreiten die Botschaft des jeweiligen Kandidatens. Der Höhepunkt für mich sind die Paraden der Kandidaten selber. Wenn sie auf einem Jeep stehend und von einer flaggengeschmückten Auto- und Scooterkolonne begleitet durch die Stadt fahren und dem einfachen Volk zuwinken, während dieses Feuerwerk am Straßenrand abbrennt, fühlt man sich an vergangene Zeiten erinnert – halt nur Scooter und Autos anstelle von Pferden und Kutschen.

Lautsprecherwagen

Eine modernere Ausführung - in Grün, der Farbe der DPP, gehalten

Leider habe ich bis jetzt nie eine Kamera dabei gehabt, wenn ich einer dieser Paraden begegnet bin. Was lernt man daraus – als RTI Reporter immer die Kamera dabei haben. Aber noch habe ich ja ein paar Tage Zeit, und wenn ich noch einmal einer dieser Paraden begegne, reiche ich die Bilder nach.

Kleine Parade

Hier schon eine kleine Parade. Mit fahnenschwenkenden Anhängern auf den Autos und der Kandidat mit dabei.

Und damit warten wir nun gespannt auf den Wahltag, von dem wir bei RTI natürlich berichten werden.

KMT Kandidat

Übrigens in blau gehalten - ein KMT Kandidat

Von Ilon Huang 

 
 
 

Wahlzentrum

Und hier das Wahlzentrum des Kandidatens - Ein Kandidat für den Stadtrat von Taipei Stadt

 

DPP Kandidaten

Die DPP - Kandidatin für das Bürgermeisteramt für die neue Stadt Xinbei City, Tsai Ying-wen, und ein Kandidat für den Stadtrat. Wie das Plakat sagt, sehen die beiden die Zukunft. Das ist auf jeden Fall positiv.

Eric Chu

Und hier KMT-Kandidaten. Der Radfahrer ist der KMT-Kandidat für das Bürgermeisteramt der neuen Stadt Xinbei City - Eric Chu. Man beachte die Nummern, die auf allen Plakaten und Fahnen zu sehen sind. Alle Kandidaten bekommen Wahlnummern zugelost.

Eine weitere Kandidatin

Eine weitere Kandidatin - interessanterweise haben viele Kandidatinnen ihre Poster, Autos und Fahnen in Rot oder Rosa gehalten, im Gegensatz zu ihren meisten männlichen Kollegen, die sich im Allgemeinen an ihre Parteifarben halten. Vielleicht soll das dem Wähler dabei helfen, zu erkennen, dass es sich um eine KandidatIN handelt.

Vortragsabend „Chinas unbeachtete Republik“

der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft (DCG) – Freunde Taiwans
am 15. September 2010

Berlin. Rund 70 Zuhörer folgten am Mittwoch, 15. September, einer Einladung der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft (DCG) Freunde Taiwans zum Vortragsabend „Chinas unbeachtete Republik“ in die Berliner Vertretung des Saarlands beim Bund. Referent war der Verfasser des gleichnamigen Buchs, Dr. Thomas Weyrauch, der die Geschichte der chinesischen Demokratie seit dem Niedergang der Kaisermonarchie im Jahr 1911 darstellte. Anwesend war auch der Repräsentant der Taipeh-Vertretung, Dr. Wei Wu-lian … mehr auf den Webseiten der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft DCG – Freunde Taiwans  

auf unserem Blog und  auf unseren Webseiten können Sie auch ein Interview hören, dass wir Ende März mit Thomas Weyrauch in Taiwan geführt haben

 https://rtideutschblog.wordpress.com/2010/04/09/dr-thomas-weyrauch-uber-sein-buch-chinas-unbeachtete-republik-100-jahre-im-schatten-der-weltgeschichte/

Bericht von Andreas Bündig 
im RTI Hörerbriefkasten am 24.9.2010

Anita Schäfer, Mitglied des Deutschen Bundestags und Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft, Freunde Taiwans e.V. (DCG) und der Vertreter Taiwans in Deutschland, Dr. Wei Wu-lian
Dr. Thomas Weyrauch
Dr. Thomas Weyrauch
Anita Schäfer, Dr. Wei und Sophie-Caroline Zillessen, Geschäftsführerin der DCG

Anita Schäfer, Dr. Wei und Sophie-Caroline Zillessen, Geschäftsführerin der DCG

Vortrag und Diskussion mit Thomas Weyrauch, Autor von "Chinas unbeachtete Republik, 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte

Vortrag und Diskussion mit Thomas Weyrauch, Autor von "Chinas unbeachtete Republik, 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte

von Andreas Bündig und Eva Triendl