Taiwan auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin

Auch in diesem Jahr präsentierte sich Taiwan wieder auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin. Mehrere Hörerinnen und Hörer von Radio Taiwan International waren auf der ITB und haben auch den Stand Taiwans besucht.
Bernhard Henze berichtet am Freitag, den 17. März 2017, in der Sendung Briefkasten  über den Taiwan-Stand und Reiseangebote.


Vielen Dank an Bernhard Henze, Frank Dombrowski und Werner  Hoffmann für die Fotos von der ITB 2017!

Fotos: Bernhard Henze, Frank Dombrowski und Werner Hoffmann

von Eva Triendl

Der Nenggao Wanderweg

Blick vom Qilai Südgipfel

Der Spätherbst ist in Taiwan eine gute Zeit für Gebirgswanderungen. Der histroische Nenggao Wanderweg (能高越嶺古道) ist ein beliebter Wanderweg im Gebirge in Zentraltaiwan. Es ist bzw. war eigentlich ein Verbindungsweg von Nantou bis Hualien in Osttaiwan, ist aber oft nicht durchgängig begehbar (bei meiner ersten Wanderung dort traf ich noch Leute, die mit dem Mountainbike unterwegs waren). Der westliche Teil des Nenggao-Wanderwegs beginnt auf rund 2000 Metern Höhe am Tunyuan Eingang (屯原登山口). Um dorthin zu kommen fährt man von Puli im Landkreis Nantou auf der Provinzstraße 14 über Wushe (霧社) Richtung Lushan Heiße Quellen (廬山溫泉) bis zum Anfang des westlichen Teils des Nenggao Wanderwegs Tunshan. Die meisten machen eine zweitägige Wanderung auf dem Westteil des Nenggao Wanderwegs. Am ersten Tag geht es vom Eingang zum Wanderweg Tunyuan zur Tianchi Hütte (天池山莊) auf 2860 Metern Höhe. Dort übernachtet man dann und am nächsten Tag geht noch vor Tagesanbruch weiter über den Tianchi See auf 3080 Metern Höhe (天池) zum 3358 Meter hohen Qilai Südgipfel (奇萊南峰) und zum 3184 Meter hohen Berg Nanhua. (南華山). Man kann von der Tianchi Hütte aus natürlich auch noch andere Touren unternehmen.

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Der Nenggao Wanderweg ist auch historisch interessant. Auf diesem Weg entlang haben schon die Japaner während der Kolonialzeit Posten eingerichtet, um das Gebiet und die dortigen Ressourcen zu erschließen und die dort lebenden Ureinwohner unter Kontrolle zu bringen. Beim Wushe Aufstand der Ureinwohner Atayal bzw. Sediq wurden die meisten japanischen Stützpunkte niedergebrannt, aber später wieder aufgebaut. Außerdem hat das Elektrizitätswerk Taipower über diesen Weg die Stromtrasse zwischen dem Westen und dem Osten Taiwans errichtet worden. Es gibt auf 2802 Meter Höhe noch ein Denkmal dafür.

Der Weg vom Anfang des Wanderwegs Tunyuan bis zur Tianchi Berghütte ist knapp 15 Kilometer lang. Nach etwa 5 Kilometern kommt man zur Wartungsstation des Elektrizitätswerkes Yunhai (Wolkenmeer Wartungsstation). Diese Station auf 2.360 Metern Höhe wurde 1950 als Wartungsstation des Elektrizitätswerkes erbaut. Schon während der japanischen Kolonialzeit befand sich an dieser Stelle ein japanischer Posten. Die meisten Wanderer legen an der Yunhai Station eine kurze Rast ein. Von dort sind es noch knapp 10 Kilometer bis zur Tianchi Hütte.

Yunhai Station von Taipower

Yunhai Station

Die Tianchi Hütte wird auch oft als „Luxus-Berghütte“ bezeichnet. Sie hat 88 Plätze auf zwei Stockwerken in mehreren Schlafräumen. Gegenüber den Schlafplätzen sind Regale angebracht, in denen die Wanderer ihre Rucksäcke und andere Dinge abstellen können. Es gibt sowohl einen Raum zum Kochen für Selbstversorger (man muss einen eigenen Gaskocher mitbringen, fließendes Wasser und Trinkwasser steht zur Verfügung), man kann jedoch auch Essen vorbestellen. Die jetzige Hütte wurde 2011 erbaut. Die alte Hütte bot nicht mehr genug Platz für die wachsende Zahl der Wanderer auf dem Nenggao Wanderweg. Die erste Hütte dort wurde jedoch schon 1918 während der japanischen Kolonialzeit gebaut.
Von der Hütte aus hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Gebirgslandschaft und man kann Wolkenfälle, Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und den Sternenhimmel betrachten. Der Nenggao Wanderweg ist sehr beliebt und die Hüttenplätze werden unter den Anmeldungen verlost. Es stehen vor der Hütte auch noch Zeltplätze zur Verfügung. Aber an Wochenenden und Feiertagen ist es oft schwer, Hütten- oder Zeltplätze zu bekommen. Man benötigt für die Tour auch eine Berggenehmigung.

Tianchi Hütte

Tianchi Hütte

Am zweiten Tag machen sich die meisten Wanderer schon frühmorgens um etwa fünf Uhr auf den Weg Richtung Qilai Südgipfel (3358 m) und Nanhua Berg (3184 m). Der Weg ist recht einfach zu gehen und man kann so in aller Ruhe die schöne Gebirgslandschaft genießen.
Die meisten Wanderer gehen vom Berg Nanhua aus wieder den gleichen Weg zurück zur Tianchi Hütte. Man kann jedoch auch auf der anderen Seite über den Bergrücken absteigen. Dieser Pfad ist weniger begangen und man muss sich manchmal seinen Weg durch hohes Bambusgestrüpp bahnen.
Außerdem ist dieser Abstieg bei starkem Wind eher nicht zu empfehlen.

Blick vom Qilai Südgipfel

Blick vom Qilai Südgipfel

Die Wanderung von der Tianchi Hütte zum Qilai Südgipfel und Nanhua Berg und wieder zurück zur Tianchi Hütte dauert ungefähr fünf, sechs Stunden, wenn man sich genug Zeit nehmen möchte, die ein oder andere Pause einzulegen und ausgiebig die Landschaft zu genießen.

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Mittags kann man dann an der Tianchi Hütte wieder eine kleine Pause einlegen und sich wieder auf den Rückweg machen.

 

Blick von der Tianchi Hütte

Abendstimmung an der Tianchi Hütte

von Eva Triendl

Das Shi-Yang Teehaus – mehr als Teetrinken

Foto: Lovely Taiwan

Die Stiftung „Lovely Taiwan “ hat nun ihr Internationales Spotlight Programm erweitert. Die Stiftung „Lovely Taiwan“ (台灣好基金會) wurde 2009 gegründet, mit dem Ziel am Schaffen einer örtlichen Kultur teilzuhaben. Dadurch sollte auch Bürgern Taiwans und Besuchern ermöglicht werden, das Leben in den Städten, Stadtteilen oder Gemeinden zu erfahren.

Nach den Internationalen Spotlights im Osten 

– wie das Tiehua Music Village in Taitung, Chishan, Makutaay oder Hualien im Osten Taiwans hat „Lovely Taiwan“ nun in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro Taiwan auch Internationale Spotlights in Nordtaiwan ausgewählt. Das Internationale Spotlight Projekt hat das Ziel, Reisende einen tieferen und genaueren Blick in die reichhaltige Kultur Taiwans zu ermöglichen und diese zu erfahren.

Angefangen mit dem Laden von „Loveley Taiwan“ selbst und dem umliegenden Stadtviertel. Der Laden befindet sich zwischen den MRT-Stationen Zhongshan und Shuanglian auf der roten Linie Richtung Tamsui.

Der Laden bietet handgefertigte lokale Produkte und Kunsthandwerk aus verschiedenen Orten. Mit den Einnahmen werden wiederum die jeweiligen Gemeinschaften, die die Produkte herstellen, unterstützt.

In der obersten Etage des Ladens befindet sich ein Raum mit Prospekten, Karten, Reisematerial und Informationen, in dem auch Ausstellungen und Workshops stattfinden. Besucher sind auch eingeladen, dort eine Pause einzulegen und sich ein wenig auszuruhen.

Der Laden ist auch ein guter Ausgangspunkt, um die Gegend mit seinen kleinen Gassen, Geschäften, Kulturstätten, Cafes und Restaurants zu erkunden.

Shi-Yang Teehaus

Ein weiteres neues Angebot im Rahmen des Internationales Spotlight Nordtaiwan ist ein Besuch des Shi-Yang Teehauses und Restaurants in den Bergen von Xizhi nahe Taipei. Das Teehaus ist ein sehr guter Ort, um zur Ruhe zu kommen. Die Architektur aus Holz mit großen Schiebefenstern- und Türen aus Glas ermöglicht überall einen schönen Blick in die bergige Landschaft.

Shi-Yang Teehaus

Im Shiyang Teehaus kann man keine bestimmten Teesorten bestellen und im Restaurant gibt es keine Speisekarte. Der Teemeister bereitet für die Gäste zwei verschiedene Teesorten zu. Das Essen wird in einem Nebenhaus serviert – man kann wählen zwischen einem normalen und vegetarischen Menü.

Das Shiyang Restaurant liegt etwas Abseits in den Bergen und ist für Touristen aus dem Ausland vielleicht nicht so einfach zu erreichen. Außerdem muss man sich vorher anmelden.

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Deshalb bietet „Lovely Taiwan“ jeden Mittwoch um 15:15 Uhr eine Fahrt zum Shi-Yang Teehaus. Man kann die Fahrt über die Webseiten oder direkt im Laden buchen. Die Kosten betragen 1.225 Taiwan Dollar, eingeschlossen Teezeremonie und Menü mit Kostenloser Hin- und Rückfahrt vom Laden von „Lovely Taiwan“

Anmelden kann man sich über die Webseite

http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/news_detail.php?id=192 (Chinesisch und Englisch)

Dieses Programm ist auch für Reisende ohne Chinesischkenntnisse gut geeignet – es gibt englischsprachige Begleitung und englischsprachige Teemeister.

Ein weiterer Punkt der Internationalen Spotlights im Norden ist das U-Theatre in den Bergen von Muzha. Das U-Theatre ist ein bekanntes Trommel-Ensemble mit dem Konzept „Erst Meditation, dann Trommeln“. Das U-Theater hat seinen Sitz in den Mucha-Bergen, wo sich auch ein Freilufttheater befindet.

Kurse und Camps werden für Gruppen abgehalten. Bei Interesse kann man sich an die Stiftung „Lovely Taiwan“ wenden, um nähere Informationen zu erhalten.

Mehr Informationen über die Angebote von Lovely Taiwan auf den Webseiten

www.lovelytaiwan.org.tw (chinesisch)

oder:
http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/index.en.php (englisch)

von Eva Triendl

Ente in Keelung

Auch wir waren bei der Ente in Keelung – und zwar noch bevor sie geplatzt ist.

Bihui Chiu und unsere Praktikantin Sophie Spadin waren am 26. Dezember in der nordtaiwanischen Hafenstadt Keelung und haben die Ente des niederländischen Künstlers Florentijn Hofman im Hafen von Keelung besucht.

Sie berichten darüber in diesem Videobeitrag und in „Reise durch Taiwan“ am Samstag, den 4. Januar 2014.

 

RTI

 

Gipfelstürmen für Anfänger – Hsueshan – der zweithöchste Gipfel Taiwans

Auf dem Hauptgipfel des Hsueshan - 3886 Meter

Auf dem Hauptgipfel des Hsueshan – 3886 Meter

Gruppenfoto mit freundlicher Genehmigung von Basecamp

Taiwan ist etwa zur Hälfte von Bergen bedeckt – davon sind über 200 Gipfel über 3000 Meter hoch – der höchste Gipfel Taiwans ist der Hauptgipfel des Yushan 玉山 mit 3952 Metern.
Die gute Nachricht ist, dass viele Berge Taiwans auch für die allgemein Wanderfreudigen, die einigermaßen fit und gut zu Fuß sind, zu besteigen sind. Das gilt auch für den höchsten und zweithöchsten Berg Taiwans – die Hauptgipfel des Yushan 玉山 und des Hsueshan 雪山.

Da die Route zum  雪山 (auch Syue Mountain, Shiue Shan oder Xueshan) als sehr schön und normalerweise als „für Anfänger mit normaler Kondition“ geeignet gelten. Die Besteigung des Hsueshan – mit Ost- und Hauptgipfel – ist eine der beliebtesten Bergwanderrouten Taiwans. Normalerweise plant man für die Besteigung des Hsueshan insgesamt drei Tage ein. Der Hsueshan liegt im Shei-Pa-Nationalpark etwas an der Grenze zwischen dem Landkreis Miaoli und Taichung.

So habe ich schließlich die Gelegenheit ergriffen, und mich mit einer geführten Gruppe auf den Weg gemacht…

Los ging es frühmorgens von Taichung aus. Der Bus gabelte auf dem Weg noch einige Gruppenmitglieder auf – letzte Station Taipei, wo es dann um 10.00 Uhr vormittags weiterging Richtung Ilan und dann zur Wuling Farm (武陵農場). Dort auf 2165 Metern treffen sich Ausflügler, Spaziergänger, Camper, Wanderer und Bergsteiger. Hinter dieser Bergstation der Wuling Farm beginnt der Wanderweg, der zum Hsueshan führt.

Angekommen an der Bergstation der Wuling Farm werden erst einmal die Personalien gecheckt. Um von hier weiter in die Berge zu gehen, benötigt man nämlich eine Berggenehmigung, die man vorher beantragen muss. Auch die Schlafplätze in den Hütten müssen vorher schon beantragt werden. Das hat unsere Bergführerin schon für die gesamte Gruppe vorher über Internet erledigt.

Außerdem muss die Gruppe, bevor man sich auf den Wanderweg begibt, ein Video ansehen, in dem unter anderem Sicherheitstipps bei Unfällen, Hitzschlag, Unterkühlung, Höhenkrankheit usw. gegeben werden – oder es wird gezeigt, wie man die umweltfreundlichen Toiletten ohne Wasserspülung auf den Berghütten benutzt.

Dann kann es endlich losgehen … Am ersten Tag nur etwa 2 km hoch bis zur Qika Hütte (七卡山莊) auf einer Höhe von 2463 Metern. Dort angekommen ist es gerade dunkel geworden. Unsere Bergführer fangen gleich nach der Ankunft an, einen Topf Reis und zwei Töpfe Suppe zu kochen – einen mit Fleisch und einen ohne – damit auch die Vegetarier unter uns gut versorgt sind. Die Qika Hütte hat über 100 Schlafplätze, Kochgelegenheit und Toiletten- und Waschgelegenheit. In den allermeisten Berghütten in Taiwan muss man sein eigenes Essen mitbringen und sich selbst versorgen.

Trotz der Aussicht, am nächsten Tag um etwa halb vier aufstehen zu müssen, ist der wunderschöne Sternenhimmel einfach zu faszinierend, um sich frühzeitig in die Hütte zurückzuziehen. Schlaf bekam man in dieser Nacht sowieso nicht viel – die einen kamen spät in der Hütte an, die anderen krochen schon wieder um 2 Uhr morgens aus dem Schlafsack, packten ihre Sachen und machten sich auf den Weg. Bei uns gab es um vier Uhr Frühstück und bald darauf ging es los, wir wollten an diesem Tag ja noch bis zum Hauptgipfel auf 3886 Meter steigen und dann wieder hinunter zur 369 Hütte zum Übernachten.

Bei Dunkelheit geht es weiter langsam immer weiter hinauf – der Weg ist nicht besonders schwierig, mit einer Stirnlampe kommt man auch im Dunkeln gut voran. Dann färbt sich der Himmel langsam und alle bleiben stehen, um den Sonnenaufgang zu sehen – allein der Sonnenaufgang in den Bergen bei schönstem Herbstwetter ist den Ausflug schon wert. Dann geht es langsam weiter – bis zu einer Aussichtsplattform am Fuß des sogenannten Ku Bo „哭玻“ – dem „Berghang der Tränen“ – „Ku“ heißt „Weinen“ und „Bo“ heißt „Berghang“. Dieser Hang ist jedoch nicht so schlimm, wie der Name befürchten lässt – der Weg hinauf ist nicht wirklich übermäßig steil oder lang. Falls Sie also den Hsueshan besteigen möchten – der „Ku Bo“ ist nichts, worüber man sich Sorgen machen muss. Falls man jedoch hier schon anfängt zu keuchen – nun, es wird später beim Aufstieg zum Hauptgipfel des Hsueshan noch steiler – und die Luft noch dünner.
Wir sind mittlerweile wohl etwa eine Stunde unterwegs, haben 2 Kilometer zurückgelegt und befinden uns auf einer Höhe von 3000 Metern. Nach einer kurzen Pause und Stärkung geht es weiter über den „Ku Bo“ Richtung Ostgipfel. Nach etwa einer weiteren Stunde mäßigem Aufstieg sind wir auf dem Ostgipfel auf 3201 Meter – man hat einen schönen Blick auf die Gebirgslandschaft bei klarem Himmel und Sonnenschein. Wir hatten wirklich Glück, denn am Wochenende vorher war Taifun und das Wochenende darauf war wieder Taifun. Da mussten alle Wanderungen im Gebirge abgesagt werden. Vom Ostgipfel geht es weiter zur 369 Hütte – dort werden wir auch übernachten – nachdem wir vom Hauptgipfel wieder zurückgekommen sind.

Die 369 Hütte liegt auf einer Höhe von 3155 Metern – eine Haupthütte mit den üblichen doppelstöckigen Schlafplätzen, eine Hütte zum Kochen, eine extra Hütte mit Toiletten und einige Tische und Bänke draußen zum Essen. Wir haben mittlerweile vom Ausgangspunkt unserer Wanderung an der Wuling Farm 7,1 Kilometer zurückgelegt – bis zum Hauptgipfel des Hsueshan sind es vom Beginn des Wanderwegs an der Wuling Farm 10,9 Kilometer.

Zwei der Mitglieder unserer Gruppe bleiben an der 369 Hütte und gehen nicht mehr weiter zum Hauptgipfel. Das ist auch ein Grund, warum die Wanderroute zum Hsueshan als geeignet für Anfänger gilt. Falls es jemandem nicht besonders gut geht, sei es wegen der Höhe oder wegen mangelnder Kondition, kann man an der 369 Hütte bleiben und warten, bis der Rest der Gruppe wieder zurückkommt – und man kann auch an der 369 Hütte die schöne Berglandschaft genießen oder dort ein wenig spazieren gehen.

Wir legen erst einmal unsere schwereren Sachen ab – es geht nämlich mit leichtem Gepäck weiter – Regensachen müssen mit, eine Stirnlampe, Wasser, etwas zum Essen für den Weg, eine Jacke, alles andere lassen wir in der Hütte zurück. Unser Bergführer hatte vor Abmarsch noch ein paar Instant-Nudeln gekocht, damit wir auf dem Weg zum Gipfel nicht schlappmachen. Dann geht es weiter, es ist mittlerweile etwa 10 Uhr vormittags. Unsere Bergführerin sagt, dass man hin- und zurück ungefähr etwa sechs Stunden benötigt. „Aber egal was ist, um drei Uhr müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen“, sagt sie.

Bergführerin Yihua vor dem Eingang zum "Schwarzwald"

Bergführerin Yihua vor dem Eingang zum „Schwarzwald“

Hinter der 369 Hütte geht es dann wieder langsam weiter nach oben und bald sind wir am Eingang zum Schwarzwald – „黑森林“ – angekommen. Der Wald heißt so, weil man eben meinen könnte, man sei im Schwarzwald. Nur, dass es solche Wälder in Taiwan nur in höheren Höhen gibt. Etwa zwei Kilometer geht es weiter durch den Wald mit riesig hohen Bäumen – so wirken sie zumindest auf mich –  über Wurzeln, Schotter und Stein – man kommt auch an zwei Wasserquellen vorbei, an denen man seinen Wasservorrat auffüllen kann.

Auf dem Weg durch den Wald haben wir uns langsam auf 3500 Meter hochgearbeitet – und sind am „Runden Tal“ – einem Kar, an dessen linkem Rand wir entlang weiter zum Hauptgipfel des Hsueshan gehen. Hier ist die Luft schon etwas dünner – der ein oder andere wird schon etwas langsamer. Das letzte Stück das Tal entlang zum Gipfel ist nur etwas über einen Kilometer weit – mit einem Höhenunterschied von etwas über 300 Metern. Wir überholen einige Nachzügler der Gruppe vor uns, die schon ganz schön heftig schnaufen und etwas blass um die Nase aussehen. Mitglieder einer anderen Gruppe, die schon früher aufgebrochen war, kommen uns beim Abstieg vom Gipfel entgegen. Drei Engländer, die in Hongkong wohnen, und übers Wochenende nach Taiwan gekommen sind, um den Hsueshan zu besteigen, sind auch wieder beim Abstieg. Sie fanden den Aufstieg zum Hsueshan schon sehr anstrengend – obwohl sie, wie sie sagen, jedes Wochenende Hiking gehen – dass die Tour als Route geeignet für Unerfahre und Anfänger gilt, überrascht sie etwas.  Aber es liegt sicher auch an der Höhe, dass man die Anstrengung deutlicher spürt, meinen sie.  Wir steigen weiter den Schotterweg hinauf. Einer in der Gruppe meint, ihm ist flau im Magen, ein anderer bekommt Kopfschmerzen, aber eigentlich sind alle noch ganz gut dabei. Unser Bergführer, der das Schlusslicht macht, begleitet die Langsameren langsam nach oben und nimmt einer den Rucksack ab. Etwa eine Stunde braucht man normalerweise das Tal entlang hinauf zum Gipfel – aber es ist oft schwer zu sagen, meint unsere Bergführerin, wegen der Höhe geht es hier oft etwas langsamer voran. Noch eine kleine Pause und dann die letzten paar Höhenmeter. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich am Gipfel angekommen bin ich denke, es war etwa 13.45 Uhr. Ich hatte glücklicherweise weder Höhenprobleme noch sonstige Beschwerden – und konnte sogar auf der ganzen Strecke gebührend die schöne Gebirgslandschaft bewundern.

Auf dem Gipfel werden natürlich die obligatorischen Gipfelfotos gemacht – eine Frau aus unserer Gruppe, die nicht das erste Mal auf dem Hsueshan ist, sagt, dass man sein Foto auf dem Gipfel an die Shei-Pa Nationalparkverwaltung mailen kann, mit der Bitte um Bestätigung, dann erhält man ein sehr schönes Zertifikat, dass man den Gipfel des Hsueshan bestiegen hat – eins zum Aufklappen mit Beschreibung des Nationalparks.

Um etwa 14.00 Uhr sind alle am Gipfel angekommen. Ein Ehepaar einer anderen Gruppe bedankt sich bei unserem Bergführer, weil er die Frau mehrmals ermutigt hat, noch das letzte Stück zum Gipfel weiterzugehen. Sie freut sich sehr, dass sie doch noch den Gipfel erreicht hat. Ein Mann kommt erschöpft mit einem Bergführer zum Gipfel – es sind die Nachzügler der Gruppe, zu dem auch das Ehepaar gehört. Ihr Bergführer drängt, sich nicht allzu lange aufzuhalten und bald wieder abzusteigen – wir sind langsamer, wir brauchen länger, meint ihr Bergführer. Wir machen natürlich auch noch ein Gruppenfoto – bleiben noch ein bisschen und genießen das Gefühl auf dem zweithöchsten Gipfel Taiwans zu sein – und machen uns dann langsam wieder an den Abstieg – wir sind gut in der Zeit, das Wetter ist stabil, es steigt nur ein bisschen Nebel auf. Beim Abstieg bin ich recht froh, dass es relativ trocken ist, bei Regen müssen die steilen Schotterwege nach unten sicher sehr anstrengend sein. Unser Bergführer sagt, dass im Winter hier die Landschaft mit den schneebedeckten Bergen sehr schön ist –  etwa drei Stunden sollte man für den Abstieg rechnen, ich denke, wir haben es bei dem guten Wetter etwas schneller geschafft – und es ist immer noch hell, als wir wieder an der 369 Hütte ankommen.

Auf dem Weg durch den „Schwarzwald“ war es zwar schon etwas nebelig, aber immer noch recht gute Sicht – auf dieser Strecke durch den Wald bestehen die Bergführer normalerweise darauf, dass sich die Gruppe nicht zu weit auseinanderbewegt – denn besonders bei Regen und Nebel kann man sich dort einfach verirren. Aber der Weg durch den Schwarzwald ist bei etwas Nebel auch sehr schön …

Bergführer Wen-chen im "Schwarzwald"

Bergführer Wen-chen im „Schwarzwald“

Zurück an der 369 Hütte treffen wir wieder die „Zurückgebliebenen“, denen es auch ohne uns nicht langweilig geworden ist – wie gesagt, man kann auch von der Hütte aus spazieren gehen und die Landschaft genießen. Zurück an der Hütte, suchen wir uns unsere Schlafstellen, packen Schlafmatte und Schlafsack aus und unsere Bergführer fangen an zu kochen – es gibt einen großen Topf Nudeln und Suppe. Unser Bergführer isst den Rest und beschwert sich, dass er immer, wenn er in den Bergen mit einer Gruppe unterwegs ist, zunimmt. Über mangelnde Ernährung konnten wir uns auf unserer Wanderung wirklich nicht beklagen, außer dem Essen, dass unsere Bergführer für uns gekocht haben, hatte natürlich Jeder noch einige Portionen „Wegzehrung“ dabei – ich muss zugeben, dass ich einen ganz Apfelkuchen und ein ganzes Brot dabei hatte, beides vom deutschen Bäcker. Aber mithilfe aller Mitwanderer hat auch das bei den kurzen Pausen, die man etwa alle halbe Stunde einlegt, schnell seine Abnehmer gefunden.

Am Tag der Gipfelbesteigung waren wir wohl über 11 Stunden unterwegs – mit Pausen – und so haben sich die meisten schon relativ frühzeitig in die Schafsäcke verkrochen. Es war relativ kühl, aber nicht wirklich unangenehm kalt in dieser Nacht. Wenn man früh schlafen geht, hat das den Vorteil, dass man schon vor Sonnenaufgang wieder wach wird – und den Sonnenaufgang sehen kann. Wir haben es an diesem Morgen nicht so besonders eilig – der Abstieg zur Wuling Farm zurück dauert vielleicht nur etwa vier Stunden. Von der Wuling Farm aus geht es am frühen Nachmittag gleich wieder zurück nach Taipei.  In Jiaoxi in Ilan wurde noch ein Halt eingelegt, nach einem kurzen Aufenthalt in den heißen Quellen in Jiaoxi und einem gemeinsamen Abendessen waren wir dann abends wieder in Taipei.  Es war wirklich eine sehr schöne Wanderung, für normal Sportliche und ein wenig Übung in den Bergen um Taipei durchaus geeignet. Das kann ich nun bestätigen – schade, dass es insgesamt nur drei Tage dauerte – ich hätte gut noch einige Tage länger über 3000 Meter zubringen können. Die Berge in Taiwan sind wirklich eine Wanderung bzw. eine Reise wert. Falls man unerfahren ist, oder die Gegend und das Umfeld nicht kennt, ist es doch ratsam, sich einer Gruppe mit Bergführern anzuschließen. Und falls man nicht zu Fuß so hoch hinaus will, kann man auch irgendwohin mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln oder einer Reisegruppe einfach zu einem Ausflugsort in den Bergen fahren und dort spazieren gehen und die Landschaft genießen. Ich hoffe, dass ich bald wieder Gelegenheit habe, die Berge weiter zu erkunden. Dass diese Wanderung ein so schönes Erlebnis war, ist natürlich auch meinen netten Mitwanderern zu verdanken und Yihua und Wen-chen von Basecamp, den besten Bergführern, die man sich wünschen kann.

Hsueshan Gebirge

Hsueshan Gebirge

Fotos: Eva Triendl

von Eva Triendl

Sonnenuntergang am Keelong Fluss

Mein Weg von meiner Wohnung zu RTI führt zum größten Teil am Keelong Fluss entlang. Hier habe ich nicht nur meistens freie Fahrt und etwas frischere Luft, sondern oft bieten sich einem auch wunderschöne Naturbilder. So wie hier, als ich während des Sonnenuntergangs am Fluss entlang fuhr.

von Ilon Huang

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Zhishan Garten Taipei

Es war ein ausgesprochen sonniger und warmer Tag an dem wir beschlossen ein kleines Picknick im Zhishan Garten abzuhalten. Wir stellen uns als „Flachlandtiroler“ bei dem Wort „Garten“ ein zu ebener Erde liegendes und umzäuntes Stückchen Grün vor, wahlweise eher der dekorativen Gartenarchitektur entsprungen, oder als Nutzfläche für allerlei Gemüseanbau. Der Zhishan Garten hingegen ist ein Berg, der bestiegen werden muss, um die Aussicht auf Taipei genießen zu können. Ein Dschungel aus Bäumen, Farnen und Kletterpflanzen, ein Tummelplatz für unzählige Vogel und Schmetterlingsarten erwartete uns – und das mitten in der Stadt, im nördlichen Bezirk Tianmu.

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Von der Zhongshan North Road, Sec. 5 (Zhishan MRT) durchquerten wir einen kleinen Park in dem das Rauchen verboten ist. Ein Open-Air-Rauch-Verbotsschild war dann doch etwas Neues für uns. Neben einem Spielplatz fanden sich, wie in jedem Park, die gelb-rot leuchtenden Geräte zur körperlichen Ertüchtigung und so drehten auch wir an den Handrädern, zogen an Strippen das sich unsere Wirbelsäule reckte und streckte und liefen auf einer Art „Stepper“ wo wir uns danach fühlten als würden wir auf Wolken zum Zhishan Garten schweben. Die „Fußreflexzonenmassage“ auf einem eigens dafür angelegten Pfad mit hoch aufragenden schwarzen, glatt gewaschenen Steinen ließen wir aus und erreichten bald unser Ziel – zumindest standen wir davor, erklommen musste der Berg ja noch werden.

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Über Holzstege, die sich wie Nervenzellen immer weiter verzweigen und die Wahl des Weges schwierig aber auch aufregend machten, liefen wir schnaufend hinauf. Aussichtsplattformen mit Holzbänken oder einem Picknick Platz ließen Zeit um über die Stadt zu blicken, Schmetterlinge, oder Vögel zu beobachten und einzutauchen in dieses Biotop, welches den Lärm der Stadt fast vergessen macht. Jogger kommen uns entgegen, eine ältere Dame und ein Herr machen Tai Chi Übungen und eine Kindergartenklasse rennt aufgeregt über die Holzstege.

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Auf einer Aussichtsplattform zeigt eine runde, in Holz eingelassene, Metallplatte in einem 360 Grad Blick die geologische Beschaffenheit von Taipei. In 3D-Ansicht gruppieren sich Berge um die Stadt und breite Flüsse fließen durch sie hindurch.

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Der Zhishan Garten ist Taiwan’s erster Öko-Park und wurde formell am 31. Dezember 2005 eröffnet. In Zeiten der japanischen Kolonialherrschaft war der Berg offensichtlich ein unzugängliches Naturdenkmal. In der Qing-Dynastie diente der „Wald-Berg“ als Zufluchtsort.

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Ein anderer Holzsteg-Weg führt zum Huiji Tempel, der 1752 erbaut wurde. Der einzige Baum auf dem Vorplatz wird gestutzt und frisiert für das chinesische Neujahrsfest. Er sieht aus wie die Version eines großen Bonsai. Der Vorplatz scheint direkt mit dem Himmel verbunden zu sein, weil er in luftiger Höhe thront und einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und die Bergketten bietet. Marmorlöwen brüllen von der Balustrade dem Tempel entgegen, auf dessen Schwalbenschwanzdächern sich gelb- und grün-schuppige Drachen winden.

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Ein steiler Treppenweg führt vom Tempel hinunter zum 1825 erbauten Chih Shan Yen Tor, begleitet von roten Laternen, die wie Schlangen über unsere Köpfe hinweg schlängeln.

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Der Berg scheint größer zu sein als von uns angenommen. Wir dachten wir hätten alles gesehen, doch die verschlungenen Pfade führen noch an andere Orte wie den „Zhishan Cultural and Ecological Garden“, der einen kleinen Teil des Berges einnimmt und einem ökologischen Teich, sowie ein Gewächshaus und das „BREAD“ Erholungszentrum für verletzte Vögel beheimatet, welches von der Wild Bird Society in Taipei betrieben wird. Für den Garten kostet der Eintritt 50 NT$.

Mandy Fox