Besuch im Wu Sha-Erinnerungsmuseum

Bild

Blick auf die heutige Lanyang-Ebene.

Die Geschichte Taiwans vor dem 18. Jahrhundert ist die eines Grenzlandes. Nur langsam brachten chinesische Siedler Osttaiwan unter ihre Kontrolle, oft angeleitet von Pionieren wie Wu Sha (吳沙). 1796 führte er 1.000 Chinesen in die Lanyang-Ebene, das heutige Yilan. Sowohl unter Anwendung von Waffengewalt als auch durch geschicktes Verhandeln nahmen sie den dortigen Ureinwohnern nach und nach den Boden weg und errichteten befestigte Siedlungen.

Ein kleines Museum in Wu Shas alter Residenz, heute in der Ortschaft Jiaosi (礁溪) liegend, ist dem Leben und Wirken des einflussreichen Einwanderers aus der chinesischen Provinz Fukien gewidmet.

Bild

Hinweisschild: „Wu Sha-Erinnerungsmuseum: 30 Meter weiter.“

Bild

Ländliche Szenerie, die typisch für Osttaiwan ist: Reisfelder und immer in Sichtweite der Berge.

Bild

Und so sieht der Eingang zum Grundstück des Wu Sha-Museums aus.

Bild

Die Gebäude um das Museum sind auch heute noch bewohnt von Familie Wu.

Bild

Die Original-Residenz wurde Ende des 18. Jahrhunderts im traditionellen südchinesischen Fukien-Stil erbaut.

Bild

Der Eingangsbereich.

Bild

Innen erzählen Erklärungstafeln wie diese die Geschichte Wu Shas nach, der im 18. Jahrhundert aus seinem chinesischen Heimatort nach Taiwan auswanderte.

Bild

Gedenktafeln bezeugen die Ehrenbezeichnungen für Wu Sha. Hier wird er etwa als Pionier der Lanyang-Siedlungen gepriesen.

Bild

Auch ein Bestandteil der ursprünglichen Hausmauer wird dekorativ ausgestellt.

Bild

Noch ein Bild aus dem ländlichen Taiwan: Ein Schwein festgebunden am Straßenrand. Warum es dort stand, wollte es jedoch nicht sagen.

Fotos und Text: Sebastian Hambach.

Advertisements

Taiwan – Reisen : Goldstadt Jioufen ( 九份)

Heute machen wir einen kleinen Ausflug in die ehemalige Goldgräberstadt Jiufen im Nordosten Taiwans, ca. 40 km von Taipei entfernt ,

Bucht von Keelong

Bucht von Keelong (Foto: Frank Pevec)

Das ganz in der Nähe der Hafenstadt Keelong gelegene Jiufen ist am Wochenende ein beliebter Ausflugsort der Hauptstadtbewohner, in der Woche wäre er es wahrscheinlich auch, wenn nicht alle immer arbeiten müssten. Für den nötigen Nachschub sorgen seit der Öffnung Taiwans Touristen aus Festlandschina China und auch Hongkong.

Alte Bergbaustadt Jiufen mit Keelong – Berg (Foto: Frank Pevec)

Doch warum fahren alle nach Jiufen? Jiufen war noch bis in die 50er Jahre eine wohlhabende Goldgräber- und Bergbaustadt, allerdings einseitig darauf ausgerichtet und entsprechend davon abhängig. Mit der Einstellung des Bergbaues nach dem Abzug der japanischen Kolonialmacht ging es daher wirtschaftlich schnell bergab mit dem schön am Berghang gelegenen Örtchen.

Jiufen soll nun  ausgebaut besser umgebaut werden um der  wachsende Zahl  von Besuchern auch etwas zu bieten zu haben. Unterkünfte, Erlebnisstätten und Souvenirläden sollen um das von einem morbiden Charme umgebene Bergbaugebiet entstehen.

Was gibt es noch? Erst einmal einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Jilong und die Küste, wenn man die gewundene Bergstrecke hochgefahren ist, die einen wahrscheinlich auf  300 bis 400 m Höhe bringt. Bei gutem Wetter kann man sogar bis zum etwa 30 km entfernten westlich gelegenen  Jinshan schauen.

Jiufen ist als Goldgäberstadt bekannt, das klingt auch spannender , in der Tat wurde auch intensiv nach Kupfer gegraben und zwar von den Japanern , die 1895 nach dem schnell gewonnenen Krieg gegen China sich Taiwan unter den Nagel gerissen hatten .

Die Japaner haben allerdings auch sehr viel für den Aufbau und die Modernisierung Taiwans getan, dies natürlich nicht aus Gründen der Barmherzigkeit,  Eigeninteressen der standen  im Vordergrund. Taiwan sich dabei nicht von den Kolonien der westlichen Mächten, bei der Erschliessung ging es um die Versorgung mit Rohstoffen für die Kolonialmacht, in diesem Fall für das ressourcenarme Japan, die sich der damals üblichen Praktiken der Eigenversorgung bedienten.

Taiwan wurde von ihnen komplett vermessen und katalogisiert, die nahezu gesamte Flora und Fauna registriert, Rohstoffvorkommen aufgespürt, im Süden verbesserte man die Irrigationssysteme der Landwirtschaft und erhöhte damit deutlich die Produktivität.

Die Eisenbahn in Taiwan als auch das Wasserleitungsnetzwerk in Taipei ist ebenfalls auf die Initiative der Japaner zurückzuführen, umgesetzt wurden diese Projekte natürlich von den Taiwanern.

Hier im Norden von Jiufen wurde  nach Gold und Kupfer geschürft.

Schon wenn man entlang der Küstenstraße fährt , sieht man gut die sich leicht bedrohlich sich hinter Jiufen erhebenden Industrieruinen, fast wie eine Gespensterstadt anmutend , die sich den teils recht steilen Berghang hinaufzieht, drum herum winden sich einige recht enge Straßen , an denen die Bewohner des Ortes ihre Häuser dicht and dicht errichtet haben.

Alte Goldmine in Jiufen

Alte Goldmine in Jiufen (Foto: Frank Pevec)

Beim Blick auf die Industrieruinen wird einem sofort deutlich, das dieses jetzt eher verschlafene Nest Ort emsiger Aktivität war. recht lebendig muss es gewesen sein, jetzt ist alles still, bei den Anlagen sieht man überal kaputte Fensterscheiben, aufffällig sind noch recht grosse grauschwarze Betonröhren , die kilometerweit den Berg hinauf gelegt wurden, dies sind keine Wasserleitungen, sondern zur Ableitung der bei der Gewinnung von Kupfer entstehenden ätzenden SO2 Dämpfe gebaut,  hier wurden sie über  den Berg auf die andere Seite hochgeleitet und dort an die Umgebung abgelassen, was der Luftqualität in Jiufen zugute kam – wenn die Windrichtung stimmte.

Das diese Röhren notwendig waren, ist unschwer an der völligen Abstinenz von Baumwuchs erkennbar. Weiterer Indikator für die starke Konzentration von S02 sind die schick in ocker-orange und in Rottönen verfärbten Findlinge im Flussbett, welches direkt die Anlage säumt.

Abgasmanagement

Abgasmanagement (Foto: Frank Pevec)

Im Zweiten Weltkrieg wurde hier in Jiufen von den Japanern ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet, in dem die Gefangenen sich dann im Bergbau verdingen mussten. Jetzt gibt es hier eine Gedenkstätte, die auf die damaligen Taten hinweist.  Hier in Jiufen waren insgesamt 4300 Kriegsgefangene untergebracht, 10% von ihnen starben an Hunger, Krankheit, Überarbeitung oder den Schlägen, die sie des öfteren einstecken mussten. Wiederentdeckt wurde das Kriegsgefangenenlager erst 1990, 1997 wurde dann die Gedenkstätte eingerichtet.  Auf einer größeren Gedenktafel sind die Namen der ehemaligen Inhaftierten verzeichnet und wird der Verstorbenen  gedacht.

In ganz Taiwan gab es 15 Kriegsgefangenenlager, im Norden waren es neben Keelong noch Jinshan und Taipei im Norden, fünf in Zentraltaiwan, zwei in Kaohsiong und an der Ostküste ebenfalls einige.

Die meisten der auf der großen Gedenktafel aufgezeichneten Kriegsgefangen kamen aus Großbritannien und den USA, ab und an auch einige Holländer oder Australier. An die  Gegenwart wir mit den Worten „Frieden gibt es nicht umsonst“ gemahnt.


Was gibt es noch zu unternehmen? Wer moechte , kann den fast 600 m hohen Jilong Berg besteigen, besser bewandern, dort gibt es natürlich Weege. .

Für den Hunger danach gibt es etliche Auswahlmöglichkeiten in zahlreichen kleineren Restaurant, als Spezialität ist die Fischballsuppe zu erwähnen, Jiufens Nähe zum Meer legt natürlich nahe, sich an Fisch und Seafood-Gerichten zu versuchen.

Beim Rückweg nach Jilong gibt es dafür auch ein stark frequentiertes Seafood-Restaurantviertel in Hafennähe, kleiner Tipp: Beim Verzehr von einzeln bestellten ganzen Fischen Immer die Preise erfragen. Noch wichtiger: Den Fisch seiner Wahl gleich wiegen lassen und nach dem Gesamtpreis fragen, das hält die Überraschung niedriger, ansonsten ist eine gut gedeckte Kreditkarte von Vorteil.

Für Fahrradfahrer ist Jiufen eine echte Herausforderung, ordentlich steil, echte Fahrradfreaks freuen sich natürlich auf die Berge, nach einem quälenden Aufstieg folgt dann als Belohnung meist eine wunderschöne Abfahrt. Hier in Jiufen bedeutet die Abfahrt ebenfalls nochmals Arbeit, steil eng und kurvig ist es, da heißt es mächtig in die Bremsen zu gehen. Vielleicht fährt man auch über den Berg auf  der ins Landesinnere gelegenen Seite herunter in Richtung Fulong, um dort am Strand ein Bad zu nehmen. Nach Fulong gelangt man auch wunderbar, wenn man einfach dem Verlauf der Küstenstraße folgt.

Der Ausblick auf die Bucht von Jiufen ist es allemal wert, blaue Küste und weiter Blick auf das Meer, bei Ebbe verändert sich allerdings die Farbe der Bucht, an einigen Stellen in Küstennähe erscheint sie auf einmal eher gelblich, dies ist ebenfalls Zeugnis der früheren Bergbautätigkeit. Es sind Schwemmstoffe, die sich hier ablagerten, dafür hat man auch gleich einen netten Namen gefunden: Das gelbgoldfarbige Wasser.

Was noch auffällt: es ist in Jiufen etwas kühler als in Taipei, man liegt etwas höher und der vom Meer kommende Wind verschafft einem ein wenig Linderung, dies ist insbesondere im Hochsommer sehr willkommen.

Jiufen wurde übrigends von Taiwans wohl bekanntestem Regisseur , von Hou Hsiao hsien zur Filmkulisse für seinen  preisgekrönten Film „Stadt der Traurigkeit“ gewählt, mit diesem Streifen gewann er immerhin den Goldenen Loewen bei den Filmfestspielen in Venedig. Die Atmosphäre des morbiden, verlassenen und zerfallenden Jiufen war wie gemacht für seinen Film. Wer filmnah speisen will, kann es auch in dem gleichnamigen Restaurant tun, dem „City of Sadness“  Restaurant, von Außen wegen seiner Schlichtheit kaum wahrnehmbar..

Ansonsten kann man sich auch in einem der zahlreichen Teehäuser am Hang der Berge mit Blick auf  den Pazifik niederlassen und seine Seele herrlich baumeln lassen.

Author: Frank Pevec

Taiwans Designer-Nachwuchs

Designer-Nachwuchs  in Taiwan

Produzierte Taiwan in den 70er und 80er Jahren meist nur für andere, ist man seit gut 15 Jahren bestrebt, die Entwicklung eigener Marken voranzutreiben, welches höhere Gewinnmargen verspricht. Mittlerweile sind Markennamen wie Giant, Acer und Asus den meisten in etlichen westlichen Ländern ein Begriff.

Diese Entwicklung haben auch Taiwans Wirtschaftsplaner erkannt und arbeiten an der Profilierung eines eigenen Images für Taiwan. Waren aus Taiwan werden mittlerweile verstärkt als „MIT“-Produkte (Made in Taiwan) vorrangig auf dem chinesischen Markt, dem größten Absatzgebiet Taiwans, vertrieben.

Eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer eigenen Marke, dem Branding, kommt dem Design zu und wird von Taiwans Regierung verstärkt gefördert. Zum 100. Jahrestag der Republik China, Taiwans offizielle Bezeichnung, wurde das Jahr 2011 zum Jahr des Design erklärt. Die Topveranstaltung in diesem Jahr wird der „2011 IDA Congress Taipei“  sein, der Kongress der International Design Alliance, die globale Megaveranstaltung der Designwelt. Der IDA-Kongress findet vom 24.- 25. Oktober in Taipei statt.

Auf der Yodex 2011,  der Designernachwuchsmesse, wurde in diesem Jahr erstmals die Preisverleihung für den „iF concept design award“  verliehen.

iF concept design award erstmals in Taipei (Foto: Frank Pevec)

Das die Auszeichnung in Taiwan stattfand, hatte, wie Anna Reissert vom „iF Design Forum“ sagte, einen ganz einfachen Grund: es kämen regelmäßig so viele Gewinner aus Asien und speziell Taiwan, dass man ihnen auch einmal die Gelegenheit geben  wollte, ihre Gewinne persönlich entgegen zu nehmen.

Taiwans Jungdesigner waren stark vertreten

Insgesamt gingen über 8000 studentische Design-Entwürfe aus 52 Ländern beim if-Nachwuchswettbewerb  ins Rennen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Eingereicht wurden sogar über 10.000 Arbeiten, die aber nicht alle den formalen Anforderungen entsprachen.

In einem ersten Selektionsschritt wurden 300 der 8000 Beiträge von internationalen Fachleuten aus Forschung und Praxis ausgewählt. In der zweiten Runde wählte dann eine Expertenjury die „Best 100“,  30.000 EUR Preisgeld für die zwölf Besten sorgte bei ihnen für extra hohe Freudensprünge.

Dreifache Auszeichnung

An Taiwans Nachwuchsdesigner wurden 31 von 100 Preisen vergeben, die Insel war damit überproportional präsentiert und stellte locker den großen Bruder vom Festland in den Schatten, der 15 mal ausgezeichnet wurde. Südkorea war mit 24 Platzierungen unter den besten 100 ebenfalls sehr stark vertreten, die drei Länder errangen mit 70 Auszeichnungen das Gros der Preise.

Von den 12 mit Toppreisen ausgezeichneten Designern kamen 5 aus Taiwan.

Mit 5.000 Euro ausgezeichnet wurde die Arbeit von I Jui Lee von der National Cheng Kung University in Tainan Er wurde für seinen  „Pen ruler“, einen Stift zum Maß nehmen für Schneider mit einem Preis bedacht .

Pen Ruler - Maß nehmen auf die moderne Art (Photo: iF Design Forum)

Der Stift erleichtert das exakte Maßnehmen und beugt Fehlern beim Zusammenrechnen vor.  Statt eines Maßbandes rollt man mit dem Stift die Strecke oder auch Person ab , der Stift rechnet dann alle Daten zusammen.

Ebenfalls mit 5000 Euro ausgezeichnet wurde der „Parking Guide“  von Huang Shao-Heng, Wang Shou-Yu, Shih Chang-Chi, drei Studenten der Tatung University aus Taipei.

Alles easy im Parkhaus der Zukunft (Photo: iF Design Forum)

Der dahinterstehende pragmatische Gedanke gefällt mir dabei besonders gut. Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man sich bei der Einfahrt in eine größeres Parkhaus befindet: enge Wege, unübersichtlich, meist voll, mehrere Stockwerke…und wo ist jetzt noch etwas frei? Zeitraubendes Herumkurven bei höchster Wachsamkeit. Dies dürfte in Zukunft anders werden. Das mit einem Chip versehene elektronische Ticket zeigt einem den nächsten freien Parkplatz an. Das schönste: bei Rückkehr, egal von welchem Eingang, wird auch der Standort des Wagens angezeigt. Kein lästiges Suchen und Orientieren, es dürfte im Parkhaus deutlich entspannter werden –  und dies bei besserer Luft.

Besser zu Fuß (Foto: iF Design Forum)

Mit 3000 Euro wurde der Beitrag von Cheng-Tsung Feng, Yu-Ting Cheng von der  National Taiwan University of Science and Technology  in Taipei

belohnt. Sie erfanden einen „Balance Stick“, einen Gehstock, ein „Stehaufmännchen“, der jederzeit losgelassen werden kann, ohne dass er umfällt. Kein lästiges Bücken nach der Gehhilfe, die zweite Hand damit immer frei. Ergonomisch unterstützt er auch den Gehprozess und erleichtert das Treppensteigen. Erleichterung für viele ist vorprogrammiert, beste Geschäftschancen angesichts der weltweiten Alterung.

Pflanzen zum Aufkleben (Foto: iF Design Forum)

Mit 1000 Euro wurde der Entwurf von Fang-Yi Lin, Jyun-Kuan Wu, Rong-Jin Liang von der      Ling-Tung University in Taichung prämiiert. Ihr Idee: Pflanzen zum Aufkleben. Ein bereits Samen und Nährstoffe enthaltener Klebesticker, eine Art Textilfaser, die auf Wände oder Fliesen geklebt werden kann. Regelmäßig feucht halten und es fängt an zu sprießen.

Integrierter Handtrockner (Foto: iF Design Forum)

Ein weiterer der Toppreise wurde an Chun-Chieh Chang, Wan-Hua Tsai von der National

Taipei  University of Technology, in Taipei vergeben. Er entwickelte ein Waschbecken für öffentliche Toiletten mit integriertem Händetrockner. Kein Umherlaufen mit nassen Händen, feuchte, rutschige Böden dürften damit der Vergangenheit angehören.

Auf der Yodex stellten Designer von 102 Universitäten ihre Abschlussarbeiten dar.  Schon beim Begleitprogramm der Preisverleihung war das kreative Potential nicht zu übersehen.

Gewagt bis ausgefallene Kollektionen (Foto: Frank Pevec)

Ultimative Farben (Foto: Frank Pevec)

...bei größtmöglichem Stilspektrum... (Foto: Frank Pevec)

Etliche Design-Studenten zeigten sich rege interessiert und holten sich Anregungen bei den dargestellten Abschlußarbeiten des Design-Nachwuchses.

...digitale Themen... (Foto: Frank Pevec)

Neo-Mingzeitlicher Büromöbel-Pop (Foto: Frank Pevec)

Victims of the Ruthless Beauty - Ermahnung an die Mode- und Schönheitsindustrie zur Einhaltung des Tierschutzes (Foto: Frank Pevec)

...gewagtes Spiel der Widersprüche ...(Foto: Frank Pevec)

...die Paul Gautier - Ausstellung in Taipei hinterließ Wirkung (Foto: Frank Pevec)

...traditionelle Papierschnittkunst...

...im Alltag einsetzbar...(Foto: Frank Pevec)

die neuzeitliche Ausprägung: Psychedelic Fan (Foto: Frank Pevec)

Fazit: ein Fest der Fantasie , wir kommen wieder!

Autor: Frank Pevec

Taiwan – auf den Spuren des Dinosaurierfutters

Das am Rande des eurasischen Kontinents liegende Taiwan weist , was Topographie, Klima und Vegetationszonen angeht, eine große Vielfalt auf.  Die an Niederschlägen reiche Insel wird vom Wendekreis des Krebses durchquert, der klimatisch die Grenze zwischen Subtropen und Tropen markiert.

Insel Taiwan - vielfältige Natur

Insel Taiwan – vielfältige Natur (Foto: Frank Pevec)

Trotz der südlichen Lage, etwa auf der Höhe von Marrakesch gelegen, gibt es vielfältige klimatische Unterschiede auf der kleinen Insel. Die Monate Mai bis September sind im allgemeinen inselweit die niederschlagsreiche Zeit und es ist garantiert heiß – auch wenn das Wetter durch den Einfluß von El Nino und globaler, vom Menschen verursachter Erwärmung hier ebenfalls ein wenig und immer mehr verrückt spielt.

Heiße niederschlagsreiche Sommer und feucht-kalte Winter im Norden und Nordosten bei trockenen mildem Wetter im Süden schaffen auf Taiwan recht unterschiedliche Klimazonen.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die verschiedenen Höhenlagen bis hinauf auf 4000 m. Unterschiedlichste Vegetationsstufen sind anzutreffen, welche vom Grasland in der Ebene des Westens bis zu waldbedeckten Hochgebirgen in Zentraltaiwan reichen, darunter auch teilweise vulkanische Böden. Von im Winter schneebedeckten Bergen bis zu tropischen feucht-warmen Regionen bietet die Insel dem Tier- und Pflanzenreich etliche Möglichkeiten der spezifischen Ausprägung. Tropische, subtropische Zonen und in den Hochgebirgen auch kühle Regionen, die mit der arktischen Tundra verglichen werden können, sind hier vertreten.

Fehlende Eiszeit und subtropisch-tropische Lage ermöglichen Begrünung auch in knapp 3300 m Höhe (Foto: Frank Pevec)

Mehr als 200 Berge mit 3000 Metern gibt es auf Taiwan, der höchste von ihnen ist der Jadeberg mit einer Höhe von knapp 4000 Metern – und die fast alle wegen der fehlenden Eiszeit und der südlichen Lage bis in die Gipfel begrünt sind. Gut die Hälfte der Insel ist nach wie vor bewaldet, angesiedelt haben sich hier Pflanzen aus den nördlichen und südlichen Regionen Ostasiens. Insgesamt zeigt sich hier eine Biodiversifität, die deutlich höher ist als in den meisten Regionen der Welt.

Da die letzte Eiszeit die Gebiete Ost- und Südostasiens nicht betraf, ist hier die Artenvielfalt, insbesondere bei den Pflanzen, deutlich größer als bei uns in Europa und auch die frühe Entwicklung in China lässt sich u. A. damit erklären.

Ostasien ist insbesondere für Botaniker ein wahres Paradies, für eine andere Berufsgruppe ist der gleiche Grund Anlass permanenten Unwohlseins – für den Reiseleiter. Die legitime Ausrede auf bohrende Fragen der Reisegäste ist die eben beschriebene hohe Artenvielfalt wegen fehlender Eiszeit – nicht umsonst werden etliche Blattgemüsearten in China und Taiwan vom Volksmund nicht weiter spezifiziert sondern einfach als „grünes Gemüse“ bezeichnet.

…allerdings ist es dort im Winter auch kalt….Hehuan-Berg on the Rocks (Foto: Frank Pevec)

Kurzum, fingen wir in Nord- und Mitteleuropa vor 10.000 Jahren nach dem  Abschmelzen der Gletscher in Europa etwa wieder bei Null an, stand hier alles in voller Pracht und konnte weiter mutieren.

Die frühe geographische Isolation vom Festland führte in Taiwan zu einem hohen Niveau an Endemismus, also einer spezifisch-lokalen Ausprägung der Pflanzen und Tiere. Mehr als 4200 vaskuläre Pflanzen, über 5700 verschiedene Pilzsorten und 19.000 verschieden Tiere sind auf der Insel anzutreffen. Allerdings stellt die rapide Industrialisierung und die Vervierfachung der Bevölkerung innerhalb der letzten 50 Jahre eine Gefahr für Taiwans Ökosystem dar.

Fast 700 Farnarten finden sich in Taiwan

Unter Botanikern ist Taiwan vor allem für seine große Vielfalt an Farnen bekannt. Farne waren die ersten pflanzlichen Vertreter auf der Erde und begrünten als Baumfarne schon vor 400 Mio. Jahren zusammen mit Gräsern den Globus. Farne waren ab 250 Mio. bis 66 v. Chr. auch das Grundnahrungsmittel für die Vegetarier unter den Dinosauriern. Baumfarne wachsen auch heute noch in tropischen Gegenden und sind daher auch in Taiwan anzufinden.

Baumfarne – Futter der pflanzenfressenden Dinosaurier

In Taiwan wachsen sie nicht nur im Wald, sondern im wahrsten Sinne des Wortes an allen Ecken und Hauswänden. Eine ihrer großen Stärken und Grund für ihre Vielfalt: Sie sind ein Meister der Anpassung an unterschiedlichste Umgebungen und Klimazonen. Mehr als 600 Varietäten aus 37 Farnfamilien gibt es hier in Taiwan zu entdecken. Allerdings muss man schon nach ihnen schauen. Als älteste Bewohner der Wälder haben Farne die Eigenschaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Sie blühen nicht, sie tragen keine Früchte sondern bilden eher bescheiden die Hintergrundkulisse.

Doch in den letzten Jahren baut sich eine neue Bedrohung für die Baumfarne in Taiwan auf. Botaniker befürchten ein Aussterben dieser Art in Taiwan. Grund dafür ist ein Pilzbefall, von dem mittlerweile schon 70% aller Baumfarne betroffen sind.  Ein Grund dafür könnten die klimatischen Veränderungen sein, die längere Trockenphasen schafft und die Baumfarne anfälliger für Pilzkrankheiten macht.

Baumfarne können über 10 Meter hoch werden

Taiwans Forstforschungsinstitut ist eifrig bemüht, durch Aufspüren von    sauberen, infektionsfreien Sporen deren genetischen Bestand zu sichern.

Wegen der fehlenden Eiszeit boten etliche Teile Ostasiens und Nordamerikas den Farnen  „Unterschlupf“ vor der Kälte. In Japan, der an Tibet und Burma grenzenden südchinesischen Provinz Yunnan und den Philippinen findet sich eine noch größere Varietät als in Taiwan. Allerdings gibt es kaum ein Gebiet, welches auf solch kleinem Raum eine derart hohe Artenvielfalt wie Taiwan aufweisen kann. Man schätzt, das etwa 10% der Farne in Taiwan ausschließlich hier vorkommen, also „echte“ Taiwaner sind, etwa 90% kamen über den Luftweg auf die Insel.

Farne vermehren sich über Sporen, die fein wie Puder sein können. Wechselnde Monsunwinde und Taifune wehten Farnsporen aus allen Richtungen, aus Japan, dem Festland und aus den Philippinen hinüber auf die Insel.  Daher weist Taiwan mit knapp 700 Farnarten und verwandten Arten deutlich mehr auf als die 100 in Europa und den gut 400 Arten in Nordamerika.

Die Farnsporen benötigen zur Teilung viel Feuchtigkeit , um wachsen zu können, Taiwan ist dafür der perfekte Standort und konnte damit diese Vielseitigkeit schaffen.

Das „Fragezeichen“ der Natur

Das meiste Interesse wurde den Farnen von Forschern entgegen gebracht, die wie sie zumindest anfangs, aus dem Ausland kamen.  Schon früh, 1856, begann der britische Gesandte Robert Swinhoe, Taiwans botanische Vielfalt zu katalogisieren. Sein Werk umfasste 246 lokale Pflanzen und 33 Farnfamilien.

Die Japaner machten ab 1895 nach der Übernahme Taiwans erst einmal Bestandsaufnahme, und das gründlich, auch die Pflanzenwelt wurde genauestens durchleutet. Zwei Jahrzehnte nahm man sich Zeit und erfasste gut 80% aller Farnvarietäten.

Nach dem Rückzug der Japaner konnte sich auch die Taiwanesen stärker der Forschung zuwenden und  die botanische Forschung fortführen.  Charles E. De Vol, ein amerikanischer Quäker, der mit seiner Familie nach Taiwan übersiedelte und in den 50er Jahren im Botanischen Institut der Nationalen Taiwan Universität lehrte, verhalf der Farnforschung zu neuem Auftrieb.

Vogelnestfarn – lecker!!!

Der normale Taiwanese interessiert sich, wenn es ihm gut geht, wahrscheinlich nur für zwei von ihnen: Und zwar für die Essbaren!

Diplazium esculentum und Asplenium nidus, für uns populi vulvo heißen sie der „Gebratene Gemüsefarn“ und der „Vogelnestfarn“, letzterer ist bei uns eventuell auch als Hirschzungenfarn bekannt (der Botaniker möge mir verzeihen, ich hoffe, ihm wird bei diesen vulgären Bezeichnungen nicht unwohl).

Sollte es dem Taiwaner schlecht gehen, könnte er eventuell noch Bekanntschaft mit einem Farn via einer Kräutermedizin machen , die  gegen eine Kontamination mit Bakterien eingesetzt wird, mit Lygodium japonicum, dem japanischen Kletterfarn.

Weitere medizinisch nutzbare Arten sind der „schlanke Bremser“ , das „gewöhnliche Frauenhaar“ und der „fliegende Spinnenaffenbaumfarn“.

Asplenium Nidus (Vogelnestfarn) aus der Nähe

Sollten Sie nach Taiwan kommen, können sie sich gleich in Taipeis Botanischem Garten (Nanhai Rd.) einen ersten Eindruck von der pflanzlichen Vielfalt verschaffen, eine Anlage für Farne ist ebenfalls vorhanden (das kleine Geschichtsmuseum, in dem regelmäßig auch Gemälde ausgestellt werden, befindet sich ebenfalls in der Anlage und lädt im oberen Stock beim Tee zum Entspannen und einem Blick auf den Lotusteich ein).

Geschichtsmuseum im Botanischen Garten von Taipei – ideale Verschnaufpause von der Großstadt (Foto: Frank Pevec)

Desweiteren gibt es im Nordosten in Yilan ein Farngebiet, im Landkreis Taichung hat das Forschungsinstitut für einheimische Arten einen Farngarten angelegt, 200 Arten von 32 Familien sind dort zu in 1000 Metern Höhe zu besichtigen, der ideale Besuchsort für die heißen Sommertage.

Betelnuss – beliebt bei der ländlichen männlichen Bevölkerung des Südens. Davon mehr in einem anderen Beitrag.

Text und Bilder: Frank Pevec