Sommertage – Strategien gegen die Hitze

Freut man sich in Mitteleuropa auf die beschwingte Sommerzeit, hält sich dieses Gefühl in Taiwan ein wenig in Grenzen. Sommer bedeutet hier: heiß-schwül, heißer-schwül oder unausstehlich schwül-heiß.

Lediglich die Nachtstunden bringen angenehme Temperaturen, zumindest wenn man sich draußen befindet. Die Häuser mutieren oft zu Backöfen, die den Einsatz der Aircondition geradezu erzwingen.

Ein Grund, warum es im dichtbesiedelten Talkessel Taipei im Norden der Insel wärmer ist als im Süden.

Doch wie verbringt der Taiwanese angesichts von Temperaturen, die in der Regel mindestens bei 35 Grad Celsius liegen, dies bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 80%,  sein Sommerwochenende?

Verschiedene Optionen bieten sich da an: Das Wochenende ist für den recht eingespannten Taiwanesen traditionell die Zeit der Einkäufe – und er kauft gerne ein.  Früher gab es  ohnehin nur am Sonntag frei, daher sind geöffnete Kaufhäuser am Ruhetag ein Muss.

Coole Konsumtempel

Chinesischer Konsumtempel

Besonders beliebt sind die Konsumtempel von oft beachtlicher Größe insbesondere im Sommer: Es gibt eine sehr aktive Aircondition, die einen überhaupt nicht an unerträgliche Hitze denken lässt.  Eine angenehm Kühle dominiert und ein wenig Bewegung lässt sich auch in den weit ausladenden Hallen etlicher Mega-Konsumzonen finden. Insbesondere die Damenwelt wählt diese Variante als anregenden Fluchtweg zur Vermeidung sommerlicher Unangenehmlichkeiten.

Hallen des Glücks

Hitzefreies Mittagessen

Hitzefreies Mittagessen

Wer glaubt, am Wochenende wird sich ordentlich ausgeschlafen, ist in Taiwan am verkehrten Ort. Quirlig agil ist man auch hier schon früh am Morgen, im Sommer rückt dieser Zeitpunkt noch weiter nach vorn.

Auf die Hügel und Berge wandert man dann schon in der Nacht, ab 3 oder 4 Uhr kann es da schon losgehen. Fahrradtouren in die Umgebung sind ebenfalls beliebt, bester Zeitpunkt sind dann ebenfalls die frühesten Morgenstunden, um möglichst vor dem großen Showdown zur Mittagzeit die heimische Aircondition genießen zu können oder zum Mittagessen in ein gut gekühltes Kaufhaus zu gehen.

Doch wie bekämpft man Hitze am besten? Genau, mit Wasser. Die Stadt Taipei liegt recht dicht bei der Küste, auch südlich der Stadt sind einige Flüsse zu finden, in denen man sich ein wenig Abkühlung verrschaffen kann.

Kühlendes Nass in Richtung Wulai

Hot Spring Wulai – der Herr in der Mitte könnte in einer heißen Quelle sitzen

Eine weitere Option sind die Strände nördlich von Taipei, die man inner- halb von 1 bis 1,5 Stunden Fahrtzeit erreichen kann – für eine Großstadt von 3,5 Mio. Einwohnern in erträglicher Nähe.

Baishawan im Nordwesten, Jinshan und die Feicui-Bucht im Norden oder der langgezogene Strand von Fulong im Nordosten der Insel sind beliebte Ausflugsziele.

Jinshan

Surfen oder Kaffee trinken

Auch für sportlicher Gesinnte ist etwas zu finden. Surf-Fans aus dem Norden bevorzugen den Strand von Jinshan und die Honigmond-Bucht im Nordosten, etwa 15 km nördlich von Yilan.

Kaffeeterrasse in Jinshan

Der Strand von Fulong ist ebenfalls beliebt, dort und in Jinshan finden Anfänger des Wasserbrettsports ein günstiges Areal. Die Honeymoonbay (Miyuewan) kann auch dem fortgeschritteneren Surfer etwas Freude bringen, ebenso der Strand von Tucheng, etwa 10 km noerdlich von Yilan.

Für den Anfänger ist Jinshan zu empfehlen, dort gibt es auch entsprechende Surfschulen. Der Wellengang ist gut berechenbar, böse Überraschungen sind dort nicht angesagt, nur am Rande der Bucht befinden sich Felsen im Wasser. Die Wellen dort sind nicht sehr stark, doch ausreichend, um die Basistechniken ohne Turbulenzen zu erlernen.

Auf geht`s !

Auf ein Neues!

…und noch einmal!!!

Oma passt auf

…“böse“ Jungs…


…es muß nicht immer Surfen sein…

Geheimtip der fortgeschrittenen Surfer ist Miyuewan die Honeymoon Bay. Etwas versteckt liegend und touristisch nahezu unerschlossen, strömen die Surffreaks gerne an diesen Strand, dessen Untergrund aus Sand und Kiesel besteht, also recht harmlos ist und kaum gefährliche Felsen aufweist.

Die Wellen hier sind etwas stärker und häufiger in der Frequenz. Das Herz der Surffreaks schlägt natürlich beim Nahen eines Taifuns  noch höher als die zu erwartenden Wellen.

Honey Moon bei schönem Wetter

Honey Moon Bay – Miyue Wan



Als alter Bodysurfer an der französischen Atlantikküste, dort gibt es Wellen von knapp 4 Metern Höhe, machte ich mich beim nahen eines Taifuns auf den Weg. Endlich einmal dabei sein, Miyuewan war mein Ziel. Leider waren die Surfer bei meinem Eintreffen schon wieder auf dem Heimweg.

Honeymoon Bay     bei     Sturm


   Das Meer war in der Tat nicht mehr besonders vertrauenserweckend.

Autor: Frank Pevec

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Taiwan – auf den Spuren des Dinosaurierfutters

Das am Rande des eurasischen Kontinents liegende Taiwan weist , was Topographie, Klima und Vegetationszonen angeht, eine große Vielfalt auf.  Die an Niederschlägen reiche Insel wird vom Wendekreis des Krebses durchquert, der klimatisch die Grenze zwischen Subtropen und Tropen markiert.

Insel Taiwan - vielfältige Natur

Insel Taiwan – vielfältige Natur (Foto: Frank Pevec)

Trotz der südlichen Lage, etwa auf der Höhe von Marrakesch gelegen, gibt es vielfältige klimatische Unterschiede auf der kleinen Insel. Die Monate Mai bis September sind im allgemeinen inselweit die niederschlagsreiche Zeit und es ist garantiert heiß – auch wenn das Wetter durch den Einfluß von El Nino und globaler, vom Menschen verursachter Erwärmung hier ebenfalls ein wenig und immer mehr verrückt spielt.

Heiße niederschlagsreiche Sommer und feucht-kalte Winter im Norden und Nordosten bei trockenen mildem Wetter im Süden schaffen auf Taiwan recht unterschiedliche Klimazonen.

Verstärkt wird dieser Effekt durch die verschiedenen Höhenlagen bis hinauf auf 4000 m. Unterschiedlichste Vegetationsstufen sind anzutreffen, welche vom Grasland in der Ebene des Westens bis zu waldbedeckten Hochgebirgen in Zentraltaiwan reichen, darunter auch teilweise vulkanische Böden. Von im Winter schneebedeckten Bergen bis zu tropischen feucht-warmen Regionen bietet die Insel dem Tier- und Pflanzenreich etliche Möglichkeiten der spezifischen Ausprägung. Tropische, subtropische Zonen und in den Hochgebirgen auch kühle Regionen, die mit der arktischen Tundra verglichen werden können, sind hier vertreten.

Fehlende Eiszeit und subtropisch-tropische Lage ermöglichen Begrünung auch in knapp 3300 m Höhe (Foto: Frank Pevec)

Mehr als 200 Berge mit 3000 Metern gibt es auf Taiwan, der höchste von ihnen ist der Jadeberg mit einer Höhe von knapp 4000 Metern – und die fast alle wegen der fehlenden Eiszeit und der südlichen Lage bis in die Gipfel begrünt sind. Gut die Hälfte der Insel ist nach wie vor bewaldet, angesiedelt haben sich hier Pflanzen aus den nördlichen und südlichen Regionen Ostasiens. Insgesamt zeigt sich hier eine Biodiversifität, die deutlich höher ist als in den meisten Regionen der Welt.

Da die letzte Eiszeit die Gebiete Ost- und Südostasiens nicht betraf, ist hier die Artenvielfalt, insbesondere bei den Pflanzen, deutlich größer als bei uns in Europa und auch die frühe Entwicklung in China lässt sich u. A. damit erklären.

Ostasien ist insbesondere für Botaniker ein wahres Paradies, für eine andere Berufsgruppe ist der gleiche Grund Anlass permanenten Unwohlseins – für den Reiseleiter. Die legitime Ausrede auf bohrende Fragen der Reisegäste ist die eben beschriebene hohe Artenvielfalt wegen fehlender Eiszeit – nicht umsonst werden etliche Blattgemüsearten in China und Taiwan vom Volksmund nicht weiter spezifiziert sondern einfach als „grünes Gemüse“ bezeichnet.

…allerdings ist es dort im Winter auch kalt….Hehuan-Berg on the Rocks (Foto: Frank Pevec)

Kurzum, fingen wir in Nord- und Mitteleuropa vor 10.000 Jahren nach dem  Abschmelzen der Gletscher in Europa etwa wieder bei Null an, stand hier alles in voller Pracht und konnte weiter mutieren.

Die frühe geographische Isolation vom Festland führte in Taiwan zu einem hohen Niveau an Endemismus, also einer spezifisch-lokalen Ausprägung der Pflanzen und Tiere. Mehr als 4200 vaskuläre Pflanzen, über 5700 verschiedene Pilzsorten und 19.000 verschieden Tiere sind auf der Insel anzutreffen. Allerdings stellt die rapide Industrialisierung und die Vervierfachung der Bevölkerung innerhalb der letzten 50 Jahre eine Gefahr für Taiwans Ökosystem dar.

Fast 700 Farnarten finden sich in Taiwan

Unter Botanikern ist Taiwan vor allem für seine große Vielfalt an Farnen bekannt. Farne waren die ersten pflanzlichen Vertreter auf der Erde und begrünten als Baumfarne schon vor 400 Mio. Jahren zusammen mit Gräsern den Globus. Farne waren ab 250 Mio. bis 66 v. Chr. auch das Grundnahrungsmittel für die Vegetarier unter den Dinosauriern. Baumfarne wachsen auch heute noch in tropischen Gegenden und sind daher auch in Taiwan anzufinden.

Baumfarne – Futter der pflanzenfressenden Dinosaurier

In Taiwan wachsen sie nicht nur im Wald, sondern im wahrsten Sinne des Wortes an allen Ecken und Hauswänden. Eine ihrer großen Stärken und Grund für ihre Vielfalt: Sie sind ein Meister der Anpassung an unterschiedlichste Umgebungen und Klimazonen. Mehr als 600 Varietäten aus 37 Farnfamilien gibt es hier in Taiwan zu entdecken. Allerdings muss man schon nach ihnen schauen. Als älteste Bewohner der Wälder haben Farne die Eigenschaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Sie blühen nicht, sie tragen keine Früchte sondern bilden eher bescheiden die Hintergrundkulisse.

Doch in den letzten Jahren baut sich eine neue Bedrohung für die Baumfarne in Taiwan auf. Botaniker befürchten ein Aussterben dieser Art in Taiwan. Grund dafür ist ein Pilzbefall, von dem mittlerweile schon 70% aller Baumfarne betroffen sind.  Ein Grund dafür könnten die klimatischen Veränderungen sein, die längere Trockenphasen schafft und die Baumfarne anfälliger für Pilzkrankheiten macht.

Baumfarne können über 10 Meter hoch werden

Taiwans Forstforschungsinstitut ist eifrig bemüht, durch Aufspüren von    sauberen, infektionsfreien Sporen deren genetischen Bestand zu sichern.

Wegen der fehlenden Eiszeit boten etliche Teile Ostasiens und Nordamerikas den Farnen  „Unterschlupf“ vor der Kälte. In Japan, der an Tibet und Burma grenzenden südchinesischen Provinz Yunnan und den Philippinen findet sich eine noch größere Varietät als in Taiwan. Allerdings gibt es kaum ein Gebiet, welches auf solch kleinem Raum eine derart hohe Artenvielfalt wie Taiwan aufweisen kann. Man schätzt, das etwa 10% der Farne in Taiwan ausschließlich hier vorkommen, also „echte“ Taiwaner sind, etwa 90% kamen über den Luftweg auf die Insel.

Farne vermehren sich über Sporen, die fein wie Puder sein können. Wechselnde Monsunwinde und Taifune wehten Farnsporen aus allen Richtungen, aus Japan, dem Festland und aus den Philippinen hinüber auf die Insel.  Daher weist Taiwan mit knapp 700 Farnarten und verwandten Arten deutlich mehr auf als die 100 in Europa und den gut 400 Arten in Nordamerika.

Die Farnsporen benötigen zur Teilung viel Feuchtigkeit , um wachsen zu können, Taiwan ist dafür der perfekte Standort und konnte damit diese Vielseitigkeit schaffen.

Das „Fragezeichen“ der Natur

Das meiste Interesse wurde den Farnen von Forschern entgegen gebracht, die wie sie zumindest anfangs, aus dem Ausland kamen.  Schon früh, 1856, begann der britische Gesandte Robert Swinhoe, Taiwans botanische Vielfalt zu katalogisieren. Sein Werk umfasste 246 lokale Pflanzen und 33 Farnfamilien.

Die Japaner machten ab 1895 nach der Übernahme Taiwans erst einmal Bestandsaufnahme, und das gründlich, auch die Pflanzenwelt wurde genauestens durchleutet. Zwei Jahrzehnte nahm man sich Zeit und erfasste gut 80% aller Farnvarietäten.

Nach dem Rückzug der Japaner konnte sich auch die Taiwanesen stärker der Forschung zuwenden und  die botanische Forschung fortführen.  Charles E. De Vol, ein amerikanischer Quäker, der mit seiner Familie nach Taiwan übersiedelte und in den 50er Jahren im Botanischen Institut der Nationalen Taiwan Universität lehrte, verhalf der Farnforschung zu neuem Auftrieb.

Vogelnestfarn – lecker!!!

Der normale Taiwanese interessiert sich, wenn es ihm gut geht, wahrscheinlich nur für zwei von ihnen: Und zwar für die Essbaren!

Diplazium esculentum und Asplenium nidus, für uns populi vulvo heißen sie der „Gebratene Gemüsefarn“ und der „Vogelnestfarn“, letzterer ist bei uns eventuell auch als Hirschzungenfarn bekannt (der Botaniker möge mir verzeihen, ich hoffe, ihm wird bei diesen vulgären Bezeichnungen nicht unwohl).

Sollte es dem Taiwaner schlecht gehen, könnte er eventuell noch Bekanntschaft mit einem Farn via einer Kräutermedizin machen , die  gegen eine Kontamination mit Bakterien eingesetzt wird, mit Lygodium japonicum, dem japanischen Kletterfarn.

Weitere medizinisch nutzbare Arten sind der „schlanke Bremser“ , das „gewöhnliche Frauenhaar“ und der „fliegende Spinnenaffenbaumfarn“.

Asplenium Nidus (Vogelnestfarn) aus der Nähe

Sollten Sie nach Taiwan kommen, können sie sich gleich in Taipeis Botanischem Garten (Nanhai Rd.) einen ersten Eindruck von der pflanzlichen Vielfalt verschaffen, eine Anlage für Farne ist ebenfalls vorhanden (das kleine Geschichtsmuseum, in dem regelmäßig auch Gemälde ausgestellt werden, befindet sich ebenfalls in der Anlage und lädt im oberen Stock beim Tee zum Entspannen und einem Blick auf den Lotusteich ein).

Geschichtsmuseum im Botanischen Garten von Taipei – ideale Verschnaufpause von der Großstadt (Foto: Frank Pevec)

Desweiteren gibt es im Nordosten in Yilan ein Farngebiet, im Landkreis Taichung hat das Forschungsinstitut für einheimische Arten einen Farngarten angelegt, 200 Arten von 32 Familien sind dort zu in 1000 Metern Höhe zu besichtigen, der ideale Besuchsort für die heißen Sommertage.

Betelnuss – beliebt bei der ländlichen männlichen Bevölkerung des Südens. Davon mehr in einem anderen Beitrag.

Text und Bilder: Frank Pevec