Taiwans Baseballgeschichte – im Sonntagsmagazin im Januar

Dr. Andrew Morris, Professor für moderne chinesische und taiwanische von der Cal Poly Universität in Kalifornien, hat neben Geschichte eine weitere Leidenschaft – Sport. In seiner akademischen Tätigkeit hat er diese beiden Leidenschaften immer wieder kombiniert und ist dabei tief in Taiwans Sportgeschichte eingedrungen.

Professor Andrew Morris

Professor Andrew Morris

So hat Professor Andrew Morris z.B. vor einiger Zeit das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ herausgegeben, aber auch sonst sehr viel Forschung über Taiwans und Chinas Sportgeschichte betrieben. Morris Book

 Und ich hatte das Glück, dass Professor Morris sich freundlicherweise bereit erklärte, ein Interview mit mir durchzuführen, was sich so interessant entwickelte, dass es statt der angedachten 15-20 Minuten letztendlich eine Stunde dauerte. Daher steht das Sonntagsmagazin im Januar ganz im Zeichen von Taiwans Sportgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Baseball. Eine kleine Übersicht darüber, was sie im Gespräch mit Professor Andrew Morris erwartet:

1. Teil am Sonntag, den 5. Januar 2014

Professor Morris erzählt darüber, was ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal nach Taiwan brachte und wie sein Interesse am taiwanischen Sport insbesondere Baseball geweckt wurde. Ausserdem geht Professor Morris auf C. K. Yang ein, den vielleicht ersten taiwanischen Weltklasseathleten, der nicht nur bei den Olympischen Spielen 1960 im Zehnkampf die Silbermedaille gewann, sondern 1963 auch den Weltrekord im Zehnkampf hielt.

C K Yang Sports Illustrated

C K Yang auf der Titelseite von Sports Illustrated
(Dezember 1963)

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C K Yang in UCLA
mit Freund und Rivalen Rafer Johnson
und Trainerlegende Ducky Drake

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

2. Teil am Sonntag, den 12. Januar 2014

Im zweiten Teil des Gespräches geht Professor Morris darauf ein, wie sich die Idee für das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ entwickelt hat, und geht dann natürlich auf den Inhalt des Buches selber ein. Zunächst geht es darum, welche Rolle Baseball in der japanischen Kolonialzeit bei dem Versuch, Taiwan zu japanisieren, gespielt hat. Denn Baseball kam nicht durch Amerikaner sondern durch die Japaner nach Taiwan und entwickelte sich zu einem wichtigen Werkzeug bei der versuchten Japanisierung der Taiwaner – sowohl der mit hanchinesischem Ursprung als auch der Ureinwohner.

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Das berühmte Kano Team aus Chiayi (1931)

3. Teil am Sonntag, den 19. Januar 2014

Dann endete der zweite Weltkrieg und Taiwan wurde der Republik China zugeführt. Das hatte auch Einfluss auf den Baseball in Taiwan, denn der eigentliche neue Nationalsport der Republik China war in erster Linie Basketball und Baseball wurde von der neuen chinesischen Regierung als Teil der japanischen Kultur angesehen. Doch auch wenn Baseball nicht die gleiche Förderung erfuhr wie Basketball, wurde er jedoch nicht unterdrückt, denn die Regierung sah Sport als sehr wichtig an, und der beliebteste Sport in Taiwan zu der Zeit war Baseball. Und natürlich erzählt Professor Morris von den berühmten Little League Teams Taiwans, die in den 70er Jahren die Welt dominierten. Doch dabei spielten diese Teams nicht nur eine sportliche Rolle, sondern auch eine politische Rolle. Das mussten die Amerikaner und die amerikanischen Medien mit Erstaunen feststellen, als sie Zeuge davon wurden, dass es während der Endspiele in den USA zwischen Fans, die alle die taiwanischen Little League Teams unterstützten, immer wieder zu Schlägereien kam.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

4. Teil am Sonntag, den 26. Januar 2014

Welche Rolle spielt Baseball im modernen Taiwan und welchen Einfluss hatten und haben die Wettskandale? Professor Morris legt seine Schlussfolgerung dar und geht nochmal auf die interessanten Widersprüche der Baseballgeschichte Taiwans ein. Außerdem nimmt er Stellung zu der scheinbaren Widersprüchlichkeit bei der Einstellung vieler Taiwaner zum Sport – das Verlangen nach internationalem Erfolg taiwanischer Athleten bei gleichzeitigem Widerstreben, die eigenen Kinder eine Sportlerkarriere einschlagen zu lassen.

Mehr über Professor Andrew Morris kann man auf dieser Webseite von Cal Poly erfahren:

http://cla.calpoly.edu/hist_morris.html

Und hier mehr zum Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“:

http://www.amazon.com/Colonial-Project-National-Game-Baseball/dp/0520262794

Übrigens arbeitet der taiwanische Regisseur We Te-sheng (Cape No. 7, Seediq Bale) an einem Film über das berühmte Kano Baseballteam aus dem zentraltaiwanischen Chiayi, das 1931 an den Oberschulmeisterschaften des gesamten japanischen Reiches teilnahm und den zweiten Platz belegte.

Kano Movie

Dieser Film soll im Februar 2014 in die Kinos kommen –  und hier eine kurze Vorschau:

http://www.youtube.com/watch?v=BlXvc-Nd2xg

Ilon Huang

Geschichten eines kleinen Jungen, der in Zentraltaiwan die Zeit um das Ende des 2. Weltkrieges erlebt – im Schatzkästchen

Der kleine Tola aus Changhwa, Zentraltaiwan, erlebt die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges und die Veränderungen nach dem Ende des Krieges und sie können ihn begleiten – im Schatzkästchen, an jedem Montag im Dezember.

Tola wird Zeuge eines Luftkampfes, als er seinen Vater, Mitglied der japanischen Polizei, auf den Bagua Berg begleitet, wo dieser nach amerikanischen Kampfflugzeugen Ausschau halten muss, um dann gegebenenfalls Luftalarm auszulösen.

Buddha auf Bagua

Die berühmte Buddha Statue auf dem Bagua-Berg in Changhwa, heute ein beliebtes Ausflugsziel. In der Zeit des 2. Weltkrieges war dies Gegend um den heutigen Park für die Bevölkerung gesperrt, nur Polizei und Militär durfte hier hoch. Der Wachturm, von dem aus Tolas Vater nach amerikanischen Kampfflugzeugen Ausschau hielt, muss sich in der Nähe dieser Buddha Statue befunden haben.

Aussicht vom Bagua Shan

Aussicht vom Bagu-Berg auf die Stadt Changhwa. Die amerikanischen Kampfflugzeuge flogen oft von der Mündung des DaDu (Großer Bauch) Flusses auf Changhua zu. Nach den Angriffen konnte man immer wieder Feuer und Rauch über der Stadt aufsteigen sehen.

Als die Luftangriffe auf Changhwa zu zahlreich werden, verlässt Tola mit seiner Familie Changhwa, um auf dem Hof seiner mütterlichen Großeltern am Rande von Taichung Schutz zu suchen.

Changhua_yi

Der alte Bahnhof von Changhwa. Von hier aus fuhr Tola mit seiner Familie in die Nähe von Taichung, um dort auf dem Bauernhof seiner Grosseltern Schutz vor Luftangriffen zu finden – so hoffte man.

Im Bahnhof

So mag es im Inneren des Bahnhofs ausgesehen haben.

Doch auch dort sind sie nicht vor Luftangriffen sicher, denn in der Nähe liegt ein Luftwaffenstützpunkt der japanischen Luftwaffe, ein strategisches Ziel für die amerikanische Luftwaffe, deren Jagdflieger gern auch mal zivile Ziele wie den Bauernhof und seine Bewohner ins Visier nehmen. Tola aber lernt hier auch japanische Piloten kennen.

Japanese A6M fighters at Toyohara Airfield, Taichung

Ein von amerkanischen Kampffliegern gemachtes Foto des Toyohara Luftwaffenstützpunktes, Taichung.
(Quelle: Internet)

Tola wird am 15. August 1945 Zeuge der Gyokuon-hōsō, der Radioansprache des japanischen Tennōs Hirohito, mit der der Krieg beendet ist. Daraufhin kehrt Tola mit seiner Familie wieder nach Changhwa zurück, wo ihn viele Veränderungen erwarten. Noch bleiben viele japanische Regierungsmitarbeiter und Beamter in ihren Ämtern belassen, doch die japanischen Nachbarn von Tolas Familie bereiten sich schon darauf vor, Taiwan bald verlassen zu müssen. Auch Tolas Familie sieht sich vielen Veränderungen entgegen. Sie muss ihren bisherigen japanischen Lebensstil aufgeben, Abschied von ihren japanischen Nachbarn nehmen und die Kinder, die bisher nur Japanisch gesprochen haben, müssen nicht nur das Minnan-Dialekt lernen, sondern kommen von einer japanischen Schule in eine taiwanische Schule, was nicht ohne Konflikte vor sich geht. Dabei findet Tolas Schulunterricht in der Anfangszeit nach dem Krieg im Konfuziustempel von Changhwa statt.

Konfuzius Tempel Changhua

Im Innenhof des Konfuziustempels von Changhwa. Gibt es einen inspirierenderen Ort zum Lernen als ein Konfuziustempel? Aber ob dass die Kinder in der Zeit nach dem Krieg auch so empfunden haben?

Im Konfiziustempel

In diesen Räumen der Seitengebäude im Konfuziustempel fand der Unterricht statt. Es scheint auch heute noch fast so auszusehen, wie es vor knapp 70 Jahren ausgesehen hat

Begleiten sie Tola im Schatzkästchen im Dezember.

Besuch im Wu Sha-Erinnerungsmuseum

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Blick auf die heutige Lanyang-Ebene.

Die Geschichte Taiwans vor dem 18. Jahrhundert ist die eines Grenzlandes. Nur langsam brachten chinesische Siedler Osttaiwan unter ihre Kontrolle, oft angeleitet von Pionieren wie Wu Sha (吳沙). 1796 führte er 1.000 Chinesen in die Lanyang-Ebene, das heutige Yilan. Sowohl unter Anwendung von Waffengewalt als auch durch geschicktes Verhandeln nahmen sie den dortigen Ureinwohnern nach und nach den Boden weg und errichteten befestigte Siedlungen.

Ein kleines Museum in Wu Shas alter Residenz, heute in der Ortschaft Jiaosi (礁溪) liegend, ist dem Leben und Wirken des einflussreichen Einwanderers aus der chinesischen Provinz Fukien gewidmet.

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Hinweisschild: „Wu Sha-Erinnerungsmuseum: 30 Meter weiter.“

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Ländliche Szenerie, die typisch für Osttaiwan ist: Reisfelder und immer in Sichtweite der Berge.

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Und so sieht der Eingang zum Grundstück des Wu Sha-Museums aus.

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Die Gebäude um das Museum sind auch heute noch bewohnt von Familie Wu.

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Die Original-Residenz wurde Ende des 18. Jahrhunderts im traditionellen südchinesischen Fukien-Stil erbaut.

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Der Eingangsbereich.

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Innen erzählen Erklärungstafeln wie diese die Geschichte Wu Shas nach, der im 18. Jahrhundert aus seinem chinesischen Heimatort nach Taiwan auswanderte.

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Gedenktafeln bezeugen die Ehrenbezeichnungen für Wu Sha. Hier wird er etwa als Pionier der Lanyang-Siedlungen gepriesen.

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Auch ein Bestandteil der ursprünglichen Hausmauer wird dekorativ ausgestellt.

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Noch ein Bild aus dem ländlichen Taiwan: Ein Schwein festgebunden am Straßenrand. Warum es dort stand, wollte es jedoch nicht sagen.

Fotos und Text: Sebastian Hambach.

85-jähriges Jubiläum bei RTI

Radio Taiwan International hat am 1.  August 2013 sein 85-jähriges Jubiläum gefeiert.

An der Feier nahmen unter anderem Vizepräsident Wu Den-yih, etwa 20 Botschafter und Leiter ausländischer Vertretungsbüros in Taiwan teil.

Präsident Ma Ying-jeou nahm zwar nicht persönlich an der Feier teil, übermittelte jedoch schriftlich seine Glückwünsche. Vizepräsident Wu Den-yih lobte in seiner Ansprache die Beiträge, die RTI durch seine Arbeit zur Dokumentation der zeitgenössichen Geschichte und zur Verständigung zwischen Taiwan und der Welt leistet.

Vizepräsident Wu Den-yih bei seiner Ansprache

Vizepräsident Wu Den-yih bei seiner Ansprache

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, erklärte bei der Feier, dass RTI weiterhin eine Brückenfunktion bei der Kommunikation zwischen Taiwan und der Welt einnehmen werde. Außerdem plane man den Ausbau des digitalen Angebots des Senders, dessen erste Sendung 1928 ausgestrahlt wurde.

Nach den Ansprachen der Ehrengäste wurden historische Aufnahmen vom Gründer der Republik China, Dr. Sun Yat-sen, aus dem Jahr 1924 gespielt, und vom früheren Präsidenten Chiang Kai-shek aus den Jahren 1939 und 1949.

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung

Um auch die weltweite Hörerschaft von Radio Taiwan International in die  Jubiläumsfeierlichkeiten mit einbeziehen zu können, führte RTI die Aktion „RTI 85 weltweit“ durch. Hörerinnen und Hörer aus über 30 Ländern nahmen an der Aktion teil. Sie schickten insgesamt mehr als 1500 Fotos und Video- und Audiobotschaften, in denen sie dem Sender zum Jubiläum Grußbotschaften übermittelten. Ein Teil der Grußbotschaften wurde bei der Feier gezeigt.

Vizepräsident Wu Den-yih, der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, und der Botschafter von Burkina Faso,  Jacques Y. Sawadogo, der auch Leiter der Gesandten-Delegation war, schneiden die Jubiläumstorte an

Vizepräsident Wu Den-yih, der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, und der Botschafter von Burkina Faso, Jacques Y. Sawadogo, der auch Leiter der Gesandten-Delegation war, schneiden die Jubiläumstorte an

Für die passende Unterhaltung bei der Feier sorgten unter anderem eine Trommlergruppe, ein thailändischer traditioneller Tanz, eine A Cappella Gruppe, sowie andere Tanz- und Gesangseinlagen.

Die Trommelgruppe Bolin bei ihrer Vorführung

Die Trommelgruppe Bolin bei ihrer Vorführung

Thailändischer traditioneller Tanz

Thailändischer traditioneller Tanz

Chen Zhiyong, Mitarbeiter der Indonesisch-Redaktion von RTI, singt mit seiner Band. Chen tritt oft in seiner Freizeit als Musiker auf

Chen Zhiyong, Mitarbeiter der Indonesisch-Redaktion von RTI, singt mit seiner Band. Chen tritt oft in seiner Freizeit als Musiker auf

RTI-Mitarbeiter begrüßen am Eingang die Gäste

RTI-Mitarbeiter begrüßen am Eingang die Gäste

Auch Gerhard Götz, Direktor des Vertretungsbüros von Österreich in Taiwan, nahm an der Feier teil

Auch Gerhard Götz, Direktor des Vertretungsbüros von Österreich in Taiwan, nahm an der Feier teil

RTI-Mitarbeiter bereiten in der Eingangshalle von RTI die Feier vor

RTI-Mitarbeiter bereiten in der Eingangshalle von RTI die Feier vor

von Chiu Bihu

Besuch auf der Schildkröten-Insel

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Der „Rücken“ der Schildkröteninsel vor Yilan.

Taifun Soulik hat sich verzogen, der Himmel über Taiwan ist aufgeklart. Zeit endlich einmal wieder die Großstadt Taipeh zu verlassen, wo einen ein längerer Aufenthalt immer an Platons Höhlengleichnis erinnert. Ein längeres Verbleiben in dem Becken rund um die Hauptstadt lässt einen geradezu vergessen, dass es „da draußen“ noch viel anderes zu sehen gibt oder dass es sich bei Taiwan um eine Insel im Pazifik handelt, wo man doch ab und an auch mal eine Küste und das Meer zu Gesicht bekommen sollte.

Und wohin fährt der Großstädter aus dem Norden, wenn er mal einen Tapetenwechsel braucht? Seit der Eröffnung des Hsuehshan-Tunnels vor ein paar Jahren bietet sich da vor allem der nordöstliche Landkreis Yilan an. Mit dem Bus oder Auto ist der bequem in unter einer Stunde zu erreichen.

Bereits aus einiger Ferne sieht man die nur wenige Kilometer vor der Küste Yilans aus dem Meer ragende Guishan- oder Schildkröten(berg)-Insel. Nach vorheriger Anmeldung kann man die Insel vom Wushi-Fischereihafen aus besuchen.

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Unser Boot, die „Dragon Yacht.“

Je nachdem, für welches Programm man sich entschieden hat, bringen Boote wie dieses die Besucher nicht nur zur Insel, sondern auch weiter raus aufs Meer zur Walbeobachtung.

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„Ilha Formosa!“

Ein letzter Blick zurück auf die Hauptinsel, dann kann es losgehen.

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Land in Sicht!

Die etwa 30-minütige Überfahrt verlief bei dem sonnigen Wetter ruhig.

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Die koreanischen Touristen genießen die Abkühlung.

Der leichte Wellengang lud eher zur Erfrischung ein.

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Die Überreste der alten Siedlung.

Die ersten Siedler kamen in den 1850er Jahren auf die Insel. Später diente auch die Schildkröteninsel den Japanern und später der KMT als Militärposten. Auch ein kleines Fischereidorf hat es gegeben, das sogar eine eigene Grundschule hatte. Zu einem Zeitpunkt lebten hier über 750 Menschen in 150 Haushalten.

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Niemand zu Hause.

Die Steinbauweise war während der japanischen Kolonialzeit üblich auf der Insel.

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Die Außenfassade bekam gerade einen neuen Anstrich.

Typisch für Taiwan: Ein Matsu-Tempel darf nicht fehlen. Der recht schmucklose (innere) Zustand, ist nicht etwa einem Taifun zu schulden. Vielmehr wurde die Göttin mit dem Wegzug der Inselbewohner „evakuiert.“

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Im Hintergrund erkennbar ist der mit knapp 400 m höchste Punkt der Insel.

In der Hauptsache besteht die Insel aus Vulkangestein. Der Vulkan ist immer noch aktiv und damit einzigartig für Taiwan. Am rechten Bildrand dagegen erkennt man den Eingang zu einer anderen in den Berg eingegrabenen Militärbasis.

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Am Eingang wurde extra vor Giftschlangen gewarnt. Gesehen habe ich leider keine.

Dort lassen sich noch die alten Tunnel durchlaufen, in denen früher Waffen und Munition gelagert wurden.

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Ob die Decken-Schalldämpfung wirklich etwas gebracht hat?

Auch die alten Kanonen lassen sich hier drinnen begutachten.

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Die Kanonenbunker vom Boot aus betrachtet.

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Bei der Rundfahrt um die Insel sieht man, wie sie zu ihrem Namen kam.

Zwei Mal soll der Vulkan wenigstens ausgebrochen sein. Das letzte Mal vor über 1000 Jahren.

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Betrachtung von der anderen Seite.

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Die Schildkröten-Insel von Yilan Stadt aus betrachtet.

Am Abend dann zurück in der Stadt, ein letzter Blick auf das Ziel des Tagesausflugs.

Fotos und Text: Sebastian Hambach

KONFUZIUS-TEMPEL UND BAO-AN TEMPEL – ORTE DER STILLE IN EINER EINFLUGSCHNEISE

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Konfuzius Tempel – die Pagode in der Mitte des Dachsimses soll böse Geister vertreiben

Es fiel mir erst im Konfuzius Tempel auf, dessen rote Backsteinmauern den Straßenlärm aussperren, das Flugzeuge im 2 Minuten-Takt und in greifbarer Höhe über diesen Ort der Stille hinwegdonnern, fertig zur Landung auf dem nahe gelegenen Songshan-Stadtflughafen. Dicke Militärmaschinen mit Propellern und grün-okerfarbener Tarnbemalung, die in einem Bass-Ton herandröhnen als würden sie wie ein Stein auf den Tempel fallen wollen und Jumbojets deren Turbinen einen kreischenden Ton von sich geben, einem Haarfön auf Wirbelsturmstufe gleich, das ich im ersten Moment beunruhigt aus dem Tempelgelände mit seinen hohen Gebäuden wie durch ein Fenster in den Himmel blickte und nicht wusste was jetzt auf mich zukommen würde. Ein bedrohliches Geräusch, bis plötzlich ein breiter Rumpf, wie von einem Wal der in hohem Bogen aus dem Wasser springt, zu sehen war und schnell über mich hinweg flog.

Zwei Minuten Zeit zum Beten, zwei Minuten Zeit zum Meditieren, zwei Minuten Zeit zur Besinnlichkeit, zwei Minuten Zeit zum Entspannen. Oder unendlich viel Zeit wenn man sich von den Tieffliegern rein gar nicht stören lässt. So wie diese zwei älteren Herren, die sehr in ihr Gespräch vertieft waren.

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Ich hatte zwei Minuten Zeit für Tempelfotos, bevor ich vom nächsten Flieger abgelenkt wurde, dann wieder zwei Minuten, um etwas über den Tempel zu lesen. 1925 wurde auf Basis privater Spendengelder mit dem Neubau des Tempels in der Dalong Straße, dem heutigen Standort, begonnen und 1939 wurde er fertig gestellt. Mehrere Häuser, ein Garten und ein Teich gehören zu dem Komplex. Der architektonische Stil orientiert sich an Vorbildern aus der chinesischen Provinz Fujian.

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Die Dalong Straße führt zur Hami Straße und dort befindet sich der Bao’An Tempel. Bunte Reisebusse quetschen sich auf den wenigen Parkplätzen vor dem Tempel aneinander und Flugzeuge umfliegen den Tempel nur um haaresbreite, reduzieren aber dadurch den Lärmpegel.

Ursprünglich wurde der Tempel von Clan-Mitgliedern der Provinz Fujian, die im 19. Jahrhundert in den Tong’an Bezirk emigrierten, erbaut. Sie gaben ihm den Namen „Bao’an“ der soviel bedeutet wie „schütze die aus Tong’’an“. Ein Schrein aus Holz wurde ersetzt durch den 1804 beginnenden Tempelbau, der 25 Jahre andauern sollte.

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Die Temple Gottheit ist der Kaiser Bao’shen, der als Arzt und Heiler Berühmtheit erlangte. Viele Taiwaner kommen in den Bao’an Tempel um für eine gute Gesundheit zu beten, oder sich einen Rat und eine Entscheidungshilfe einzuholen, so wie eine ältere Dame das tat. Nach jedem Gebet und dem innerlichen stellen einer Frage warf sie eine rote Scheibe, die aus zwei Hälften bestand, auf den Boden. Landen beide Teile auf der Kopfseite, oder der flachen Seite heißt die Antwort „nein“, landet eine Hälfte auf der Kopf- und die andere auf der flachen Seite heißt die Antwort „ja“.

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Im Jahr 2003 wurde der Tempel in das UNESCO Programm “Asia-Pacific Heritage Awards for Culture Heritage Conservation” aufgenommen.

Beide Tempel sind fußläufig zu erreichen von der MRT Station Yuanshan. Von dort führt die Kulun Straße, die von vielen Autowerkstätten gesäumt wird direkt zum Konfuzius Tempel. Ein Eingang befindet sich in der Dalong Straße.

Mandy Fox

Grabreinigungstag (清明節)

Jedes Jahr Anfang zwischen dem 4. bis 6. April findet in Taiwan, aber auch in Hongkong, Singapur, in Malaysia und im  auch sehr stark chinesisch geprägtem Vietnam das Qingming-Fest (清明節) statt. Auch in China begeht man mittlerweile wieder diesen Tag.

Übersetzt werden kann der Name etwa mit dem „Fest der reinen Helligkeit“, bei uns in der westlichen Welt wird es meist als Grabreinigungstag oder auch Ahnengedenktag bezeichnet. Einer der wichtigstenen Feiertage, an denen die Familie zusammen kommt.

Kilometerlang Grabanlagen am bevorzugten Südhang

Kilometerlang Grabanlagen am bevorzugten Südhang

Genügend Geistergeld sollte vorhanden sein

Genügend Geistergeld sollte vorhanden sein

Zeitlich fällt es auf einen der 24 jahreszeitlichen Punkte des Mondkalenders, es ist der erste Zeitpunkt nach der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang und trägt den Namen Qingming. Der Aufbruch in den Frühling ist in dem Feiertag ebenso impliziert.

Kleiner Tempel am Hang, täglich geöffnet und besucht
Die Ursprünge dieses Festes reichen, wie im chinesischen Kulturkreis üblich,  weit zurück und zwar ca. 2500 Jahre. Seitdem gedenkt man Anfang April den Ahnen und besucht deren Gräber, um sie zu reinigen und ihnen Opfergaben wie Blumen, Lieblingspeisen der Verstorbenen u.ä. zu bringen und  Papiergeld und Räucherstäbchen zu verbrennen, damit es ihnen in der anderen Welt an nichts fehle.

 

Das ganze hat natürlich eine Vorgeschichte oder besser erbauende Legende, die um Nuancen verändert dargeboten werden kann (es gibt wahrscheinlich etliche Variationen). Während der Frühlings- und Herbstanalen gut 600 Jahre v.Chr. darbte ein im Exil weilender Herzog Wen an Hunger, im wahrsten Sinne war er todhungrig. Einer seiner treuen Ergebenen, Jie Zitui,  schnitt sich ein Stück Fleisch aus dem Oberschenkel und bereitete ihm davon eine leckere Brühe, die den Herzog wieder auf die Beine brachte.

Als Herzog Wen später davon erfuhr, war er tief ergriffen. Nachdem er wieder an die Macht kam, belohnte er alle, die ihm in der Zeit zuvor beistanden, allerdings nicht Jie Zuitui. In der moralisch einfachen Variante hatte Herzog Wen es einfach vergessen, in der vorbildmäßig bescheidenen idealtypischen konfuzianischen Variante kehrte sich der bescheidene Jie, der keine Belohnung sondern nur helfen wollte ab und wanderte mit seiner Mutter von dannen in den tiefen Wald.


In beiden Fällen beginnt der Herzog nach ihm zu suchen, einmal aus Scham, in Variante zwei , weil er ihn aktiv belohnen wollte. Da er ihn nicht finden konnte, steckte er den Wald in Brand (in der moralischeren Variante folgte der Herzog den Vorschlägen anderer, war also unschuldig), um Jie heraus zu locken oder zu treiben. Tragischerweise fand man nach dem Brand nur noch die verkohlten Körper der beiden Gesuchten.

Fortan wurde zu diesem Zeitpunkt an Jie Zuitui gedacht, indem an jenem Tag nur Ungekochtes, Kaltes gegessen werden durfte. Dieser Tag wurde als  Fest des winterlich-kalten Essens (寒食节)bezeichnet.

Aufwändige Zeremonien für den Ahnenkult waren in China lange verbreitet, insbesondere unter den besser ausgestatteten Beamten und Adligen. Ab der Tang – Zeit wurde dem von Kaiser Xuanzong ein Riegel vorgeschoben. Er gestattete diese Zeremonien lediglich für den Qingming-Tag.

Im Laufe der Zeit verschmolzen die beiden Tage zum Qingming-Fest.

...auch der eine oder ander Christ ist hier begraben...

…auch der eine oder ander Christ ist hier begraben…

...und auch Anhänger des Islam...

…und auch Anhänger des Islam…

Etwa 60.000 islamische Gläubige gibt es in Taiwan

Etwa 60.000 islamische Gläubige gibt es in Taiwan

Die Zeiten ändern sich, mittlerweile kann der Grabreinigungstag  deutlich eher begonnen werden.  Dies hat allerdings nur einen logistischen Hintergrund – gäbe es nur an einem Tag die Gelegenheit,  würde auf den engen Straßen an den Grabhängen das totale Chaos ausbrechen.

Heute beginnt das Fest bereits Mitte März

Busfahrplan der Gräberroute

Auf dem Banner sind die Tage mit Busverkehr angegeben, in diesem Jahr begann das Jahrtausende alte Ritual schon am 17. März , feudale Beschränkungen sind aufgehoben. Die Stadtverwaltung von Taiwan hat die Sache aber voll im Griff.  Die Straßen werden gesperrt, der Privatverkehr unterbunden und durch ständig hin- und herkurvende Minibusse ersetzt – dafür gibt es freie Fahrt für freie Bürger, Tickets werden nicht benötigt.

Ab hier nur noch öffentlicher Busverkehr

Ab hier nur noch öffentlicher Busverkehr

Da sich an den geomantisch vorteilhaften südlichen Hängen der Berge kilometerweise Grab an Grab reihen, ist die Einrichtung von Shuttle-Bussen absolut notwendig.

Auf der Heimreise

Auf der Heimreise

Mittlerweile ist es in Taiwan nicht mehr erlaubt, Gräber an Berghängen zu belegen. Die Insel ist ohnehin schon dicht bewohnt, an noch mehr Platz für die Toten ist nicht zu denken, zumal auch deren Zahl ständig steigt. Die Toten „wohnen“ jetzt – wie der Taiwanese – in immer höheren Häusern bzw. Fächern großer Krematiorien.

Auch hier sind die Urnenkammern knapp
Bei den Grundstückpreisen könnte und konnte sich ohnehin nicht jedermann ein großflächigeres Familiengrab leisten. Hier in der Stadt Taipei ist mittlerweile noch nicht einmal eine freie Urnenkammer  zu ergattern, dafür muss man jetzt schon nach Taipei-Land, ähmm, Neu-Taipei  hinaus.

Im Hintergrund werden die "Besucherlisten"  zusammen gestellt

Im Hintergrund werden die „Besucherlisten“ zusammen gestellt

Ab etwa 60.000 TWD (1500 EUR) aufwärts kann man dort Unterschlupf finden, es gibt aber auch luxuriösere Stellen , die bis zum 10-fachen kosten können.

Autor: Frank Pevec