Taiwans Baseballgeschichte – im Sonntagsmagazin im Januar

Dr. Andrew Morris, Professor für moderne chinesische und taiwanische von der Cal Poly Universität in Kalifornien, hat neben Geschichte eine weitere Leidenschaft – Sport. In seiner akademischen Tätigkeit hat er diese beiden Leidenschaften immer wieder kombiniert und ist dabei tief in Taiwans Sportgeschichte eingedrungen.

Professor Andrew Morris

Professor Andrew Morris

So hat Professor Andrew Morris z.B. vor einiger Zeit das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ herausgegeben, aber auch sonst sehr viel Forschung über Taiwans und Chinas Sportgeschichte betrieben. Morris Book

 Und ich hatte das Glück, dass Professor Morris sich freundlicherweise bereit erklärte, ein Interview mit mir durchzuführen, was sich so interessant entwickelte, dass es statt der angedachten 15-20 Minuten letztendlich eine Stunde dauerte. Daher steht das Sonntagsmagazin im Januar ganz im Zeichen von Taiwans Sportgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Baseball. Eine kleine Übersicht darüber, was sie im Gespräch mit Professor Andrew Morris erwartet:

1. Teil am Sonntag, den 5. Januar 2014

Professor Morris erzählt darüber, was ihn vor gut 20 Jahren das erste Mal nach Taiwan brachte und wie sein Interesse am taiwanischen Sport insbesondere Baseball geweckt wurde. Ausserdem geht Professor Morris auf C. K. Yang ein, den vielleicht ersten taiwanischen Weltklasseathleten, der nicht nur bei den Olympischen Spielen 1960 im Zehnkampf die Silbermedaille gewann, sondern 1963 auch den Weltrekord im Zehnkampf hielt.

C K Yang Sports Illustrated

C K Yang auf der Titelseite von Sports Illustrated
(Dezember 1963)

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C K Yang in UCLA
mit Freund und Rivalen Rafer Johnson
und Trainerlegende Ducky Drake

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

Rafer Johnson (Goldmedaille) und C K Yang (Silbermedaille) nach den abschließenden 1500 M des Zehnkampfs bei Olympia 1964

2. Teil am Sonntag, den 12. Januar 2014

Im zweiten Teil des Gespräches geht Professor Morris darauf ein, wie sich die Idee für das Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“ entwickelt hat, und geht dann natürlich auf den Inhalt des Buches selber ein. Zunächst geht es darum, welche Rolle Baseball in der japanischen Kolonialzeit bei dem Versuch, Taiwan zu japanisieren, gespielt hat. Denn Baseball kam nicht durch Amerikaner sondern durch die Japaner nach Taiwan und entwickelte sich zu einem wichtigen Werkzeug bei der versuchten Japanisierung der Taiwaner – sowohl der mit hanchinesischem Ursprung als auch der Ureinwohner.

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Das berühmte Kano Team aus Chiayi (1931)

3. Teil am Sonntag, den 19. Januar 2014

Dann endete der zweite Weltkrieg und Taiwan wurde der Republik China zugeführt. Das hatte auch Einfluss auf den Baseball in Taiwan, denn der eigentliche neue Nationalsport der Republik China war in erster Linie Basketball und Baseball wurde von der neuen chinesischen Regierung als Teil der japanischen Kultur angesehen. Doch auch wenn Baseball nicht die gleiche Förderung erfuhr wie Basketball, wurde er jedoch nicht unterdrückt, denn die Regierung sah Sport als sehr wichtig an, und der beliebteste Sport in Taiwan zu der Zeit war Baseball. Und natürlich erzählt Professor Morris von den berühmten Little League Teams Taiwans, die in den 70er Jahren die Welt dominierten. Doch dabei spielten diese Teams nicht nur eine sportliche Rolle, sondern auch eine politische Rolle. Das mussten die Amerikaner und die amerikanischen Medien mit Erstaunen feststellen, als sie Zeuge davon wurden, dass es während der Endspiele in den USA zwischen Fans, die alle die taiwanischen Little League Teams unterstützten, immer wieder zu Schlägereien kam.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Das Hongye Team, das 1969 als erstes taiwanisches Team die Little League Meisterschaft gewann, ist auf dem 500 NTD Geldschein verewigt.

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

Zwei Mitglieder des Hongye Teams von 1969

4. Teil am Sonntag, den 26. Januar 2014

Welche Rolle spielt Baseball im modernen Taiwan und welchen Einfluss hatten und haben die Wettskandale? Professor Morris legt seine Schlussfolgerung dar und geht nochmal auf die interessanten Widersprüche der Baseballgeschichte Taiwans ein. Außerdem nimmt er Stellung zu der scheinbaren Widersprüchlichkeit bei der Einstellung vieler Taiwaner zum Sport – das Verlangen nach internationalem Erfolg taiwanischer Athleten bei gleichzeitigem Widerstreben, die eigenen Kinder eine Sportlerkarriere einschlagen zu lassen.

Mehr über Professor Andrew Morris kann man auf dieser Webseite von Cal Poly erfahren:

http://cla.calpoly.edu/hist_morris.html

Und hier mehr zum Buch „Colonial Project, National Game: A History of Baseball in Taiwan“:

http://www.amazon.com/Colonial-Project-National-Game-Baseball/dp/0520262794

Übrigens arbeitet der taiwanische Regisseur We Te-sheng (Cape No. 7, Seediq Bale) an einem Film über das berühmte Kano Baseballteam aus dem zentraltaiwanischen Chiayi, das 1931 an den Oberschulmeisterschaften des gesamten japanischen Reiches teilnahm und den zweiten Platz belegte.

Kano Movie

Dieser Film soll im Februar 2014 in die Kinos kommen –  und hier eine kurze Vorschau:

http://www.youtube.com/watch?v=BlXvc-Nd2xg

Ilon Huang

Geschichten eines kleinen Jungen, der in Zentraltaiwan die Zeit um das Ende des 2. Weltkrieges erlebt – im Schatzkästchen

Der kleine Tola aus Changhwa, Zentraltaiwan, erlebt die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges und die Veränderungen nach dem Ende des Krieges und sie können ihn begleiten – im Schatzkästchen, an jedem Montag im Dezember.

Tola wird Zeuge eines Luftkampfes, als er seinen Vater, Mitglied der japanischen Polizei, auf den Bagua Berg begleitet, wo dieser nach amerikanischen Kampfflugzeugen Ausschau halten muss, um dann gegebenenfalls Luftalarm auszulösen.

Buddha auf Bagua

Die berühmte Buddha Statue auf dem Bagua-Berg in Changhwa, heute ein beliebtes Ausflugsziel. In der Zeit des 2. Weltkrieges war dies Gegend um den heutigen Park für die Bevölkerung gesperrt, nur Polizei und Militär durfte hier hoch. Der Wachturm, von dem aus Tolas Vater nach amerikanischen Kampfflugzeugen Ausschau hielt, muss sich in der Nähe dieser Buddha Statue befunden haben.

Aussicht vom Bagua Shan

Aussicht vom Bagu-Berg auf die Stadt Changhwa. Die amerikanischen Kampfflugzeuge flogen oft von der Mündung des DaDu (Großer Bauch) Flusses auf Changhua zu. Nach den Angriffen konnte man immer wieder Feuer und Rauch über der Stadt aufsteigen sehen.

Als die Luftangriffe auf Changhwa zu zahlreich werden, verlässt Tola mit seiner Familie Changhwa, um auf dem Hof seiner mütterlichen Großeltern am Rande von Taichung Schutz zu suchen.

Changhua_yi

Der alte Bahnhof von Changhwa. Von hier aus fuhr Tola mit seiner Familie in die Nähe von Taichung, um dort auf dem Bauernhof seiner Grosseltern Schutz vor Luftangriffen zu finden – so hoffte man.

Im Bahnhof

So mag es im Inneren des Bahnhofs ausgesehen haben.

Doch auch dort sind sie nicht vor Luftangriffen sicher, denn in der Nähe liegt ein Luftwaffenstützpunkt der japanischen Luftwaffe, ein strategisches Ziel für die amerikanische Luftwaffe, deren Jagdflieger gern auch mal zivile Ziele wie den Bauernhof und seine Bewohner ins Visier nehmen. Tola aber lernt hier auch japanische Piloten kennen.

Japanese A6M fighters at Toyohara Airfield, Taichung

Ein von amerkanischen Kampffliegern gemachtes Foto des Toyohara Luftwaffenstützpunktes, Taichung.
(Quelle: Internet)

Tola wird am 15. August 1945 Zeuge der Gyokuon-hōsō, der Radioansprache des japanischen Tennōs Hirohito, mit der der Krieg beendet ist. Daraufhin kehrt Tola mit seiner Familie wieder nach Changhwa zurück, wo ihn viele Veränderungen erwarten. Noch bleiben viele japanische Regierungsmitarbeiter und Beamter in ihren Ämtern belassen, doch die japanischen Nachbarn von Tolas Familie bereiten sich schon darauf vor, Taiwan bald verlassen zu müssen. Auch Tolas Familie sieht sich vielen Veränderungen entgegen. Sie muss ihren bisherigen japanischen Lebensstil aufgeben, Abschied von ihren japanischen Nachbarn nehmen und die Kinder, die bisher nur Japanisch gesprochen haben, müssen nicht nur das Minnan-Dialekt lernen, sondern kommen von einer japanischen Schule in eine taiwanische Schule, was nicht ohne Konflikte vor sich geht. Dabei findet Tolas Schulunterricht in der Anfangszeit nach dem Krieg im Konfuziustempel von Changhwa statt.

Konfuzius Tempel Changhua

Im Innenhof des Konfuziustempels von Changhwa. Gibt es einen inspirierenderen Ort zum Lernen als ein Konfuziustempel? Aber ob dass die Kinder in der Zeit nach dem Krieg auch so empfunden haben?

Im Konfiziustempel

In diesen Räumen der Seitengebäude im Konfuziustempel fand der Unterricht statt. Es scheint auch heute noch fast so auszusehen, wie es vor knapp 70 Jahren ausgesehen hat

Begleiten sie Tola im Schatzkästchen im Dezember.

Besuch im Wu Sha-Erinnerungsmuseum

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Blick auf die heutige Lanyang-Ebene.

Die Geschichte Taiwans vor dem 18. Jahrhundert ist die eines Grenzlandes. Nur langsam brachten chinesische Siedler Osttaiwan unter ihre Kontrolle, oft angeleitet von Pionieren wie Wu Sha (吳沙). 1796 führte er 1.000 Chinesen in die Lanyang-Ebene, das heutige Yilan. Sowohl unter Anwendung von Waffengewalt als auch durch geschicktes Verhandeln nahmen sie den dortigen Ureinwohnern nach und nach den Boden weg und errichteten befestigte Siedlungen.

Ein kleines Museum in Wu Shas alter Residenz, heute in der Ortschaft Jiaosi (礁溪) liegend, ist dem Leben und Wirken des einflussreichen Einwanderers aus der chinesischen Provinz Fukien gewidmet.

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Hinweisschild: „Wu Sha-Erinnerungsmuseum: 30 Meter weiter.“

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Ländliche Szenerie, die typisch für Osttaiwan ist: Reisfelder und immer in Sichtweite der Berge.

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Und so sieht der Eingang zum Grundstück des Wu Sha-Museums aus.

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Die Gebäude um das Museum sind auch heute noch bewohnt von Familie Wu.

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Die Original-Residenz wurde Ende des 18. Jahrhunderts im traditionellen südchinesischen Fukien-Stil erbaut.

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Der Eingangsbereich.

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Innen erzählen Erklärungstafeln wie diese die Geschichte Wu Shas nach, der im 18. Jahrhundert aus seinem chinesischen Heimatort nach Taiwan auswanderte.

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Gedenktafeln bezeugen die Ehrenbezeichnungen für Wu Sha. Hier wird er etwa als Pionier der Lanyang-Siedlungen gepriesen.

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Auch ein Bestandteil der ursprünglichen Hausmauer wird dekorativ ausgestellt.

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Noch ein Bild aus dem ländlichen Taiwan: Ein Schwein festgebunden am Straßenrand. Warum es dort stand, wollte es jedoch nicht sagen.

Fotos und Text: Sebastian Hambach.

85-jähriges Jubiläum bei RTI

Radio Taiwan International hat am 1.  August 2013 sein 85-jähriges Jubiläum gefeiert.

An der Feier nahmen unter anderem Vizepräsident Wu Den-yih, etwa 20 Botschafter und Leiter ausländischer Vertretungsbüros in Taiwan teil.

Präsident Ma Ying-jeou nahm zwar nicht persönlich an der Feier teil, übermittelte jedoch schriftlich seine Glückwünsche. Vizepräsident Wu Den-yih lobte in seiner Ansprache die Beiträge, die RTI durch seine Arbeit zur Dokumentation der zeitgenössichen Geschichte und zur Verständigung zwischen Taiwan und der Welt leistet.

Vizepräsident Wu Den-yih bei seiner Ansprache

Vizepräsident Wu Den-yih bei seiner Ansprache

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, erklärte bei der Feier, dass RTI weiterhin eine Brückenfunktion bei der Kommunikation zwischen Taiwan und der Welt einnehmen werde. Außerdem plane man den Ausbau des digitalen Angebots des Senders, dessen erste Sendung 1928 ausgestrahlt wurde.

Nach den Ansprachen der Ehrengäste wurden historische Aufnahmen vom Gründer der Republik China, Dr. Sun Yat-sen, aus dem Jahr 1924 gespielt, und vom früheren Präsidenten Chiang Kai-shek aus den Jahren 1939 und 1949.

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung

Der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung

Um auch die weltweite Hörerschaft von Radio Taiwan International in die  Jubiläumsfeierlichkeiten mit einbeziehen zu können, führte RTI die Aktion „RTI 85 weltweit“ durch. Hörerinnen und Hörer aus über 30 Ländern nahmen an der Aktion teil. Sie schickten insgesamt mehr als 1500 Fotos und Video- und Audiobotschaften, in denen sie dem Sender zum Jubiläum Grußbotschaften übermittelten. Ein Teil der Grußbotschaften wurde bei der Feier gezeigt.

Vizepräsident Wu Den-yih, der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, und der Botschafter von Burkina Faso,  Jacques Y. Sawadogo, der auch Leiter der Gesandten-Delegation war, schneiden die Jubiläumstorte an

Vizepräsident Wu Den-yih, der Vorstandsvorsitzende von RTI, Chang Rong-kung, und der Botschafter von Burkina Faso, Jacques Y. Sawadogo, der auch Leiter der Gesandten-Delegation war, schneiden die Jubiläumstorte an

Für die passende Unterhaltung bei der Feier sorgten unter anderem eine Trommlergruppe, ein thailändischer traditioneller Tanz, eine A Cappella Gruppe, sowie andere Tanz- und Gesangseinlagen.

Die Trommelgruppe Bolin bei ihrer Vorführung

Die Trommelgruppe Bolin bei ihrer Vorführung

Thailändischer traditioneller Tanz

Thailändischer traditioneller Tanz

Chen Zhiyong, Mitarbeiter der Indonesisch-Redaktion von RTI, singt mit seiner Band. Chen tritt oft in seiner Freizeit als Musiker auf

Chen Zhiyong, Mitarbeiter der Indonesisch-Redaktion von RTI, singt mit seiner Band. Chen tritt oft in seiner Freizeit als Musiker auf

RTI-Mitarbeiter begrüßen am Eingang die Gäste

RTI-Mitarbeiter begrüßen am Eingang die Gäste

Auch Gerhard Götz, Direktor des Vertretungsbüros von Österreich in Taiwan, nahm an der Feier teil

Auch Gerhard Götz, Direktor des Vertretungsbüros von Österreich in Taiwan, nahm an der Feier teil

RTI-Mitarbeiter bereiten in der Eingangshalle von RTI die Feier vor

RTI-Mitarbeiter bereiten in der Eingangshalle von RTI die Feier vor

von Chiu Bihu

Besuch auf der Schildkröten-Insel

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Der „Rücken“ der Schildkröteninsel vor Yilan.

Taifun Soulik hat sich verzogen, der Himmel über Taiwan ist aufgeklart. Zeit endlich einmal wieder die Großstadt Taipeh zu verlassen, wo einen ein längerer Aufenthalt immer an Platons Höhlengleichnis erinnert. Ein längeres Verbleiben in dem Becken rund um die Hauptstadt lässt einen geradezu vergessen, dass es „da draußen“ noch viel anderes zu sehen gibt oder dass es sich bei Taiwan um eine Insel im Pazifik handelt, wo man doch ab und an auch mal eine Küste und das Meer zu Gesicht bekommen sollte.

Und wohin fährt der Großstädter aus dem Norden, wenn er mal einen Tapetenwechsel braucht? Seit der Eröffnung des Hsuehshan-Tunnels vor ein paar Jahren bietet sich da vor allem der nordöstliche Landkreis Yilan an. Mit dem Bus oder Auto ist der bequem in unter einer Stunde zu erreichen.

Bereits aus einiger Ferne sieht man die nur wenige Kilometer vor der Küste Yilans aus dem Meer ragende Guishan- oder Schildkröten(berg)-Insel. Nach vorheriger Anmeldung kann man die Insel vom Wushi-Fischereihafen aus besuchen.

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Unser Boot, die „Dragon Yacht.“

Je nachdem, für welches Programm man sich entschieden hat, bringen Boote wie dieses die Besucher nicht nur zur Insel, sondern auch weiter raus aufs Meer zur Walbeobachtung.

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„Ilha Formosa!“

Ein letzter Blick zurück auf die Hauptinsel, dann kann es losgehen.

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Land in Sicht!

Die etwa 30-minütige Überfahrt verlief bei dem sonnigen Wetter ruhig.

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Die koreanischen Touristen genießen die Abkühlung.

Der leichte Wellengang lud eher zur Erfrischung ein.

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Die Überreste der alten Siedlung.

Die ersten Siedler kamen in den 1850er Jahren auf die Insel. Später diente auch die Schildkröteninsel den Japanern und später der KMT als Militärposten. Auch ein kleines Fischereidorf hat es gegeben, das sogar eine eigene Grundschule hatte. Zu einem Zeitpunkt lebten hier über 750 Menschen in 150 Haushalten.

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Niemand zu Hause.

Die Steinbauweise war während der japanischen Kolonialzeit üblich auf der Insel.

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Die Außenfassade bekam gerade einen neuen Anstrich.

Typisch für Taiwan: Ein Matsu-Tempel darf nicht fehlen. Der recht schmucklose (innere) Zustand, ist nicht etwa einem Taifun zu schulden. Vielmehr wurde die Göttin mit dem Wegzug der Inselbewohner „evakuiert.“

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Im Hintergrund erkennbar ist der mit knapp 400 m höchste Punkt der Insel.

In der Hauptsache besteht die Insel aus Vulkangestein. Der Vulkan ist immer noch aktiv und damit einzigartig für Taiwan. Am rechten Bildrand dagegen erkennt man den Eingang zu einer anderen in den Berg eingegrabenen Militärbasis.

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Am Eingang wurde extra vor Giftschlangen gewarnt. Gesehen habe ich leider keine.

Dort lassen sich noch die alten Tunnel durchlaufen, in denen früher Waffen und Munition gelagert wurden.

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Ob die Decken-Schalldämpfung wirklich etwas gebracht hat?

Auch die alten Kanonen lassen sich hier drinnen begutachten.

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Die Kanonenbunker vom Boot aus betrachtet.

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Bei der Rundfahrt um die Insel sieht man, wie sie zu ihrem Namen kam.

Zwei Mal soll der Vulkan wenigstens ausgebrochen sein. Das letzte Mal vor über 1000 Jahren.

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Betrachtung von der anderen Seite.

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Die Schildkröten-Insel von Yilan Stadt aus betrachtet.

Am Abend dann zurück in der Stadt, ein letzter Blick auf das Ziel des Tagesausflugs.

Fotos und Text: Sebastian Hambach

KONFUZIUS-TEMPEL UND BAO-AN TEMPEL – ORTE DER STILLE IN EINER EINFLUGSCHNEISE

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Konfuzius Tempel – die Pagode in der Mitte des Dachsimses soll böse Geister vertreiben

Es fiel mir erst im Konfuzius Tempel auf, dessen rote Backsteinmauern den Straßenlärm aussperren, das Flugzeuge im 2 Minuten-Takt und in greifbarer Höhe über diesen Ort der Stille hinwegdonnern, fertig zur Landung auf dem nahe gelegenen Songshan-Stadtflughafen. Dicke Militärmaschinen mit Propellern und grün-okerfarbener Tarnbemalung, die in einem Bass-Ton herandröhnen als würden sie wie ein Stein auf den Tempel fallen wollen und Jumbojets deren Turbinen einen kreischenden Ton von sich geben, einem Haarfön auf Wirbelsturmstufe gleich, das ich im ersten Moment beunruhigt aus dem Tempelgelände mit seinen hohen Gebäuden wie durch ein Fenster in den Himmel blickte und nicht wusste was jetzt auf mich zukommen würde. Ein bedrohliches Geräusch, bis plötzlich ein breiter Rumpf, wie von einem Wal der in hohem Bogen aus dem Wasser springt, zu sehen war und schnell über mich hinweg flog.

Zwei Minuten Zeit zum Beten, zwei Minuten Zeit zum Meditieren, zwei Minuten Zeit zur Besinnlichkeit, zwei Minuten Zeit zum Entspannen. Oder unendlich viel Zeit wenn man sich von den Tieffliegern rein gar nicht stören lässt. So wie diese zwei älteren Herren, die sehr in ihr Gespräch vertieft waren.

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Ich hatte zwei Minuten Zeit für Tempelfotos, bevor ich vom nächsten Flieger abgelenkt wurde, dann wieder zwei Minuten, um etwas über den Tempel zu lesen. 1925 wurde auf Basis privater Spendengelder mit dem Neubau des Tempels in der Dalong Straße, dem heutigen Standort, begonnen und 1939 wurde er fertig gestellt. Mehrere Häuser, ein Garten und ein Teich gehören zu dem Komplex. Der architektonische Stil orientiert sich an Vorbildern aus der chinesischen Provinz Fujian.

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Die Dalong Straße führt zur Hami Straße und dort befindet sich der Bao’An Tempel. Bunte Reisebusse quetschen sich auf den wenigen Parkplätzen vor dem Tempel aneinander und Flugzeuge umfliegen den Tempel nur um haaresbreite, reduzieren aber dadurch den Lärmpegel.

Ursprünglich wurde der Tempel von Clan-Mitgliedern der Provinz Fujian, die im 19. Jahrhundert in den Tong’an Bezirk emigrierten, erbaut. Sie gaben ihm den Namen „Bao’an“ der soviel bedeutet wie „schütze die aus Tong’’an“. Ein Schrein aus Holz wurde ersetzt durch den 1804 beginnenden Tempelbau, der 25 Jahre andauern sollte.

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Die Temple Gottheit ist der Kaiser Bao’shen, der als Arzt und Heiler Berühmtheit erlangte. Viele Taiwaner kommen in den Bao’an Tempel um für eine gute Gesundheit zu beten, oder sich einen Rat und eine Entscheidungshilfe einzuholen, so wie eine ältere Dame das tat. Nach jedem Gebet und dem innerlichen stellen einer Frage warf sie eine rote Scheibe, die aus zwei Hälften bestand, auf den Boden. Landen beide Teile auf der Kopfseite, oder der flachen Seite heißt die Antwort „nein“, landet eine Hälfte auf der Kopf- und die andere auf der flachen Seite heißt die Antwort „ja“.

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Im Jahr 2003 wurde der Tempel in das UNESCO Programm “Asia-Pacific Heritage Awards for Culture Heritage Conservation” aufgenommen.

Beide Tempel sind fußläufig zu erreichen von der MRT Station Yuanshan. Von dort führt die Kulun Straße, die von vielen Autowerkstätten gesäumt wird direkt zum Konfuzius Tempel. Ein Eingang befindet sich in der Dalong Straße.

Mandy Fox

Grabreinigungstag (清明節)

Jedes Jahr Anfang zwischen dem 4. bis 6. April findet in Taiwan, aber auch in Hongkong, Singapur, in Malaysia und im  auch sehr stark chinesisch geprägtem Vietnam das Qingming-Fest (清明節) statt. Auch in China begeht man mittlerweile wieder diesen Tag.

Übersetzt werden kann der Name etwa mit dem „Fest der reinen Helligkeit“, bei uns in der westlichen Welt wird es meist als Grabreinigungstag oder auch Ahnengedenktag bezeichnet. Einer der wichtigstenen Feiertage, an denen die Familie zusammen kommt.

Kilometerlang Grabanlagen am bevorzugten Südhang

Kilometerlang Grabanlagen am bevorzugten Südhang

Genügend Geistergeld sollte vorhanden sein

Genügend Geistergeld sollte vorhanden sein

Zeitlich fällt es auf einen der 24 jahreszeitlichen Punkte des Mondkalenders, es ist der erste Zeitpunkt nach der Tag-und-Nacht-Gleiche zum Frühlingsanfang und trägt den Namen Qingming. Der Aufbruch in den Frühling ist in dem Feiertag ebenso impliziert.

Kleiner Tempel am Hang, täglich geöffnet und besucht
Die Ursprünge dieses Festes reichen, wie im chinesischen Kulturkreis üblich,  weit zurück und zwar ca. 2500 Jahre. Seitdem gedenkt man Anfang April den Ahnen und besucht deren Gräber, um sie zu reinigen und ihnen Opfergaben wie Blumen, Lieblingspeisen der Verstorbenen u.ä. zu bringen und  Papiergeld und Räucherstäbchen zu verbrennen, damit es ihnen in der anderen Welt an nichts fehle.

 

Das ganze hat natürlich eine Vorgeschichte oder besser erbauende Legende, die um Nuancen verändert dargeboten werden kann (es gibt wahrscheinlich etliche Variationen). Während der Frühlings- und Herbstanalen gut 600 Jahre v.Chr. darbte ein im Exil weilender Herzog Wen an Hunger, im wahrsten Sinne war er todhungrig. Einer seiner treuen Ergebenen, Jie Zitui,  schnitt sich ein Stück Fleisch aus dem Oberschenkel und bereitete ihm davon eine leckere Brühe, die den Herzog wieder auf die Beine brachte.

Als Herzog Wen später davon erfuhr, war er tief ergriffen. Nachdem er wieder an die Macht kam, belohnte er alle, die ihm in der Zeit zuvor beistanden, allerdings nicht Jie Zuitui. In der moralisch einfachen Variante hatte Herzog Wen es einfach vergessen, in der vorbildmäßig bescheidenen idealtypischen konfuzianischen Variante kehrte sich der bescheidene Jie, der keine Belohnung sondern nur helfen wollte ab und wanderte mit seiner Mutter von dannen in den tiefen Wald.


In beiden Fällen beginnt der Herzog nach ihm zu suchen, einmal aus Scham, in Variante zwei , weil er ihn aktiv belohnen wollte. Da er ihn nicht finden konnte, steckte er den Wald in Brand (in der moralischeren Variante folgte der Herzog den Vorschlägen anderer, war also unschuldig), um Jie heraus zu locken oder zu treiben. Tragischerweise fand man nach dem Brand nur noch die verkohlten Körper der beiden Gesuchten.

Fortan wurde zu diesem Zeitpunkt an Jie Zuitui gedacht, indem an jenem Tag nur Ungekochtes, Kaltes gegessen werden durfte. Dieser Tag wurde als  Fest des winterlich-kalten Essens (寒食节)bezeichnet.

Aufwändige Zeremonien für den Ahnenkult waren in China lange verbreitet, insbesondere unter den besser ausgestatteten Beamten und Adligen. Ab der Tang – Zeit wurde dem von Kaiser Xuanzong ein Riegel vorgeschoben. Er gestattete diese Zeremonien lediglich für den Qingming-Tag.

Im Laufe der Zeit verschmolzen die beiden Tage zum Qingming-Fest.

...auch der eine oder ander Christ ist hier begraben...

…auch der eine oder ander Christ ist hier begraben…

...und auch Anhänger des Islam...

…und auch Anhänger des Islam…

Etwa 60.000 islamische Gläubige gibt es in Taiwan

Etwa 60.000 islamische Gläubige gibt es in Taiwan

Die Zeiten ändern sich, mittlerweile kann der Grabreinigungstag  deutlich eher begonnen werden.  Dies hat allerdings nur einen logistischen Hintergrund – gäbe es nur an einem Tag die Gelegenheit,  würde auf den engen Straßen an den Grabhängen das totale Chaos ausbrechen.

Heute beginnt das Fest bereits Mitte März

Busfahrplan der Gräberroute

Auf dem Banner sind die Tage mit Busverkehr angegeben, in diesem Jahr begann das Jahrtausende alte Ritual schon am 17. März , feudale Beschränkungen sind aufgehoben. Die Stadtverwaltung von Taiwan hat die Sache aber voll im Griff.  Die Straßen werden gesperrt, der Privatverkehr unterbunden und durch ständig hin- und herkurvende Minibusse ersetzt – dafür gibt es freie Fahrt für freie Bürger, Tickets werden nicht benötigt.

Ab hier nur noch öffentlicher Busverkehr

Ab hier nur noch öffentlicher Busverkehr

Da sich an den geomantisch vorteilhaften südlichen Hängen der Berge kilometerweise Grab an Grab reihen, ist die Einrichtung von Shuttle-Bussen absolut notwendig.

Auf der Heimreise

Auf der Heimreise

Mittlerweile ist es in Taiwan nicht mehr erlaubt, Gräber an Berghängen zu belegen. Die Insel ist ohnehin schon dicht bewohnt, an noch mehr Platz für die Toten ist nicht zu denken, zumal auch deren Zahl ständig steigt. Die Toten „wohnen“ jetzt – wie der Taiwanese – in immer höheren Häusern bzw. Fächern großer Krematiorien.

Auch hier sind die Urnenkammern knapp
Bei den Grundstückpreisen könnte und konnte sich ohnehin nicht jedermann ein großflächigeres Familiengrab leisten. Hier in der Stadt Taipei ist mittlerweile noch nicht einmal eine freie Urnenkammer  zu ergattern, dafür muss man jetzt schon nach Taipei-Land, ähmm, Neu-Taipei  hinaus.

Im Hintergrund werden die "Besucherlisten"  zusammen gestellt

Im Hintergrund werden die „Besucherlisten“ zusammen gestellt

Ab etwa 60.000 TWD (1500 EUR) aufwärts kann man dort Unterschlupf finden, es gibt aber auch luxuriösere Stellen , die bis zum 10-fachen kosten können.

Autor: Frank Pevec

Taiwan – Reisen : Goldstadt Jioufen ( 九份)

Heute machen wir einen kleinen Ausflug in die ehemalige Goldgräberstadt Jiufen im Nordosten Taiwans, ca. 40 km von Taipei entfernt ,

Bucht von Keelong

Bucht von Keelong (Foto: Frank Pevec)

Das ganz in der Nähe der Hafenstadt Keelong gelegene Jiufen ist am Wochenende ein beliebter Ausflugsort der Hauptstadtbewohner, in der Woche wäre er es wahrscheinlich auch, wenn nicht alle immer arbeiten müssten. Für den nötigen Nachschub sorgen seit der Öffnung Taiwans Touristen aus Festlandschina China und auch Hongkong.

Alte Bergbaustadt Jiufen mit Keelong – Berg (Foto: Frank Pevec)

Doch warum fahren alle nach Jiufen? Jiufen war noch bis in die 50er Jahre eine wohlhabende Goldgräber- und Bergbaustadt, allerdings einseitig darauf ausgerichtet und entsprechend davon abhängig. Mit der Einstellung des Bergbaues nach dem Abzug der japanischen Kolonialmacht ging es daher wirtschaftlich schnell bergab mit dem schön am Berghang gelegenen Örtchen.

Jiufen soll nun  ausgebaut besser umgebaut werden um der  wachsende Zahl  von Besuchern auch etwas zu bieten zu haben. Unterkünfte, Erlebnisstätten und Souvenirläden sollen um das von einem morbiden Charme umgebene Bergbaugebiet entstehen.

Was gibt es noch? Erst einmal einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Jilong und die Küste, wenn man die gewundene Bergstrecke hochgefahren ist, die einen wahrscheinlich auf  300 bis 400 m Höhe bringt. Bei gutem Wetter kann man sogar bis zum etwa 30 km entfernten westlich gelegenen  Jinshan schauen.

Jiufen ist als Goldgäberstadt bekannt, das klingt auch spannender , in der Tat wurde auch intensiv nach Kupfer gegraben und zwar von den Japanern , die 1895 nach dem schnell gewonnenen Krieg gegen China sich Taiwan unter den Nagel gerissen hatten .

Die Japaner haben allerdings auch sehr viel für den Aufbau und die Modernisierung Taiwans getan, dies natürlich nicht aus Gründen der Barmherzigkeit,  Eigeninteressen der standen  im Vordergrund. Taiwan sich dabei nicht von den Kolonien der westlichen Mächten, bei der Erschliessung ging es um die Versorgung mit Rohstoffen für die Kolonialmacht, in diesem Fall für das ressourcenarme Japan, die sich der damals üblichen Praktiken der Eigenversorgung bedienten.

Taiwan wurde von ihnen komplett vermessen und katalogisiert, die nahezu gesamte Flora und Fauna registriert, Rohstoffvorkommen aufgespürt, im Süden verbesserte man die Irrigationssysteme der Landwirtschaft und erhöhte damit deutlich die Produktivität.

Die Eisenbahn in Taiwan als auch das Wasserleitungsnetzwerk in Taipei ist ebenfalls auf die Initiative der Japaner zurückzuführen, umgesetzt wurden diese Projekte natürlich von den Taiwanern.

Hier im Norden von Jiufen wurde  nach Gold und Kupfer geschürft.

Schon wenn man entlang der Küstenstraße fährt , sieht man gut die sich leicht bedrohlich sich hinter Jiufen erhebenden Industrieruinen, fast wie eine Gespensterstadt anmutend , die sich den teils recht steilen Berghang hinaufzieht, drum herum winden sich einige recht enge Straßen , an denen die Bewohner des Ortes ihre Häuser dicht and dicht errichtet haben.

Alte Goldmine in Jiufen

Alte Goldmine in Jiufen (Foto: Frank Pevec)

Beim Blick auf die Industrieruinen wird einem sofort deutlich, das dieses jetzt eher verschlafene Nest Ort emsiger Aktivität war. recht lebendig muss es gewesen sein, jetzt ist alles still, bei den Anlagen sieht man überal kaputte Fensterscheiben, aufffällig sind noch recht grosse grauschwarze Betonröhren , die kilometerweit den Berg hinauf gelegt wurden, dies sind keine Wasserleitungen, sondern zur Ableitung der bei der Gewinnung von Kupfer entstehenden ätzenden SO2 Dämpfe gebaut,  hier wurden sie über  den Berg auf die andere Seite hochgeleitet und dort an die Umgebung abgelassen, was der Luftqualität in Jiufen zugute kam – wenn die Windrichtung stimmte.

Das diese Röhren notwendig waren, ist unschwer an der völligen Abstinenz von Baumwuchs erkennbar. Weiterer Indikator für die starke Konzentration von S02 sind die schick in ocker-orange und in Rottönen verfärbten Findlinge im Flussbett, welches direkt die Anlage säumt.

Abgasmanagement

Abgasmanagement (Foto: Frank Pevec)

Im Zweiten Weltkrieg wurde hier in Jiufen von den Japanern ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet, in dem die Gefangenen sich dann im Bergbau verdingen mussten. Jetzt gibt es hier eine Gedenkstätte, die auf die damaligen Taten hinweist.  Hier in Jiufen waren insgesamt 4300 Kriegsgefangene untergebracht, 10% von ihnen starben an Hunger, Krankheit, Überarbeitung oder den Schlägen, die sie des öfteren einstecken mussten. Wiederentdeckt wurde das Kriegsgefangenenlager erst 1990, 1997 wurde dann die Gedenkstätte eingerichtet.  Auf einer größeren Gedenktafel sind die Namen der ehemaligen Inhaftierten verzeichnet und wird der Verstorbenen  gedacht.

In ganz Taiwan gab es 15 Kriegsgefangenenlager, im Norden waren es neben Keelong noch Jinshan und Taipei im Norden, fünf in Zentraltaiwan, zwei in Kaohsiong und an der Ostküste ebenfalls einige.

Die meisten der auf der großen Gedenktafel aufgezeichneten Kriegsgefangen kamen aus Großbritannien und den USA, ab und an auch einige Holländer oder Australier. An die  Gegenwart wir mit den Worten „Frieden gibt es nicht umsonst“ gemahnt.


Was gibt es noch zu unternehmen? Wer moechte , kann den fast 600 m hohen Jilong Berg besteigen, besser bewandern, dort gibt es natürlich Weege. .

Für den Hunger danach gibt es etliche Auswahlmöglichkeiten in zahlreichen kleineren Restaurant, als Spezialität ist die Fischballsuppe zu erwähnen, Jiufens Nähe zum Meer legt natürlich nahe, sich an Fisch und Seafood-Gerichten zu versuchen.

Beim Rückweg nach Jilong gibt es dafür auch ein stark frequentiertes Seafood-Restaurantviertel in Hafennähe, kleiner Tipp: Beim Verzehr von einzeln bestellten ganzen Fischen Immer die Preise erfragen. Noch wichtiger: Den Fisch seiner Wahl gleich wiegen lassen und nach dem Gesamtpreis fragen, das hält die Überraschung niedriger, ansonsten ist eine gut gedeckte Kreditkarte von Vorteil.

Für Fahrradfahrer ist Jiufen eine echte Herausforderung, ordentlich steil, echte Fahrradfreaks freuen sich natürlich auf die Berge, nach einem quälenden Aufstieg folgt dann als Belohnung meist eine wunderschöne Abfahrt. Hier in Jiufen bedeutet die Abfahrt ebenfalls nochmals Arbeit, steil eng und kurvig ist es, da heißt es mächtig in die Bremsen zu gehen. Vielleicht fährt man auch über den Berg auf  der ins Landesinnere gelegenen Seite herunter in Richtung Fulong, um dort am Strand ein Bad zu nehmen. Nach Fulong gelangt man auch wunderbar, wenn man einfach dem Verlauf der Küstenstraße folgt.

Der Ausblick auf die Bucht von Jiufen ist es allemal wert, blaue Küste und weiter Blick auf das Meer, bei Ebbe verändert sich allerdings die Farbe der Bucht, an einigen Stellen in Küstennähe erscheint sie auf einmal eher gelblich, dies ist ebenfalls Zeugnis der früheren Bergbautätigkeit. Es sind Schwemmstoffe, die sich hier ablagerten, dafür hat man auch gleich einen netten Namen gefunden: Das gelbgoldfarbige Wasser.

Was noch auffällt: es ist in Jiufen etwas kühler als in Taipei, man liegt etwas höher und der vom Meer kommende Wind verschafft einem ein wenig Linderung, dies ist insbesondere im Hochsommer sehr willkommen.

Jiufen wurde übrigends von Taiwans wohl bekanntestem Regisseur , von Hou Hsiao hsien zur Filmkulisse für seinen  preisgekrönten Film „Stadt der Traurigkeit“ gewählt, mit diesem Streifen gewann er immerhin den Goldenen Loewen bei den Filmfestspielen in Venedig. Die Atmosphäre des morbiden, verlassenen und zerfallenden Jiufen war wie gemacht für seinen Film. Wer filmnah speisen will, kann es auch in dem gleichnamigen Restaurant tun, dem „City of Sadness“  Restaurant, von Außen wegen seiner Schlichtheit kaum wahrnehmbar..

Ansonsten kann man sich auch in einem der zahlreichen Teehäuser am Hang der Berge mit Blick auf  den Pazifik niederlassen und seine Seele herrlich baumeln lassen.

Author: Frank Pevec

七 夕 – chinesischer Valentinstag in Taiwan

Wenn Taipeis junge Verliebte und solche die es werden wollen zu den Tempeln Longshan oder Chenghuang pilgern um den Gott der Ehe um seine Gnade zu bitten, dann ist chinesischer Valentinstag in Taiwan. Jedes Jahr am siebten Tag des siebten Mondmonats, der dieses Jahr auf den 6. August gefallen ist, wird in den Tempeln der Gott Yue Xia Lao Ren 月下老人gehuldigt. Frische Blumen, Süßigkeiten, Goldpapier, Räucherstäbchen, doppelte Glückszeichen und rote Fäden aus Seide dürfen dabei nicht fehlen.

Doch was hat es mit diesem Gott auf sich? Warum wird er am siebten Tag des siebten Monats gefeiert und warum braucht er als Opfergabe einen roten Seidenfaden? Um diesen Fragen nachzugehen begeben wir uns nun auf eine Reise ins vormoderne China der Tang Dynastie,…

…eines Nachts befindet sich ein junger Mann auf einer Reise. Unterwegs trifft er einen alten Mann, welcher im Mondschein ein Buch ließt. Der alte Mann erklärt, dass dieses Buch die vorherbestimmte Ehe für jeden Menschen unter dem Himmel beinhaltet. Als der Alte dem Jungen ein junges Mädchen zeigt, welches Gemüse verkauft und ein kleines Kind in ihren Armen trägt, und dem Burschen eröffnet, dass er es in 14 Jahren heiraten wird, ist der junge Reisende außer sich vor Wut. Er schickt seine Diener aus um das junge Mädchen zu erstechen.

14 Jahre später ist der junge Mann verheiratet und entdeckt an seiner Braut eine Narbe auf ihrer Stirn. Als er sie danach frägt, stellt sich heraus, dass seine junge Braut eben jenes junge Mädchen war, welches er ermorden lassen wollte.

Diese Geschichte hatte sich in der vormodernen chinesischen Gesellschaft schnell verbreitet und so wird der alte Mann seither als Gott Yue Xia Lao Ren zu deutsch „Alter Mann unter dem Mond“ gepriessen. Jedes Jahr am siebten Tag des siebten Mondmonats nimmt der Gott der Ehe nun sein Buch heraus, prüft, welche Menschen aufgrund von Charakter, Temperament, Interessen und Qualifikationen zusammenpassen und bindet sie an Knöcheln mit einem roten Seidenfaden zusammen. Die Ehepaare sollen danach eine lange und glückliche Partnerschaft miteinander erleben.

Das Datum des Valentinstages am siebten Tag des siebten Mondmonats rührt von einer anderen Legende her. Auch diese Geschichte führt uns in frühere Zeiten,…

…damals war unsere Welt noch mit der Milchstraße verbunden. Die Enkelin des himmlischen Kaisers und der Königin Mutter des Westens, auch das webende Mädchen genannt, war dazu bestimmt ein einfaches Leben unter den Menschen auf der Erde zu leben. Eines Tages verliebte sie sich in einen Hirtenjungen und fortan lebten die beiden gemeinsam. Doch das missfiel ihren Großeltern und so holten diese ihre Enkelin zurück in den Himmel. Der Hirtenjunge suchte nach Möglichkeiten um seinem geliebten webenden Mädchen zu folgen. Nachdem es ihm fast gelang seine Geliebte zu erreichen, zückte die königliche Mutter des Westens eine Haarnadel und zog einen Fluss zwischen die Liebenden. Das Paar wurde zu leuchtenden Sternen der Milchstraße, diese sich getrennt von einander nur anschauen und einander anschmachten konnten. Der himmlische Kaiser blieb von Schicksal seiner Enkelin nicht unberührt und so erlaubte er den Liebenden sich jedes Jahr am siebten Tag des siebten Mondmonats zu treffen. An diesem Tag sollten nun jedes Jahr Schwalben heranfliegen die eine Brücke über den Fluss bilden und es dem Paar so ermöglichen die Distanz zu überwinden.

Diese beiden Legenden zusammen bilden die Tradition des chinesischen Valentinstages am siebten Tag des siebten Mondmonats.

Xiahai Chenghuang Tempel. Quelle: http://english.taipei.gov.tw

Junge Menschen die nun auf der Suche nach der wahren Liebe sind, pilgern am chinesischen Valentinstag in die Tempel um den Gott der Ehe um seine Gnade zu bitten.  Wenn der oder die Bittende bereits einen Partner gefunden hat oder eine Person im Kopf hat die er anhimmelt, kann er diese Person dem alten Mann unter dem Mond vorstellen mit seinem Namen, seiner Adresse, seinem Alter und seinem Charakter. In seinem Gebet bittet der Ratsuchende den Gott der Ehe, den roten Faden zu verknüpfen. Danach verspricht der Bittende dem Gott ein Geschenk zu überreichen falls sein Gebet Erfolg zeigt. Angemessen als Geschenk ist beispielsweise ein Kuchen.

Falls man die Traumfrau oder den Traummann noch nicht gefunden hat, sollte man seinen Opfergaben rote Datteln hinzufügen. Diese sollen helfen die eine Person möglichst bald zu finden.

Sollten Sie sich, liebe Leser, ebenfalls noch auf der Suche nach dem richtigen Partner befinden oder wollen den Gott der Ehe um seinen Segen bitten, wie wäre es dann nächstes Jahr mit einem Sommerurlaub in Taiwan?

von M. Bindel

Taiwan – Fotoausstellung 100 Jahre Republik China in Karlsruhe

Chinesische Holzschnitte aus Taiwan
im Regierungspräsidium am Rondellplatz
Karlsruhe

Pressemitteilung Baden-Württemberg Regierungspräsidium Karlsruhe:

Taiwan - Fotoausstellung 100 Jahre Republik China in Karlsruhe

Taiwan - Fotoausstellung 100 Jahre Republik China in Karlsruhe

Anlässlich des hundertsten Geburtstags der Republik China präsentiert die Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland vom 25. März bis 17. April 2011 im Regierungspräsidium am Rondellplatz mit den zwei Ausstellungen „Chinesische Holzschnitte aus Taiwan“ und „100 Jahre Republik China“ einen Blick nach Taiwan.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich Taiwan von einem Agrarland zu einer hoch industrialisierten modernen Marktwirtschaft und einem demokratischen Staat entwickelt. Taiwan hat heute eine Bevölkerung von etwa 23 Millionen Menschen. Die Mehrheit sind ethnisch gesehen Chinesen. Außerdem gibt es neun größere Ureinwohnerstämme, deren traditionell überlieferten Künste wie Weben, Gesang und Tanz im heutigen Taiwan äußerst beliebt sind und in vielfältiger Weise gefördert werden.

Die Ausstellung spannt einen geschichtlichen Bogen beginnend mit Schwarzweiß-Fotografien bis hin zu Farbaufnahmen, die alle Aspekte des heutigen Lebens, die Naturschönheiten der Insel und die wirtschaftlichen Errungenschaften, die sich unter anderem in der modernen Architektur manifestieren, zeigen. Eine Reihe faszinierender Kunstfotos rundet die Ausstellung ab.

Die Ausstellung „Chinesische Holzschnitte aus Taiwan“ zeigt rund 100 farbenfrohe Holzdrucke, deren Ursprung bis auf die Tang Dynastie (618 – 907 n.Chr.), dem Beginn der Druckkunst, zurück verfolgt werden können. Bilder von Göttern wurden an die Tore von Tempeln und auch an gewöhnlichen Häusern angebracht. Seit der Song Dynastie (960 – 1127 n. Chr.) hatte sich der volkstümliche Holzschnitt zu einem verbreiteten Geschäftszweig entwickelt und wurde zu einer festen Gewohnheit im Leben der Bevölkerung. In Taiwan hat sich diese Kunstform bis heute erhalten. Bekannte Künstler und Kunsthandwerker fertigen zu jedem neuen Jahr Holzdrucke mit den unterschiedlichsten Motiven. Besonders beliebt sind die Holzdrucke mit den zwölf Tierkreiszeichen des chinesischen Horoskops.

Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner eröffnet die Ausstellung am Donnerstag, 24. März 2011 um 18 Uhr.

Zu sehen ist die Ausstellung „TAIWAN – 100 Jahre Republik China – Chinesische Holzschnitte aus Taiwan“ vom 25. März bis 17. April 2011 dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr im Regierungspräsidium am Rondellplatz, Karl-Friedrich-Straße 17, 76133 Karlsruhe. Der Eintritt ist frei.

Rahmenprogramm
Samstag, 9. April 2011, 14 Uhr

100 Jahre Geschichte Chinas

Prof.Dr.Dr.h.c. Gottfried-Karl Kindermann
Sun Yat-sen – Führer und Begründer der demokratischen Revolution in China

Dr. Thomas Weyrauch
Die geschichtliche Entwicklung der Republik China 1911 – 2011

Dr. Rolf Geffken
Menschenrechte und solzialer Fortschritt in Taiwan – Ein Zukunftsmodell?

Anschließend Podiumsdiskussion

Veranstaltungszeitraum: 25.03. – 17.04.2011
Veranstalter: Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. – Freunde Taiwans
Verein der Überseeschinesen in Deutschland zur Förderung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen e.V.Regierungspräsidium Karlsruhe
Ort: Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz, Karl-Friedrich-Str. 17
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Eintritt: frei

Weitere Informationen auf den Webseiten des
Regierungspräsidium Karlsruhe