Taiwan, ein Land der Kaffeetrinker

Wenn man zum ersten Mal nach Taiwan kommt und sich durch die Straßen von Taipei bewegt, so wird einem nach kurzer Zeit auffallen, wie groß das Angebot an Kaffee ist. Inzwischen gibt es unzählige kleine Cafés in Taipei, dazu kommen die wachsende Anzahl an Filialen von ausländischen und taiwanischen Kaffeehausketten und außerdem führen inzwischen auch die kleinen Supermarktketten wie 7Eleven, Family Mart und OK Mart erfolgreich ihre eigenes Sortiment an frischem Kaffee. Aber ist dieses Straßenbild denn nicht eigentlich untypisch für ein asiatisches Land, das kulturell von je her eine Nation der Teetrinker war? „Der Kaffee trinkende Taiwaner“ – das entspricht doch nun wirklich nicht dem westlichen Stereotyp.

Typisches Café in Taipei

Typisches Café in Taipei

In Wirklichkeit hat sich das Blatt schon vor vielen Jahren gewendet und man kann inzwischen wirklich von Taiwan als einer Insel der Kaffeetrinker sprechen. Anfang der 1990er Jahre begannen japanische Kaffeeketten wie Doutor oder Kohikans sich in Taiwan niederzulassen, ein paar Jahre später folgten dann taiwanesische Ketten wie Dante Coffee, Ikari Coffee, Barista Coffee oder auch Mr. Brown Coffee. 1998 eröffnete die erste Filiale der amerikanischen Kaffehauskette Starbucks, ein paar Jahre später folgten weitere taiwanesische Ketten wie 85C, City Café oder Let`s Café. Allein die Kaffeehauskette Starbucks hat zwischen den Jahren 2007 und 2013 303 neue Läden eröffnet. Weltweit gibt es über 21 000 Starbucks Filialen, zwei Drittel davon sind auf dem amerikanischen Kontinent zu finden. Am stärksten wächst Starbucks allerdings zurzeit in Asien. In China gibt es mehr als 1300 Filialen der erfolgreichen Kaffeehauskette. Kontinuierlich kommen neue Filialen dazu, sodass China neben den USA bald zum zweitgrößten Absatzmarkt für Starbucks wird. In Taiwan gibt es inzwischen mehr als 300 Filialen, die Anzahl ist auch hier exponenziell steigend. Zwischen 2007 und 2013 hat die Anzahl privater Cafés sowie Kaffeehausketten wie zum Beispiel Starbucks, Mr. Brown Coffee oder auch Barista Coffee in Taiwan um 71 Prozent zugenommen.

Zu einer guten Tasse Kaffee lässt es sich gleich viel besser lernen

Zu einer guten Tasse Kaffee lässt es sich gleich viel besser lernen

Dass ein Großteil der Taiwaner inzwischen zu Kaffeetrinkern geworden ist, das belegen auch andere Fakten. So ist Taiwans Import von Kaffee um 525 Prozent in den vergangenen 17 Jahren gestiegen, außerdem hat in den letzten 15 Jahren der Konsum von frisch gebrühtem Kaffee um das 4,5-fache zugenommen. Heutzutage werden etwa sechs Millionen Tassen Kaffee pro Tag in Taiwan getrunken. Am liebsten trinken die Taiwaner Milchkaffee und Cappuccino, gefolgt von schwarzem Kaffee nach amerikanischer Art. Aber trotz des wachsenden Konsums von Kaffee sind Taiwaner im internationalen Vergleich noch weit hinten, was den täglichen Genuss von Kaffee angeht. So kommen in Taiwan pro Kopf etwa 0,3 Tassen Kaffee am Tag, in den USA sind es 1,1 Tassen pro Tag und Deutschland 2,6 Tassen pro Tag. Trotzdem kann man sagen: der Großteil der Taiwaner liebt Kaffee und zieht diesen inzwischen oftmals einer Tasse Tee vor.
Wie schon zu Anfang erwähnt, findet man hier an nahezu jeder Ecke ein kleines Café, das seine Kaffeespezialitäten anbietet.Meiner Meinung nach sind es vor allem diese kleinen, oft unscheinbaren privaten Cafés, die Taipei eine besondere Atmosphäre verleihen. Von schwarzen Kaffee über verschiedene Varianten Milchkaffee bis hin zu Cappuccino kann man hier alles finden, was das Kaffeetrinkerherz begehrt. In diesen Cafés kann man nicht nur nach westlichem Vorbild eine Tasse Kaffee genießen, sondern auch Essen.

DIe Eingangstafel vor einem Café in Taipei

DIe Eingangstafel vor einem Café in Taipei

Auf der Speisekarte stehen gewöhnlich kleinere Gerichte wie Sandwiches, Waffeln, Kuchen oder Salate, in den allermeisten Fällen frisch zubereitet. Diese Cafés haben ihren ganz eigenen Charme. Manchmal sind sie etwas schwer zu finden, da sie sich im zweiten oder dritten Stock eines unscheinbaren Hauses befinden und man nur über einen Aufzug in das Café kommt. Außerdem findet man viele Cafés an Orten, an denen man sie weniger vermuten würde, in kleinen Nebenstraßen oder Wohngebieten.

Wenn sie sich im Erdgeschoss befinden, so haben sie meistens eine kleine Terasse vor dem Haus oder einen Außenbereich, sodass man, dank Taiwans subtropischen Klima, auch oft im Winter draußen bei Sonnenschein eine Tasse Kaffee genießen kann. Außerdem sind die Cafés selbst immer sehr liebevoll und detailreich eingerichtet, oft in einem etwas älteren Stil mit Möbeln aus dunklem Holz, Sofas oder Sesseln, mottogetreuen Bildern, Bücherregalen oder auch besonders gestalteten Menükarten. In der Nähe der Yuanshan-Metro Station in Taipei gibt es zum Beispiel ein Café, dessen Besitzer eine besondere Liebe zu Katzen pflegen und dies offensichtlich auch bei der Gestaltung des Cafés eine wichtige Rolle gespielt hat. Für Katzenliebhaber ist dies ein besonderes Ereignis, denn zu dem Café selbst gehören ein bis zwei Katzen, die an die Gäste gewöhnt sind.

Doch Kaffeeläden in Taiwan sind inzwischen weit mehr als nur ein guter Ort um Kaffee zu trinken. Sie bieten auch eine gute Möglichkeit um zu lernen, sich mit Freunden zu treffen, für Lerngruppen aber auch für Geschäftstreffen.

Thailändischer Schwarztee mit Milch

Thailändischer Schwarztee mit Milch

Und welche Unterschiede kann man zwischen taiwanischen und deutschen Cafés fesstellen? Meiner Meinung nach ist das vor allem ihre besondere Auswahl an Teegetränken. So kann man in manchen Kaffeeläden zum Beispiel thailändischen Schwarztee kalt oder heiß genießen, der mit Milch zubereitet worden ist und einen ganz eigenen Geschmack hat. Außerdem findet man in nahezu jedem Café in Taiwan den hierzulande sehr beliebten Matcha Tee, welcher ursprünglich aus Japan stammt. Hierbei handelt es sich um zu Pulver gemahlene Grünteeblätter, die dem Tee seinen besonderen Geschmack und seine intensive Grünfärbung geben. Dieser Tee wird gerne heiß oder kalt mit Milch getrunken, mal mehr und mal weniger süß und hat sich inzwischen zu einem Kultgetränk entwickelt, das man in Deutschland leider eher nicht finden wird.
Neben dem „frischen gebrühtem“ Kaffee hat sich auch der Instantkaffee mit großem Erfolg in Taiwan etabliert. Kleine Supermärkte wie 7Eleven und Family Mart bieten eine Bandbreite an verschiedenen kalten Kaffeegetränken an, das weit über das Angebot in deutschen Supermärkten hinaus geht.Taiwaner trinken lieber auswärts ihren Kaffee oder kaufen ihn sich bereits fertig zubereitet in Supermärkten. Während dagegen das Einschalten der Kaffeemaschine in den allermeisten deutschen Haushalten zur alltäglichen Morgenroutine dazu gehört, so ist die eigene Kaffeemaschine in Taiwan (noch) eher unpopulär.

Die Cafés sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet

Die Cafés sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet

Und was lässt sich als Fazit ziehen? Die Kaffeeindustrie hat in den letzten 20 Jahren erfolgreich Taiwan erobert und ist weiter auf dem Vormarsch – in einem Land, welches kulturell eher durch den Tee geprägt ist. Wenn man noch vor einigen Jahren verzweifelt nach einer „vernünftigen Tasse Kaffee“ in Taipei gesucht hat, so erscheint einem die Auwahl inzwischen endlos und Kaffeehausketten trifft man hierzulande inzwischen mehr an als in deutschen Großstädten.

Das Phänomen „Taiwanischer Perlenmilchtee“

Warum Taiwanischer Perlenmilchtee und Deutscher Bubble Tea nicht dasselbe sind
Taiwan gilt als das Ursprungsland des berühmten Perlenmilchtees (chin.: 珍珠奶茶,pinyin: zhēnzhū nǎichá), den in China, Taiwan und anderen süd- und ostasiatischen Ländern jedes Kind kennt und der vom heutigen Straßenbild dieser Länder nicht mehr wegzudenken ist. Besonders in Taiwan sieht man an jeder Straßenecke Verkaufsläden- und stände, an denen man sich aus einer Bandbreite verschiedener Milchtees für wenig Geld das beliebte Getränk erwerben kann. Auch in Deutschland ist dieses Getränk mittlerweile zu finden, dort meist bekannt unter dem Namen „Bubble Tea“. Doch wahre Kenner des Milchtees werden sofort feststellen, dass der quietschbunte und meist recht teure Bubble Tea nur noch sehr wenig mit dem Original aus Taiwan gemeinsam hat.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Doch was sind die Unterschiede zwischen dem taiwanischen Perlenmilchtee und dem deutschen Bubble Tea und wieso ist das Getränk in Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern so beliebt, wohingegen der „Bubble Tea Boom“ in Deutschland von nicht allzu langer Dauer war? All diesen Fragen möchte ich im Folgenden auf den Grund gehen und dabei auch von meinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen berichten, die ich mit dem besagten taiwanischen Getränk gemacht habe. Meine erste Begegnung mit dem süßen Perlenmilchtee machte ich, als ich im Sommer 2013 für einige Wochen in Taichung in Zentraltaiwan einen Chinesischsprachkurs an der Chung Hsing Universität besucht habe. Gleich zu Anfang sind mir die vielen Verkaufsläden- und stände aufgefallen, die man in Taiwan vielleicht noch häufiger findet als Filialen von 7Eleven oder Family Mart. Oder auch anders ausgedrückt: Es gibt sie vor allem an belebteren Ecken fast so viel wie Sand am Meer. Da wurde ich natürlich neugierig und kaufte mir das vielumworbene Getränk. Ab diesem Moment wusste ich, warum es in Taiwan und anderen Teilen Ostasien so beliebt ist.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Was steckt drin im Milchtee Das Original besteht auf der Basis von gesüßtem grünen oder schwarzen Tee, dem Milch und oder Fruchtsyrup beigefügt wird. Weiterer Bestandteil sind die farbigen aber geschmacksneutralen, festen Geleekügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke, die beim Trinken durch einen dickeren Strohhalm gesogen werden. Der Milchtee kann sowohl warm als auch kalt mit Eis getrunken werden. Man kann meist selbst entscheiden, wie süß man ihn haben möchte und außerdem gibt es ihn heutzutage in den verschiedensten Formen und Ausführungen: zum Beispiel mit dem japanischen Matcha Tee, mit roten süßen Bohnen, mit Karamellgeschmack, als Puddingmilchtee oder auch ganz ohne Kügelchen oder Zusatz. Die Auswahl ist wirklich groß und mag sich für westliche Ohren durchaus gewagt oder skuril anhören. Ich selbst habe mich inzwischen durch diese Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten durchprobiert und wurde geschmacklich wirklich selten enttäuscht, mein Favorit ist und bleibt jedoch der originale Perlenmilchtee mit wenig Zucker.

Milchtee in China Während meines Studienaufenthalts in China habe ich die chinesische Variante auch oft getrunken. Der chinesische Milchtee ist dem Taiwanischen sehr ähnlich, wird meist aber süßer getrunken, da man sich den Zuckeranteil im Getränk nicht selbst raussuchen kann oder vielleicht auch, weil die Chinesen es etwas süßer mögen. Preislich ist der Milchtee auf dem Festland mit dem in Taiwan zu vergleichen, auch hier gibt es viele Stände und kleine Läden, die das süße Getränk in verschiedenen Varianten anbieten. Außerdem kann man manche Ketten aus Taiwan auch auf dem chinesischen Festland wiederfinden, allerdings nicht mit der selben Häufigkeit.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größere Angebotskarten.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größeres Angebot.

Bubble Tea in Deutschland Aber wie steht es nun um den besagten Bubble Tea in Deutschland? Viele von uns können sich sicherlich noch an die Zeit vor etwa zwei bis drei Jahren erinnern, in der auf einmal nahezu täglich neue Bubble Tea Läden in Deutschland eröffnet haben, die hinter bunten Theken das quietschbunte und zuckersüße Getränk angeboten haben. In manchen Städten konnte man gar von einem Bubble Tea Boom sprechen und es hatte nicht lange gedauert, bis die amerikanische Fastfoodkette Mc Donalds ebenfalls mit auf den Zug gesprungen ist und in ihren Mc Cafés Bubble Tea angeboten hat. Ich muss gestehen, dass ich persönlich bei der Bestellung immer etwas überfordert war. Das lag daran, dass man sich sowohl in den kleinen Bubble Tea Läden als auch bei Mc Donalds den süßen Tee selbst zusammenstellen konnte, von der Teebasis über die Geschmacksrichtung bishin zu den Kügelchen und sonstigen Extras. Bei all diesen Punkten gab es gefühlt hundert verschiedene Möglichkeiten, wobei sich eine süßer als die andere anhörte. Außerdem ist die deutsche Variante im Vergleich zur Taiwanischen kein Schnäppchen, im Durchschnitt bezahlt man drei bis vier Euro pro Becher. Und wie das ja so oft ist mit Produkten oder Essen, das eigentlich aus Asien kommt, hat die deutsche Ausführung des Bubble Teas geschmacklich und äußerlich nur noch sehr wenig gemein mit dem taiwanischen Original. Meiner Ansicht nach ist diese Tatsache wirklich sehr schade, denn richtiger taiwanischer Milchtee würde sicherlich auch gut in Deutschland ankommen.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Und wie steht es nun heute um den einst so beliebten Bubble Tea in Deutschland? Man könnte sagen, dass es sich „ausgebubbelt“ hat, die kurze Euphorie hat nicht lange angehalten, den Bubble Tea Läden sind die Kunden ausgeblieben und so verschwanden sie so schnell wie sie gekommen waren. Auch Mc Donalds nahm das Angebot aus dem Programm. Das Verschwinden mag mehrere Faktoren gehabt haben. Von den Vertreibern des Bubble Teas werden hauptsächlich neben dem Kommen der kalten Jahreszeit auch Behauptungen und Medienberichte über angeblich gesundheitsschädlich und krebserregende Stoffe im Bubble Tea als Hauptfaktoren genannt. Was letztendlich der wahre Grund für das Verschwinden der Begeisterung war, darüber lässt sich viel diskutieren.

Und was lässt sich als Fazit ziehen? Ich, als Liebhaberin und regelmäßige Konsumentin des originalen taiwanischen Perlenmilchtees, kann der eingedeutschten, bunten und teuren Variante leider nur sehr wenig abgewinnen. Dennoch halte ich die Augen offen. Wer weiß, vielleicht schafft es doch irgendwann einmal der echte Perlenmilchtee nach Deutschland. Bis dahin werde ich weiterhin den taiwanischen Milchtee genießen und kann jedem empfehlen, der nach Taiwan kommt, einmal dieses Getränk zu probieren.

Taiwan- ein Paradies für Kaffeetrinker?

Berühmt ist Taiwan für seinen Tee- besonders die Sorten Oolong Tee, Schwarztee und Grüntee sind international sehr bekannt. Denn Tee wird in Taiwan schon sehr lange getrunken- die ersten Aufzeichungen über Teeanbau in Taiwan gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Doch es ist nicht Tee, worüber in den Medien in den letzen Jahren mehr und mehr gesprochen wird. Ganz im Gegenteil: Kaffee scheint sich als das neue Getränk im Alltag der Bewohner Taiwans zu etablieren- besonders in Taipei boomt die Kaffeeszene. Dabei gibt es Kaffee noch nicht sehr lange hier in Taiwan.

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Ein typischer Cafe Latte in Taipei- Preis: ca. 60 NTD

Die British Trade Company brachte im Jahr 1884 die ersten Kaffeepflanzen nach Taiwan, besonders während der japanischen Kolonialherrschaft wuchs der Kaffeeanbau stetig. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die Kaffeeplantagen beseitigt, um mehr Platz für den Anbau von wichtigeren Lebensmitteln zu schaffen. Im Jahr 1958 suchte das United States Department of Agriculture nach einer Möglichkeit, das Einkommen der Farmer Taiwans zu steigern. Es wurde festgestellt, dass Taiwan durchaus geeignet sei für den Kaffeeanbau. Infolgedessen wurde der Anbau von Kaffee wieder begonnen. Seit dem Jahre 1960 stieg der Kaffee Konsum, allerdings über Jahrzehnte hinweg nur sehr langsam. Jedoch kam es dann ab dem Jahr 1990 zu einem extremen und rasanten Anstieg. Die in Taiwan produzierte Menge an Kaffee reichte infolgedessen nicht mehr aus, um der Nachfrage nachzukommen, daher begann man im größeren Maße mit dem Import von Kaffeebohnen. Der Kaffeekonsum hat sich in den letzten 12 Jahren vervierfacht. Wo im Jahr 1999 noch 5000 Tonnen Kaffeebohnen importiert wurden, waren es im Jahr 2010 bereits schon 18000 Tonnen. Doch was steckt dahinter? Und wie ist das Kaffeeangebot in Taiwan (vor allem Taipei) heute?

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Das Wilbeck Cafe in Guting/Taipei. Die Mitarbeiter haben eine zusätzliche Ausbildung gemacht, um professionell Kaffee verkaufen zu können.

Kaffee ist heutzutage in Taiwan mehr als nur ein Modegetränk- mehr und mehr integriert es sich in den Alltag der Taiwanesen und ist auch Symbol eines neuen, modernen Lebensstils geworden. Doch zu den Anfangszeiten des Kaffeekonsums in Taiwan war das anders gewesen. Zu Beginn war Kaffee vor allem ein Getränk der Geschäftsleute, der Intelektuellen, der Politiker und der High-Society gewesen. Durch den Konsum von Kaffee wollte man sich auch von dem normalen Bürger Taiwans abgrenzen. So lässt sich auch erklären, warum der erste Versuch der Convenience Store Kette 7-11 fehlschlug, einen „Kaffee-to-go“ in ihrem Geschäfstkonzept zu integrieren. Im Jahr 1986 wurde frischer Kaffee neu in das Angebot aufgenommen. Allerdings musste nach relativ kurzer Zeit dies wieder eingestellt werden, da der Kaffeeumsatz zu gering war. Da Kaffee damals ein Getränk der oberen Schichten der Gesellschaft war, weigerten sich die Kaffeekonsumenten, diesen in einem Convenience Store zu kaufen. Im Jahr 1998 wurde die erste Starbucks Filiale in Taiwan eröffnet und konnte sich relativ schnell etablieren. Die Kette 7-11 startete dann im Jahr 2004 nochmals einen Versuch. Eigens dafür wurde eine eigene Kaffemarke kreiert, „ City Cafe“. Man bot nun einen günstigen und qualitativ hochwertigeren Kaffee als zuvor an. Dieses Mal ging das Konzept auf, der Konsum von 7-11 Kaffee ist rasant angestiegen und ist mittlerweile sogar Taiwans größte Take-away-Kaffee-Kette. Durch den Eintritt von 7-11 in den Kaffeemarkt war auch der Weg für die weitere Entstehung von günstigen Kaffeeläden in Taiwan geebnet. Besonders in den letzten Jahren sind vor allem in Taipei zahlreiche neue Kaffeeläden entstanden, die preiswerten und qualitativ hochwertigen Kaffee anbieten. Einen sehr guten Cafe Latte bekommt man mittlerweile für einen Preis von 40-70 NTD (ca. 1-1.80 Euro).

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Man kann in dem Wilbeck Cafe in Guting/Taipei sowohl Kaffee trinken als auch frisch geröstete Kaffeebohnen kaufen.

Besonders in Taipei hat sich die Kaffeeszene sehr stark weiterentwickelt. In der Kaffeeindustrie vor Ort kann man mittlerweile vier Hauptbereiche unterscheiden: Spezialitäten-Läden, Kleine Cafes, Ketten-Läden und Convenience Stores. In den Spezialitäten-Läden arbeiten ausgebildete Baristas, es wird frischer und selbst gerösteter Kaffee verkauft. Die kleinen Kaffeeläden haben manchmal auch Sitzmöglichkeiten, das Hauptgeschäft besteht aber in dem Verkauf von „Coffee-to-go“. Der Kaffee ist relativ günstig und qualitativ hochwertig. Die Kaffee-Kettenläden wie Starbucks haben sich trotz des deutlich teuren Preises sehr etabliert und werden vor allem häufig von Studenten als Arbeitsplatz genutzt. Doch woher kommt der Kaffee? Genau 1 Prozent des konsumierten Kaffees kommt aus Taiwan selbst- der Rest wird importiert. Den größten Anteil des Imports haben grüne Kaffeebohnen, das heißt noch ungeröstete Kaffeebohnen. Hauptsächlich wird Kaffee aus Südamerika importiert, teilweise auch aus Afrika. Der Import von Fair Trade Kaffee wächst ebenfalls zunehmend. Wenn man in Taiwan zufällig einen Kaffeeladen der Kaffee-Kette „Bar-Den“ entdeckt, dann sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, dort einen Kaffee zu probieren! Der Name „Bar Den“ ist sowohl die Bezeichnung für eine taiwanische Kaffeekette als auch für eine Kaffeesorte, die in Gukeng Township/Südtaiwan angebaut wird. Dieses Anbaugebiet hat ein ähnliches Klima wie Jamaika, woher der weltberühmte „Blue Mountain Coffee“ kommt. Es gibt zwar noch andere Kaffeeplantagen in Taiwan, zum Beispiel in Tainan County oder Nantou County, allerdings ist trotz der ebenfalls hervorragenden Qualtiät die produzierte Menge an Kaffee zu gering und reicht nur für den lokalen Bedarf aus. Gukeng hat sich mittlerweile als Kaffeeanbaugebiet etabliert, es gibt bereist über 50 Coffeeshops in Taiwan, die frisch gerösteten taiwanischen Kaffee anbieten. Da Kaffeeanbau eine sehr zeitaufendige Arbeit ist, die Kosten dabei sehr hoch sind und in Taiwan nur begrenzt geeigentes Land für den Anbau vorhanden ist, wird Kaffee aus Taiwan wohl nie mit ausländischen Kaffeesorten konkurrieren können, da der Verkaufspreis von taiwanischem Kaffee zu hoch ist. Das Angebot an Kaffeeläden in Taiwan wird immer besser- besonders Taipei entwickelt sich mittlerweile zu einem regelrechten „Kaffee-Paradies“!

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Das Padouva Cafe in Gongguan/Taipei. Ein gutes Cafe, um zu arbeiten und seinen Kaffee zu genießen (sehr gutes WiFi).

Die Auswahl an Cafes und Kaffeeläden in Taipei ist beeindruckend- manchmal auch etwas erdrückend, weil man gar nicht mehr weiß, in welchen Kaffeeladen man nun gehen soll. Doch es gibt Hilfe- falls man kein Chinesisch spricht, gibt es nun im Internet auch immer mehr Kaffeeratgeber/Blogs, wo man Tipps und Vorschläge bekommt. Wer Kaffee liebt, der wird Taipei nicht mehr verlassen wollen- zu gut und auch günstig ist der Kaffee, den man dort an jeder Straßenecke bekommen kann!

Hier noch ein paar nützliche Links:

http://www.taipeitrends.com.tw/a-coffee-a-day-our-5-favorite-cafes-in-taipei/

http://lifeoftaiwan.com/food-drink/coffee/ http://taiwanlovescoffee.tumblr.com/

von Maria Elisa Legelli

Das Shi-Yang Teehaus – mehr als Teetrinken

Foto: Lovely Taiwan

Die Stiftung „Lovely Taiwan “ hat nun ihr Internationales Spotlight Programm erweitert. Die Stiftung „Lovely Taiwan“ (台灣好基金會) wurde 2009 gegründet, mit dem Ziel am Schaffen einer örtlichen Kultur teilzuhaben. Dadurch sollte auch Bürgern Taiwans und Besuchern ermöglicht werden, das Leben in den Städten, Stadtteilen oder Gemeinden zu erfahren.

Nach den Internationalen Spotlights im Osten 

– wie das Tiehua Music Village in Taitung, Chishan, Makutaay oder Hualien im Osten Taiwans hat „Lovely Taiwan“ nun in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro Taiwan auch Internationale Spotlights in Nordtaiwan ausgewählt. Das Internationale Spotlight Projekt hat das Ziel, Reisende einen tieferen und genaueren Blick in die reichhaltige Kultur Taiwans zu ermöglichen und diese zu erfahren.

Angefangen mit dem Laden von „Loveley Taiwan“ selbst und dem umliegenden Stadtviertel. Der Laden befindet sich zwischen den MRT-Stationen Zhongshan und Shuanglian auf der roten Linie Richtung Tamsui.

Der Laden bietet handgefertigte lokale Produkte und Kunsthandwerk aus verschiedenen Orten. Mit den Einnahmen werden wiederum die jeweiligen Gemeinschaften, die die Produkte herstellen, unterstützt.

In der obersten Etage des Ladens befindet sich ein Raum mit Prospekten, Karten, Reisematerial und Informationen, in dem auch Ausstellungen und Workshops stattfinden. Besucher sind auch eingeladen, dort eine Pause einzulegen und sich ein wenig auszuruhen.

Der Laden ist auch ein guter Ausgangspunkt, um die Gegend mit seinen kleinen Gassen, Geschäften, Kulturstätten, Cafes und Restaurants zu erkunden.

Shi-Yang Teehaus

Ein weiteres neues Angebot im Rahmen des Internationales Spotlight Nordtaiwan ist ein Besuch des Shi-Yang Teehauses und Restaurants in den Bergen von Xizhi nahe Taipei. Das Teehaus ist ein sehr guter Ort, um zur Ruhe zu kommen. Die Architektur aus Holz mit großen Schiebefenstern- und Türen aus Glas ermöglicht überall einen schönen Blick in die bergige Landschaft.

Shi-Yang Teehaus

Im Shiyang Teehaus kann man keine bestimmten Teesorten bestellen und im Restaurant gibt es keine Speisekarte. Der Teemeister bereitet für die Gäste zwei verschiedene Teesorten zu. Das Essen wird in einem Nebenhaus serviert – man kann wählen zwischen einem normalen und vegetarischen Menü.

Das Shiyang Restaurant liegt etwas Abseits in den Bergen und ist für Touristen aus dem Ausland vielleicht nicht so einfach zu erreichen. Außerdem muss man sich vorher anmelden.

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Das Teehaus an einem regnersichen Spätnachmittag

Deshalb bietet „Lovely Taiwan“ jeden Mittwoch um 15:15 Uhr eine Fahrt zum Shi-Yang Teehaus. Man kann die Fahrt über die Webseiten oder direkt im Laden buchen. Die Kosten betragen 1.225 Taiwan Dollar, eingeschlossen Teezeremonie und Menü mit Kostenloser Hin- und Rückfahrt vom Laden von „Lovely Taiwan“

Anmelden kann man sich über die Webseite

http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/news_detail.php?id=192 (Chinesisch und Englisch)

Dieses Programm ist auch für Reisende ohne Chinesischkenntnisse gut geeignet – es gibt englischsprachige Begleitung und englischsprachige Teemeister.

Ein weiterer Punkt der Internationalen Spotlights im Norden ist das U-Theatre in den Bergen von Muzha. Das U-Theatre ist ein bekanntes Trommel-Ensemble mit dem Konzept „Erst Meditation, dann Trommeln“. Das U-Theater hat seinen Sitz in den Mucha-Bergen, wo sich auch ein Freilufttheater befindet.

Kurse und Camps werden für Gruppen abgehalten. Bei Interesse kann man sich an die Stiftung „Lovely Taiwan“ wenden, um nähere Informationen zu erhalten.

Mehr Informationen über die Angebote von Lovely Taiwan auf den Webseiten

www.lovelytaiwan.org.tw (chinesisch)

oder:
http://www.lovelytaiwan.org.tw/web/index.en.php (englisch)

von Eva Triendl

Die Renaissance der taiwanischen Teekultur

Das Teetrinken erlebt in Taiwan zur Zeit eine Renaissance. Obwohl in den letzten Jahren der Konsum von Kaffee und diversen Erfrischungsgetraenken in Taiwan gestiegen ist, ist Tee immer noch das beliebteste Getraenk der Bevoelkerung. Neben dem alltaeglichen Teegenuss zuhause besteht ebenfalls die Moeglichkeit eines der vielen Teehaeuser aufzusuchen um dort im Kreise von Freunden und Familie Tee zu trinken. Bihui Chiu und unsere Praktikantinnen Sophie Spadin und Sarah Finkensiep haben am 16. Januar 2014 das Wistaria Teehaus in Taipei besucht um sich selbst davon zu überzeugen und in die Geiheimnisse der taiwanischen Teekultur eingeweiht zu werden.

Sie berichten darüber in diesem Videobeitrag.

 

 

 

Das Chinesische Neujahr im Schatzkästchen

Am 31 Januar 2014 beginnt laut dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Pferdes und das Jahr der Schlange geht zu Ende. Dies ist eine Zeit, in der die Familie zusammen kommt, eine Zeit der Feierlichkeiten, und eine Zeit vieler Gebräuche. Zu vielen dieser Gebräuche gibt es eine Geschichte, zum Beispiel warum auf das Jahr der Schlange das Jahr des Pferdes folgt, bzw. warum die Reihenfolge der chinesischen Tierkreiszeichen so besteht, wie sie besteht. Oder warum zum chinesischen Neujahr rot eine so wichtige Farbe ist, oder warum in dieser Zeit Böller abgebrannt werden, oder wie es zum Laternenfest, das die Feierlichkeiten des Frühlingsfestes abschließt, gekommen ist. Diese Geschichten und Erklärungen können sie in der Zeit des Chinesischen Neujahrs im Schatzkästchen hören.

20. Januar 2014 Auch der Erdgott braucht mal Hilfe

Im Trubel um die Vorbereitungen zum Chinesischen Neujahr ist der Tu Di Gong (土地公), der Erdgott, der immer versucht, den Menschen ihre Bitten zu erfüllen, so mit Bitten überhäuft, dass er nicht mehr weiter weiß. Gut, dass da seine Frau Tu Di Po (土地婆), die nicht immer beliebt ist, Rat weiß.

 Der gütige Tu Di Gong (土地公)

Der gütige Tu Di Gong (土地公

Hier mit seiner Frau Tu Di Po (土地婆),

Hier mit seiner Frau Tu Di Po (土地婆),

27. Januar 2014 Die Legende der 12 chinesischen Tierkreiszeichen (生肖)

Wohl die meisten Taiwaner können in Sekundenschnelle die 12 chinesischen Tierkreiszeichen in der richtigen Reihenfolge nennen – auf Hochchinesisch und im MinNan Dialekt. Doch wie ist es zu dieser Reihenfolge gekommen? Warum kommt ausgerechnet die Ratte als erstes? Ein vom Jadegott anberaumtes Rennen und die Listigkeit der Ratte erklärt nicht nur die Reihenfolge der 12 Tierkreiszeichen, sondern auch, warum Katzen und Ratten/Mäuse sich nicht mögen.

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3. Februar 2014 Die Geschichte vom Jahresmonster Nian

Während der Feiertage gibt es eine Vielzahl von Gebräuchen, wie das Abbrennen von Böllern oder das Ankleben von roten Schildern an den Tieren. Das wird heutzutage mit viel Spass gemacht, doch der Ursprung dieser Gebräuche ist blutrünstig. Damit soll nämlich das menschenfressende Monster Nian, das in alten Zeiten die Menschen tyrannisiert hat, ferngehalten werden.

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10. Februar 2014 Die Geschichte vom Laternenfest

Der Abschluss der Neujahrsfeierlichkeiten macht das Laternenfest, und auch dafür gibt es eine Geschichte. Die Laternen sollen einen erbosten Gott, der sich wegen des Todes seines Lieblingsvogels an den Menschen rächen möchte, überlisten.

Kostenloses Festmahl im Tempel

Während der Feiertage zum chinesischen Neujahr sind Tempelbesuche von höchster Wichtigkeit. Man bringt Opfer dar und brennt Räucherstäbchen ab, um für ein gutes Neues Jahr zu bitten. Bei den Ahnen und den verschiedenen Göttern. Beim diesjährigen Chinesischen Neujahr war ich das erste Mal schon am ersten Tag des neuen Jahres in Mitteltaiwan (die Jahre davor waren für die Oma in Taipei reserviert). So besuchte ich das erste Mal am ersten Tag des neuen Jahres selber einen Tempel, was ich zuvor immer vermieden hatte, denn gerade am ersten Tag sind die Tempel oft voll und chaotisch. Doch mich erwartete auch eine positive Überraschung. Ich musste nicht nur Opfer darbringen, sondern bekam auch ein kostenloses Mittagessen. Denn der Tempel bereitet am ersten Tag des Neuen Jahres seit Jahren ein Mittagessen (inklusive Suppe und Nachtisch) vor, das sie den Tempelbesuchern kostenlos anbieten. Und im Gegensatz zu meinen ursprünglichen Bedenken war mehr als genug für die wirklich sehr zahlreichen Tempelbesucher da. Die Mahlzeit bestand übrigens u.a. aus Suppe, vegetarischen gebratenen Nudeln, einem Gericht aus Radis und Pilzen, Weisskohl, Reis und süsse Tangyuan Suppe.

von Ilon Huang

Opfergaben

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Opfergeld, …

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… das in diesen Öfen verbrannt wird, damit es in die Welt der Ahnen gelangt.

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Weitere Opfergaben

Der Tempel ist voll

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Die Vorbereitungen

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Einige der Gerichte

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Besuch auf dem Neujahrsmarkt

Jedes Jahr vor dem chinesischen Neujahrsfest sind die Leute damit beschäftigt, Neujahrsvorbereitungen zu treffen. Dazu gehören Einkäufe auf dem traditionellen Markt, wo man frisches Gemüse, Fleisch, Fisch, Obst und vieles mehr bekommt, was man zum Neujahrsfest braucht – den über die chinesischen Neujahrsfeiertage muss natürlich genug Essen im Haus sein. Außerdem kauft man meist noch Blumen, und natürlich viel Knabbereien wie getrockneter Fisch, Fischrogen, Nugat,  Bonbons, getrocknetes Obst, Obst- und Gemüsechips, verschiedenstes Gebäck, Kerne, Neujahrskuchen und so weiter. Denn zu den chinesischen Neujahrsfeiertagen will nicht nur die eigene Familie mit Knabbereien versorgt sein – auch die Gäste, die zu Neujahrsbesuchen kommen, sollen natürlich bewirtet werden. Ein Besuch auf einem Neujahrsmarkt vor dem chinesischen Neujahrsfest gehört in Taiwan einfach zum Neujahrsfest und bringt einen auch richtig in Neujahrsstimmung – vielleicht vergleichbar mit einem Besuch auf einem Weihnachtsmarkt vor Weihnachten in Europa.
In Taipei herrscht natürlich vor dem chinesischen Neujahrsfest überall Neujahrsatmosphäre – aber bei einem Besuch auf dem Neujahrsmarkt in der Dihua Straße (迪化街) kann man viele traditionelle und nicht traditionelle Dinge zum Neujahrsfest kaufen.

Am Samstag, den 9. Februar, am letzten Tag im Jahr des Drachen können Sie uns  in „Reise durch Taiwan“  bei unseren Neujahrseinkäufen begleiten – und wie in der Sendung versprochen, hier ein visueller Eindruck von einem Bummel über den Neujahrsmarkt auf der Dihua Straße.

Bei meinem Bummel über den Neujahrsmarkt ließ ich mich, wie jedes Jahr, von der Neujahrsatmosphäre anstecken – ich verließ den Markt mit einer Tüte getrockneter Kaki-Früchte, einer Riesentüte gemischter getrockneter Obst- und Gemüsechips, einer großen Tüte voller taiwanischer Nugat in verschiedenen Geschmacksrichtungen, eine Tüte voller in Goldfolie eingewickelte „Tausendjährige Heiße-Quelle Eier“, und zwei Geschenkpackungen mit je zwei 0,6 Liter-Flaschen Hirsewein (8% Alkohol) – und außerdem noch eine kleine Packung Shou Wu Tee, der unter anderem blutreinigende Wirkung haben soll. Also, falls sie während der Chinesischen Neujahrsfeiertage Zeit und Lust auf einen Neujahrsbesuch in unserer Redaktion haben – Sie sind herzlich eingeladen, es sind genügend Knabbereien und Getränke da für alle!

Wir wünschen ein glückliches Jahr der Schlange! 新年快樂!

von Eva Triendl  

Die Autobahnraststätte als Reiseziel

„Lasst uns zur Autobahnraststätte XYZ fahren, um dort zu bummeln und zu essen.“ Auf so eine Idee kommt doch niemand – denken Sie. Tatsächlich kann das in Taiwan aber passieren und auch wenn ich selber persönlich keinen Tagesausflug zu einer Autobahnraststätte einplanen würde, ist eine derartige Idee bei vielen taiwanischen Autobahnraststätten gar nicht so abwegig.

Kein Cafe in einem Park - sondern ein Autobahnraststätte

Kein Cafe in einem Park – sondern ein Autobahnraststätte

In Taiwan legt man vor allem in den letzten Jahren sehr viel wert auf gepflegte Autobahnraststätten, deren Besuch nicht nur angenehm ist, sondern oft auch als ein eigenständiges Reiserlebnis gilt. Viele dieser Raststätten sind weitläufig angelegt mit Grünanlagen und Spielgelegenheiten für Kinder und Erwachsene.

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Das Innere ist (oft gemütlich) ausgestattet mit einer oft großen Vielzahl von Garküchen und Einkaufsgelegenheiten, in denen man beispielsweise Souveniers aus der Umgebung kaufen kann.

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Sitzgelegenheiten im Freien laden bei entsprechendem Wetter zum Genuß von 7-11 Kaffee im Freien ein. Oder wie auf der Gukeng Raststätte, die ich kürzlich besuchte, zum Genuß des Gukeng-Kaffees (die Region Gukeng ist bekannt für ihren Kaffee).

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Und wie gesagt gibt es tatsächlich nicht wenige, die als Ausflugsziel eine dieser Raststätten, für die es wohl auch eine Rangliste gibt, wählen. Die Gukeng Raststätte, die ich während meiner letzten Reise anfuhr (nicht als primäres Reiseziel, sondern aus menschlichen Bedürfnissen heraus), wurde auf Rang zwei dieser Liste geführt. Hier ein paar Eindrücke.

von Ilon Huang

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Hot Spots Taipei – Hsimenting (西門町)

Heute besuchen wir den bei Taipeis Jugendlichen wohl beliebtesten Bezirk der Stadt, Hsimenting (Ximending). Er beginnt etwas südöstlich vom Hauptbahnhof im Stadtbezirk Wanhua gelegen und streckt sich fast bis zur Heping Rd.

Hsimending

Hsimending (Foto: Frank Pevec)

Wer gut zu Fuß ist, kann von dort auch gleich weiter die Kunming Rd. bis zum sehenswerten Longshan-Tempel laufen – eine Menge Abwechslung ist garantiert.

Bequem zu erreichen ist es mit der MRT, einfach an der gleichnamigen Station am Ausgang 6 aussteigen.

Beim Blick nach links fällt einem gleich das Rote Theater, von den Japanern zu Anfang des 20. Jahrhundertsgebaut auf.

Das Rote Haus , umschlungen von der heutigen Moderne

Das Rote Haus , umschlungen von der Moderne (Foto: Frank Pevec)

Gleich um die Ecke befinden sich Verkleidungspezialisten

Gleich um die Ecke befinden sich Verkleidungspezialisten (Foto: Frank Pevec)

Wendet man sich nach  rechts, geht es hinein in die Fußgängerzone.

Hsimenting weist alles auf, was taiwanesische Jugendliche mögen: schrill, bunt, quirlig, und eine Menge anderer junger Leute, die ebenfalls auf der Suche nach den neuesten Modetrends und Haarfrisuren sind – oder eben hungrig, etliche Restaurants und Snackbars sind natürlich auch zu finden.

Ansonsten findet sich hier eine etliche Zahl an Kinos und Programmkinos, Livemusik, oft auf der Straße, riesige KTV-Karaoke Paläste etc.etc.

Hsimending: Movie Movie Movie (Foto: Frank Pevec)

Hsimending: Movie Movie Movie (Foto: Frank Pevec)

Etliche Kinos sind hier zu finden

Etliche Kinos sind hier zu finden . Movie Movie Movie (Foto: Frank Pevec)

Hsimending: Movie Movie Movie (Foto: Frank Pevec)

Hsimenting: Movie Movie Movie (Foto: Frank Pevec)

Hsimending bedeutet am  Westtor angrenzendes Gebiet (Hsimen 西門), besser: Am Westtor.

Westtor- Überbleibsel der alten Stadtmauer

Westtor- Überbleibsel der alten Stadtmauer

Die Japaner bekamen nach dem gewonnenen Krieg 1894 gegen China ein Jahr später Taiwan zugesprochen und machten sich eifrig ans Werk, die Ressourcen der Insel zu nutzen. Dabei trugen sie auch etliches zur Entwicklung Taiwans bei, man denke an den Bau der Eisenbahn, an die Verbesserung des Irrigationssystems im Süden des Landes etc. – motiviert waren sie natürlich von reinem Eigennutz, Taiwan wurde als Rohstoffquelle und Versorgungsbasis für das ressourcenarme und – hungrige Japan betrachtet.

...auch für den einen oder anderen Tempel ist noch Platz...

Bei der Entwicklung Taipeis zerstörte man zur Straßenerweiterung die alte Stadtmauer und errichteten die breite Zhonghua Rd. , eines der wenigen Zeichen der ehemaligen Stadtmauer ist das Westtor, welches aus allen Richtungen von Straßen geschnitten wird und im nördlichen Bereich von Hsimending relaltiv dicht beim Bahnhof liegt.

In dem bis zur Kunming und Kangding Rd. reichenden Viertel errichteten die Japaner damals anfang des 20. Jahrhunderts ein Geschäfts- und Vergnügungsviertel.

Das kulturelle Herz des Viertels befindet sich um das Rote Theater, einem Backsteingebäude, wie es in dieser Zeit stilmäßig in Shanghai zu finden war.

Heute sind dort ebenfalls noch Kulturveranstaltungen zu sehen, im weiten Hof finden sich etliche Cafes und Bars, im hinteren Teil des Hofes sind einge Gay-Bars oder Cafes entstanden. In der Galerie beim Roten Theater stellen Nachwuchskünstler ihre Werke zum Verkauf dar.

...ausgefallenes Design...

…ausgefallenes Design…was mag da nur vor sich gehen…
(Foto: Frank Pevec)

...verkauft werden dort Schuhe...

…verkauft werden dort Schuhe…

Gleich nebenan beginnt die quirlige Fußgängerzone, in der auf etlichen kleineren Plätzen am Wochenende bis in den Abend etlche Live-Darbietungen, Musik oder Tanz oder…. zu sehen sind. Teilweise finden auch recht auffällige Werbekampagnen statt.

Haus zu verschenken?

Haus zu verschenken? (Foto: Frank Pevec)

Big Present (Foto: Frank Pevec)

Big Present (Foto: Frank Pevec)

Dies nur einige auffällige erste Eindrücke unter vielen, genau dies macht den Reiz von Hsimending aus: die absolute Reizüberflutung, sei es akustisch oder visuell, ständig treffen unterschiedlichste Dinge aufeinander.

Eines nicht vergessen: nach dem Essen noch in eines der großen Karaoke-Häuser gehen und seine Lieblingshits zum Besten geben – englische Versionen sind ebenfalls vorhanden.

 Hsimending Karaoke Paradise (Foto: Frank Pevec)

Karaoke Paradise (Foto: Frank Pevec)

Autor: Frank Pevec

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