Das Laternenfest in Taipei bei Tag

Am Montag den 6. Februar 2012 findet das diesjährige Laternenfest statt. Es ist nach dem chinesischen Mondkalender der 15. Tag des neuen Jahres und schliesst die Feierlichkeiten zum Chinesischen Neujahr oder Frühlingsfest ab. Zwar findet in Taiwan das Hauptlaternenfest jedes Jahr an einem anderen Ort statt, doch natürlich haben auch die anderen Städte und Orte immer ein Laternenfest, mal größer mal kleiner. So auch die Stadt Taipei, und zwar findet es in der Gegend um die Sun-Yat-Sen Gedenkstätte und dem Rathaus von Taipei statt. Dazu werden unzählige Laternen in verschiedenen Größen und Formen aufgestellt und es gibt auch die eine oder andere Aktivität oder Vorführung. Damit auch möglichst viele Menschen möglichst lange etwas von dem Laternenfest haben, dauert es an vielen Orten etwa zwei Wochen und beginnt oft schon einige Tage vor dem eigentlichen Tag des Laternenfestes. Und so hatte ich schon vorher die Möglichkeit einmal während des Tages zwischen den Laternen umherzuspazieren. Natürlich sind bei Nacht die Effekt wirkungsvoller, aber immerhin hatte ich so etwas Platz, um überhaupt nah genug an die Laternen heranzukommen, was am Abend dann doch schwieriger wird. Die Laternen haben traditionell die Formen von Göttern, Sagengestalten, Helden, symbolträchtigen Tieren und natürlich auch der chinesischen Tierkreiszeichen, wobei das Tierkreiszeichen des jeweiligen Jahres dominiert. D.h. in diesem Jahr der Drachen. Aber auch moderne Figuren, wie Comicfiguren haben heutzutage ihren Platz während des Festes. So gab es diese Motive natürlich auch alle in Taipei zu sehen. Hier nun also ein paar Eindrücke.

Aladins Lampengeist begrüsst die Besucher

Aladins Lampengeist begrüsst die Besucher

Kein Drache - sondern ein Qilin (麒麟), ein anderes Fabelwesen

Kein Drache - sondern ein Qilin (麒麟), ein anderes Fabelwesen

Die Götter des Wohlstands in moderner Ausführung

Die Götter des Wohlstands in moderner Ausführung

Moderne Comic/Weltalllaternen

Moderne Comic/Weltalllaternen

Das schöne Wetter hat hunderte von Interessierten zur Sun-Yat-Sen Gedenkstätte gelockt, um die Laternen zu bewundern

Das schöne Wetter hat hunderte von Interessierten zur Sun-Yat-Sen Gedenkstätte gelockt, um die Laternen zu bewundern

Auch die Gänge der Gedenkstätte sind mit Laternen geschmückt

Auch die Gänge der Gedenkstätte sind mit Laternen geschmückt

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Laternen eines Mittelschulwettbewerbs

Die Hauptlaterne des Taipeier Laternenfestes - natürlich ein Drache

Die Hauptlaterne des Taipeier Laternenfestes - natürlich ein Drache, der sich nicht nur drehen, sondern auch seinen Mund bewegen kann

Auch am Tag gibt der Drache alles - eine Wassershow

Auch am Tag gibt der Drache alles - eine Wassershow

Diese Laternen sind unverkennlich vom Unternehmen Tatung gesponsort

Diese Laternen sind unverkennlich vom Unternehmen Tatung gesponsort

Hier die Götter des Wohlstandes in einer eher klassischen Aufmachung

Hier die Götter des Wohlstandes in einer eher klassischen Aufmachung

Karpfen tanzen vor dem Taipei 101

Karpfen tanzen vor dem Taipei 101

Der fliegende Drache...

Der fliegende Drache...

...und der tanzende Phönix

...und der tanzende Phönix

Der Drache auf den neun Karpfen

Der Drache auf den neun Karpfen

Noch ein Drache

Noch ein Drache

Mazu darf natürlich auch nicht fehlen

Mazu darf natürlich auch nicht fehlen

Bewacht von einigen Göttern

Bewacht von einigen Göttern

Von Ilon Huang

Ein kulinarisches Klo-Erlebnis

Hier kann die Sitzung schon mal etwas länger dauern

Was ist das: ein Dutzend Menschen sitzt gemeinsam auf der Toilette und lässt es sich schmecken?
Nein, das ist kein Scherz, sondern eine ausgefallene Restaurant-Idee in Taipeh. Das Themenrestaurant “Modern Toilet” hat sich ganz der Toilette verschrieben. Passenderweise findet sich, wenn auch nach einigem Suchen, eine der Filialen in Xīméntīng (西門町) – dort wo das grelle Plastik-Herz der Jugendkultur schlägt.

Eine überdimensionale Toilettenschüssel an der Hauswand weist den Weg

Statt auf Stühlen sitzen die Gäste im “Modern Toilet Restaurant” auf bunt verzierten Toilettenschüsseln – mit geschlossenen Deckeln. Auch die Inneneinrichtung hält sich strikt ans Klo-Konzept: Die Wände sind bunt gefliest, als Tisch wird mal eine Badewanne, mal ein Waschbecken zweckentfremdet. Die Lampenschirme türmen sich in Form von Fäkalien-Häufchen, während Duschvorhänge als Raumteiler dienen. Und an den Wänden sind Duschköpfe montiert.

Badezimmer-Interieur bis ins kleinste Detail. Der Gast hinten rechts verlässt gerade die "wirkliche" Toilette

Die Kellner bitten ohne eine Mine zu verziehen zum Dinner à la latrine. Das Curry oder Huhn wird dabei stilecht in Mini-Toilettenschüsseln serviert. Auch die Suppe wird direkt aus dem Klo gelöffelt. Gratiniertes kommt in der Badewanne auf den Tisch, beziehungsweise auf’s Waschbecken. Snacks futtert der Gast bei der Thronbesteigung aus kleinen Hocktoiletten. Durstig? Dann nehmen Sie doch einen Schluck, wahlweise aus dem Pissoir oder dem Plastik-Urinal. Letzteres kann dann auch als Souvenir mit nach Hause genommen werden.

Menü à la latrine: gemischtes Gemüse in der Kloschüssel, Suppe, Reis und unter einem dekorativen Häufchen versteckter Salat

Der Hauptgang - kein kompletter Griff ins Klo

 

 

 

 

 

 

 

 
Highlight ist und bleibt aber der Nachtisch. Gleichzeitig die Spezialität des Hauses: ein Häufchen Schokoladen-Eis, serviert in der Mini-Kloschüssel. Auch die Namen der Desserts sind, nennen wir es, themengerecht: es gibt “Durchfall mit getrocknetem Kot” (Schokolade), aus Erdeergeschmack wird “blutiger Ah” und das Kiwi-Eis nennt sich “grüne Diarrhoe”.

Schokoaldeneis - was sonst?!

Eiscreme aus Papier-Hockklos war auch das erste Gericht überhaupt  auf der Klo-Karte. Dieser Gag aus den Anfangstagen wurde schnell erfolgreich und im Mai 2004 öffnete das erste Restaurant in Taipeh seine Klotüren. Damals noch unter dem Namen “Marton Restaurant” (nach mǎtǒng 馬桶 für Toilette). Inhaber Wang Ziwei, jetzt Anfang 30, wurde damals vom japanischen Manga “Dr. Slump” inspiriert. Dessen Hauptcharakter Senbei Norimaki findet Gefallen daran mit seinem großen Geschäft zu spielen. (Jener Senbei Norikami machte seiner Auserwählten einst gar einen Heiratsantrag, während diese auf der Toilette saß.)

Für das Klo-Restaurant hat Wang sogar seinen Job als Banker aufgegeben. Nach und nach entwickelte sich eine umfangreiche Speisekarte. 2006 folgte dann die Umbenennung in “Modern Toilet Restaurant”. Mittlerweile sind die Plätze dort so beliebt, dass an den Wochenenden keine Reservierungen angenommen werden.

Die modernen Toiletten sind gut besucht

Was das Ganze soll? “Wir wollen schockieren und die Sinne verwirren”, sagte Manager Chen Min-kuang dem Magazin Time. Wenn man so will, führt das Themenrestaurant chinesische Tradition fort: Schließlich hat man bereits im Grab eines Kaisers der westlichen Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.) eine Toilette gefunden. Ausserdem gelten die Chinesen als Erfinder des Toilettenpapiers.

Die Restaurants zum auf die Toilette gehen machen an den Grenzen der taiwanischen Hauptstadt längst nicht Halt. Mittlerweile gibt es etwa ein Dutzend “moderner Toiletten” auf der ganzen Insel. Außerdem kann man das kulinarische Kloerlebnis auch in Hong Kong und Shenzhen genießen. Die WC-Expansion in andere Teile Asiens, etwa Macau oder Kuala Lumpur, ist geplant.

Selbst die funktionstüchtigen Waschbecken sind hier umfunktionierte Toilettenschüsseln

Und wie schmeckt’s denn nun auf der Toilette? Kein kompletter Griff ins Klo, es wartet aber auch keine kulinarische Offenbarung. Für 200 NT$, also rund 5 Euro, aufwärts gibt es Nudeln, Gratin oder hotpot, Tee und Eis inklusive. Vorallem Kinder und Junggebliebene haben ihren Spaß.
Besitzer Wang hat es so zusammengefasst: “Unser Essen ist so gut wie in jedem beliebigen anderen Restaurant. Aber wir verkaufen nicht nur Essen, sondern auch Lachen und zusätzlichen Spaß.”

http://www.moderntoilet.com.tw/en/about.asp


von Manon Priebe

Taiwans Designer-Nachwuchs

Designer-Nachwuchs  in Taiwan

Produzierte Taiwan in den 70er und 80er Jahren meist nur für andere, ist man seit gut 15 Jahren bestrebt, die Entwicklung eigener Marken voranzutreiben, welches höhere Gewinnmargen verspricht. Mittlerweile sind Markennamen wie Giant, Acer und Asus den meisten in etlichen westlichen Ländern ein Begriff.

Diese Entwicklung haben auch Taiwans Wirtschaftsplaner erkannt und arbeiten an der Profilierung eines eigenen Images für Taiwan. Waren aus Taiwan werden mittlerweile verstärkt als „MIT“-Produkte (Made in Taiwan) vorrangig auf dem chinesischen Markt, dem größten Absatzgebiet Taiwans, vertrieben.

Eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer eigenen Marke, dem Branding, kommt dem Design zu und wird von Taiwans Regierung verstärkt gefördert. Zum 100. Jahrestag der Republik China, Taiwans offizielle Bezeichnung, wurde das Jahr 2011 zum Jahr des Design erklärt. Die Topveranstaltung in diesem Jahr wird der „2011 IDA Congress Taipei“  sein, der Kongress der International Design Alliance, die globale Megaveranstaltung der Designwelt. Der IDA-Kongress findet vom 24.- 25. Oktober in Taipei statt.

Auf der Yodex 2011,  der Designernachwuchsmesse, wurde in diesem Jahr erstmals die Preisverleihung für den „iF concept design award“  verliehen.

iF concept design award erstmals in Taipei (Foto: Frank Pevec)

Das die Auszeichnung in Taiwan stattfand, hatte, wie Anna Reissert vom „iF Design Forum“ sagte, einen ganz einfachen Grund: es kämen regelmäßig so viele Gewinner aus Asien und speziell Taiwan, dass man ihnen auch einmal die Gelegenheit geben  wollte, ihre Gewinne persönlich entgegen zu nehmen.

Taiwans Jungdesigner waren stark vertreten

Insgesamt gingen über 8000 studentische Design-Entwürfe aus 52 Ländern beim if-Nachwuchswettbewerb  ins Rennen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Eingereicht wurden sogar über 10.000 Arbeiten, die aber nicht alle den formalen Anforderungen entsprachen.

In einem ersten Selektionsschritt wurden 300 der 8000 Beiträge von internationalen Fachleuten aus Forschung und Praxis ausgewählt. In der zweiten Runde wählte dann eine Expertenjury die „Best 100“,  30.000 EUR Preisgeld für die zwölf Besten sorgte bei ihnen für extra hohe Freudensprünge.

Dreifache Auszeichnung

An Taiwans Nachwuchsdesigner wurden 31 von 100 Preisen vergeben, die Insel war damit überproportional präsentiert und stellte locker den großen Bruder vom Festland in den Schatten, der 15 mal ausgezeichnet wurde. Südkorea war mit 24 Platzierungen unter den besten 100 ebenfalls sehr stark vertreten, die drei Länder errangen mit 70 Auszeichnungen das Gros der Preise.

Von den 12 mit Toppreisen ausgezeichneten Designern kamen 5 aus Taiwan.

Mit 5.000 Euro ausgezeichnet wurde die Arbeit von I Jui Lee von der National Cheng Kung University in Tainan Er wurde für seinen  „Pen ruler“, einen Stift zum Maß nehmen für Schneider mit einem Preis bedacht .

Pen Ruler - Maß nehmen auf die moderne Art (Photo: iF Design Forum)

Der Stift erleichtert das exakte Maßnehmen und beugt Fehlern beim Zusammenrechnen vor.  Statt eines Maßbandes rollt man mit dem Stift die Strecke oder auch Person ab , der Stift rechnet dann alle Daten zusammen.

Ebenfalls mit 5000 Euro ausgezeichnet wurde der „Parking Guide“  von Huang Shao-Heng, Wang Shou-Yu, Shih Chang-Chi, drei Studenten der Tatung University aus Taipei.

Alles easy im Parkhaus der Zukunft (Photo: iF Design Forum)

Der dahinterstehende pragmatische Gedanke gefällt mir dabei besonders gut. Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man sich bei der Einfahrt in eine größeres Parkhaus befindet: enge Wege, unübersichtlich, meist voll, mehrere Stockwerke…und wo ist jetzt noch etwas frei? Zeitraubendes Herumkurven bei höchster Wachsamkeit. Dies dürfte in Zukunft anders werden. Das mit einem Chip versehene elektronische Ticket zeigt einem den nächsten freien Parkplatz an. Das schönste: bei Rückkehr, egal von welchem Eingang, wird auch der Standort des Wagens angezeigt. Kein lästiges Suchen und Orientieren, es dürfte im Parkhaus deutlich entspannter werden –  und dies bei besserer Luft.

Besser zu Fuß (Foto: iF Design Forum)

Mit 3000 Euro wurde der Beitrag von Cheng-Tsung Feng, Yu-Ting Cheng von der  National Taiwan University of Science and Technology  in Taipei

belohnt. Sie erfanden einen „Balance Stick“, einen Gehstock, ein „Stehaufmännchen“, der jederzeit losgelassen werden kann, ohne dass er umfällt. Kein lästiges Bücken nach der Gehhilfe, die zweite Hand damit immer frei. Ergonomisch unterstützt er auch den Gehprozess und erleichtert das Treppensteigen. Erleichterung für viele ist vorprogrammiert, beste Geschäftschancen angesichts der weltweiten Alterung.

Pflanzen zum Aufkleben (Foto: iF Design Forum)

Mit 1000 Euro wurde der Entwurf von Fang-Yi Lin, Jyun-Kuan Wu, Rong-Jin Liang von der      Ling-Tung University in Taichung prämiiert. Ihr Idee: Pflanzen zum Aufkleben. Ein bereits Samen und Nährstoffe enthaltener Klebesticker, eine Art Textilfaser, die auf Wände oder Fliesen geklebt werden kann. Regelmäßig feucht halten und es fängt an zu sprießen.

Integrierter Handtrockner (Foto: iF Design Forum)

Ein weiterer der Toppreise wurde an Chun-Chieh Chang, Wan-Hua Tsai von der National

Taipei  University of Technology, in Taipei vergeben. Er entwickelte ein Waschbecken für öffentliche Toiletten mit integriertem Händetrockner. Kein Umherlaufen mit nassen Händen, feuchte, rutschige Böden dürften damit der Vergangenheit angehören.

Auf der Yodex stellten Designer von 102 Universitäten ihre Abschlussarbeiten dar.  Schon beim Begleitprogramm der Preisverleihung war das kreative Potential nicht zu übersehen.

Gewagt bis ausgefallene Kollektionen (Foto: Frank Pevec)

Ultimative Farben (Foto: Frank Pevec)

...bei größtmöglichem Stilspektrum... (Foto: Frank Pevec)

Etliche Design-Studenten zeigten sich rege interessiert und holten sich Anregungen bei den dargestellten Abschlußarbeiten des Design-Nachwuchses.

...digitale Themen... (Foto: Frank Pevec)

Neo-Mingzeitlicher Büromöbel-Pop (Foto: Frank Pevec)

Victims of the Ruthless Beauty - Ermahnung an die Mode- und Schönheitsindustrie zur Einhaltung des Tierschutzes (Foto: Frank Pevec)

...gewagtes Spiel der Widersprüche ...(Foto: Frank Pevec)

...die Paul Gautier - Ausstellung in Taipei hinterließ Wirkung (Foto: Frank Pevec)

...traditionelle Papierschnittkunst...

...im Alltag einsetzbar...(Foto: Frank Pevec)

die neuzeitliche Ausprägung: Psychedelic Fan (Foto: Frank Pevec)

Fazit: ein Fest der Fantasie , wir kommen wieder!

Autor: Frank Pevec