Ein Schüleraustausch zwischen Taipei und Bad Urach

Ein Schüleraustausch zwischen einer deutschen und einer taiwanischen Schule ist wohl relativ selten. Zwar habe ich schon öfter den einen oder anderen einzelnen Austauschschüler aus Deutschland hier in Taiwan kennengelernt, doch dabei handelte es sich immer lediglich um einen Individualaustausch. Umso erfreuter war ich, als ich von einem offiziellen Schüleraustausch zwischen dem Graf-Eberhard-Gymnasium aus Bad Urach und den taiwanischen Oberschulen Taipei First Girls‘ High School (臺北市立第一女子高級中學) und Taipei Municipal Chien Kuo High School (臺北市立建國高級中學) erfuhr.

Gespannt warten alle auf die Rede des Programmmanagers

Gespannt warten alle auf die Rede des Programmmanagers

Sogleich machte ich mich daran, die Möglichkeit für Interviews zu untersuchen und ich hatte Glück. Nach ein paar E-Mails mit Frau Sabine Müller vom Graf-Eberhard-Gymnasium und Frau Chang Yi-wei von der Taipei First Girls‘ High School gelang es uns, während des Aufenthaltes des Graf-Eberhard-Gymnasiums in Taipei einen Besuch der Schulen bei Radio Taiwan International zu organisieren.

Mentale Vorbereitung auf die Interviews

Mentale Vorbereitung auf die Interviews

So konnten wir die etwa 40 SchülerInnen aller drei Schulen unter der Leitung der LehrerInnen Frau Sabine Müller, Frau Eva Zick und Frau Judith Huff vom Graf-Eberhard-Gymnasium und Frau Chang Yi-wei und Herr Xie von der Taipei First Girls‘ High School am Dienstag, den 6. November bei RTI zu begrüssen.

Der Gastgeber träumt nicht, sondern konzentriert sich.

Der Gastgeber träumt nicht, sondern konzentriert sich.

Dieser Besuches gab nicht nur unserem Programmmanager die Chance, eine Rede zu halten, sondern uns auch die Möglichkeit, RTI und die Deutschredaktion vorzustellen. Und natürlich mussten Lehrer und Schüler aller drei Schulen Interviews geben.

Hier ist er wieder hellwach. Und Platz ist im kleinsten Studio

Hier ist er wieder hellwach mit Herrn Hsieh und Frau Chang. Und Platz ist im kleinsten Studio

Diese Interviews waren für mich jedenfalls sehr interessant und spannend, insbesondere weil sie zeigten, dass sich sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen der beteiligten Schulen viele Gedanken über den Austausch und dessen Sinn gemacht haben.

Das Schullied der Chien Kuo High School (臺北市立建國高級中學)

Das Schullied der Chien Kuo High School (臺北市立建國高級中學)

Beide Seiten berichteten dabei von einigen für mich teilweise doch überraschende Beobachtungen und Erfahrungen. Es hat uns sehr viel Spass gemacht, die Lehrer und Schüler zu empfangen und wir hoffen natürlich, dass auch einiges Interessantes für unsere Gäste dabei war.

In der Mensa von RTI

In der Mensa von RTI

Wer mehr über diesen Schüleraustausch, der seit 2010 existiert, erfahren möchte und darüber, was LehrerInnen und SchülerInnen beider Länder während dieses Austausches beobachtet und gelernt haben, sollte sich die folgenden Termine merken:

Samstag, 10. November 2012 in Profile der Taiwaner – Interview mit den Lehrerinnen des Graf-Eberhard-Gymnasiums

Dieses Interview ist nun hier verfügbar:

Sonntag, 11. November 2012 im SonntagsmagazinInterview mit SchülerInnen des Graf-Eberhard-Gymnasiums

Dieses Interview ist nun hier verfügbar:

Samstag, 17. November 2012 in Profile der TaiwanerInterview mit den LehrerInnen der Taipei First Girls‘ Oberschule

Dieses Interview ist hier schon in der Orginalfassung (Chinese Version/Teachers) verfügbar (die deutsche Fassung wird nach der Erstaustrahlung verfügbar sein):

Hier nun die deutsche (synchronisierte) Fassung:

Sonntag, 18. November 2012 im SonntagsmagazinInterview mit SchülerInnen der Taipei First Girls‘ und Taipei Municipal Chien Kuo Oberschulen

Dieses Interview ist hier schon in der Orginalfassung (Chinese Version/Students) verfügbar (die deutsche Fassung wird nach der Erstaustrahlung verfügbar sein):

Hier nun die deutsche (synchronisierte) Fassung:

In den Interviews kamen Themen wie Unterschiede im Familienleben, in der Schule oder im Freizeitverhalten zur Sprache, aber auch was die LehrerInnen und SchülerInnen im jeweils anderen Land am stärksten beeindruckt hat.

Von Ilon Huang

Fotos von Ilon Huang, RTI

Unsere Redaktionsleiterin Chiu Bihui führt durch das RTI-Museum

Unsere Redaktionsleiterin Chiu Bihui führt durch das RTI-Museum

(Fast) alle SchülerInnen und Lehrerinnen des Graf-Eberhard Gymnasiums

(Fast) alle AustauschschülerInnen und Lehrerinnen des Graf-Eberhard Gymnasiums

Beim anschliessenden Besuch des Taipeier Konfuziustempels

Beim anschliessenden Besuch des Taipeier Konfuziustempels

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Eine Reise nach Zentralasien – Bilder von Cecilia Hung

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er viel zu erzählen, aber Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Und Cecilia Hung  (洪滋敏) hat nicht nur viel zu erzählen von einer unglaublichen Reise, sondern als Fotokünstlerin hat sie unglaubliche Bilder mitgebracht, mit denen sie ihre Reise dokumentiert. Cecilia Hung, gerade erst am Ende ihrer Collegezeit, ist im Jahr 2011 vier Monate lang durch Zentralasien gereist – allein.

Cecilia Hung in Zentralasien

Cecilia Hung in Zentralasien

Als Fotokünstlerin hat sie auf dieser Reise selbstverständlich eine Vielzahl von Fotos mitgebracht, von denen sie 28 ausgesucht und in ihrer ersten persönlichen Bilderausstellung gezeigt hat.

Cecilia Hung vor der handgemachten Karte, die die von ihr bereisten Länder zeigt

Cecilia Hung vor der handgemachten Karte, die die von ihr bereisten Länder zeigt

Ich hatte das Glück, sowohl Cecilia Hungs Ausstellung zu besuchen als auch ein Gespräch mit ihr führen zu können.
Das Gespräch mit Cecilia Hung, in dem sie von ihrer Reise, von den Herausforderungen bei der ersten eigenen Fotoausstellung und ihrem Plan, in Berlin zu studieren, erzählt, wird natürlich auf RTI zu hören sein:

Teil 1, in Profile der Taiwaner, am Samstag, den 17. März

Teil 2, in Profile der Taiwaner, am Samstag, den 24. März

Und natürlich hier eine Auswahl der Werke, die in der Ausstellung gezeigt wurden:

Die Einladung

Die Einladung zur Ausstellung

Die Galerie

Die Galerie

Es gab zahlreiche Kommentare und Glückwünsche zur Fotoausstellung

Es gab zahlreiche Kommentare und Glückwünsche zur Fotoausstellung

Mehr Bilder kann man hier finden:

http://hom1022.blogspot.com/search?updated-min=2011-01-01T00:00:00-08:00&updated-max=2012-01-01T00:00:00-08:00&max-results=15

Von Ilon Huang

Fotos von Cecilia Hung (洪滋敏)

Kunst auf Wänden von Hsieh Tsan Yu aus Taiwan

Der 25jährige Hsieh Tsan Yu  ist mit 17 Jahren alleine aus Taiwan nach Deutschland gegangen, um Kunst zu studieren. Zur Zeit studiert er an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft bei Bonn. Er ist vor allem bekannt für seine Wandbilder.

Eines seiner bekanntesten Werke sind die Wandmalereien in der Poppelsdorfer Mensa der Bonner Universität.

Hsieh Tsan Yu und seine Wandmalereien sind mittlerweile schon bekannt geworden. Mehrere Medien bereichteten über den Künstler und seine Werke, darunter der Spiegel und der Bonner General Anzeiger.

Chiu Bihui hat in Bonn mit Hsieh Tsan Yu gesprochen:
mehr in „Taipei Magazin“ am Montag, den 2. Januar 2012   
bei Radio Taiwan International 

Interview als mp3-Datei  

 Hier einige Fotos von Hsieh Tsan Yu und seinen Werken:

Taiwaner vs. ´der, die, das´

Deutsche Sprache – schwere Sprache? Selbst wenn dieses Gerücht stimmen sollte, hält es weltweit ungefähr 15 Millionen Menschen nicht davon ab, Deutsch als Fremdsprache zu lernen.
Wer sich in Taiwans Hauptstadt als Nicht-Muttersprachler mit deutschen Konjugationen und Konjunktionen herumschlagen möchte, für den ist das Goethe-Institut in der Heping West Road eine gute Adresse.

Goethe-Institute gibt es auf der ganzen Welt. Sie präsentieren weltweit das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben Deutschlands. So will die Bundesregierung die internationale kulturelle Zusammenarbeit pflegen und vor allem die deutsche Sprache im Ausland fördern.

Weitere Infos: http://www.goethe.de/ins/cn/tai/lrn/deindex.htm

Ingrid Kao ist Leiterin der Spracharbeit am Goethe-Institut. Quelle: http://www.goethe.de/ins/cn/tai/uun/mit/sdl/cnindex.htm

Am Goethe-Institut in Taipehs Südwesten haben in den vergangenen 45 Jahren über
40 000 Personen Deutsch gebüffelt. Leiterin der Spracharbeit ist Ingrid Kao. Ihre momentan etwa 1 500 Schüler lernen aufgeteilt in sechs Schwierigkeitsstufen:
A1, A2, B1, B2, C1 und C3.
Im Anfänger-Kurs A1 lernt man Zahlen und Uhrzeiten, sowie einfache Fragen und Schilder zu verstehen. Nach Stufe B können die Schüler Diskussionen führen, Radiosendungen verstehen und Texte zu komplexen Sachverhalten schreiben. Ein echter Experte ist, wer die C-Stufe abgeschlossen hat. In der Beschreibung auf der Goethe-Homepage heißt das: “Kann praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos verstehen.”

Ein Kurs – 48 mal 45 Minuten – kostet 6000 Taiwan-Dollar, also etwa 150 Euro. Den Unterricht geben derzeit etwa 20 Lehrer. Ein Drittel davon sind deutsche Muttersprachler. Zwei Drittel sind Taiwaner, die in Deutschland studiert haben.

Und wer lernt Deutsch? „Vorallem Berufstätige und Studenten“, sagt Ingrid Kao. Viele wollen in Deutschland weiterstudieren – doch dafür müssen sie ausreichend Deutsch können. Momentan studieren schon etwa 1500 Taiwaner in Deutschland. Besonders beliebt sind Kunst- und Musikhochschulen. Aber auch Germanistikstudenten und Juristen aus Taiwan sind an deutschen Unis eingeschrieben. Studenten der Natur- und Ingenieurwissenschaften ziehen nach.

Doch nicht, dass der Eindruck entsteht, alle taiwanischen Studenten seien Sprach-Streber. Denn längst nicht alle lernen Deutsch des Studiums wegen. Ingrid Kao hat die Beobachtung gemacht, dass immer mehr junge Taiwaner Deutsch zum Spaß lernen! Auch, um besser für eine Reise nach Deutschland gerüstet zu sein.

Ingrid Kaos jüngster Deutsch-Fan war gerade mal acht Jahre alt. Als er wegen seines zu jungen Alters am am Goethe-Institut abgewiesen wurde, hat er einfach privat Deutsch gelernt. Zwei Jahre später hat er wieder bei Frau Kao angeklopft, mit Vater und Tante im Schlepptau. Beide mussten Überzeugungsarbeit leisten, letzten Endes aber mit Erfolg: der Junge wurde am Goethe-Institut genommen.

In der Regel müssen die Deutsch-Lerner mindestens 16 Jahre alt sein. Früher lag die Grenze noch bei 18 Jahren, erzählt Ingrid Kao. Abgesenkt wurde sie, weil immer mehr Schüler kamen, wenn sie auf eine höhere Schule gewechselt waren und dort Deutsch nicht mehr angeboten wurde..

Die Sprachkurse sind straff nach Lehrbuch organisiert. Im Konversations-Kurs, den Praktikantin Silva (25) gibt, geht es hingegen lockerer zu. Hier plaudert etwa ein Dutzend Taiwaner im Alter von 15 bis 45 Jahren miteinander. Sie tauschen sich mit Silva über Deutschland und Taiwan aus und trainieren so ihr Deutsch fast nebenbei. Auffällig ist, wie gut mancher Schüler schon nach kurzer Zeit Deutsch sprechen kann.
Vielleicht deswegen, weil sie nicht nur die Sprache lernen, sondern sich auch für Deutschland im Allgemeinen interessieren.

Chou Haowei, 25, aus Zentraltaiwan findet zum Beispiel die Landschaft in Deutschland “sehr schön”. Und welche Deutsche kennt er? “Kanzlerin Angela Merkel und den Wissenschaftler Albert Einstein.”

Luo Shixuan ,25, nennt sich Peter und kommt aus Taizhong. Er ist begeistert von der deutschen Kultur und kennt sich mit der neueren deutschen Gechichte aus. Peter hat viele Freunde aus Deutschland: “Den Film ´Das Leben der Anderen´ finde ich wunderbar, Currywurst und Pommes sind sehr lecker und die Stimmung in Berlin ist fantastisch!”Als er in Prag studiert hat, hatte er deutsche Mitbewohner. Er wollte unbedingt verstehen, was sie  sagten; also begann Peter Deutsch zu lernen.

Geigerin Yvonne Chui, 20, hingegen hat erst die Musik von Beethoven und Mozart lieben gelernt, bevor sie auch Gefallen an der deutschen Sprache fand. Auch nach zwei Jahren sagt sie noch: “Deutsch macht viel Spaß!”

Dennoch finden fast alle hier die Grammatik schwer, vor allem die Artikel bereiten Kopfzerbrechen. “Wie könnt ihr Deutschen euch das merken? Der, die das!?” fragt Peter ungläubig. Erntet er daraufhin von einem Muttersprachler nur Schulterzucken, macht das den ehrgeizigen Schüler ein wenig wütend. Allerdings seien die grammatikalischen Stoplersteine nur halb so wild, wenn man vorher Englisch gelernt habe – findet jedenfalls Musterschüler Peter.

Während Englisch Pflichtfach in der Junior und Senior High School ist, fristet Deutsch das Dasein eines Orchideenfachs. 2010 lernten immerhin um die 3 000 Schüler Deutsch als zweite Fremdsprache. Das Schulfach wurde erst vor zehn Jahren eingeführt, mittlerweile wird es in 93 Klassen an 47 Schulen unterrichtet. Immerhin sechs taiwanische Unis verfügen über eine eigene Deutschabteilung, auch etliche andere Hochschulen bieten Deutschunterricht an. Das macht insgesamt etwa 4 200 Studenten. Weitere Möglichkeiten zum deutschlernen bieten private Sprachinstitute oder man engagiert einen Privatlehrer.

Hinzu kommen schätzungsweise 300 bis 400 besonders Eifrige, die sich Deutsch selbst beibringen – durchs radiohören.

von Manon Priebe

Taiwans Designer-Nachwuchs

Designer-Nachwuchs  in Taiwan

Produzierte Taiwan in den 70er und 80er Jahren meist nur für andere, ist man seit gut 15 Jahren bestrebt, die Entwicklung eigener Marken voranzutreiben, welches höhere Gewinnmargen verspricht. Mittlerweile sind Markennamen wie Giant, Acer und Asus den meisten in etlichen westlichen Ländern ein Begriff.

Diese Entwicklung haben auch Taiwans Wirtschaftsplaner erkannt und arbeiten an der Profilierung eines eigenen Images für Taiwan. Waren aus Taiwan werden mittlerweile verstärkt als „MIT“-Produkte (Made in Taiwan) vorrangig auf dem chinesischen Markt, dem größten Absatzgebiet Taiwans, vertrieben.

Eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer eigenen Marke, dem Branding, kommt dem Design zu und wird von Taiwans Regierung verstärkt gefördert. Zum 100. Jahrestag der Republik China, Taiwans offizielle Bezeichnung, wurde das Jahr 2011 zum Jahr des Design erklärt. Die Topveranstaltung in diesem Jahr wird der „2011 IDA Congress Taipei“  sein, der Kongress der International Design Alliance, die globale Megaveranstaltung der Designwelt. Der IDA-Kongress findet vom 24.- 25. Oktober in Taipei statt.

Auf der Yodex 2011,  der Designernachwuchsmesse, wurde in diesem Jahr erstmals die Preisverleihung für den „iF concept design award“  verliehen.

iF concept design award erstmals in Taipei (Foto: Frank Pevec)

Das die Auszeichnung in Taiwan stattfand, hatte, wie Anna Reissert vom „iF Design Forum“ sagte, einen ganz einfachen Grund: es kämen regelmäßig so viele Gewinner aus Asien und speziell Taiwan, dass man ihnen auch einmal die Gelegenheit geben  wollte, ihre Gewinne persönlich entgegen zu nehmen.

Taiwans Jungdesigner waren stark vertreten

Insgesamt gingen über 8000 studentische Design-Entwürfe aus 52 Ländern beim if-Nachwuchswettbewerb  ins Rennen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Eingereicht wurden sogar über 10.000 Arbeiten, die aber nicht alle den formalen Anforderungen entsprachen.

In einem ersten Selektionsschritt wurden 300 der 8000 Beiträge von internationalen Fachleuten aus Forschung und Praxis ausgewählt. In der zweiten Runde wählte dann eine Expertenjury die „Best 100“,  30.000 EUR Preisgeld für die zwölf Besten sorgte bei ihnen für extra hohe Freudensprünge.

Dreifache Auszeichnung

An Taiwans Nachwuchsdesigner wurden 31 von 100 Preisen vergeben, die Insel war damit überproportional präsentiert und stellte locker den großen Bruder vom Festland in den Schatten, der 15 mal ausgezeichnet wurde. Südkorea war mit 24 Platzierungen unter den besten 100 ebenfalls sehr stark vertreten, die drei Länder errangen mit 70 Auszeichnungen das Gros der Preise.

Von den 12 mit Toppreisen ausgezeichneten Designern kamen 5 aus Taiwan.

Mit 5.000 Euro ausgezeichnet wurde die Arbeit von I Jui Lee von der National Cheng Kung University in Tainan Er wurde für seinen  „Pen ruler“, einen Stift zum Maß nehmen für Schneider mit einem Preis bedacht .

Pen Ruler - Maß nehmen auf die moderne Art (Photo: iF Design Forum)

Der Stift erleichtert das exakte Maßnehmen und beugt Fehlern beim Zusammenrechnen vor.  Statt eines Maßbandes rollt man mit dem Stift die Strecke oder auch Person ab , der Stift rechnet dann alle Daten zusammen.

Ebenfalls mit 5000 Euro ausgezeichnet wurde der „Parking Guide“  von Huang Shao-Heng, Wang Shou-Yu, Shih Chang-Chi, drei Studenten der Tatung University aus Taipei.

Alles easy im Parkhaus der Zukunft (Photo: iF Design Forum)

Der dahinterstehende pragmatische Gedanke gefällt mir dabei besonders gut. Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man sich bei der Einfahrt in eine größeres Parkhaus befindet: enge Wege, unübersichtlich, meist voll, mehrere Stockwerke…und wo ist jetzt noch etwas frei? Zeitraubendes Herumkurven bei höchster Wachsamkeit. Dies dürfte in Zukunft anders werden. Das mit einem Chip versehene elektronische Ticket zeigt einem den nächsten freien Parkplatz an. Das schönste: bei Rückkehr, egal von welchem Eingang, wird auch der Standort des Wagens angezeigt. Kein lästiges Suchen und Orientieren, es dürfte im Parkhaus deutlich entspannter werden –  und dies bei besserer Luft.

Besser zu Fuß (Foto: iF Design Forum)

Mit 3000 Euro wurde der Beitrag von Cheng-Tsung Feng, Yu-Ting Cheng von der  National Taiwan University of Science and Technology  in Taipei

belohnt. Sie erfanden einen „Balance Stick“, einen Gehstock, ein „Stehaufmännchen“, der jederzeit losgelassen werden kann, ohne dass er umfällt. Kein lästiges Bücken nach der Gehhilfe, die zweite Hand damit immer frei. Ergonomisch unterstützt er auch den Gehprozess und erleichtert das Treppensteigen. Erleichterung für viele ist vorprogrammiert, beste Geschäftschancen angesichts der weltweiten Alterung.

Pflanzen zum Aufkleben (Foto: iF Design Forum)

Mit 1000 Euro wurde der Entwurf von Fang-Yi Lin, Jyun-Kuan Wu, Rong-Jin Liang von der      Ling-Tung University in Taichung prämiiert. Ihr Idee: Pflanzen zum Aufkleben. Ein bereits Samen und Nährstoffe enthaltener Klebesticker, eine Art Textilfaser, die auf Wände oder Fliesen geklebt werden kann. Regelmäßig feucht halten und es fängt an zu sprießen.

Integrierter Handtrockner (Foto: iF Design Forum)

Ein weiterer der Toppreise wurde an Chun-Chieh Chang, Wan-Hua Tsai von der National

Taipei  University of Technology, in Taipei vergeben. Er entwickelte ein Waschbecken für öffentliche Toiletten mit integriertem Händetrockner. Kein Umherlaufen mit nassen Händen, feuchte, rutschige Böden dürften damit der Vergangenheit angehören.

Auf der Yodex stellten Designer von 102 Universitäten ihre Abschlussarbeiten dar.  Schon beim Begleitprogramm der Preisverleihung war das kreative Potential nicht zu übersehen.

Gewagt bis ausgefallene Kollektionen (Foto: Frank Pevec)

Ultimative Farben (Foto: Frank Pevec)

...bei größtmöglichem Stilspektrum... (Foto: Frank Pevec)

Etliche Design-Studenten zeigten sich rege interessiert und holten sich Anregungen bei den dargestellten Abschlußarbeiten des Design-Nachwuchses.

...digitale Themen... (Foto: Frank Pevec)

Neo-Mingzeitlicher Büromöbel-Pop (Foto: Frank Pevec)

Victims of the Ruthless Beauty - Ermahnung an die Mode- und Schönheitsindustrie zur Einhaltung des Tierschutzes (Foto: Frank Pevec)

...gewagtes Spiel der Widersprüche ...(Foto: Frank Pevec)

...die Paul Gautier - Ausstellung in Taipei hinterließ Wirkung (Foto: Frank Pevec)

...traditionelle Papierschnittkunst...

...im Alltag einsetzbar...(Foto: Frank Pevec)

die neuzeitliche Ausprägung: Psychedelic Fan (Foto: Frank Pevec)

Fazit: ein Fest der Fantasie , wir kommen wieder!

Autor: Frank Pevec

Neuzugang in der deutschen Redaktion

 

Am 12ten Februar, dem Samstag letzter Woche, bin ich nach vierzehnstündiger Reise und einem Aufenthalt am Seouler Incheon Flughafen, schluss endlich in Taipei angekommen. Ich bedeutet im diesem Falle Maurice Jones, der neue Praktikant in der deutschen Abteilung von Radio Taiwan International. Sieben Wochen lang werde ich am journalistischen Alltag teilnehmen und die Redaktion tatkräftig unterstützen. Zur Zeit studiere ich Asienwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universtität in Bonn und lerne abgesehen von Geschichte, Kultur und Politik Ostasiens auch Japanisch und Chinesisch.

Der neue Praktikant im Selbstportrait

Mein Interesse am Journalismus wurde schon früh geweckt und so verfasste ich zu meiner Jugend schon den ein oder anderen Artikel für unsere Lokalzeitung. Nach dem Abitur habe ich mehrere Monate in Asien verbracht, unter anderem in Indien und Nepal und auf dem südostasiatischen Festland und natürlich auch fleißig Bericht erstattet.

Seit September 2010 engagiere ich mich im Rahmen eines Praktikums beim Bonner Campusradio radio96acht.de und so bekam ich einen ersten Einblick in den Radiojournalismus. Die Arbeit beim von Studenten verwalteten Campusradio umfasst einen journalistischen Rundumschlag, von Produktion eigener Sendungen, über redaktionelle Arbeit, Reportertätigkeit bis hin zur Live-Moderation lernt man alle Bereiche eines Rundfunkbetriebes kennen.

Ich suchte daher nach einer Möglichkeit den Schwerpunkt meines Studiums mit meinem Interesse für den Journalismus zu verbinden und recherchierte nach Möglichkeiten dies zu erreichen. Durch einen Artikel der deutschen Wikipedia bin ich auf den taiwanischen Sender Radio Taiwan International gestoßen, genauer gesagt, auf dessen deutsche Redaktion. Journalistisch tätig zu sein, in einem fremden Land, dessen Sprache man lernt klang nach einer ausgezeichneten Gelegenheit.

Sofort habe ich mich an den Rechner gesetzt, ein Anschreiben abgetippt und inklusive Lebenslauf an die deutsche Redaktion geschickt. Große Hoffnung habe ich mir zunächst nicht gemacht, aber einen Versuch war es auf jeden Fall wert. Als dann nach regem E-mail-Verkehr die Zusage des Praktikums in mein Postfach flatterte, war ich natürlich hellauf begeistert. 

Auf dem Weg zu RTI - Bei An Road

Auch wenn man schon oft, die Anzeigetafel anstarrend und auf den Aufruf zum Boarding wartend, am Flughafen stand und sich aufgrund dessen eigentlich an das Unterwegs sein gewöhnt haben sollte, stieg die Spannung kurz vor Abflug doch wieder ins Unermessliche. Was erwartet einen, wie wird man aufgenommen, wird man eine Unterkunft finden, wie wird die Arbeit sein, sind die Gedanke, die mir zu dem Zeitpunkt durch den Kopf schossen.

Mehrere Bekannte aus Deutschland, die schon in Taiwan waren, zum Studieren, einen Sprachkurs zu absolvieren oder einfach nur zum Reisen, erzählten mir nur gutes über das Land und seine Bewohner. Ich war gespannt, ob sich dies auch bewahrheiten würde. Bis jetzt hat es das. Ich wurde freundlich und offenherzig, sowohl in der Redaktion, als auch in meiner Unterkunft empfangen.

Im Vergleich zu Taipei, wo alles ständig in Bewegung zu sein scheint, ist Bonn ein kleines, verschlafenes Provinzstädtchen. Genau diese Abwechslung habe ich mir auch erhofft, doch war ich am ersten Abend, den ich in Ximending verbrachte, etwas überwältigt von der Fülle der auf mich einprasselnden Eindrücke und Reize.

Taipei bei Nacht - Zhongxiao Road

Nach einem Semester des Studiums des Chinesischen sind meine Kenntnisse leider noch nicht so ausgeprägt, dass ich mehr als einen Kaffee oder etwas zu Essen bestellen, über mich und meine Familie erzählen oder meinen aktuellen Gemütszustand mitteilen kann. Diesem werde ich in den nächsten Wochen natürlich weiter entgegenwirken, in dem ich praktikumsbegleitend einen Sprachkurs absolvieren werde.

Insgesamt bin ich sehr gespannt wie die nächsten sieben Wochen verlaufen werden und top-motiviert jede Erfahrung, die mir auf dem Weg begegnen sollte, mit zunehmen. Über meinen weiteren Aufenthalt in Taipei werde ich in diesem Weblog natürlich weiter berichten.

Eine Radtour durch Taiwan

Mit dem Fahrrad Taiwan zu erkunden, bietet jede Menge interessante Eindrücke. Egal ob einfach am Fluss entlang oder durch die Berge Taiwans. Eine derartige Tour durch Taiwan hat in diesem Sommer Jan Duben aus Tschechien mit einigen seiner Freunde unternommen. Ich habe mich mit Jan Duben unterhalten, der mir seine Eindrücke und Erlebnisse beschrieben hat. Wenn Sie das Interview hören möchten, hören Sie doch am Montag, den 10. Januar in unser Programm rein, da wird der zweite Teil des Gespräches. Der erste Teil des Gespräches wurde schon am Montag, den 27. Dezember gesendet.  Haben Sie das Interview schon gehört und möchten noch einige bildliche Eindrücke gewinnen, dann sind sie auch richtig. Nochmal zum Nachlesen das Interview plus einiger Bilder, die Jan Duben uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Können Sie uns vielleicht zunächst den Trip einmal kurz beschreiben und zusammefassen? Und was hat Sie zu diesem Trip bewogen?

Jan Duben: Wir haben unseren Trip Mitte Juli durchgeführt. Ich war nicht allein, sondern mit sechs anderen Freunden. Wir waren eine internationale Gruppe bestehend aus fünf Tschechen, einem Mädchen aus Chile und einem Jungen aus der Schweiz. Daher fand unsere Kommunikation meistens auf English statt. Wir sind von Taipei aus gestartet und sind dann zunächst um den Norden Taiwans gefahren. Also Tamshui, Yeliu und dann Jiu Fen. Von dort sind wir dann weiter durch die Tarokko Schlucht, zum Sonne Mond See, bis zum Ali Shan.

Die Strecke

Die Strecke

Dann ging es weiter nach ChiaYi und von dort aus ging es in den Süden Taiwans. Im Süden haben wir dann Tainan, Kaoshiung und Kenting besucht. Und die letzte Strecke ging dann an der Ostküste entlang nach Taidong. Für eine kurze Strecke haben wir den Zug genommen, da wir ein kleines Problem mit den Rädern hatten. Aber über 90% der Strecke haben wir mit dem Rad zurückgelegt. Wir haben es im Prinzip eher gemütlich angehen lassen. Wir haben am Tag durchschnittlich etwa 70, 80 oder 90 Kilometers zurückgelegt. Insgesamt haben wir eine Strecke von etwas über 1200 Kilometern zurückgelegt und dafür haben wir zwei Wochen benötigt. Wir haben viele Stopps eingelegt und an zwei Tagen sind wir auch sehr wenig gefahren.

Nicht nur Radeln, auch Surfen gehörte zum Programm

Nicht nur Radeln, auch Surfen gehörte zum Programm

Stattdessen sind wir surfen gegangen. Denn der Zweck dieser Reise war nicht, einfach einen Kreis um Taiwan zu radeln und dann wieder zurück zu kommen. Sondern mein Hauptgrund war, meinen Freunden Taiwan vorzustellen.

Die Gruppe noch am Anfang ihrer Tour

Die Gruppe noch am Anfang ihrer Tour

Das ist auf jeden Fall keine einfache Strecke, da muss man erst mal auf die Idee kommen. Wie sind sie überhaupt auf die Idee gekommen?

Jan Duben: Das erste Mal kam in mir die Idee für diese Radtour auf, als ich einen Film gesehen habe. Über einen Jungen, der hörbehindert ist und mit einer Gitarre um Taiwan herumradelt. Dieser Film hat in Taiwan viel Begeisterung ausgelöst. Und auch bei mir. Als ich einmal auf meinem Scooter durch Taiwan gefahren bin, habe ich gedacht, es wäre schön, dies einmal mit dem Rad zu machen.

Der Film, den Jan Duben anspricht, heisst Island Etude oder der chinesische Originaltitel, Lian Xi Qu (練習曲). Tatsächlich, so sagt man, habe dieser Film vor 2-3 Jahren mit zu dem Fahrradboom in Taiwan beigetragen und tatsächlich auch viele Menschen dazu bewogen, Taiwan zu umradeln. Doch zurück zu Jans Radtour. Es bedarf sicherlich einiger Vorbereitungen, um eine solche Radtour durchzuführen. Vor allem, wenn man sie über zwei Wochen hinweg durchführt, bedarf es ja auch wohl einiger logistischer Planung, und wie sahen die körperlichen und geldtechnischen Vorbereitungen aus?

Trinken ist immer wichtig

Trinken ist immer wichtig

Jan Duben: Wenn ich mal mit dem Geld anfangen kann, denn das ist der einfachste Teil. Es war nämlich tatsächlich billiger, um die Insel zu radeln, als in Taipei zu bleiben. Wir haben nämlich Zelte mitgenommen und dann am Strand gezeltet, oder an einer passenden Stelle. Wir brauchten also kein Geld für das Übernachten, nur für das Essen. Die Fahrräder habe ich von Freunden ausleihen können, wie beispielsweise von Lynn DongLong. Diese Freunde waren so nett, mir diese Räder einfach so auszuleihen. Ich denke, es ist wichtig, gute Fahrräder zu haben, wenn man durch Taiwan fahren möchte. Wir haben uns nicht wirklich vorbereitet.

Am Eingang des Taroko Nationalparks

Am Eingang des Taroko Nationalparks

Wir haben einfach nur ab und zu Sport gemacht. Und was dann passierte, war, dass wir während der ersten 3 oder 4 Tage doch ziemlich müde waren, doch nach und nach fingen wir an, uns daran zu gewöhnen. Und ab dem 5. oder 6. Tag, als wir schon in der Tarokko Schlucht waren, waren wir dann schon in ziemlich guter Form und es wurde immer leichter und besser zu.

In der Taroko Schlucht

In der Taroko Schlucht

Wie sah ihr Tagesablauf aus? Hatten sie einen sehr strengen Tagesplan oder sind sie das ganze eher flexibel angegangen?

Jan Duben: Wir waren sehr flexibel. Der Hauptgrund war, wie ich schon sagte, Taiwan zu sehen und nicht, Kilometer abzureissen. Aber wir haben immer versucht, möglichst früh aufzustehen, so gegen 5, 5 Uhr 30 oder 6 Uhr. Denn während des Sommers ist die Sonne die Hauptsorge. Meine Freunde waren ja gerade erst aus Tschechien gekommen waren noch völlig weiß, also sie hatten noch keine Bräune. Und daher war auch Sonnenbrand eine unserer Sorgen. Also jeden Tag sind wir, sagen wir mal, um 6 Uhr aufgestanden, haben dann gefrühstückt und sind dann los gefahren. Zwischendurch haben wir vielleicht Tee gekauft und haben Halt gemacht, wenn es etwas Interessantes zu sehen gab. Gegen 12 haben wir dann unsere Mittagspause eingelegt.

Essen ist auch wichtig

Essen ist auch wichtig

Normalerweise haben wir es vermieden, zwischen 12 und 15 Uhr zu fahren. Wir haben uns entweder etwas angesehen oder uns einfach ausgeruht. Nach 15 Uhr sind wir dann wieder aufgebrochen und sind fast bis zum Dunkelwerden gefahren. Entweder haben wir einen Punkt erreicht, der uns interessierte, wie beispielsweise YeLiu, und haben dann dort übernachtet oder wir haben einfach einen günstigen Platz vielleicht am Strand ausgesucht, um dort zu übernachten. Mit günstig meine ich, wo man Wasser bekommt und sich duschen kann. Ein guter Platz sind beispielsweise auch Grundschulen. Die lassen einen gewöhnlicherweise dort übernachten und duschen. Die waren wirklich sehr nett. Ein andere Platz sind die Tempel.

Auch in Tempeln kann man uebernachten

Auch in Tempeln kann man uebernachten

Da muss man etwas bezahlen aber nicht viel. Wir haben pro Person etwa 100 Taiwandollar bezahlt. Man kann also auch in Tempeln übernachten. Eine Freundin von mir, die diesen Trip allein gemacht hat, erzählte, dass sie jede Nacht in Polizeistationen übernachtet habe. Aber das ist vielleicht ein spezieller Fall, weil sie ein Mädchen ist. Ich weiss nicht, ob das für jeden ginge. Aber wir hatten ja unsere Zelte dabei und so haben wir die meisten Nächte in den Zelten übernachtet. Ich hatte einen ungefähren Plan darüber, wo es jeden Tag hingehen soll, doch wir haben keinen festen 100% Reiseplan verfolgt.  

Sie haben auch einige Bergetappen beschrieben. Dabei handelte es sich nicht um kleine Hügel, sondern um ernsthafte Berge. Wie haben sie diese bewältigt?

Jan Duben: Es war, glaube ich, an unserem 5. oder 6. Tag. Wir waren schon in besserer Form als am Start. Wir sind in einem kleinen Dorf an der Küste aufgewacht und haben uns von da aus dann auf die erste Bergetappe gemacht. Es geht dann rauf auf 3200 Meter über dem Meeresspiegel, und unser Ziel war es, diese Etappe an einem Tag zu bewältigen. Die Länge der Strecke betrug etwa 80 Kilometer und es geht wirklich fast die ganze Zeit bergauf.

Es geht immer bergauf

Es geht immer bergauf

Aber wenn man es langsam angeht, dann schafft man es an einem Tag. Wir hatten ein kleines Problem, kurz vor dem Gipfel, also etwa 5 Kilometer davor. Einer meiner Freunde hatte einen Platten, und wir mussten den Reifen flicken. Das hat uns etwas zurückgeworfen, und als wir weiterfahren wollten, war es schon dunkel. Aber wir wollten nicht an dieser Stelle übernachten, denn dann hätten wir am nächsten Morgen gleich mit einer sehr schweren Steigung anfangen müssen.

In ueber 3000 Metern Hoehe

In ueber 3000 Metern Hoehe

Denn die letzten etwa 5 Kilometer vor dem Gipfel sind sehr steil. Daher haben wir uns dann dazu entschieden, die Räder zu schieben, damit wir noch am gleichen Tag den Gipfel erreichen konnten. Da haben wir dann in unseren Zelten übernachtet. Übrigens, wenn man auf einer Höhe von etwa 3000 Metern zeltet, ist es schon ziemlich kalt.

Das sieht kalt aus

Das sieht kalt aus

Da oben und auf dem AliShan waren die einzigen Orte, an denen wir etwas gefroren haben. Doch das gute war dann die Abfahrt. Es ging etwa 60 Kilometer immer bergab und man musste sich eigentlich gar nicht anstrengen. Es ist wirklich eine schöne Fahrt und man gelangt dann direkt an den Sonne Mond See. Und es ist wirklich ein wunderschöner Anblick, auf den See zuzufahren.

Sonnenaufgang über dem Sonne-Mond See

Sonnenaufgang über dem Sonne-Mond See

 Es war sonnig und wirklich schönes Wetter und alle waren glücklich und in guter Stimmung, denn wir hatten es geschafft. Am nächsten Tag sind wir wieder eine Bergetappe gefahren. Und zwar sind wir wieder auf etwa 2800 Meter hochgefahren, bis zu dem Punkt, an dem man die Wanderung zum Jade Berg beginnt. Wir haben dann da wieder übernachtet, um dann am nächsten Tag wieder runterzufahren. An dem Tag sind wir dann etwa 120 Kilometer gefahren, denn der erste Teil war wieder eine lange Strecke nur bergab bis in die Gegend um den Alishan.

Im Alishan Park

Im Alishan Park

Man kann dort übrigens Affen sehen und einige von uns hatten tatsächlich Glück und sahen auch einige Affen. Was ich noch anfügen möchte, wenn man wirklich jeden Tag Fahrrad fährt, dann gewöhnt man sich daran und man beginnt, es zu geniessen. Das ist der Punkt. Alle meine Freunde haben gesagt, dass sie es nach 5 oder 6 Tagen genossen haben. Auch wenn es in den ersten 2 oder 3 Tagen etwas schmerzvoll war.

Es geht wieder runter

Es geht wieder runter

Die Bergetappen haben Sie also ohne größere Probleme bewältigt. Aber gab es insgesamt irgendwelche größeren Probleme?

Jan Duben: Ich denke, unsere größten Probleme waren tatsächlich die platten Reifen. An einem Tag hatten wir 8 oder 9 Platten und wir hatten keinen Ersatzschlauch mehr. So mussten wir dann Flicken benutzen. An dem Tag haben wir dann den Zug nach Hualian genommen. Bzw wir haben die Gruppe aufgeteilt und eine Gruppe ist mit dem Zug nach Hualien gefahren, um einige Gegenstände zu kaufen, die wir brauchten. Wir befanden uns nämlich gerade in einem kleinen Dorf, in dem es gewisse Dinge, die wir brauchten, nicht zu kaufen gab. Aber wir hatten die meisten Werkzeuge usw. selber dabei und so war das eigentlich auch unser einziges größeres Problem.

Was waren die größten Herausforderungen während der Reise? Ich kann mir vorstellen, dass eine Gruppentour nicht immer einfach ist, auch wegen der Kommunikation.

Jan Duben: Ja, die Sprache war eine Herausforderung. Denn 5 von uns kommen aus Tschechien und so ist es für uns natürlich, dass wir uns auf Tschechisch unterhalten. Doch das wäre natürlich den anderen beiden gegenüber unhöflich gewesen. Daher haben wir versucht, das möglichst gering zu halten und uns auf Englisch oder Chinesisch zu unterhalten, wenn möglich. Das war die erste Herausforderung, aber ich glaube wir waren erfolgreich und haben das ganz gut hingekriegt. In Bezug auf die körperliche Herausforderung. Die gibt es natürlich und daher ist es wichtig, mit wem man diesen Trip macht. Aber ich denke, wir hatten sehr viel Glück, denn es hat sich niemals jemand beschwert.

Alle waren guter Dinge und wirklich glücklich. Für einige war es das erste Mal in Asien, daher waren sie wirklich enthusiastisch, kann ich sagen, über das was sie gesehen haben. Jeden Tag haben wir uns darauf gefreut, neue, interessante Dinge zu sehen. Denn wir haben Dinge und Orte gesehen, die nicht nur für sie neu und überraschend waren, sondern auch für uns, die wir schon länger hier in Taiwan sind. Es gab so viele schöne Dinge, und wenn irgendwas schlechtes passiert, muss man einfach damit leben und weitermachen. Einmal sind wir in einen sehr schweren Regen geraten. Es war in Kenting und plötzlich kam der Taifun.

Kending, vor oder nach dem großen Regen?

Kending, vor oder nach dem großen Regen?

Da hat es so schwer geregnet, dass wir schon fast aufgeben wollten, obwohl nur noch ein kleiner Teil der Reise vor uns stand. Doch glücklicherweise hörte dann der Regen wieder auf und alle waren wieder frohen Mutes und bereit, weiter zu fahren. Aber für einen Augenblick während des Regens, wussten wir nicht, was wir machen sollten, denn wir waren die ganze Zeit Sonnenschein gewohnt. 

Dass wir im Meer schwimmen konnten oder mit den Taiwanern draussen Basketball spielen konnten. Und auf einmal war da dieser grosse Regen. Doch wir haben durchgehalten.

Was sind ihre schönsten Erinnerungen, und welche Orten haben ihnen am meisten gefallen, bzw. würden sie empfehlen?

Jan Duben: Ich glaube, die meisten guten Erinnerungen sind mit den Menschen verbunden, mit denen man zusammen geht. Daher ist es wirklich wichtig, die richtige Gesellschaft zu wählen für einen solchen Trip. Die meisten in dieser Gruppe waren meine besten Freunde seit meiner Kindheit. Wir verstehen uns ziemlich gut, und auf diesem Trip sind wir uns noch näher gekommen. Das ist perfekt, wenn man etwas hartes durchmacht. So wie beispielsweise die Tarroko Schlucht oder die Bergetappen.

Es ist hart, aber man sieht die anderen. Die haben auch Probleme, es ist auch hart für sie, aber sie fahren weiter. Das gibt Dir das Gefühl, ja, das ist es wert. So war ich wirklich glücklich darüber, wie alle in unserer kleinen Gruppe den Trip genossen. In Bezug auf Taiwan selber. Was ich besonders empfehlen würde, wenn jemand nach Taiwan kommt, dann ist es die Strecke zwischen Kenting und Taidong. Dieser Teil ist sehr schön, denn er ist sehr ruhig und abgelegen. Man sieht dort keine 7-11 und nur wenige Menschen. Es ist etwas wilder als in anderen Gegenden. Die Straßen sind nicht so gut, aber es ist wirklich schön dort und empfehlenswert.

Wie haben die Taiwaner ihre Reise insgesamt aufgenommen? Eher mit Skepsis, diese verrückten Ausländer, oder eher mit Unterstützung?

Jan Duben: Die Taiwaner waren extrem hilfreich. Man musste nur erwähnen, dass man einen solchen Trip macht, und alle haben einem Hilfe angeboten. Sie bieten einem sogar an, in ihrem Haus zu übernachten oder bieten einem andere Hilfe an. Taiwaner sind wirklich freundlich, denke ich. Man muss nur sagen, dass man diese Strecke mit dem Fahrrad fährt, dann äußern sie ihre Bewunderung und ihren Respekt. Das war vielleicht etwas zu viel für einige Gruppenmitglieder, aber es war wirklich sehr schön.

 Und man hat uns während unserer Reise tatsächlich sehr oft geholfen. Ein Beispiel – in unserer Gruppe war ja ein Mädchen, wie ich erwähnt hatte. Und sie konnte nicht so wirklich die ganze Zeit mit den anderen Gruppenmitgliedern mithalten. Anfänglich haben wir uns gefragt, was wir machen sollen. Auf sie zu warten, hätte die Gruppe vielleicht zu oft zurückgehalten, was für einige Mitglieder der Gruppe vielleicht nicht so schön gewesen wäre. Doch sie hat dann einen eigenen Stil zu reisen entwickelt. Sie ist immer so lange mit uns mitgefahren, bis sie müde war und wenn sie müde war, hat sie den Rest der Strecke per Anhalter zurückgelegt. Sie hatte niemals Probleme, es gab auch immer jemanden, der sie mitgenommen hat.

Und so war sie dann auch immer vor uns an unserem Treffpunkt. Noch ein anderes Beispiel. Einmal habe ich meine Geldtasche verloren. Und innerhalb von zwei Stunden habe ich einen Anruf von der Polizei erhalten. Die hat mir dann einen Platz genannt, wo ich mir meine Geldtasche abholen konnte. Und es gab sogar einen freundliche Person, die mich dorthin gefahren hat. Das war wirklich sehr nett. Wir haben keine negativen Erfahrungen mit Taiwanern gemacht, es war perfekt.

Auch immer mehr Taiwaner radeln

Auch immer mehr Taiwaner radeln

Ich habe diese Frage nicht ohne Grund gestellt, denn bis vor einiger Zeit war Fahrradfahren gar nicht so populär in Taiwan und oftmals wurden die wenigen Leute, die derartige Radtouren unternehmen, verständnislos gefragt: „warum machst du sowas“. Doch inzwischen sind Taiwaner es gewöhnt, Radfahrer zu sehen und auch Radfahrer, die längere Strecken unternehmen. Und wie man auch aus Jans Beschreibung entnehmen kann, ist aus Unverständnis eher Anerkennung geworden. Doch das war es auch schon von meinem Gespräch mit Jan Duben.

Von Ilon Huang

Photos von Jan Duben und Freunde