Der Nenggao Wanderweg

Blick vom Qilai Südgipfel

Der Spätherbst ist in Taiwan eine gute Zeit für Gebirgswanderungen. Der histroische Nenggao Wanderweg (能高越嶺古道) ist ein beliebter Wanderweg im Gebirge in Zentraltaiwan. Es ist bzw. war eigentlich ein Verbindungsweg von Nantou bis Hualien in Osttaiwan, ist aber oft nicht durchgängig begehbar (bei meiner ersten Wanderung dort traf ich noch Leute, die mit dem Mountainbike unterwegs waren). Der westliche Teil des Nenggao-Wanderwegs beginnt auf rund 2000 Metern Höhe am Tunyuan Eingang (屯原登山口). Um dorthin zu kommen fährt man von Puli im Landkreis Nantou auf der Provinzstraße 14 über Wushe (霧社) Richtung Lushan Heiße Quellen (廬山溫泉) bis zum Anfang des westlichen Teils des Nenggao Wanderwegs Tunshan. Die meisten machen eine zweitägige Wanderung auf dem Westteil des Nenggao Wanderwegs. Am ersten Tag geht es vom Eingang zum Wanderweg Tunyuan zur Tianchi Hütte (天池山莊) auf 2860 Metern Höhe. Dort übernachtet man dann und am nächsten Tag geht noch vor Tagesanbruch weiter über den Tianchi See auf 3080 Metern Höhe (天池) zum 3358 Meter hohen Qilai Südgipfel (奇萊南峰) und zum 3184 Meter hohen Berg Nanhua. (南華山). Man kann von der Tianchi Hütte aus natürlich auch noch andere Touren unternehmen.

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Zwischen Yunhai Station und Tianchi Hütte

Der Nenggao Wanderweg ist auch historisch interessant. Auf diesem Weg entlang haben schon die Japaner während der Kolonialzeit Posten eingerichtet, um das Gebiet und die dortigen Ressourcen zu erschließen und die dort lebenden Ureinwohner unter Kontrolle zu bringen. Beim Wushe Aufstand der Ureinwohner Atayal bzw. Sediq wurden die meisten japanischen Stützpunkte niedergebrannt, aber später wieder aufgebaut. Außerdem hat das Elektrizitätswerk Taipower über diesen Weg die Stromtrasse zwischen dem Westen und dem Osten Taiwans errichtet worden. Es gibt auf 2802 Meter Höhe noch ein Denkmal dafür.

Der Weg vom Anfang des Wanderwegs Tunyuan bis zur Tianchi Berghütte ist knapp 15 Kilometer lang. Nach etwa 5 Kilometern kommt man zur Wartungsstation des Elektrizitätswerkes Yunhai (Wolkenmeer Wartungsstation). Diese Station auf 2.360 Metern Höhe wurde 1950 als Wartungsstation des Elektrizitätswerkes erbaut. Schon während der japanischen Kolonialzeit befand sich an dieser Stelle ein japanischer Posten. Die meisten Wanderer legen an der Yunhai Station eine kurze Rast ein. Von dort sind es noch knapp 10 Kilometer bis zur Tianchi Hütte.

Yunhai Station von Taipower

Yunhai Station

Die Tianchi Hütte wird auch oft als „Luxus-Berghütte“ bezeichnet. Sie hat 88 Plätze auf zwei Stockwerken in mehreren Schlafräumen. Gegenüber den Schlafplätzen sind Regale angebracht, in denen die Wanderer ihre Rucksäcke und andere Dinge abstellen können. Es gibt sowohl einen Raum zum Kochen für Selbstversorger (man muss einen eigenen Gaskocher mitbringen, fließendes Wasser und Trinkwasser steht zur Verfügung), man kann jedoch auch Essen vorbestellen. Die jetzige Hütte wurde 2011 erbaut. Die alte Hütte bot nicht mehr genug Platz für die wachsende Zahl der Wanderer auf dem Nenggao Wanderweg. Die erste Hütte dort wurde jedoch schon 1918 während der japanischen Kolonialzeit gebaut.
Von der Hütte aus hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Gebirgslandschaft und man kann Wolkenfälle, Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und den Sternenhimmel betrachten. Der Nenggao Wanderweg ist sehr beliebt und die Hüttenplätze werden unter den Anmeldungen verlost. Es stehen vor der Hütte auch noch Zeltplätze zur Verfügung. Aber an Wochenenden und Feiertagen ist es oft schwer, Hütten- oder Zeltplätze zu bekommen. Man benötigt für die Tour auch eine Berggenehmigung.

Tianchi Hütte

Tianchi Hütte

Am zweiten Tag machen sich die meisten Wanderer schon frühmorgens um etwa fünf Uhr auf den Weg Richtung Qilai Südgipfel (3358 m) und Nanhua Berg (3184 m). Der Weg ist recht einfach zu gehen und man kann so in aller Ruhe die schöne Gebirgslandschaft genießen.
Die meisten Wanderer gehen vom Berg Nanhua aus wieder den gleichen Weg zurück zur Tianchi Hütte. Man kann jedoch auch auf der anderen Seite über den Bergrücken absteigen. Dieser Pfad ist weniger begangen und man muss sich manchmal seinen Weg durch hohes Bambusgestrüpp bahnen.
Außerdem ist dieser Abstieg bei starkem Wind eher nicht zu empfehlen.

Blick vom Qilai Südgipfel

Blick vom Qilai Südgipfel

Die Wanderung von der Tianchi Hütte zum Qilai Südgipfel und Nanhua Berg und wieder zurück zur Tianchi Hütte dauert ungefähr fünf, sechs Stunden, wenn man sich genug Zeit nehmen möchte, die ein oder andere Pause einzulegen und ausgiebig die Landschaft zu genießen.

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Nanhua Berg Richtung Tianchi Hütte

Mittags kann man dann an der Tianchi Hütte wieder eine kleine Pause einlegen und sich wieder auf den Rückweg machen.

 

Blick von der Tianchi Hütte

Abendstimmung an der Tianchi Hütte

von Eva Triendl

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13 Antworten

  1. Liebe Eva!
    Es ist wirklich schön, daß Du uns mit auf die Bergtour genommen hast! Wenn man die traumhaften Bilder sieht, möchte man gleich loslaufen, um dort tief durchzuatmen und einfach nur zu entspannen. Da die Wege ja mehr als beschwerlich sind, ist es sicher nicht einfach und wir „ziehen den Hut“ vor dieser Leistung! Ganz toll…..einfach: Hammerhart!
    Bernhard mit Ilona

    • Mit ein wenig Kondition ist das kein Problem. Ihr könnt ja schon mal anfangen zu trainieren. Taiwans Berge warten!
      Eva

  2. Großartite Bilder! Ich war zwar auch in Taiwan wandern, aber dort sah es schon sehr anders im Gegensatz zu deinen bildern aus – Viel Tropischer! Echt schade, dass ich es damals nicht dorthin geschafft habe …

  3. Viel Erfolg!

  4. Den NengGao Trail bin ich 2014 zweimal gewandert, einmal in der 2-Tagesvariante, die auf absehbare Zeit wohl nicht mehr machbar ist, da die Forsttraße im Ostteil von Erdrutschen weitgehend zerstört wurde, und einmal als 6-Tages-Tour, nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer mag, kann hier meinen Tourenbericht lesen: https://wolfiintaiwan.wordpress.com/2014/09/09/unterwegs-auf-dem-nenkao-trail-6-tage-zu-fus-durch-die-berge/

  5. Das klingt fantastisch und sieht auch so aus.
    War bisher auch eher in niedrigeren Gefilden in Taiwan wandern.
    Für diese Tour sollte man sich wohl besser einer Gruppe anschließen bzw. sich auf Chinesisch verständigen können, oder?

    • Alleine in Taiwans Bergen rumlaufen ist ein absolutes No-Go! Ich würde auf jeden Fall zu einer Gruppenstärke von wenigstens 3, besser 4 oder 5 Leuten raten. Dann kann man bei Unfällen gut Hilfe holen. Einzelgänger verschwinden hier regelmäßig auf Nimmerwiedersehen (zT kaum Leute unterwegs, kein Handysignal etc.).
      Für alles über 3000m braucht man ein Mountain-Permit, oft auch ein Nationalpark-Permit, da muß man dann auch Teilnehmer und deren Erfahrungsstand angeben. Oft wird verlangt, daß wenigstens ein Teammitglied ein erfahrener Local ist (Taiwanesischer Paß!).

      Es gibt kommerzielle Veranstalter (zB TAO, k2.com.tw) und auch private Initiativen (zB die Taipei Hikers), denen man sich anschließen kann (und sollte). Chinesischkenntnisse schaden natürlich nie. Draußen auf dem Land braucht man die idR auch.

      • Ups. Hab die Nachricht über Deinen Kommentar geade erst bekommen. Dann ist meine Antwort wohl eher was für die Chronisten…

      • Danke für die Info.
        Habe letztes Jahr nach Touren gesucht, aber entweder bekam ich keine Antwort oder der Preis war für mich als Alleinreisender nicht finanzierbar.
        Ansonsten bin ich in Taiwan auch ohne Chinesischkenntnisse gut gereist. Mit Google Maps und Pleca App halb so wild 🙂

      • Für Touren im Hochgebirge muss man meist vorher einige Genehmigungen beantragen, Berggenehmigung, Hütten- oder Campingplätze usw. Das muss man normalerweise mindestens vier Wochen vorher machen. Viele Routen sind besonders am Wochenende recht beliebt, und die Plätze werden ausgelost. Es gibt Anbieter, die Touren mit Bergführer anbieten, bei denen man sich als Einzelreisender anschließen kann, (kostet je nach Angebot von zwei bis vier Tagen ungefähr etwa 4000 – 6000 TWD). Manche Routen darf man nicht allein gehen, bei manchen muss man „Hochgebirgserfahrung“ nachweisen. Die meisten Angebote im Internet sind aber auf Chinesisch. Aber in Gebieten, für die man keine Berggenehmigung benötigt, kommt man in Taiwan eigentlich auch ohne Chinesischkenntnisse gut zurecht – und die Leute in Taiwan sind ja auch nett und hilfsbereit. Aber bei Gelegenheit ist ein Ausflug ins Hochgebirge in Taiwan schon sehr reizvoll.

      • Ja, ich war schon am Lion Hear Mountain und im Tarokogebiet alleine unterwegs. Aber das Hochgebirge bleibt ein Traum. Ich werde dort sicherlich nicht alleine wandern 🙂
        Mal schauen ob ich für den Herbst eine passende Tour mit einer Gruppe finde.

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