Das Phänomen „Taiwanischer Perlenmilchtee“

Warum Taiwanischer Perlenmilchtee und Deutscher Bubble Tea nicht dasselbe sind
Taiwan gilt als das Ursprungsland des berühmten Perlenmilchtees (chin.: 珍珠奶茶,pinyin: zhēnzhū nǎichá), den in China, Taiwan und anderen süd- und ostasiatischen Ländern jedes Kind kennt und der vom heutigen Straßenbild dieser Länder nicht mehr wegzudenken ist. Besonders in Taiwan sieht man an jeder Straßenecke Verkaufsläden- und stände, an denen man sich aus einer Bandbreite verschiedener Milchtees für wenig Geld das beliebte Getränk erwerben kann. Auch in Deutschland ist dieses Getränk mittlerweile zu finden, dort meist bekannt unter dem Namen „Bubble Tea“. Doch wahre Kenner des Milchtees werden sofort feststellen, dass der quietschbunte und meist recht teure Bubble Tea nur noch sehr wenig mit dem Original aus Taiwan gemeinsam hat.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Der Verkfausstand einer Kette, so wie man ihn in Taiwan sehr häufig vorfindet.

Doch was sind die Unterschiede zwischen dem taiwanischen Perlenmilchtee und dem deutschen Bubble Tea und wieso ist das Getränk in Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern so beliebt, wohingegen der „Bubble Tea Boom“ in Deutschland von nicht allzu langer Dauer war? All diesen Fragen möchte ich im Folgenden auf den Grund gehen und dabei auch von meinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen berichten, die ich mit dem besagten taiwanischen Getränk gemacht habe. Meine erste Begegnung mit dem süßen Perlenmilchtee machte ich, als ich im Sommer 2013 für einige Wochen in Taichung in Zentraltaiwan einen Chinesischsprachkurs an der Chung Hsing Universität besucht habe. Gleich zu Anfang sind mir die vielen Verkaufsläden- und stände aufgefallen, die man in Taiwan vielleicht noch häufiger findet als Filialen von 7Eleven oder Family Mart. Oder auch anders ausgedrückt: Es gibt sie vor allem an belebteren Ecken fast so viel wie Sand am Meer. Da wurde ich natürlich neugierig und kaufte mir das vielumworbene Getränk. Ab diesem Moment wusste ich, warum es in Taiwan und anderen Teilen Ostasien so beliebt ist.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Der typische taiwanische Milchtee, hier ohne Tapioka Perlen.

Was steckt drin im Milchtee Das Original besteht auf der Basis von gesüßtem grünen oder schwarzen Tee, dem Milch und oder Fruchtsyrup beigefügt wird. Weiterer Bestandteil sind die farbigen aber geschmacksneutralen, festen Geleekügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke, die beim Trinken durch einen dickeren Strohhalm gesogen werden. Der Milchtee kann sowohl warm als auch kalt mit Eis getrunken werden. Man kann meist selbst entscheiden, wie süß man ihn haben möchte und außerdem gibt es ihn heutzutage in den verschiedensten Formen und Ausführungen: zum Beispiel mit dem japanischen Matcha Tee, mit roten süßen Bohnen, mit Karamellgeschmack, als Puddingmilchtee oder auch ganz ohne Kügelchen oder Zusatz. Die Auswahl ist wirklich groß und mag sich für westliche Ohren durchaus gewagt oder skuril anhören. Ich selbst habe mich inzwischen durch diese Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten durchprobiert und wurde geschmacklich wirklich selten enttäuscht, mein Favorit ist und bleibt jedoch der originale Perlenmilchtee mit wenig Zucker.

Milchtee in China Während meines Studienaufenthalts in China habe ich die chinesische Variante auch oft getrunken. Der chinesische Milchtee ist dem Taiwanischen sehr ähnlich, wird meist aber süßer getrunken, da man sich den Zuckeranteil im Getränk nicht selbst raussuchen kann oder vielleicht auch, weil die Chinesen es etwas süßer mögen. Preislich ist der Milchtee auf dem Festland mit dem in Taiwan zu vergleichen, auch hier gibt es viele Stände und kleine Läden, die das süße Getränk in verschiedenen Varianten anbieten. Außerdem kann man manche Ketten aus Taiwan auch auf dem chinesischen Festland wiederfinden, allerdings nicht mit der selben Häufigkeit.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größere Angebotskarten.

Eine exemplarische Menükarte die zeigt, wie groß das Angebot inzwischen ist. Oft findet man sogar noch größeres Angebot.

Bubble Tea in Deutschland Aber wie steht es nun um den besagten Bubble Tea in Deutschland? Viele von uns können sich sicherlich noch an die Zeit vor etwa zwei bis drei Jahren erinnern, in der auf einmal nahezu täglich neue Bubble Tea Läden in Deutschland eröffnet haben, die hinter bunten Theken das quietschbunte und zuckersüße Getränk angeboten haben. In manchen Städten konnte man gar von einem Bubble Tea Boom sprechen und es hatte nicht lange gedauert, bis die amerikanische Fastfoodkette Mc Donalds ebenfalls mit auf den Zug gesprungen ist und in ihren Mc Cafés Bubble Tea angeboten hat. Ich muss gestehen, dass ich persönlich bei der Bestellung immer etwas überfordert war. Das lag daran, dass man sich sowohl in den kleinen Bubble Tea Läden als auch bei Mc Donalds den süßen Tee selbst zusammenstellen konnte, von der Teebasis über die Geschmacksrichtung bishin zu den Kügelchen und sonstigen Extras. Bei all diesen Punkten gab es gefühlt hundert verschiedene Möglichkeiten, wobei sich eine süßer als die andere anhörte. Außerdem ist die deutsche Variante im Vergleich zur Taiwanischen kein Schnäppchen, im Durchschnitt bezahlt man drei bis vier Euro pro Becher. Und wie das ja so oft ist mit Produkten oder Essen, das eigentlich aus Asien kommt, hat die deutsche Ausführung des Bubble Teas geschmacklich und äußerlich nur noch sehr wenig gemein mit dem taiwanischen Original. Meiner Ansicht nach ist diese Tatsache wirklich sehr schade, denn richtiger taiwanischer Milchtee würde sicherlich auch gut in Deutschland ankommen.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Die Werbetafel eines Ladens in Taiwan die vorschlägt, welche Varianten des Milchtees man noch probieren kann.

Und wie steht es nun heute um den einst so beliebten Bubble Tea in Deutschland? Man könnte sagen, dass es sich „ausgebubbelt“ hat, die kurze Euphorie hat nicht lange angehalten, den Bubble Tea Läden sind die Kunden ausgeblieben und so verschwanden sie so schnell wie sie gekommen waren. Auch Mc Donalds nahm das Angebot aus dem Programm. Das Verschwinden mag mehrere Faktoren gehabt haben. Von den Vertreibern des Bubble Teas werden hauptsächlich neben dem Kommen der kalten Jahreszeit auch Behauptungen und Medienberichte über angeblich gesundheitsschädlich und krebserregende Stoffe im Bubble Tea als Hauptfaktoren genannt. Was letztendlich der wahre Grund für das Verschwinden der Begeisterung war, darüber lässt sich viel diskutieren.

Und was lässt sich als Fazit ziehen? Ich, als Liebhaberin und regelmäßige Konsumentin des originalen taiwanischen Perlenmilchtees, kann der eingedeutschten, bunten und teuren Variante leider nur sehr wenig abgewinnen. Dennoch halte ich die Augen offen. Wer weiß, vielleicht schafft es doch irgendwann einmal der echte Perlenmilchtee nach Deutschland. Bis dahin werde ich weiterhin den taiwanischen Milchtee genießen und kann jedem empfehlen, der nach Taiwan kommt, einmal dieses Getränk zu probieren.

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