Kulinarisches und Kultur – Taichung

Heute geht es um die zentraltaiwanische Metropole Taichung. Gab man früher Taichungs Einwohnerzahl mit 1 Mio. Menschen an, wuchs die Stadt durch die Gebietsreform auf über 2,5 Mio. Einwohner und ist dabei flächenmäßig acht mal so groß wie Taipei geworden – etliche ländlichere Kreise wurden der Stadt zugeschlagen.

Rein gefühlt ist die Stadt Taichung mindestens die drittgrößte Taiwans. Die Regierenden der Stadt sind eifrig bemüht, den größeren Städten Kaohsiung und Taipei den Rang abzulaufen.

Ein mächtiger Bauboom hat dort eingesetzt, der auch für architektonisch Interesssierte etwas zu bieten hat. Interessant ist oft der Zusammenprall der Stilrichtungen, wobei die amerikanische Moderne nach wie vor ein wenig die Oberhand behält. Dieser Eindruck entsteht wohl auch durch die zahlreichen Kettenläden und Supermärkte und nicht zu vergessen die Kettenrestaurants, die das Bild der Stadt mitprägen.

Doch es entwickelt sich auch etliches Freieres, wie z.B. das Viertel „Little Europe“ ( meine ganz persönliche Bezeichnung. Es besteht aus einer Aneinanderreihung von unterschiedlichsten Restaurant, die jeweils ein Land in der Vorstellung ihrer Erbauer darstellen. Einen kleinen Eindruck davon können Sie hier
bekommen.

Wirtschaftlich ist Taichung Zentrum des Maschinenbaus und der Metallverabeitung, Taiwans Auto-, Moped- und Fahrradindustrie ist hier ebenfalls angesiedelt. Ferner ist Taichung wohl auch die eindeutige KTV-Hauptstadt Taiwans, etliche große KTV-Paläste lassen sich hier finden. Ebenso beeindruckend ist die Zahl der Motels; von Taichung aus lassen sich zudem leicht Ausflüge in die nahegelegene Berggegend machen, auch der Sonne-Mond-See ist in einer Autostunde zu erreichen.

Doch Taichung hat auch für verfeinerte Gaumenfreuden etwas zu bieten, in der Gegend um Taichung wird Kaffee und auch der beste Tee in Taiwan angebaut, ferner ist die Stadt für ihre Sonnenblumenkekse bekannt.

Berglandschaft bei Taichung

Berglandschaft bei Taichung (Foto: Frank Pevec)

Kaffeeanbau? Das mag ein wenig überraschend klingen, doch gab es hier seit den 50er Jahren bei der landwirtschaftlichen Modernisierung Versuche, die Landwirtschaft auf die Produktion hochwertigerer Agrarprodukte wie z.B. Kaffee anzubauen. Damals analysierte man pragmatisch und mit ökonomischem Sachverstand, was sich denn hier in Taiwan am gewinnträchtigsten anbauen ließe. Man stellte fest, dass das Klima in den Berghöhen um Taichung auf 1500 bis 2000 Metern Höhe dem des Klimas in Jamaika entspricht, und von dort kommt der hocharomatische Blue Mountain Kaffee, einer der besten der Welt.

Danach setzte eine rapide Entwicklung ein , die Landwirtschaft verlor dabei sehr schnell seine Rolle als treibende Kraft . Innerhalb von 30 Jahren gelang Taiwan der Sprung von einem Agrar- zu einem sich entwickelnden Industrieland, doch auch in kulinarischer Hinsicht blieb die Entwicklung ebenfalls nicht stehen.

Davon hatte ich im Rahmen einer Journalisteneinführung Gelegenheit, mich zu überzeugen. Übernachtet hatten wir im City Resort , einem recht neuen in einer Neubaugegend errichtetem Hotel, welches in zwei, drei Jahren – nach Fertigstellung des Messegeländes – dann bestens positioniert sein wird.

Auf Chinesisch trägt es den interpretationsschwangeren Namen Zhongnanhai , auf Deutsch bedeutet dies das Mittelsüdmeer, damit trägt es genau den gleichen Namen wie die kaiserliche Parkanlage im Zentrum von Beijing, die auch Revolutionsführer Mao Zedong jahrelang als das richtige Umfeld für die Entwicklung seiner einzig wahren revolutionären Ideen betrachtete.

Das Hotelmanagment gab auch zu, daß man damit die Aufmerksamkeit der Touristen vom Festland auf sich lenken wollte, welcher Festländer würde nicht gerne davon erzählen, im völlig abbeschotteten Regierungsdomizil übernachtet zu haben.

Doch gleichzeitig versicherte man auch , dass es sich um ein Hotel mit taiwanischem Geist und taiwanischer Prägung handele.

 

Das man sich hier nicht vor großen Mächten zu fürchten musste, verdeutlichten einem die vielen Teddybären in teils imposanter Größe, die in der Hotel-Lobby auf neomingzeitlichen Möbeln verteilt waren. Diese Teddy Bär Aktion mit jeweils neuen Teddy-Themen läuft zur Zeit nicht nur in Taichung, sondern im ganzen Land. Imposant war auch die 6m hohe Hochzeitssuite des Hotels.

Zum Kaffeetrinken ging es in das wohl bekannteste Kaffeehaus in Taichung, welches einem landesweit bekannten Taichunger Bürger gehört: es handelt sich um Lai Beiyuan, auch Lai Sa genannt, der sein Leben schon früh der Verbesserung der Umwelt verschrieben hatte.


Lai Sa, in Taiwan auch König der Bäume oder auch Mr. Tree genannt, bekam damals die Idee, Taiwan zu retten und Bäume zu pflanzen. Taiwans Abholzung begann in größerem Ausmaße während der japanischen Besatzungszeit 1895, etliche der tropischen Baumriesen, meist Zedern und Kampherbäume wurden gefällt, Hartholzarten waren bei den Japanern für den Bau von Schreinen und Särgen sehr beliebt.

Doch auch nach der Wiedererlangung der Souveränität nach dem 2. Weltkrieg ging die Abholzung weiter, erst 1989 wurden diese Machenschaften rechtlich unterbunden. War Taiwan Ende des 19. Jhdt. noch zu über 90% bewaldet, sind es heute nur noch 47%.
Mr. Tree, Lai Sa bemerkte die negativen Einflüsse der rapiden Industrialisierung, verkaufte seine Unternehmen und investierte sein Geld in den Kauf von Bergen, die er wieder aufforstete. Mittlerweile hat er eine Fläche von 130 ha Land gekauft, und mit einheimischen, tiefwurzelnden Zedern und Zimtbäumen aufgeforstet. Dafür inklusive der Wiederaufforstungsanstrengungen sollen bisher 50 bis 70 Mio. USD investiert worden sein. Für seine Anstrengungen wurde Lai mit diversen Auszeichnungen bedacht, auch Präsident Ma Ying-jeou lobte ihn mehrmals. Um Geld habe man bei der Regierung für die Umsetzung der Projekte aber noch nie gefragt.
Bäume werden laut der Philosophie von Lai Sa nicht gefällt, lediglich eine Teilfläche stellte Lai Sa seinen Söhnen für den Kaffeeeanbau zur wirtschaftlichen Verwertung zur Verfügung. Von diesen Geldern und den Einnahmen aus dem Kaffeehausgeschäft gehen 95% in die Wiederaufforstung.

Bei der Herstellung des Kaffees und der Kekse ließ man auch geschmacklich den Wald mit in den Kaffeegeschmack durch Kräuter und Blätter des Waldes und durch Osmanthusblüten einfließen.

Auf den König der Bäume wird mittlerweile auch im Schulunterricht hingewiesen, nicht wenige Kinder sollen ihre Mutter um einen Besuch des Kaffeehauses bitten und haben ihr auch schon deutlich gemacht, Baumpflanzer werden zu wollen, wenn sie einmal groß sind.

Die von Lai Sas Söhnen angebaute Kaffeesorte „Wolkenweg “ überzeugte in diesem Jahr beim „15 Uhr 15 Teatime“ – Wettbewerb der Stadt Taichung die Jury und wurde mit einem Hauptpreis dekoriert.

Danach ging es weiter zur nächsten kulinarischen Spezilität, zum Gebäckhaus Fengdan, einem weiteren Preisträger beim Teatime Wettbewerb von Kunst und Kulinarsichem , der Wahl der besten Kaffee- und Teehäuser bzw. von Produkten für den Tee oder Kaffee am Nachmittag.

Fengdan bedeutet üppiges Zinnoberrot, die Farbe Rot ist im chinesischen Kulturraum generell positiv belegt. Von der Bedeutung her spielt der Name auf eine Geschichte im alten China in der Stadt Kaifeng in der Provinz Henan an.

Geröstete Datteln mit Longan- und Walnußfüllung erwies sich als außergewöhnlich schmackhafte Kombination, die besonders bekömmlich für Frauen sein sollte.

In der Tat waren die uns gereichten Süßspeisen auch für Männer recht schmackhaft, leicht kross angebackene aufgeschnittene Datteln, in die Walnüsse und etwas Longan Füllung gelegt wurden, erwiesen sich als äußerst gelungene Kombination.

Die im gehobenen Stil gehaltene Patisserie hatte noch diverse Karamel-Nuss-Süßigkeiten , Kekse als auch eine Reihe von unterschiedlichsten Mondkuchen mit Füllungen neueren Stils im Angebot. Einen Blick in die Bäckerei durften wir auch noch werfen und konnten uns von der Handarbeit der Produkte überzeugen.

Anschließend ging es weiter, endlich zum Mittagstisch ins Biancapasta, ein mit Italien liebäugelndem Restaurant in einer der In-Gegenden Taichungs, im Künstlerviertel in der Nähe der Donghai – Universität.

Das Restaurant und Kaffee ist dort schon seit 1995 anwesend und dort für seinen besonders gelungenen Käsekuchen bekannt. Das Restaurant ist für seine Verwendung von Gemüse und Kräutern aus organischem Anbau geschätzt und wurde im letzten Jahr ebenfalls für ein besondere mit Waldkräutern angerichtete Nachspeise zu einer der besten zehn Speisen Taichungs mit einem Preis ausgezeichnet. Die verwendeten Zutaten kommen alle aus ökologischem Anbau, eine besondere Spezialität ist der in Taiwan wahrscheinlich einzigartige Anbau von Artischocken.

Nach einem ausgedehnten Mal ausreichend gestärkt ging es dann zu einer der weiteren Attraktionen Taichungs, zum Hochzeitsparadies Mon Ceour, auf Chinesisch in etwa „Kammer des Wohlgeruchs des Herzens„.

Hochzeiten in Taiwan können gar nicht romantisch genug sein, am besten noch mit einem ausländischen Touch, und genau dort wurde die Marktlücke gesehen. Am Rande des Talkessels von Taichung gelegen, also oben, platzierte man mit herrlichem Ausblick nach unten. Dort zu finden war ein Hochzeitsparadies mit weissen Gebäuden, Pavillions und der berühmten LOVE Plastik, zu der man sich, umringt von Mutter Natur, ebenfalls ganz in Weiß, von einem der zahlreichen Fotographen Taiwans ablichten lassen kann.

MonCeours ist spezialisiert auf individualisiertere Hochzeiten in westlich anmutendem Ambiente, also dem Duft der großen weiten Welt.

Besonders angetan war man von dem oe im Französischen Wort für Herz, dessen enge Verbundenheit doch so herrlich zur Hochzeit passte.

Der Ort bot alles , was man brauchte: für früher von weiter her kommende Gäste einen Ruheraum, einen Ruheraum für Braut und Bräutigam einen Stock höher mit größerer begrünter Terasse. Zudem zwei Gebäude, natürlich ebenfalls in weiß, für die eigentliche Hochzeitsfeier. Wer wollte, konnte auch ganz romantisch in Häusern europäischen Stils, die je nach Region mit der jeweiligen „Ich liebe Dich“ Aufschrift abgesichert waren, seine Hochzeit begehen.

 

Das Besondere an dem Hochzeitsgeschäftskonzept: Das europäische Viertel bot im Vorfeld die Möglichkeit für einen Schnupperkurs. Es waren Kaffees oder Terassen mit Blick über den Talkessel eingerichtet, etliche Souvernierläden gab es, und die Anlage bot reichlich Gelegenheit zu romantischen Schnappschüssen, mit reichlich Vorfreude auf eine exclusive Hochzeit.

 

Nach einem anschließenden Abendessen  in einem modernen Restaurant und Kaffeehaus im neugebauten Ahornpark von Taichung führte uns unser letzter Weg in das Kunstmuseum von Taichung. Dort gibt es die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre in die Grundlagen der Teezeremonie einführen zu lassen und kann dabei einen Blick auf Kunstinteressierte werfen, die gerade vom großen Meister Unterricht in der Kalligraphie bekommen.

Aus der Gegend von Taichung kommen einige der weltbesten Teesorten, wenn es um grünen Tee geht. Geheimtip: auch  den extra-alten schwarzen Tee probieren!

(von Frank Pevec)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: