Besuch auf der Schildkröten-Insel

Bild

Der „Rücken“ der Schildkröteninsel vor Yilan.

Taifun Soulik hat sich verzogen, der Himmel über Taiwan ist aufgeklart. Zeit endlich einmal wieder die Großstadt Taipeh zu verlassen, wo einen ein längerer Aufenthalt immer an Platons Höhlengleichnis erinnert. Ein längeres Verbleiben in dem Becken rund um die Hauptstadt lässt einen geradezu vergessen, dass es „da draußen“ noch viel anderes zu sehen gibt oder dass es sich bei Taiwan um eine Insel im Pazifik handelt, wo man doch ab und an auch mal eine Küste und das Meer zu Gesicht bekommen sollte.

Und wohin fährt der Großstädter aus dem Norden, wenn er mal einen Tapetenwechsel braucht? Seit der Eröffnung des Hsuehshan-Tunnels vor ein paar Jahren bietet sich da vor allem der nordöstliche Landkreis Yilan an. Mit dem Bus oder Auto ist der bequem in unter einer Stunde zu erreichen.

Bereits aus einiger Ferne sieht man die nur wenige Kilometer vor der Küste Yilans aus dem Meer ragende Guishan- oder Schildkröten(berg)-Insel. Nach vorheriger Anmeldung kann man die Insel vom Wushi-Fischereihafen aus besuchen.

Bild

Unser Boot, die „Dragon Yacht.“

Je nachdem, für welches Programm man sich entschieden hat, bringen Boote wie dieses die Besucher nicht nur zur Insel, sondern auch weiter raus aufs Meer zur Walbeobachtung.

Bild

„Ilha Formosa!“

Ein letzter Blick zurück auf die Hauptinsel, dann kann es losgehen.

Bild

Land in Sicht!

Die etwa 30-minütige Überfahrt verlief bei dem sonnigen Wetter ruhig.

Bild

Die koreanischen Touristen genießen die Abkühlung.

Der leichte Wellengang lud eher zur Erfrischung ein.

Bild

Die Überreste der alten Siedlung.

Die ersten Siedler kamen in den 1850er Jahren auf die Insel. Später diente auch die Schildkröteninsel den Japanern und später der KMT als Militärposten. Auch ein kleines Fischereidorf hat es gegeben, das sogar eine eigene Grundschule hatte. Zu einem Zeitpunkt lebten hier über 750 Menschen in 150 Haushalten.

Bild

Niemand zu Hause.

Die Steinbauweise war während der japanischen Kolonialzeit üblich auf der Insel.

Bild

Die Außenfassade bekam gerade einen neuen Anstrich.

Typisch für Taiwan: Ein Matsu-Tempel darf nicht fehlen. Der recht schmucklose (innere) Zustand, ist nicht etwa einem Taifun zu schulden. Vielmehr wurde die Göttin mit dem Wegzug der Inselbewohner „evakuiert.“

Bild

Im Hintergrund erkennbar ist der mit knapp 400 m höchste Punkt der Insel.

In der Hauptsache besteht die Insel aus Vulkangestein. Der Vulkan ist immer noch aktiv und damit einzigartig für Taiwan. Am rechten Bildrand dagegen erkennt man den Eingang zu einer anderen in den Berg eingegrabenen Militärbasis.

Bild

Am Eingang wurde extra vor Giftschlangen gewarnt. Gesehen habe ich leider keine.

Dort lassen sich noch die alten Tunnel durchlaufen, in denen früher Waffen und Munition gelagert wurden.

Bild

Ob die Decken-Schalldämpfung wirklich etwas gebracht hat?

Auch die alten Kanonen lassen sich hier drinnen begutachten.

Bild

Die Kanonenbunker vom Boot aus betrachtet.

Bild

Bei der Rundfahrt um die Insel sieht man, wie sie zu ihrem Namen kam.

Zwei Mal soll der Vulkan wenigstens ausgebrochen sein. Das letzte Mal vor über 1000 Jahren.

Bild

Betrachtung von der anderen Seite.

Bild

Die Schildkröten-Insel von Yilan Stadt aus betrachtet.

Am Abend dann zurück in der Stadt, ein letzter Blick auf das Ziel des Tagesausflugs.

Fotos und Text: Sebastian Hambach

Die Ruhe nach dem Sturm

Von Freitag auf Samstag zog Taifun Soulik über den Norden Taiwans. In der Stadt  Taipei erreichten die Böen um zwei, drei Uhr nachts Geschwindigkeiten Windstärke 12 – da flog natürlich Einiges durch die Gegend – Werbetafeln, Dachteile, Bauzäune, Fenster gingen zu Bruch und viele Bäume wurden entwurzelt. In Taipei war bei diesem Taifun der Wind schlimmer als der Regen – aber in anderen Gegenden Taiwans war der Sturm zwar nicht ganz so stark, aber dafür verursachte der Regen Überschwemmungen, Erdrutsche usw.
Da der Taifun mit über 20 Kilometern pro Stunde über Nordtaiwan zog, liess der Sturm nach einigen Stunden wieder etwas nach – und man hörte draußen bereits die ersten Geräusche der Aufräumarbeiten. Als ich mich auf den Weg zur Arbeit machte herrschte bereits Ruhe nach dem Sturm – aber auch mittags waren auf dem rund halbstündigen Fußweg entlang der Zhongshan North Road die Spuren des Taifuns noch zu sehen – hier einige Eindrücke von meinem Weg zur Arbeit:

Die ganz Nacht über waren Einsatztrupps und die Feuerwehr im Einsatz, um blockierte Straßen freizuräumen, sich um zu Bruch gegangene Fenster- und Glastüren zu kümmern und  gefährliche Orte zu sichern.  Dann kamen die Aufräumtrupps – die Mitarbeiter der Stadt Taipei sagten, sie fingen  gleich am frühen Morgen, nachdem der Sturm etwas nachgelassen hatte, mit den Aufräumarbeiten an. Man konnte das ganze Wochenende über noch Müllabfuhr und Straßenkehrer im Einsatz sehen.

Samstag Mittag sieht es zumindest an der Zhongshan North Road vor dem Kunstmuseum schon wieder so aus, als sei nichts gewesen – und der Aufräumtrupp des Umweltamtes fährt weiter. Wer nicht mehr vorne im Müllwagen Platz findet, fährt eben mit dem Motorroller hinterher.

Pressefotos von Taifun Soulik

von Eva Triendl

Meine Reise nach Citong (莿桐) und Douliu (斗六)

Am13.Juli auch in Reise durch Taiwan

Kurz vor Neujahr war ich mit meiner Freundin Zhang Jing Hui bei ihrer Familie in  莿桐(Citong), einer kleinen Ortschaft, wo sich nachts 300-Jahre alte Bäume ihre Äste reichen. Dort habe ich das Leben auf dem Land in Taiwan kennengelernt. Der Vorgarten von Zhang Jing Hui’s Familie ist mit prächtigen Bonsaibäumen geschmückt, die ihr Vater beruflich gestaltet.

Bonsaibäume von dem Vater gestaltet

Weitere Bonsaibäume von dem Vater gestaltet

Bonsaibäume von dem Vater gestaltet

Daneben ist ein Anbau, der als Teehaus verwendet wird. Dort saßen ihre Eltern mit Nachbarn, tranken gemeinsam Tee und aßen Tomaten. Rechts und links vom Haus waren Felder, auf denen hauptsächlich Reis, Papaya,  Knoblauch und Luffa-eine Art Kürbisgewächs, das aussieht, wie eine große Gurke, angebaut wird. Vorallem um die Knoblauchkapseln zu kaufen, die der Gesundheit dienen, würden Menschen extra anreisen.

Meine Freundin mit ihrem Hund

Das Haus meiner Freundin

Das Haus meiner Freundin von Weitem

Ihre Mutter ist Verkaufsfrau, sie verkauft hochwertige Sojasoße und Reis. In ihrer freien Zeit widmet sie sich der Kunst. Hier sind einige Werke, die sie aus Ton gefertigt hat:

Hobby der Mutter meiner Freundin

Nahaufnahme

Andere Blumen

Uhr-selbstgemacht

Ganz in der Nähe ist der berühmte 300-jährige Baum. Meine Freundin erklärte mir, dass man sagt, es gebe bei so alten Bäumen einen Baumgott. Aus Respekt für ihn wurde ein kleiner Tempel direkt daneben gebaut. Es gibt noch einen anderen alten Baum in der Nähe. Abends würden sie sich treffen, sagt man hier.

Tempel für den Baum

300-jähriger Baum


Während meinem Aufenthalt war ich auch im Dorf nebenan „Unter den Bananenbäumen“, ganze 5 Minuten entfernt.  Dort wohnen ihre Großeltern. Der Opa saß ganz gemütlich vorm Haus und hat die Felder bewundert, die Oma dagegen ist eine quirlige neugierige Frau. Sie hat uns beigebracht, wie man traditionelle Neujahrsspeisen macht und das einfache Leben genießt. Die Speise heißt 草粿 – oder einfach „Gui“, im vierten Ton ausgesprochen. Auf Schemeln saßen die Oma und ihre Freundin vor dem Haus ihrer Freundin und haben die Bananenblätter sauber geschrubbt. In die getrockneten Bananenblätter wurde später das „Gui“ eingewickelt und gedämpft. Das Gui ist ein gefüllter Klebereisball. In den Klebereis werden frische Kräuter untergemischt, sodass er eine natürliche grüne Farbe annimmt, dann werden entweder gestampfte Erdnüsse mit Zucker oder Rettich, Schrimps und Schweinefleisch in ihn eingewickelt. So lautet das spezielle Rezept ihrer Oma. Zwischendrin kamen immer mal Freundinnen von der Oma vorbei und haben mitgeholfen, insgesamt eine super lockere Stimmung!

Die Oma meiner Freundin beim Zubereiten

Zutaten für die Neujahrsspeise

Zubereiten der Neujahrsspeise

Beim Zubereiten-alle helfen mit

Außerdem war ich in 斗六 (Douliu), der nächstgelegenen Stadt, auf dem berühmten Nachtmarkt. Es gab dort ein ganz berühmtes Steak-Restaurant, das schon einmal im Fernsehen war. Ich fand es interessant Steak auf eine ganz andere Weise zu essen: auf kleinen Schemeln unter freiem Himmel. Der Nachtmacht gleicht ein bisschen einem Jahrmarkt mit Luftballons abwerfen und einer Besonderheit, die ich lange nicht mehr auf Nachtmärkten gesehen habe: Guppys auffischen. Auf Schemeln fischt man die Guppys aus großen Becken und kann sie mit nach Hause nehmen. Der Witz ist aber, dass man sie mit einer lupenförmigen Fassung, in der dünnes Papier eingespannt ist, auffischen muss. Dieses Papier ist mir oft zerrissen, aber ein paar Fische habe ich dann doch noch mit nach Hause nehmen können.

Beim Fischen mit ihrem Bruder

Stolz einen Fisch gefangen

Und noch einmal

Ich hatte nicht erwartet, so viel in ihrem Heimatort zu erleben. Aber ich habe gelernt, dass es die kleinen Dinge im Leben sind, die einen glücklich machen. Von Taipei aus kann man mit dem Zug nach Douliu durchfahren. Eine Reise lohnt sich, meine Freundin würde sich freuen!

Von Theresa Hilbert