„Weihnachtsfeier“ Weiya-Party ( 尾牙) bei Radio Taiwan International

Was bei uns die betriebliche Weihnachtsfeier ist, entspricht im taiwanischen Kulturkreis die Weiya-Party (Chinesich: 尾牙) und gehört insbesondere in Taiwan zu einem der Höhepunkte zum Jahresende. Einem Jahresende  nach chinesischer Zeitrechnung, genau dem 16. Tag des zwölften Monats des Mondkalenders.

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Vorbereitung

RTI-Präsident mit einigen Mitarbeitern der vietnamesischen Abteilung kurz vor dem Show-Down

Das erste der  beiden Zeichen des Begriffes  bedeuten „Schwanz“ oder auch „Ende“, das letztere „Zahn“, früher wurde damit aber der Markthändler bezeichnet, der sich dann zum Jahresende dem Erdgott gegenüber erkenntlich zeigte.

Traditionell war es früher eine jährlich stattfindenden Dankeszeremonie zu Ehren des Erdgottes, ihm fällt die nicht ganz unwichtige Aufgabe zu, für Reichtum zu sorgen.

Heute ist dies in etlichen Betrieben Taiwans eine soziale Veranstaltung zum Abschluss des Geschäftsjahres, der Boss oder die Geschäftsführung bedankt sich damit bei seinen Angestellten für den harten Einsatz.

Neben dem Beisammensein bei einem opulenten Mahl kommt auch der Spass nicht zu kurz. Es gibt etliche Wettbewerbe, bei denen es Preise zu gewinnen gibt und Darbietungen der Angestellten, teils auch der Chefs.

Wer ist der neue Shooting-Star?

Wer ist der neue Shooting-Star?

Eine besonders gelungene Elvis-Auferstehung gewann den ersten Preis

Eine besonders gelungene Elvis-Auferstehung gewann den ersten Preis

...doch dabeisein ist alles...

…doch dabeisein ist alles…

Die taiwanesischen Angestellten laufen dabei zur Hochform auf. Oft hat man den Eindruck, dass sie förmlich auf diesen Tag warten und die Bühne als Sprungbrett für einen Entritt in das Schowgeschäft nutzen wolllen.

Bei den RTI-Kollegen hat man oft sogar den Eindruck, sie kommen alle aus dem Showgeschäft und haben noch nie etwas anderes gemacht. Hochdotierte deutsche TV-Showmaster und Conferencies wirken da wie biedere Anfänger, dies ist nicht dahergeredet.

Gang Nam Style mit doppeltem Bauchtanz

Gang Nam Style mit doppeltem Bauchtanz

Was nicht fehlen darf , ist eine Verlosung, bei der es oft Sachgewinne und auch mal Geldpreise zu gewinnen gibt.

Wurden im letzten Jahr Handies, Fahrräder und computerähnliche Geräte aller Art verlost, gab es in diesem Jahr Geldpreise. Angefangen von Kleinstgewinnen von 100 NTD bis zu 30.000 NTD, immerhin knapp 800 EUR, der Preis wurde leider nur ein Mal verliehen. Die deutsche Abteilung blieb diesmal vom Glück verschont, doch vielleicht läutet es ja im nächsten Jahr.

RTI-Quiz

Dann wurde es ernst beim beliebten RTI-Quiz

...mit überraschendem Ausgang...

…mit überraschendem Ausgang…

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...kulinarisch kam niemand zu kurz....

…kulinarisch kam niemand zu kurz….

Natürlich wird bei einer echten Weiya-Feier ordentlich gegessen, das beliebte Gericht „Buddha springt über die Wand“  (Chinesisch : 佛跳牆) darf dabei natürlich auch nicht fehlen . Keine Frage, auch für dieses Gericht gibt es eine Legende. Angeblich soll es so gut schmecken, dass man damit auch die sich vegetarisch ernährenden Mönche über die Klosterwand springen lassen kann, wenn dieser Geruch ihre Nasenspitze erreicht. So soll es zumindest dem Volksmund nach einmal geschehen sein, vor einer Weile im südchinesischen Fuzhou.

(von Frank Pevec)

Besuch auf dem Neujahrsmarkt

Jedes Jahr vor dem chinesischen Neujahrsfest sind die Leute damit beschäftigt, Neujahrsvorbereitungen zu treffen. Dazu gehören Einkäufe auf dem traditionellen Markt, wo man frisches Gemüse, Fleisch, Fisch, Obst und vieles mehr bekommt, was man zum Neujahrsfest braucht – den über die chinesischen Neujahrsfeiertage muss natürlich genug Essen im Haus sein. Außerdem kauft man meist noch Blumen, und natürlich viel Knabbereien wie getrockneter Fisch, Fischrogen, Nugat,  Bonbons, getrocknetes Obst, Obst- und Gemüsechips, verschiedenstes Gebäck, Kerne, Neujahrskuchen und so weiter. Denn zu den chinesischen Neujahrsfeiertagen will nicht nur die eigene Familie mit Knabbereien versorgt sein – auch die Gäste, die zu Neujahrsbesuchen kommen, sollen natürlich bewirtet werden. Ein Besuch auf einem Neujahrsmarkt vor dem chinesischen Neujahrsfest gehört in Taiwan einfach zum Neujahrsfest und bringt einen auch richtig in Neujahrsstimmung – vielleicht vergleichbar mit einem Besuch auf einem Weihnachtsmarkt vor Weihnachten in Europa.
In Taipei herrscht natürlich vor dem chinesischen Neujahrsfest überall Neujahrsatmosphäre – aber bei einem Besuch auf dem Neujahrsmarkt in der Dihua Straße (迪化街) kann man viele traditionelle und nicht traditionelle Dinge zum Neujahrsfest kaufen.

Am Samstag, den 9. Februar, am letzten Tag im Jahr des Drachen können Sie uns  in „Reise durch Taiwan“  bei unseren Neujahrseinkäufen begleiten – und wie in der Sendung versprochen, hier ein visueller Eindruck von einem Bummel über den Neujahrsmarkt auf der Dihua Straße.

Bei meinem Bummel über den Neujahrsmarkt ließ ich mich, wie jedes Jahr, von der Neujahrsatmosphäre anstecken – ich verließ den Markt mit einer Tüte getrockneter Kaki-Früchte, einer Riesentüte gemischter getrockneter Obst- und Gemüsechips, einer großen Tüte voller taiwanischer Nugat in verschiedenen Geschmacksrichtungen, eine Tüte voller in Goldfolie eingewickelte „Tausendjährige Heiße-Quelle Eier“, und zwei Geschenkpackungen mit je zwei 0,6 Liter-Flaschen Hirsewein (8% Alkohol) – und außerdem noch eine kleine Packung Shou Wu Tee, der unter anderem blutreinigende Wirkung haben soll. Also, falls sie während der Chinesischen Neujahrsfeiertage Zeit und Lust auf einen Neujahrsbesuch in unserer Redaktion haben – Sie sind herzlich eingeladen, es sind genügend Knabbereien und Getränke da für alle!

Wir wünschen ein glückliches Jahr der Schlange! 新年快樂!

von Eva Triendl  

Zhishan Garten Taipei

Es war ein ausgesprochen sonniger und warmer Tag an dem wir beschlossen ein kleines Picknick im Zhishan Garten abzuhalten. Wir stellen uns als „Flachlandtiroler“ bei dem Wort „Garten“ ein zu ebener Erde liegendes und umzäuntes Stückchen Grün vor, wahlweise eher der dekorativen Gartenarchitektur entsprungen, oder als Nutzfläche für allerlei Gemüseanbau. Der Zhishan Garten hingegen ist ein Berg, der bestiegen werden muss, um die Aussicht auf Taipei genießen zu können. Ein Dschungel aus Bäumen, Farnen und Kletterpflanzen, ein Tummelplatz für unzählige Vogel und Schmetterlingsarten erwartete uns – und das mitten in der Stadt, im nördlichen Bezirk Tianmu.

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Von der Zhongshan North Road, Sec. 5 (Zhishan MRT) durchquerten wir einen kleinen Park in dem das Rauchen verboten ist. Ein Open-Air-Rauch-Verbotsschild war dann doch etwas Neues für uns. Neben einem Spielplatz fanden sich, wie in jedem Park, die gelb-rot leuchtenden Geräte zur körperlichen Ertüchtigung und so drehten auch wir an den Handrädern, zogen an Strippen das sich unsere Wirbelsäule reckte und streckte und liefen auf einer Art „Stepper“ wo wir uns danach fühlten als würden wir auf Wolken zum Zhishan Garten schweben. Die „Fußreflexzonenmassage“ auf einem eigens dafür angelegten Pfad mit hoch aufragenden schwarzen, glatt gewaschenen Steinen ließen wir aus und erreichten bald unser Ziel – zumindest standen wir davor, erklommen musste der Berg ja noch werden.

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Über Holzstege, die sich wie Nervenzellen immer weiter verzweigen und die Wahl des Weges schwierig aber auch aufregend machten, liefen wir schnaufend hinauf. Aussichtsplattformen mit Holzbänken oder einem Picknick Platz ließen Zeit um über die Stadt zu blicken, Schmetterlinge, oder Vögel zu beobachten und einzutauchen in dieses Biotop, welches den Lärm der Stadt fast vergessen macht. Jogger kommen uns entgegen, eine ältere Dame und ein Herr machen Tai Chi Übungen und eine Kindergartenklasse rennt aufgeregt über die Holzstege.

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Auf einer Aussichtsplattform zeigt eine runde, in Holz eingelassene, Metallplatte in einem 360 Grad Blick die geologische Beschaffenheit von Taipei. In 3D-Ansicht gruppieren sich Berge um die Stadt und breite Flüsse fließen durch sie hindurch.

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Der Zhishan Garten ist Taiwan’s erster Öko-Park und wurde formell am 31. Dezember 2005 eröffnet. In Zeiten der japanischen Kolonialherrschaft war der Berg offensichtlich ein unzugängliches Naturdenkmal. In der Qing-Dynastie diente der „Wald-Berg“ als Zufluchtsort.

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Ein anderer Holzsteg-Weg führt zum Huiji Tempel, der 1752 erbaut wurde. Der einzige Baum auf dem Vorplatz wird gestutzt und frisiert für das chinesische Neujahrsfest. Er sieht aus wie die Version eines großen Bonsai. Der Vorplatz scheint direkt mit dem Himmel verbunden zu sein, weil er in luftiger Höhe thront und einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und die Bergketten bietet. Marmorlöwen brüllen von der Balustrade dem Tempel entgegen, auf dessen Schwalbenschwanzdächern sich gelb- und grün-schuppige Drachen winden.

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Ein steiler Treppenweg führt vom Tempel hinunter zum 1825 erbauten Chih Shan Yen Tor, begleitet von roten Laternen, die wie Schlangen über unsere Köpfe hinweg schlängeln.

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Der Berg scheint größer zu sein als von uns angenommen. Wir dachten wir hätten alles gesehen, doch die verschlungenen Pfade führen noch an andere Orte wie den „Zhishan Cultural and Ecological Garden“, der einen kleinen Teil des Berges einnimmt und einem ökologischen Teich, sowie ein Gewächshaus und das „BREAD“ Erholungszentrum für verletzte Vögel beheimatet, welches von der Wild Bird Society in Taipei betrieben wird. Für den Garten kostet der Eintritt 50 NT$.

Mandy Fox