„Ruf der Wildnis“ im Zentrum der Großstadt

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Urbanes Wohnen (Foto: Frank Pevec)

Weltweit steigt der Urbanisierungsgrad, alles zieht aus verschiedensten Gründen in die Großstädte. Ein größeres Stellenangebot lockt, die Chance auf einen besseren Job ist in der Regel ebenfalls gegeben, ein umfangreicheres Kulturangebot, eine deutlich erweitertes kulinarisches Angebot, vielseitigere Einkaufsmöglichkeiten und eine buntere Freizeitgestaltung, nicht zuletzt auch in den Abendstunden, machen die Lichter der Großstadt so anziehend.

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Pulsierender Verkehr auf dem Civic-Boulevard (Foto: Frank Pevec)

Taipei ist ebenfalls eine dieser brodelnden, wuseligen Metropolen Asiens. Offiziell hat die Stadt Taipei zwar nur 2,7 Mio. Einwohner, allerdings strömen täglich aus dem umliegenden Neu-Taipei Hunderttausende in die Stadt, um ihrer Arbeit nachzugehen. Das ebenfalls gut 3 Mio. Einwohner aufweisende Neu-Taipei , früher als Landkreis Taipei bezeichnet, geht fließend in die Stadt Taipei über, die umgebenden Flüsse machen einen großen Teil des Grenzverlaufes aus. Eine echte Trennung zwischen den beiden Gebieten ist optisch und gefühlt kaum auszumachen, so tummeln sich etwa 5 Mio. Einwohner in dem Talkessel um Taipei.
Dies kommt mit einem erhöhten Geräuchschpegel, stärkerem Verkehrsaufkommen bei schlechterer Luft , beengterem Wohnen und deutlich mehr Gedränge daher. Der Großstadtmensch muß daher entsprechende Strategien entwickeln, um auch einmal abschalten zu können. Nichts ist heilsamer als ein Spaziergang in der Natur, weg von den Massen und mal wieder Vogelstimmen lauschen anstatt von Verkehrsgetöse bedröhnt zu werden.

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„Raus auf´s Land, ab in die Berge, an das Meer“ … so spricht die nach Entspannung suchende Seele, zumindest ab und an meldet sie sich. Leider liegen diese Ruhe und Entspannung suggerierenden Orte in der Regel außerhalb der Ballungszentren.
In Taipei ist dies zum Glück nicht der Fall. Etliche kleine Bergzüge, dank des regenreichen subtropischen Klimas alle stark bewaldet, kriechen in den Talkessel hinein und stellen damit grüne Bollwerke gegen die Betonierungswut der Ebene dar. Damit sind sie herrliche Fluchtorte der Erholung gegenüber dem hektischeren Alltag der Großstadt.

Auch die Stadtväter haben dies erkannt und etliche dieser 200 bis 300 Meter hohen Berge mit Wanderwegen ,Wegweisern und kleinen oft überdachten Rastplätzen ausgestattet, um den Freizeitwert zu steigern. Die am Berghand wohnenden Bewohner der Stadt haben auch schon oft in Eigenregie mit Steinen, Beton und Holz die zum Teil recht steilen Steigungen gesichert. Ab und an kann man Kieshaufen am Beginn des Wanderweges sehen, die Spazierenden sind dann aufgerufen, eine kleine Tüte dieser Kiesel weiter nach oben zu bringen, um die anderen ein wenig zu entlasten.

Heute möchte ich kurz den Fuzhou-Park vorstellen, ein etwa 2 km südlich vom Hochhaus 101 liegender Park. Trotzdem er ganz in der Nähe meiner Wohnung gelegen ist, habe ich ihn erst vor kurzem entdeckt, werde jetzt aber öfter die Chance zu einem Spaziergang wahrnehmen.

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Der subtropische Einfluss bezieht sich allerdings nicht nur auf die Pflanzenwelt, auch die Tierwelt ist davon geprägt, Taiwan weist eine Fülle von Schlangensorten auf, einige können sogar recht giftig sein. Die wechselblütigen Schlangen sind insbesonder im Sommer aktiv, die normalen Trampelpfade sollte man dann besser nicht verlassen.

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Taiwan ist Heimat einer breiten Palette von teils sehr giftigen Schlangen (Foto: Frank Pevec)

Teilweise wirkt er wie ein Park , teilweise hat man das Gefühl, im Urwald zu sein, und dass in zwei Kilometern Entfernung vom neuen Hauptgeschäftszentrum um das 101.

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Die gute Aussicht belohnt die kleinen Mühen des Anstieges

Bei dem langsamen Aufstieg kann man auf einige „schrille“ Parkbesucher treffen.

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Doch nach etwa einer Viertelstunde ist Schluß, ein Felsbrocken stellt sich als unüberwindbar dar. Wie man erkennt, haben sich einige frühere Besucher noch lange nicht geschlagen gegeben und für wagemutigere Kraxler bereits ein Tau ausgehängt.

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Endstation (Foto: Frank Pevec)

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Wagemutige bitte links oben ziehen (Foto: Frank Pevec)

Da es kein Hochsommer war, die Schlangen daher mehr oder weniger erstarrt, entschloss ich mich zu einer Querfeldeinroute, die allerdings auch nach 200 Metern beendet war.

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Taiwan ist berühmt für seine mehr als 600 Farnarten

Beim Rückweg auf dem Bergkamm bietet sich ein herrlicher Blick über den Talkessel und auf das 101.

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Dies ist nur eine der vielen kleinen Hügelketten in der Stadt, etliches gibt es hier zu entdecken.

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Talkessel von Taipei (Foto: Frank Pevec)

…und das alles ohne zeitraubende Autofahrt in die zugegeben reizvolle Umgebung von Taipei, wie nach Wulai oder dem Nationalpark am Yangming-Berg, die am Wochenende einen leicht zwei bis drei Stunden im Stau verbringen lässt – bei der Hin- und bei der Rückfahrt. Das Glück liegt doch so nah.

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Blick aus dem „Urwald“

Author und Fotos: Frank Pevec

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