Kalligraphie: die Seele der chinesischen Kultur

Vom 17. bis zum 23. November fand in einem Ausstellungsraum der Sun Yatsen-Gedächtnishalle in Taipei eine Ausstellung des chinesischen Autors und Kalligraphen Zhang Biao statt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stand ein Text Zhangs, der, verfasst in einem altchinesischen Schreibstil, den Geist wichtiger Persönlichkeiten der Xinhai-Revolution von 1911 einfängt. Einer der Revolutionsführer jener Zeit war eben jener Sun Yatsen, der seither in Taiwan als auch auf dem chinesischen Festland als Gründervater des modernen China angesehen wird. Daher könnte der Ausstellungsort wohl nicht besser getroffen sein. Nach der Fertigstellung und der Veröffentlichung seines Textes machte sich Zhang Biao auch aufgrund der großen Resonanz daran, diesen kalligraphisch darzustellen. In Zhangs Augen ist die Kunst der Kalligraphie „die Seele der traditionellen chinesischen Kultur. In Zusammenarbeit einiger festlandchinesischer und taiwanischer Kunststiftungen und Kalligraphievereinigungen war eben dieses Werk nun auf 108 Schriftrollen und einer Gesamtlänge von 54 Metern in Taipei zu bestaunen…

Hier sehen Sie die ersten „15 Meter“ des 8.000-Zeichen langen Textes, gelesen wird von rechts nach links und von oben nach unten.

Nach seiner Einführungsrede am Eröffnungstag der Ausstellung…

…durfte sich das zahlreich erschienene Publikum live einen Eindruck von den Schreibkünsten des Meisters verschaffen. Hier faltet er gerade das zu beschreibende leere Blatt aus.

Zur Verwunderung aller tunkte er seinen Pinsel zunächst in ein Schälchen mit frisch eingefülltem Grüntee. Prompt kam die Nachfrage eines Beobachters, ob denn nur grüner Tee zur Befeuchtung des trockenen Pinsels geeignet sei, bevor er vor dem ersten Strich in Tusche getaucht wird. Zhang klärte die Zuschauer sogleich auf, und betonte, dass man in der Regel einfach Wasser verwenden, Tee jedoch auch nicht schaden würde.

Und los geht’s! Geschrieben und gelesen wird auch hier von rechts nach links…

 

Versteckt in der Menge bei Vollendung des Werks…

Zhang Biao (rechts) präsentiert sein Werk, auf dem steht:
中華精神 – „der chinesische Geist“.

 

Was verschiedene Schriftarten oder Schreibstile in der Kalligraphie angeht, spricht man allgemein von fünf Hauptkategorien, die da lauten: Regelschrift, Grasschrift, Kanzleischrift, Siegelschrift, und Kursivschrift. Laut Zhang Biao sollte ein Kalligraph bei einer Soloausstellung besonderen Wert auf die Einbeziehung unterschiedlicher Schriftarten legen. Es müsse also nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form der geschriebenen Zeichen variiert werden. Von dieser Variation kann man sich anhand der folgenden Werke überzeugen…

 

Kalligraph Zhang Biao und sein Werk. Hier als Interviewgast eines Fernsehsenders aus Xiamen.

 

Autor des Beitrags: Dominik Weihrauch

Der Radiobeitrag zur Kalligraphie-Ausstellung läuft am Freitag, den 23. November 2011 in der Sendung „Kulturpanorama“.

 

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Eine Antwort

  1. Ich freue mich schon auf die Freitagssendung um mehr über die verschiedenen Schriftarten herauszufinden.

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