Über die Treppe den Taipei 101 hoch

Ich hatte es geschafft – ich konnte endlich mal am „Taipei 101 – Lauf“ teilnehmen. Genau, es ging bei dieser Veranstaltung darum, das einstmals höchste Gebäude der Welt zu Fuß also über die Treppen zu besteigen. Bei dem Lauf ging es nicht ganz in den obersten Stock, sondern „nur“ in den 91. Stock, d.h. insgesamt 390 Meter und 2046 Stufen.

Da sollte es hochgehen

Da sollte es hochgehen

Meine erste Teilnahme bot mir gleich noch eine zweite Premiere – der Besuch der Außenterasse auf der 91. Etage, denn dort würde der Lauf, das Klettern, vielleicht auch das Hochkriechen enden. Ich war zwar schon des öfteren auf der inneren Aussichtsplattform des Taipei 101 im 89. Stock gewesen, doch aus verschiedenen Gründen hatte ich es noch nie auf die Außenterasse geschafft. Das sollte sich nun ändern, wenn ich es denn bis nach oben schaffen würde. Bei wunderschönem Wetter fand ich mich also kurz vor 10 Uhr am Taipei 101 ein, mehr als eine Stunde früher, als ich eigentlich starten sollte, doch ich wollte die Gelegenheit wahrnehmen und ein Programm für RTI produzieren. Dazu wollte ich schon vorher ein wenig der Stimmung vor dem Taipei 101 einfangen (denn natürlich war einiges los) und ich wollte versuchen noch ein oder zwei Interviewpartner vors Mikrofon zu zerren.

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Nicht der älteste Teilnehmer (wie ich fälschlicherweise dachte)

Und durch die nette Hilfe des Organisationsteam hatte ich tatsächlich das Glück ein paar Informationen direkt von Michael Liu (Assistence Vice President/Taipei 101 Financial Center Corp.) zu der Organisation des Laufes zu erhalten. Er erzählte mir, dass sich etwa 4100 LäuferInnen angemeldet hatten, davon etwa 100 Ausländer. Übrigens hatte der diesjährige 101-Lauf ein besonderes Motto: „Run for a reason“, also „Lauf aus einem Grund“. Michael Liu erklärte mir, dass es vielzählige Gründe gebe, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Einer war, sich selber herauszufordern, ein zweiter Grund war, dass Teile der Einnahmen für gute Zwecke gespendet wurden.Außerdem hatte ich im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, mich mit Thomas Dold aus Deutschland zu verabreden.

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold nach beendetem Lauf

Thomas Dold, der nicht nur den Taipei 101 Lauf einige Male gewonnen hat, sondern auch eine Vielzahl anderer derartiger Läufe. Ich hatte Thomas Dold schon im letzten Jahr nach seinem Sieg ausführlich interviewt, allerdings nur über Telefon. Diesmal hatte ich also die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen. Leider konnte er in diesem Jahr seinen 1. Platz nicht verteidigen, sondern verlor ganz knapp mit vier Sekunden gegen Mark Bourne aus Australien.

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 ...

Hier die 5 schnellsten Männer, mit Zeiten zwischen 11:26 und 12:53 …

Die sogenannte Elitegruppen (Männer und Frauen) hatten ihr Rennen bei meinem Eintreffen schon beendet (dazu gleich noch ein paar Details) und so konnte ich Thomas Dold bei der Siegerehrung abfangen.

... und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

… und hier die 5 schnellsten Frauen mit Zeiten zwischen 13:21 und 16:46

Wenn ich befürchtet hatte, dass er vielleicht schlecht gelaunt ob des super knapp verpassten Sieges sein würde und keine Lust haben würde, meine Fragen zu beantworten, sah ich mich getäuscht. Er bestätigte meinen frühreren Eindruck von unserem Telefoninterview, dass er ein sehr freundlicher, offener Zeitgenosse ist und beantwortete alle meine Fragen lachend und lebhaft. Zum Schluss gab er mir noch den Tip, langsam anzugehen und dann hinten raus noch mal zuzulegen, denn dieser Taipei 101 sei wirklich ein sehr herausfordernder Turm. Diesen Rat zu Herzen nehmend, machte ich mich also auf zum Start, wobei mir klar war, dass ich langsam anfangen würde und dann noch langsamer aufhören.

Das Drachenbootteam "Team Max", bei dem ich mitlief

Das Drachenbootteam „Team Max“, bei dem ich mitlief

Doch zunächst an dieser Stelle noch ein paar Informationen zum Ablauf. Wie gesagt nahmen an diesem 8. Taipei 101 Lauf (wird seit 2005 durchgeführt) über 4100 LäuferInnen teil. Dass diese nicht auf einmal auf den Treppenturm losgelassen werden konnten, ist wohl selbstverständlich. Also wurden verschiedene Kategorien organisiert, die dann zu verschiedenen Zeiten losgelassen wurden. Einmal die Elite-Läufer, die um 8 Uhr morgens losliefen. Dann die Staffelteams, wobei die jeweiligen Teams ihre Mitglieder in verschiedenen Stockwerken platzieren mussten, und diese starteten um 8:45. Dann waren die Teams an der Reihe, die auch als Team losliefen. Hierbei bestand jedes Team aus 30 LäuferInnen und die Zeiten der 15 schnellsten LäuferInnen aus jedem Team wurden zusammengerechnet, um die Siegermannschaft zu ermitteln. Insgesamt nahmen 52 Teams am „Team-Wettkampf“ teil, der um 9:10 begann.

Vor dem Start

Vor dem Start

Sehr positiv war, dass die Organisatoren schon im Vorfeld die Startzeiten noch genauer eingeteilt hatten. D.h. es wurde nicht einfach gesagt, „Team-Wettkampf um 9:10“ und die späteren Teams hätten dann zwei oder drei Stunden warten müssen, sondern es wurde schon vorher gesagt, z.B. die Teams mit den Startnummern 1651-1950 starten zwischen 10:30 und 11:00. Tatsächlich funktionierte das recht gut und wir mussten nicht einmal eine halbe Stunde anstehen. Dann ging es tatsächlich los, ich mit Aufnahmegerät, Mikrofon und Blackberry (als Videokamera) in beiden Händen. Denn ich wollte ja zwischendurch und vom Zieleinlauf sowohl Ton- als auch Videoaufnahmen machen.

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Die Startlinie im ersten Stock des Taipei 101

Gemäß dem Rat von Thomas Dold liess ich es locker angehen und joggte vor mich hin. Ich muss sagen, dass ich vor dem Taipei 101 schon über ein Jahr nicht mehr gelaufen war und im Vorfeld nur einige Mal bei uns im 10-stöckigen Haus hoch- und runtergelaufen war, also war mir klar, dass ich da nicht hochsprinten könnte. Lustigerweise erinnerten mich viele der anderen Teilnehmer an Kinder, die das erste Mal an einem Rennen teilnehmen. Kinder tendieren oft dazu, mit Elan und Volldampf loszurennen, ehe sie nach einiger Zeit dann keine Kraft mehr haben, um weiterzulaufen. So war es auch hier mit vielen LäuferInnen. Mit Geheul und Jubbel ging es über die Startlinie und die ersten zwei/drei Etagen, ehe viele dann merkten, dass die Beine schon anfingen zu brennen, die Lunge fast platzte und man noch über 80 Etagen vor sich hatte. So konnte man dann Leute sehen, die sich wahrlich die Stufen hochquälten und fast auf allen vieren kletterten. Und nicht wenige mussten sich hinsetzen, um entweder wieder zur Puste zu kommen, oder den Lauf ganz abzubrechen. Aber auch wenn sich dieser Wechsel zwischen anfänglichem Enthusiasmus und folgender Ernüchterung lustig anhört, ist es nicht ganz ungefährlich. Denn 91 Etagen zu steigen, ist tatsächlich körperlich sehr anstrengend und eine fehlende Vorbereitung kann böse enden. Dieses Mal habe ich niemand gesehen, der tatsächlich zusammengebrochen ist, doch ich habe das schon öfter während der Triathlons erlebt. Also, wer mal am Taipei 101 Lauf teilnehmen möchte, sollte im Vorfeld mal die eine oder andere Treppe zu Fuss zurücklegen. Lobenswert fand ich übrigens die gute Atmosphäre im Treppenhaus und das sehr disziplinierte Benehmen der LäuferInnen. Schon im Vorfeld hatten die Organisatoren erklärt, dass vom rücksichtslosen Überholen abzusehen sei und während ich auf den Schwimmstrecken der Triathlon Wettkämpfen schon den einen oder anderen Fuss im Mund oder Ellbogen am Kopf gefühlt habe, war davom beim 101 Lauf nichts zu spüren.

Auf dem Dach der Welt

Auf dem Dach der Welt

So trottete ich also die 91 Etagen langsam vor mich hin (Gott sei Dank, dass es iPods gibt), wobei ich zwar langsam angefangen war, aber leider zum Schluss auch langsam aufhörte. Naja, mit brennenden Oberschenkeln und schwer atmend kam ich dann nach 33 Minuten (eingeschlossen einer zwei-minütigen Toilettenpause im 49 Stock) oben an, wo sich das sehr schöne Wetter doch noch auszahlte. Man hatte eine wunderbare Sicht über Taipei und Umfeld.

Ohne Worte - mir fehlte noch die Puste

Ohne Worte – mir fehlte noch die Puste

Und nach einer kurzen Verschnauffspause ging es wieder runter, und zwar diesmal mit den sehr schnellen Aufzügen. Damit man sich eine kleine Vorstellung machen kann, wie lange es dauert, bis man diese 91 Etagen und 2046 Stufen erklommen hat – Eliteläufer wie Mark Bourne oder Thomas Dold schaffen das schon in unter 11 Minuten, ich selber brauchte 33 Minuten, wobei ich etwas schlechter als das Mittelfeld war, und die längste Zeit war etwas über zwei Stunden.

Und zum Abschluss ein kurzes Video:

Wer an dem Radio-Beitrag interessiert ist, kann diesen auf der Webseite der RTI-Deutschabteilung nachhören. Und zwar im Sonntagsmagazin  vom 10. Juni 2012.

von Ilon Huang

Fotos von Ilon Huang, Lynn Lee, Thomas Dold

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2 Antworten

  1. […] die deutsche Redaktion von Radio Taiwan International hat Ilon Huang am Taipei 101-Treppenwettlauf teilgenommen. In 33 Minuten schaffte er es in den 91. Stock, Pinkelpause inbegriffen. Respekt! (Der Sieger, ein […]

  2. Na was du nicht so alles machst.war sicher ne tolle Erfahrung.

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