Der Drache steht vor der Tür

Süßigkeitenstand auf dem Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei

Süßigkeitenstand auf dem Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei

Am 23. Januar beginnt das Jahr des Drachen. Neun Tage ist zum Chinesischen Neujahrsfest in diesem Jahr in Taiwan frei vom Samstag, den 21. Januar bis zum Sonntag, den 29. Januar – erst am Montag, am 30. Januar, dem 8. Tag in neuen Jahr des Drachen beginnt wieder eine normale Arbeitswoche. Natürlich sind kurz vor Neujahr alle geschäftig dabei, die letzten Neujahrsvorbereitungen zu treffen.

Am Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei kann man alles bekommen, was man für das chinesische Neujahrsfest benötigt - in diesem Jahr tragen manche Verkäufer und Verkäuferinnen zum kommenden Jahr des Drachen passende Assecoires

Am Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei kann man alles bekommen, was man für das chinesische Neujahrsfest benötigt - in diesem Jahr tragen manche Verkäufer und Verkäuferinnen zum kommenden Jahr des Drachen passende Assecoires

Schon ab Freitag Abend ist natürlich der Andrang auf  Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Flughäfen und Straßen und Autobahnen besonders groß. Den Neujahrsabend, in diesem Jahr der Sonntag, der 22. Januar, und den Neujahrstag begeht man traditionell im Kreis der Familie.

Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei

Neujahrsmarkt in der Dihua-Straße in Taipei

Vor dem Neujahrsabend – 除夕 – wird eine Menge Essen eingekauft, Gemüse, Fleisch und natürlich als Symbol, dass im neuen Jahr immer mehr als genügend Essen vorhanden ist, auch Fisch. Außerdem Neujahrskuchen, Süßigkeiten wie Nougatbobons mit Erdnüssen oder Mandeln und viele getrocknete Lebensmittel – wie getrockneter Fisch, getrocknetes Fleisch, Kerne zum Knabbern, Gemüse- und Obstchips und andere Leckereien, die man über die Neujahrsfeiertage – neben den großen üppigen Festessen – so in sich hineinknabbert oder Gästen anbietet, die zu Neujahrsbesuchen kommen. Dann müssen natürlich zumindest diejenigen, die im Arbeitsleben stehen, noch rote Umschläge mit Geldscheinen stopfen und zum Neujahrsfest dann an die jüngere und ältere Generation verteilen.  

Getrockneter Fisch in allen Variationen

Getrockneter Fisch in allen Variationen

Fleisch und Eingelegtes

Fleisch und Eingelegtes

Obst- und Gemüsechips

Obst- und Gemüsechips

Außerdem muss natürlich geputzt werden, alte Sachen müssen raus, neue Sachen rein für das neue Jahr. Wäsche muss auch noch vor dem Neujahr gewaschen werden und zum Neujahrsfest zieht man am besten neue und rote Kleidung an. Wenn dann die glücksverheißenden Neujahrssprüche auf rotem Papier aufgehängt und die Familienmitglieder alle von nah und fern zusammen gekommen sind, kann das Neujahrsfest mit dem Essen am Neujahrsabend beginnen.

Auch unsere Redaktion hat Neujahrsvorbereitungen getroffen - nur der Fisch fehlt
Auch unsere Redaktion hat Neujahrsvorbereitungen getroffen – nur der Fisch fehlt

Wir wünschen ein glückliches Jahr des Drachen!

von Eva Triendl
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Taiwan – Reisen : Goldstadt Jioufen ( 九份)

Heute machen wir einen kleinen Ausflug in die ehemalige Goldgräberstadt Jiufen im Nordosten Taiwans, ca. 40 km von Taipei entfernt ,

Bucht von Keelong

Bucht von Keelong (Foto: Frank Pevec)

Das ganz in der Nähe der Hafenstadt Keelong gelegene Jiufen ist am Wochenende ein beliebter Ausflugsort der Hauptstadtbewohner, in der Woche wäre er es wahrscheinlich auch, wenn nicht alle immer arbeiten müssten. Für den nötigen Nachschub sorgen seit der Öffnung Taiwans Touristen aus Festlandschina China und auch Hongkong.

Alte Bergbaustadt Jiufen mit Keelong – Berg (Foto: Frank Pevec)

Doch warum fahren alle nach Jiufen? Jiufen war noch bis in die 50er Jahre eine wohlhabende Goldgräber- und Bergbaustadt, allerdings einseitig darauf ausgerichtet und entsprechend davon abhängig. Mit der Einstellung des Bergbaues nach dem Abzug der japanischen Kolonialmacht ging es daher wirtschaftlich schnell bergab mit dem schön am Berghang gelegenen Örtchen.

Jiufen soll nun  ausgebaut besser umgebaut werden um der  wachsende Zahl  von Besuchern auch etwas zu bieten zu haben. Unterkünfte, Erlebnisstätten und Souvenirläden sollen um das von einem morbiden Charme umgebene Bergbaugebiet entstehen.

Was gibt es noch? Erst einmal einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Jilong und die Küste, wenn man die gewundene Bergstrecke hochgefahren ist, die einen wahrscheinlich auf  300 bis 400 m Höhe bringt. Bei gutem Wetter kann man sogar bis zum etwa 30 km entfernten westlich gelegenen  Jinshan schauen.

Jiufen ist als Goldgäberstadt bekannt, das klingt auch spannender , in der Tat wurde auch intensiv nach Kupfer gegraben und zwar von den Japanern , die 1895 nach dem schnell gewonnenen Krieg gegen China sich Taiwan unter den Nagel gerissen hatten .

Die Japaner haben allerdings auch sehr viel für den Aufbau und die Modernisierung Taiwans getan, dies natürlich nicht aus Gründen der Barmherzigkeit,  Eigeninteressen der standen  im Vordergrund. Taiwan sich dabei nicht von den Kolonien der westlichen Mächten, bei der Erschliessung ging es um die Versorgung mit Rohstoffen für die Kolonialmacht, in diesem Fall für das ressourcenarme Japan, die sich der damals üblichen Praktiken der Eigenversorgung bedienten.

Taiwan wurde von ihnen komplett vermessen und katalogisiert, die nahezu gesamte Flora und Fauna registriert, Rohstoffvorkommen aufgespürt, im Süden verbesserte man die Irrigationssysteme der Landwirtschaft und erhöhte damit deutlich die Produktivität.

Die Eisenbahn in Taiwan als auch das Wasserleitungsnetzwerk in Taipei ist ebenfalls auf die Initiative der Japaner zurückzuführen, umgesetzt wurden diese Projekte natürlich von den Taiwanern.

Hier im Norden von Jiufen wurde  nach Gold und Kupfer geschürft.

Schon wenn man entlang der Küstenstraße fährt , sieht man gut die sich leicht bedrohlich sich hinter Jiufen erhebenden Industrieruinen, fast wie eine Gespensterstadt anmutend , die sich den teils recht steilen Berghang hinaufzieht, drum herum winden sich einige recht enge Straßen , an denen die Bewohner des Ortes ihre Häuser dicht and dicht errichtet haben.

Alte Goldmine in Jiufen

Alte Goldmine in Jiufen (Foto: Frank Pevec)

Beim Blick auf die Industrieruinen wird einem sofort deutlich, das dieses jetzt eher verschlafene Nest Ort emsiger Aktivität war. recht lebendig muss es gewesen sein, jetzt ist alles still, bei den Anlagen sieht man überal kaputte Fensterscheiben, aufffällig sind noch recht grosse grauschwarze Betonröhren , die kilometerweit den Berg hinauf gelegt wurden, dies sind keine Wasserleitungen, sondern zur Ableitung der bei der Gewinnung von Kupfer entstehenden ätzenden SO2 Dämpfe gebaut,  hier wurden sie über  den Berg auf die andere Seite hochgeleitet und dort an die Umgebung abgelassen, was der Luftqualität in Jiufen zugute kam – wenn die Windrichtung stimmte.

Das diese Röhren notwendig waren, ist unschwer an der völligen Abstinenz von Baumwuchs erkennbar. Weiterer Indikator für die starke Konzentration von S02 sind die schick in ocker-orange und in Rottönen verfärbten Findlinge im Flussbett, welches direkt die Anlage säumt.

Abgasmanagement

Abgasmanagement (Foto: Frank Pevec)

Im Zweiten Weltkrieg wurde hier in Jiufen von den Japanern ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet, in dem die Gefangenen sich dann im Bergbau verdingen mussten. Jetzt gibt es hier eine Gedenkstätte, die auf die damaligen Taten hinweist.  Hier in Jiufen waren insgesamt 4300 Kriegsgefangene untergebracht, 10% von ihnen starben an Hunger, Krankheit, Überarbeitung oder den Schlägen, die sie des öfteren einstecken mussten. Wiederentdeckt wurde das Kriegsgefangenenlager erst 1990, 1997 wurde dann die Gedenkstätte eingerichtet.  Auf einer größeren Gedenktafel sind die Namen der ehemaligen Inhaftierten verzeichnet und wird der Verstorbenen  gedacht.

In ganz Taiwan gab es 15 Kriegsgefangenenlager, im Norden waren es neben Keelong noch Jinshan und Taipei im Norden, fünf in Zentraltaiwan, zwei in Kaohsiong und an der Ostküste ebenfalls einige.

Die meisten der auf der großen Gedenktafel aufgezeichneten Kriegsgefangen kamen aus Großbritannien und den USA, ab und an auch einige Holländer oder Australier. An die  Gegenwart wir mit den Worten „Frieden gibt es nicht umsonst“ gemahnt.


Was gibt es noch zu unternehmen? Wer moechte , kann den fast 600 m hohen Jilong Berg besteigen, besser bewandern, dort gibt es natürlich Weege. .

Für den Hunger danach gibt es etliche Auswahlmöglichkeiten in zahlreichen kleineren Restaurant, als Spezialität ist die Fischballsuppe zu erwähnen, Jiufens Nähe zum Meer legt natürlich nahe, sich an Fisch und Seafood-Gerichten zu versuchen.

Beim Rückweg nach Jilong gibt es dafür auch ein stark frequentiertes Seafood-Restaurantviertel in Hafennähe, kleiner Tipp: Beim Verzehr von einzeln bestellten ganzen Fischen Immer die Preise erfragen. Noch wichtiger: Den Fisch seiner Wahl gleich wiegen lassen und nach dem Gesamtpreis fragen, das hält die Überraschung niedriger, ansonsten ist eine gut gedeckte Kreditkarte von Vorteil.

Für Fahrradfahrer ist Jiufen eine echte Herausforderung, ordentlich steil, echte Fahrradfreaks freuen sich natürlich auf die Berge, nach einem quälenden Aufstieg folgt dann als Belohnung meist eine wunderschöne Abfahrt. Hier in Jiufen bedeutet die Abfahrt ebenfalls nochmals Arbeit, steil eng und kurvig ist es, da heißt es mächtig in die Bremsen zu gehen. Vielleicht fährt man auch über den Berg auf  der ins Landesinnere gelegenen Seite herunter in Richtung Fulong, um dort am Strand ein Bad zu nehmen. Nach Fulong gelangt man auch wunderbar, wenn man einfach dem Verlauf der Küstenstraße folgt.

Der Ausblick auf die Bucht von Jiufen ist es allemal wert, blaue Küste und weiter Blick auf das Meer, bei Ebbe verändert sich allerdings die Farbe der Bucht, an einigen Stellen in Küstennähe erscheint sie auf einmal eher gelblich, dies ist ebenfalls Zeugnis der früheren Bergbautätigkeit. Es sind Schwemmstoffe, die sich hier ablagerten, dafür hat man auch gleich einen netten Namen gefunden: Das gelbgoldfarbige Wasser.

Was noch auffällt: es ist in Jiufen etwas kühler als in Taipei, man liegt etwas höher und der vom Meer kommende Wind verschafft einem ein wenig Linderung, dies ist insbesondere im Hochsommer sehr willkommen.

Jiufen wurde übrigends von Taiwans wohl bekanntestem Regisseur , von Hou Hsiao hsien zur Filmkulisse für seinen  preisgekrönten Film „Stadt der Traurigkeit“ gewählt, mit diesem Streifen gewann er immerhin den Goldenen Loewen bei den Filmfestspielen in Venedig. Die Atmosphäre des morbiden, verlassenen und zerfallenden Jiufen war wie gemacht für seinen Film. Wer filmnah speisen will, kann es auch in dem gleichnamigen Restaurant tun, dem „City of Sadness“  Restaurant, von Außen wegen seiner Schlichtheit kaum wahrnehmbar..

Ansonsten kann man sich auch in einem der zahlreichen Teehäuser am Hang der Berge mit Blick auf  den Pazifik niederlassen und seine Seele herrlich baumeln lassen.

Author: Frank Pevec