Ein Tag in Taipei

Was kann man an einem Tag in Taipei sehen? Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, dies zu testen, als Freunde aus Deutschland auf dem Weg nach Neuseeland für einen Tag in Taipei einen Zwischenstop machten. Trotz etwa 24-stündigem Schlafmangels wollten sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einmal einen kurzen Eindruck von Taipei zu erhalten. So verliessen die vier (Gwen, Katrin, Svenja und Denise)  den sicheren Taoyuan Internationalen Flughafen und begaben sich per Bus nach Taipei Stadt. Tatsächlich ist es doch relativ einfach, vom Flughafen aus andere Städte in Taiwan zu erreichen, auch wenn man noch nie in Taiwan war. Für etwa 15-20 Euro kann man ein Taxi nach Taipei Stadt nehmen, ein Busticket gibt es schon für etwa 3 Euro. Die Fahrt zum Taipei Hauptbahnhof dauert derzeit etwa eine Stunde, kann bei zügigem Verkehr aber auch weniger als 45 Minuten dauern (während des Berufsverkehrs aber auch wesentlich länger). Man kann auch mit dem Bus zunächst zu den Bahnhöfen in Taoyuan (Taiwan Eisenbahn und Hochgeschwindigkeitsbahn), doch da die Bahnhöfe in einiger Entfernung vom Flughafen liegen, lohnt sich das für eine Fahrt nach Taipei eher nicht. Diese Methode lohnt sich allerdings (zeitmäßig) für eine Fahrt in weiter abgelegene Städte im Süden (Hsinchu, Taizhong, Kaohsiung usw.). In etwa 3 Jahren wird Taipei Stadt aber noch bequemer und schneller zu erreichen sein, wenn nämlich die MRT-Strecke (Mass Rapid Transportation – das taiwanische U-Bahn System in Taipei und Kaohsiung) zwischen dem Flughafen und Taipei Stadt fertiggestellt sein wird. Dann soll die Fahrt zum Bahnhof nur etwa 35 Minuten dauern und das natürlich unabhängig von der Verkehrssituation. Doch zurück zur Gegenwart und zu unserem Tagesausflug. Wir trafen uns am Hauptbahnhof (mit Steffi, einer weiteren gemeinsamen Freundin aus Taiwan), der trotz der Größe auch ein sehr guter Treffpunkt ist.

Der Taipei Hauptbahnhof

Der Taipei Hauptbahnhof

Denn auf jeder Seite des Hauptgebäudes gibt es einen Ein-/Ausgang mit der jeweiligen Windrichtung als Bezeichnung. Man muss also nur sagen, ob man sich an Ausgang Nord, Ost, Süd oder West treffen will.

Treffpunkt Ausgang Ost, sehr einfach zu finden

Treffpunkt Ausgang Ost, sehr einfach zu finden

Vom Bahnhof, der natürlich an das Taipeier MRT-Netzwerk angeschlossen ist, ging es dann per MRT zur ersten Sehenswürdigkeit – die im Jahr 1972 zur Erinnerung an den Gründervater der Republik China fertiggestellte Sun Yat-Sen Gedenkstätte.

Vor der Sun Yat-Sen Gedenkstätte

Vor der Sun Yat-Sen Gedenkstätte

Nach einem hastigen Frühstück konnten sich meine Gäste hier ein grobes Bild über traditionelle chinesische Architektur und Parks machen. Und wir hatten Glück – wir kamen gerade pünktlich zum stündlichen Wachwechsel. Vor der Statue des Sun Yat-Sen stehen nämlich zwei Soldaten der Ehrengarde Wache und werden jede Stunde abgelöst.

Wachablösung - wer sich diese Schritte wohl ausgedacht hat

Wachablösung - wer sich diese Schritte wohl ausgedacht hat

Das geht natürlich nicht mit einem einfachen Abklatschen und „Jetzt seid Ihr dran“, sondern mit einem hochkomplizierten, oft trainiertem Ritual, wobei die Soldaten auf jeden Schritt und jede Drehung achten müssen und dabei auch noch einige Kunsttücke mit dem Gewehr vorführen. Das ist bis heute eine Touristenattraktion, die vielleicht einen neuen Schub durch die neuen Massen von festlandchinesischen Besuchern erhalten hat. Nach den obligatorischen Fotos ging es zum nächsten Ziel, in dessen Schatten die Sun Yat-Sen Gedenkstätte steht – das Taipei 101.

Das nächste Ziel - der alles überragende Taipei 101

Das nächste Ziel - der alles überragende Taipei 101

Das Taipei 101 war mit 101 Stockwerken und 508 Metern (Höhe bis zur Spitze) das höchste Gebäude der Welt, bis es vom Burj Khalifa abgelöst wurde. Aber inzwischen gilt es als das höchste grüne Gebäude der Welt (siehe Bericht in der Wiener Zeitung von Klaus Bardenhagen http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/panorama/chronik/411846_Ein-gruener-Riese-in-Taipeh.html), noch ein Grund mehr, dieses beeindruckende Gebäude nicht nur anzuschauen, sondern auch die oberste Aussichtsplattform zu besuchen.

Vor dem Stadtbild von Taipei

Vor dem Taipei Stadtbild

Das wollten sich meine Gäste nicht entgehen lassen und so ging es mit dem ehemals schnellsten Aufzug der Welt (16 m/s) zur Aussichtsplattform (der Aufzug des Burj Khalifa soll mit 18 m/s inzwischen schneller sein). Mit 400 Taiwan Dollar, etwa 10 Euro ist man dabei.

und über der Stadt Taipei

und über der Stadt Taipei

Oben angekommen hat man bei guten Wetter eine unglaubliche Aussicht, doch leider war es an diesem Tag bewölkt und regnerisch. Trotzdem hatten wir eine bessere Aussicht als vorher gedacht und man konnte immerhin noch unseren Radiosender RTI sehen.

RTI (dahinter das Grand Hotel) vom Taipei 101 gesehen

RTI (dahinter das Grand Hotel) vom Taipei 101 gesehen

Und natürlich auch die Sun Yat Sen Gedenkstätte, die ja sozusagen gleich unter dem Taipei 101 liegt.

Die Sun Yat-Sen Gedenkstätte von oben

Die Sun Yat-Sen Gedenkstätte von oben

Auch das (weltgrößte?) Tilgerpendel zur Dämpfung von Gebäudeschwingungen des Taipei 101 ist für Besucher immer beeindruckend.

Das Tilgerpendel

Das Tilgerpendel

Jetzt war es inzwischen Mittag geworden, also Zeit für das Mittagessen. Und naürlich hat auch dafür das 101 einiges zu bieten – in Taipei ist etwas Eßbares nie weit entfernt. Im Erdgeschoss gibt es nicht nur einen Delikatessen-Laden, sondern auch eine Vielzahl von Garküchen, mit aller Arten von Speisen – von traditionell taiwanisch/chinesisch über indisch und koreanisch bis hin zu McDonalds (oder war es BurgerKing?). Da fällt einem die Auswahl schwer, doch schließlich hatten wir alle etwas gefunden und nach einer Stärkung sollte es weiter gehen. Wir hatten jetzt schon etwas eher traditionelles (Sun Yat-Sen Gedenkstätte) und etwas super modernes (Taipei 101) gesehen. Als nächstes wollten wir noch mehr in die Vergangenheit tauchen und den Long Shan Tempel im Westviertel der Stadt besuchen. Also ging es zuerst zurück zur MRT-Station, wobei wir das ultramoderne Einkaufsviertel im XinYi Viertel durchquerten. Hier treffen sich die Schönen und die Reichen und alle anderen auch. Das wunderbare hier – viele der Gebäude in diesem Gebiet sind durch überdachte Brücken verbunden, so dass man einerseits den Verkehr vermeiden kann aber auch vor Regen geschützt ist. Dann ging es mit der MRT vom Ostviertel der Stadt in das ältere Westviertel in nur 15 Minuten.

Im Hof des Long Shan Tempels

Im Hof des Long Shan Tempels

Nur einige Minuten Fussmarsch von der MRT Station liegt dann der 1738 erbaute LongShan Tempel. Wir hatten wieder Glück, denn in dieser Woche fanden Feierlichkeiten zum Geburtstag einer Göttlichkeit statt und so konnten wir den Tempel in voller Aktion erleben. Viele Tempelgänger mit Opfergaben und Räucherstäbchen. Im LongShan Tempel werden, wie in den meisten Tempeln in Taiwan, verschiedene Götter verschiedener Religionen verehrt. Buddhistische und daoistische Götter und traditionelle Volksgötter. Das ist natürlich auch für die Götter von Vorteil, können sie doch ihre Tempel über das ganze Land verteilen ohne, dass sie alleine die Kosten für jeden ihrer Tempel tragen müssen. Nach dem Besuch beim Tempel war es auch schon wieder später Nachmittag und langsam wurde es Zeit für die inzwischen sehr müden Besucher, zum Flughafen zurückzukehren. An einem Tag konnten sie ein wenig in das moderne und in das alte Taipei reinschnuppern, auch dank der MRT in Taipei, die immer mehr wächst und immer mehr Teile der Region Taipei verbindet. Also ein Besuch in Taipei lohnt sich, auch wenn es nur für einen Tag ist, aber länger wäre natürlich besser.

von Ilon Huang

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3 Antworten

  1. Das Foto mit dem RTI Gebäude und dem Grand Hotel ist ja mehr als interessant. So eine ungewöhnliche Mischung habe ich in Europa noch nicht gesehen.

  2. ungewöhnliche Mischungen haben wir in Taiwan eine Menge zu bieten! Lohnt sich mal vorbeizuschauen.
    Eva

  3. Kann man sicher mal brauchen… 🙂

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