Taiwaner vs. ´der, die, das´

Deutsche Sprache – schwere Sprache? Selbst wenn dieses Gerücht stimmen sollte, hält es weltweit ungefähr 15 Millionen Menschen nicht davon ab, Deutsch als Fremdsprache zu lernen.
Wer sich in Taiwans Hauptstadt als Nicht-Muttersprachler mit deutschen Konjugationen und Konjunktionen herumschlagen möchte, für den ist das Goethe-Institut in der Heping West Road eine gute Adresse.

Goethe-Institute gibt es auf der ganzen Welt. Sie präsentieren weltweit das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben Deutschlands. So will die Bundesregierung die internationale kulturelle Zusammenarbeit pflegen und vor allem die deutsche Sprache im Ausland fördern.

Weitere Infos: http://www.goethe.de/ins/cn/tai/lrn/deindex.htm

Ingrid Kao ist Leiterin der Spracharbeit am Goethe-Institut. Quelle: http://www.goethe.de/ins/cn/tai/uun/mit/sdl/cnindex.htm

Am Goethe-Institut in Taipehs Südwesten haben in den vergangenen 45 Jahren über
40 000 Personen Deutsch gebüffelt. Leiterin der Spracharbeit ist Ingrid Kao. Ihre momentan etwa 1 500 Schüler lernen aufgeteilt in sechs Schwierigkeitsstufen:
A1, A2, B1, B2, C1 und C3.
Im Anfänger-Kurs A1 lernt man Zahlen und Uhrzeiten, sowie einfache Fragen und Schilder zu verstehen. Nach Stufe B können die Schüler Diskussionen führen, Radiosendungen verstehen und Texte zu komplexen Sachverhalten schreiben. Ein echter Experte ist, wer die C-Stufe abgeschlossen hat. In der Beschreibung auf der Goethe-Homepage heißt das: “Kann praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos verstehen.”

Ein Kurs – 48 mal 45 Minuten – kostet 6000 Taiwan-Dollar, also etwa 150 Euro. Den Unterricht geben derzeit etwa 20 Lehrer. Ein Drittel davon sind deutsche Muttersprachler. Zwei Drittel sind Taiwaner, die in Deutschland studiert haben.

Und wer lernt Deutsch? „Vorallem Berufstätige und Studenten“, sagt Ingrid Kao. Viele wollen in Deutschland weiterstudieren – doch dafür müssen sie ausreichend Deutsch können. Momentan studieren schon etwa 1500 Taiwaner in Deutschland. Besonders beliebt sind Kunst- und Musikhochschulen. Aber auch Germanistikstudenten und Juristen aus Taiwan sind an deutschen Unis eingeschrieben. Studenten der Natur- und Ingenieurwissenschaften ziehen nach.

Doch nicht, dass der Eindruck entsteht, alle taiwanischen Studenten seien Sprach-Streber. Denn längst nicht alle lernen Deutsch des Studiums wegen. Ingrid Kao hat die Beobachtung gemacht, dass immer mehr junge Taiwaner Deutsch zum Spaß lernen! Auch, um besser für eine Reise nach Deutschland gerüstet zu sein.

Ingrid Kaos jüngster Deutsch-Fan war gerade mal acht Jahre alt. Als er wegen seines zu jungen Alters am am Goethe-Institut abgewiesen wurde, hat er einfach privat Deutsch gelernt. Zwei Jahre später hat er wieder bei Frau Kao angeklopft, mit Vater und Tante im Schlepptau. Beide mussten Überzeugungsarbeit leisten, letzten Endes aber mit Erfolg: der Junge wurde am Goethe-Institut genommen.

In der Regel müssen die Deutsch-Lerner mindestens 16 Jahre alt sein. Früher lag die Grenze noch bei 18 Jahren, erzählt Ingrid Kao. Abgesenkt wurde sie, weil immer mehr Schüler kamen, wenn sie auf eine höhere Schule gewechselt waren und dort Deutsch nicht mehr angeboten wurde..

Die Sprachkurse sind straff nach Lehrbuch organisiert. Im Konversations-Kurs, den Praktikantin Silva (25) gibt, geht es hingegen lockerer zu. Hier plaudert etwa ein Dutzend Taiwaner im Alter von 15 bis 45 Jahren miteinander. Sie tauschen sich mit Silva über Deutschland und Taiwan aus und trainieren so ihr Deutsch fast nebenbei. Auffällig ist, wie gut mancher Schüler schon nach kurzer Zeit Deutsch sprechen kann.
Vielleicht deswegen, weil sie nicht nur die Sprache lernen, sondern sich auch für Deutschland im Allgemeinen interessieren.

Chou Haowei, 25, aus Zentraltaiwan findet zum Beispiel die Landschaft in Deutschland “sehr schön”. Und welche Deutsche kennt er? “Kanzlerin Angela Merkel und den Wissenschaftler Albert Einstein.”

Luo Shixuan ,25, nennt sich Peter und kommt aus Taizhong. Er ist begeistert von der deutschen Kultur und kennt sich mit der neueren deutschen Gechichte aus. Peter hat viele Freunde aus Deutschland: “Den Film ´Das Leben der Anderen´ finde ich wunderbar, Currywurst und Pommes sind sehr lecker und die Stimmung in Berlin ist fantastisch!”Als er in Prag studiert hat, hatte er deutsche Mitbewohner. Er wollte unbedingt verstehen, was sie  sagten; also begann Peter Deutsch zu lernen.

Geigerin Yvonne Chui, 20, hingegen hat erst die Musik von Beethoven und Mozart lieben gelernt, bevor sie auch Gefallen an der deutschen Sprache fand. Auch nach zwei Jahren sagt sie noch: “Deutsch macht viel Spaß!”

Dennoch finden fast alle hier die Grammatik schwer, vor allem die Artikel bereiten Kopfzerbrechen. “Wie könnt ihr Deutschen euch das merken? Der, die das!?” fragt Peter ungläubig. Erntet er daraufhin von einem Muttersprachler nur Schulterzucken, macht das den ehrgeizigen Schüler ein wenig wütend. Allerdings seien die grammatikalischen Stoplersteine nur halb so wild, wenn man vorher Englisch gelernt habe – findet jedenfalls Musterschüler Peter.

Während Englisch Pflichtfach in der Junior und Senior High School ist, fristet Deutsch das Dasein eines Orchideenfachs. 2010 lernten immerhin um die 3 000 Schüler Deutsch als zweite Fremdsprache. Das Schulfach wurde erst vor zehn Jahren eingeführt, mittlerweile wird es in 93 Klassen an 47 Schulen unterrichtet. Immerhin sechs taiwanische Unis verfügen über eine eigene Deutschabteilung, auch etliche andere Hochschulen bieten Deutschunterricht an. Das macht insgesamt etwa 4 200 Studenten. Weitere Möglichkeiten zum deutschlernen bieten private Sprachinstitute oder man engagiert einen Privatlehrer.

Hinzu kommen schätzungsweise 300 bis 400 besonders Eifrige, die sich Deutsch selbst beibringen – durchs radiohören.

von Manon Priebe

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Eine Antwort

  1. Schöner Beitrag, vielen Dank.
    Der, die, das ist bestimmt nicht einfach – die vier Töne der chinesischen Sprache aber auch nicht…

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