中秋節 Mondfest

Alle Jahre wieder, wenn der Mond am hellsten am Firmament scheint, ist es so weit:
Taiwan feiert Mondfest!

Das Beweisfoto: der kugelrunde, strahlende Vollmond am diesjahrigen Mondfest.

Das Beweisfoto: der kugelrunde, strahlende Vollmond am diesjährigen Mondfest.

Das Mondfest, auch Mittherbstfest (中秋節 zhōngqiūjié) genannt, ist das zweitwichtigste Fest nach dem Chinesischen Neujahr. Das Mondfest steht immer am 15. Tag des achten Monats  im Mondkalender.
Warum gerade dann? Immer am 15. Tag ist Vollmond im Mondkalender und die Glückszahl acht bedeutet Reichtum und Wohlstand. Dieses Jahr fällt das Fest auf Montag, den 12. September.

Der Mond steht für Frieden und Wohlstand der ganzen Familie. Denn der Vollmond symbolisiert mit seinem geschlossenen Kreis auch den Zusammenhalt innerhalb der Familie. Daher das Sprichwort: “Ist der Mond rund, ist auch der Kreis der Menschen rund” (中秋月圓,人團圓 zhōngqiū yuè yuán, rén tuányuán). So wird das Fest zu Ehren des Mondes traditionell im Kreise der Familie begangen.

Gegessen wird dann passenderweise der Mond – zumindest in Kuchenform. Mondkuchen (月餅yuèbǐng) sind die Christstollen der Taiwaner.

Nur sind die süßen Monde noch mächtiger. Man ist nicht selten satt, noch bevor man den Vollmond zu einem Halbmond gefuttert hat. Gut möglich, dass man bei übermäßigem Genuss sebst ein Mond- gesicht bekommt.

Traditionell sind die Mondkuchen man einem Eidotter und Fleisch gefüllt, während die süße Variante nach Süßkartoffel schmeckt.

Doch dem Erfindergeist scheinen keine Grenzen gesetzt und so werden jedes Jahr neue Varianten erfunden: mit grüner oder roter Bohnenpaste, Gemüse, Früchten von Ananas über Litschi, Kürbis und Kumquat bis Durian, Sesam, Lotus, Nüsse, Samen. Beliebt ist auch die gemischte, süß-herbe Variante: Gemäß des yin-yang-Prinzips stößt man dort unter Teig und roter Bohnenpaste auf einen Eidotter.
Also vorher genau die Verpackung studieren, sonst wird aus dem Mondkuchen ein Überraschungsei. Denn von außen sind sie meist alle nett anzusehen mit ihren eingepressten Schriftzeichen, die mal die Geschmacksrichtung verraten, mal dem Esser Glück wünschen oder mit dem Mond oder einem Hasen verziert sind.

Hier ein Rezept für 12 Mondkuchen mit traditioneller Ei-Füllung (ohne Garantie und Gewähr):
(Quelle: http://blog.chinatours.de/2011/08/30/original-chinesischer-mondkuchen-%E2%80%93-rezept-mit-traditionen/)

Zutaten
90g Öl
180g Zuckersirup
270g Mehl
4,5 TL Lauge
eine Handvoll Melonenkerne
12 gesalzene Eier
40-50g Lotuspaste

Zubereitung
1. Das Mehl mit Öl, Zuckersirup und Lauge vermischen, dann den Teig ca. 30 Minuten ruhen lassen.
2. Die gesalzenen Eier kochen und das feste Eigelb herauslösen.
3. Die Lotuspaste mit den Melonenkernen vermengen, in 12 Portionen teilen und jede Portion ausrollen. Das Eigelb darauflegen, dann die Lotuspaste wieder um das Eigelb wickeln und zu einer Kugel formen.
4. Teig in 12 Portionen teilen und ausrollen.
5. Die Kugel aus Lotuspaste in die Mitte des Teigs legen und den Teig vorsichtig um die Füllung wickeln.
6. Wer will, kann die Teigkugel nun zur Verzierung in eine spezielle Mondkuchenform drücken, wieder herauslösen und auf einem Bachblech in den vorgeheizten Backofen legen.
7. Die Mondkuchen 10 Minuten bei  200°C  backen, dann mit Eigelb bestreichen und weitere 10 Minuten bei 175°C backen.
Am besten soll der Mondkuchen werden, wenn man ihn nach dem Backen noch 2-3 Tage abgedeckt lagert. Erst so entfalte sich der aromatische Geschmack.
Mondkuchen gibt es in Taiwan an jeder Ecke: Grosse Kaffeehaus-Ketten präsentieren ihre eigenen hippen Variationen des traditionellen Gebäcks. Selbst kalorienarme Versionen sind auf dem Markt. Mittlerweile ist sogar der Hund auf den Mondkuchen gekommen. Und so gibt es besonders verträgliche Mondkuchen extra für Vierbeiner zu kaufen.

Eine weitere ausgefallene Variante zeigte ein Kaufhaus in Beijing. Dort werden Mondkuchen aus purem Gold verkauft.

Auch eine Variante: Mondkuchen aus purem Gold. Quelle: http://german.china.org.cn/business/txt/2011-08/31/content_23320905.htm

Das größte Exemplar der über 30 goldigen Mondkuchensorten wiege 100 Gramm und koste stolze 6 500 Euro. Dank des ansteigenden Goldpreises sei diese etwas andere Mondkuchenart bei den chinesischen Konsumenten recht beliebt.

In Taiwan muss keiner die recht aufwändigen Mondkuchen selbst backen. Schon Tage bis Wochen ver dem Mondfest gibt es die Leckereien überall zu kaufen. Oder man bekommt sie geschenkt, zum Beispiel vom Chef, Lehrer, Nachbarn oder von Freunden. Als Ausgleich zur süßen Mächtigkeit wird zum Mondkuchen Tee im Kreise der Familie getrunken.

Der Mond wird aber nicht nur gegessen, man betrachtet ihn auch.
Den Dichter Li Bai aus der Tang-Dynastie (618 – 907) hat der Mond zu über 320 Gedichten inspiriert. Wohl in der Ferne vom Heimweh geplagt entstand eines seiner bekanntesten Werke überhaupt:

靜夜思 jngyèsī
(
李白 Lǐ Bái 701-762)

床前明月光 chuáng qián míng yuè guāng

疑是地上霜 yǐ shì dì shàng shuāng

舉頭望明月 jǔ tóu wàng míng yuè

低頭思故鄉 dī tóu sī gù xiāng

Eine der zahlreichen Übersetzungen lautet:

Nachtgedanken
Vor dem Bett erscheint das helle Mondlicht,
Ich dachte es sei Raureif auf dem Boden.
Ich hebe meinen Kopf und betrachte den hellen Mond,
Ich senke den Kopf und denke an die Heimat.

Mondkuchen sind nicht nur lecker. Angeblich dienten sie einst sogar einer Rebellion auf dem chinesischen Festland. Damals wollten die Han die Mongolen und deren Yuan-Dynastie (1271-1368) stürzen. Ein Aufstand war geplant, doch haperte es an der Kommunikation zwischen den Aufständischen. Der militärische Berater der Han-Volksarmee, Liu Bowen 劉伯溫, soll damals auf die Idee gekommen sein, Zettel in Mondkuchen zu verstecken. Die geheime Botschaft darauf lautete: “Aufstand in der Nacht des Mondfestes”. Der Aufstand brach tatsächlich aus und die Yuan- Regierung wurde gestürzt. Seitdem werden die Mondkuchen auch in Erinnerung an diesen Aufstand gegessen.

Doch Mondkuchen ist nicht die einzige Spezialität, die auf den Tisch kommt. Dort liegen neben den Mondkuchen traditionell auch Pomelos.

Die Pomelo wird so kunstfertig geschält, dass aus der Schale ein Hut wird, den der Jüngste in der Familie dann aufsetzen muss. http://www.flickr.com/photos/starrydesigns/2238381006/sizes/m/in/photostream/

Nicht etwa, weil ihnen eine ähnlich revolutionäre Vergangenheit wie den Mondkuchen nachgesagt wird, sondern weil ihre Form an den vollen, kugeligen Mond erinnert. Und weil sie um die Zeit des Mondfestes reif  für die Ernte sind.

Deshalb wird zum Mittherbstfest auch dem Gott für die lokale Landwirtschaft und Gesellschaft, dem Erdgott, gehuldigt. Die Menschen danken ihm für die Ernte und bitten um weitere gute Ernten.
Auch um den Ursprung des Mondfestes ranken sich etliche Legenden. Natürlich handelt eine auch von der Liebe – und vom Klimawandel.
Diese Legende heißt “Chang’e fliegt zum Mond” (cháng’é bēnyuè 嫦娥奔月).

Und das kam so: Alles hatte damit begonnen, dass sich zehn Sonnen am Himmel abwechselten, um auf die Erde zu scheinen. Doch eines Tages strahlten alle zehn gleichzeitig auf die Erde und drohten dort alles zu verbrennen.

Da war Hou Yi 后羿 zur Stelle und schoss mit seinem Pfeil und Bogen neun Sonnen ab. Der einzig verblie- benen befahl er, jeden Tag pünktlich auf- und unter- zugehen.

Der Held ging nicht leer aus und bekam für seinen erden-rettenden Einsatz vom Kaiser eine Pille geschenkt, die Unsterblichkeit versprach. Doch die Pille kam mit einem “aber”: Hou Yi sollte die Pille nicht sofort nehmen, sondern sich erst durch einjähriges Beten und Fasten auf die Unsterblichkeit vorbereiten. Hou Yi tat wie’s ihm befohlen und versteckte die Unsterblichkeitspille zuhause. Doch da war auch seine Frau Chang’e. Kaum war der Mann mal wieder außer Hause, schluckte Chang’e die Pille – und schwebte alsbald schwerelos gen Himmel.

Chang'es Mondfahrt hat schon zahlreiche Künstler inspiriert. Quelle:http://blog.chinesehour.com/wp-content/uploads/2007/10/chang_e_flying_moon.jpg

In einer wohlwollenderen Version schluckt Chang’e die Pille aufopferungsvoll, weil ein Bogenschützen-Lehrling ihres Mannes sie zwingen wollte, ihm die Pille zu geben. Um das zu verhindern opferte sich Chang’e.

Hou Yi folgte ihr, aber aufgrund widriger Windverhältnisse musste er seinen Flug abbrechen und zur Erde zur ückkehren. Chang’e entledigte sich ihrerseits der Pille und landete auf dem Mond. Dem ortsansässigen Hasen befahl sie dann, eine neue Pille herzustellen, mithilfe derer sie zu Mann und Heim auf die Erde zurückkehren könne.
Damit ist der Hase immernoch beschäftigt.

Seitdem ist Chang’e die Göttin des Mondes. Hou Yi hat sich seinerseits auf der Sonne niedergelassen. Deshalb steht die Sonne für das männliche Yang, der Mond für das weibliche Yin. Nur ein Mal im Jahr kann Hou Yi seine Chang’e besuchen: am Mondfest. Deshalb ist dann der Mond auch besonders hell und schön.

Was es mit dem erwähnten Hasen im Mond auf sich hat? Das ist der Jade-Hase (玉兔 yùtù) und der kam so auf den Erd-Trabant:
Es war einmal ein Gott, der die Höflichkeit der Tiere des Waldes testen wollte. Also verwandelte er sich in einen alten Mann in zerlumpter Kleidung. Und er wurde nicht enttäuscht: Bär, Affen, Vögel, Fuchs, sie alle teilten ihr Essen mit dem vermeintlichen hungrigen Alten. Nur der Hase hatte verzweifelt seinen Bau nach etwas Essbarem abgesucht – vergeblich. Also sprang er selbst ins Feuer und brutzelte sich zu einer Mahlzeit für den verkleideten Gott. Von so viel Hilfsbereitschaf und Großzügigkeit angetan, ließ dieser den Hasen als Jadehasen im Mondpalast auferstehen.

Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich mal dieses Satellitenbild an.

Drehen Sie es in Gedanken ein wenig.
Riskieren Sie ruhig einen langen Blick.

Doch Chang’e und der Jade-Hase sind nicht allein auf dem Mond. Dritter im Bunde wurde der Holzfäller Wu Gang (吳剛 Wú Gāng). Auch er versuchte unsterblich zu werden. Allerdings war er ein recht fauler Lerner was die notwendgen Theorien anging. Diese Beleidigung ließen sich die Götter aber nicht gefallen und verbannten ihn auf den Mond. Sein Rückfahrticket: er sollte einen 1665 Meter grossen Baum auf dem Mond fällen. Gelänge ihm dies, würde er unsterblich werden.

http://www.whatsonxiamen.com/event1695.html

Wu Gong, der unermüdliche Holzf äller.
Quelle: http://www.whatsonxiamen.com/event1695.html

Dieses Mal gab Wu Gang alles. Allerdings wuchs der Baum immer wieder nach. Doch Wu Gang hat nie aufgegeben – wie Sisyphos. Der Baum seinerseits auch nicht und wächst auch stets wieder nach. Und so kann man in wolkenlosen Nächten auch den Schatten dieses Kirschbaumes beobachten.

So farbenfroh sieht es auf einem taiwanischen dem Grill aus.

Das Mondfest ist eine lebendige Tradition in Taiwan. Die Taiwaner begehen den Feiertag nicht einfach, sie feiern und leben ihn. Und halten das Mondfest durch neue Traditionen am Leben. Seit Mitte der Achtziger assoziiert man so noch etwas mit dem Mondfest: Grillen.


Zu der Feierlaune trägt sicher auch die Tatsache bei, dass der Tag des Mondfestes ein offizieller Feiertag ist.

In diesem Sinne: 中秋節快樂 (zhōngqiūjié kuàilè) – Alles Gute zum Mondfest!

Zum vormerken die Termine in den kommenden Jahren:
2012: 30. September
2013:  19. September
2014:    8. September
2015: 27. September
2016:  18. September

von Manon Priebe

Advertisements

Eine Antwort

  1. Der ganzen RTI Redaktion alles Gute zum Mondfest!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: