Si Mangavang – Ureinwohner Tao rudern von der Orchideeninsel nach Taipei

Das Boot "Si Mangavang" im Dajia Riverside Park in Taipei
Das Boot „Si Mangavang“ im Dajia Riverside Park in Taipei

Ruderer machten sich am 29. Juni in einem traditionellen  Boot der Ureinwohner Tao der Orchideeninsel, einem „Balangay“, auf den Weg zu einer Reise  nach Taiwan – zuerst ging es von der Orchideeninsel zum Fischerhafen Shangwu an der Ostküste Taiwans und dann um die Südspitze Taiwans herum, an der Westküste entlang nach Norden bis nach Taipei. Das Boot –  in den traditionellen Farben der Dawu-Boote weiß rot und schwarz – mit dem Namen „Si Mangavang“ (Besuchen oder Hafenbesuche) mit einer Länge von etwa 11 Metern war das größte, dass die Tao seit etwa einem Jahrhundert bauten.

Hier ein Trailer mit der Zeremonie auf der Orchideeninsel, bei der das Boot zu Wasser gelassen wird.

Und bei jedem ihrer „Hafenbesuche“ wurden die Ruderer begeistert  empfangen.
Hier ein Video vom Eintreffen der „Si Mangavang“ In Kending an der Südspitze Taiwans 

Die Si Mangavang  hat 18 Ruderplätze – und Ruderer wechselten sich auf ihrer Fahrt ab. Nach 18 Tagen erreichte die „Si Mangavang“ schließlich ihre letzte Station der Reise. Begleitet von anderen Booten, darunter Drachenbooten ruderten die Ruderer bei ihrer letzten Etappe von Danshui – den Fluss entlang -bis zum Dajia Riverside Park in der Stadt Taipei. Auch dort wurden sie begeistert empfangen – mit viel Medienaufmerksamkeit und auch hochrangige Politiker hatten sich eingefunden, darunter Präsident Ma Ying-jeou und Premierminister Wu Den-yih. Das Projekt war auch Teil der Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Republik China. Auf der Orchideeninsel gab es auch Kritik, dass man sich mit diesem Projekt für politische Zwecke habe einspannen lassen.

Hier ein Beitrag in den Nachrichten des Ureinwohnerfernsehens „Taiwan Indigenous Television“ TITV über die Ankunft der „Si Mangavang“ im Dajia Riversidepark in Taipei 

Die Ruderer mussten auf ihrer etwa 800 Kilometer langen Fahrt auch einige Schwierigkeiten überwinden. Sie mussten auf der Fahrt von der Orchideeninsel zur Ostküste Taiwans durch den Kuroshio-Strom – bei Wellen von drei bis vier Metern. Einmal, auf der Strecke zwischen Mailiao nach Taichung an der Westküste Taiwans, lief das Boot auf eine Sandbank und die Ruderer benötigten etwa eine halbe Stunde, bis sie es wieder frei bekamen – dies bei großer Hitze und starker Sonne – und den letzten etwa halben Kilometer vor Taichung in Mitteltaiwan mussten die Ruderer das Boot durch starke Strömungen und Wellen rudern – bis sie schließlich am Hafen in Taichung eintrafen.

Der älteste Ruderer, der 74-jährige Hsie Long-luo sagte nach der Reise, dieses Mal habe man für diese Reise 18 Tage gebraucht, das nächste Mal könnte man es wohl auch in einer Woche schaffen.

Der mit 74 Jahren älteste Ruderer berichtet über die Fahrt

Der mit 74 Jahren älteste Ruderer berichtet über die Fahrt

Das Boot „Si Mangavang“ ist noch bis zum 15. Oktober im Taipeier Rathaus zu sehen.

Nach einem Programm mit Reden und Musik- und Tanzvorführungen singt Purdull Chen Jian-nian noch einmal das Themenlied der Reise:

 

von Eva Triendl

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Taiwans Designer-Nachwuchs

Designer-Nachwuchs  in Taiwan

Produzierte Taiwan in den 70er und 80er Jahren meist nur für andere, ist man seit gut 15 Jahren bestrebt, die Entwicklung eigener Marken voranzutreiben, welches höhere Gewinnmargen verspricht. Mittlerweile sind Markennamen wie Giant, Acer und Asus den meisten in etlichen westlichen Ländern ein Begriff.

Diese Entwicklung haben auch Taiwans Wirtschaftsplaner erkannt und arbeiten an der Profilierung eines eigenen Images für Taiwan. Waren aus Taiwan werden mittlerweile verstärkt als „MIT“-Produkte (Made in Taiwan) vorrangig auf dem chinesischen Markt, dem größten Absatzgebiet Taiwans, vertrieben.

Eine wichtige Rolle bei der Schaffung einer eigenen Marke, dem Branding, kommt dem Design zu und wird von Taiwans Regierung verstärkt gefördert. Zum 100. Jahrestag der Republik China, Taiwans offizielle Bezeichnung, wurde das Jahr 2011 zum Jahr des Design erklärt. Die Topveranstaltung in diesem Jahr wird der „2011 IDA Congress Taipei“  sein, der Kongress der International Design Alliance, die globale Megaveranstaltung der Designwelt. Der IDA-Kongress findet vom 24.- 25. Oktober in Taipei statt.

Auf der Yodex 2011,  der Designernachwuchsmesse, wurde in diesem Jahr erstmals die Preisverleihung für den „iF concept design award“  verliehen.

iF concept design award erstmals in Taipei (Foto: Frank Pevec)

Das die Auszeichnung in Taiwan stattfand, hatte, wie Anna Reissert vom „iF Design Forum“ sagte, einen ganz einfachen Grund: es kämen regelmäßig so viele Gewinner aus Asien und speziell Taiwan, dass man ihnen auch einmal die Gelegenheit geben  wollte, ihre Gewinne persönlich entgegen zu nehmen.

Taiwans Jungdesigner waren stark vertreten

Insgesamt gingen über 8000 studentische Design-Entwürfe aus 52 Ländern beim if-Nachwuchswettbewerb  ins Rennen, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Eingereicht wurden sogar über 10.000 Arbeiten, die aber nicht alle den formalen Anforderungen entsprachen.

In einem ersten Selektionsschritt wurden 300 der 8000 Beiträge von internationalen Fachleuten aus Forschung und Praxis ausgewählt. In der zweiten Runde wählte dann eine Expertenjury die „Best 100“,  30.000 EUR Preisgeld für die zwölf Besten sorgte bei ihnen für extra hohe Freudensprünge.

Dreifache Auszeichnung

An Taiwans Nachwuchsdesigner wurden 31 von 100 Preisen vergeben, die Insel war damit überproportional präsentiert und stellte locker den großen Bruder vom Festland in den Schatten, der 15 mal ausgezeichnet wurde. Südkorea war mit 24 Platzierungen unter den besten 100 ebenfalls sehr stark vertreten, die drei Länder errangen mit 70 Auszeichnungen das Gros der Preise.

Von den 12 mit Toppreisen ausgezeichneten Designern kamen 5 aus Taiwan.

Mit 5.000 Euro ausgezeichnet wurde die Arbeit von I Jui Lee von der National Cheng Kung University in Tainan Er wurde für seinen  „Pen ruler“, einen Stift zum Maß nehmen für Schneider mit einem Preis bedacht .

Pen Ruler - Maß nehmen auf die moderne Art (Photo: iF Design Forum)

Der Stift erleichtert das exakte Maßnehmen und beugt Fehlern beim Zusammenrechnen vor.  Statt eines Maßbandes rollt man mit dem Stift die Strecke oder auch Person ab , der Stift rechnet dann alle Daten zusammen.

Ebenfalls mit 5000 Euro ausgezeichnet wurde der „Parking Guide“  von Huang Shao-Heng, Wang Shou-Yu, Shih Chang-Chi, drei Studenten der Tatung University aus Taipei.

Alles easy im Parkhaus der Zukunft (Photo: iF Design Forum)

Der dahinterstehende pragmatische Gedanke gefällt mir dabei besonders gut. Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man sich bei der Einfahrt in eine größeres Parkhaus befindet: enge Wege, unübersichtlich, meist voll, mehrere Stockwerke…und wo ist jetzt noch etwas frei? Zeitraubendes Herumkurven bei höchster Wachsamkeit. Dies dürfte in Zukunft anders werden. Das mit einem Chip versehene elektronische Ticket zeigt einem den nächsten freien Parkplatz an. Das schönste: bei Rückkehr, egal von welchem Eingang, wird auch der Standort des Wagens angezeigt. Kein lästiges Suchen und Orientieren, es dürfte im Parkhaus deutlich entspannter werden –  und dies bei besserer Luft.

Besser zu Fuß (Foto: iF Design Forum)

Mit 3000 Euro wurde der Beitrag von Cheng-Tsung Feng, Yu-Ting Cheng von der  National Taiwan University of Science and Technology  in Taipei

belohnt. Sie erfanden einen „Balance Stick“, einen Gehstock, ein „Stehaufmännchen“, der jederzeit losgelassen werden kann, ohne dass er umfällt. Kein lästiges Bücken nach der Gehhilfe, die zweite Hand damit immer frei. Ergonomisch unterstützt er auch den Gehprozess und erleichtert das Treppensteigen. Erleichterung für viele ist vorprogrammiert, beste Geschäftschancen angesichts der weltweiten Alterung.

Pflanzen zum Aufkleben (Foto: iF Design Forum)

Mit 1000 Euro wurde der Entwurf von Fang-Yi Lin, Jyun-Kuan Wu, Rong-Jin Liang von der      Ling-Tung University in Taichung prämiiert. Ihr Idee: Pflanzen zum Aufkleben. Ein bereits Samen und Nährstoffe enthaltener Klebesticker, eine Art Textilfaser, die auf Wände oder Fliesen geklebt werden kann. Regelmäßig feucht halten und es fängt an zu sprießen.

Integrierter Handtrockner (Foto: iF Design Forum)

Ein weiterer der Toppreise wurde an Chun-Chieh Chang, Wan-Hua Tsai von der National

Taipei  University of Technology, in Taipei vergeben. Er entwickelte ein Waschbecken für öffentliche Toiletten mit integriertem Händetrockner. Kein Umherlaufen mit nassen Händen, feuchte, rutschige Böden dürften damit der Vergangenheit angehören.

Auf der Yodex stellten Designer von 102 Universitäten ihre Abschlussarbeiten dar.  Schon beim Begleitprogramm der Preisverleihung war das kreative Potential nicht zu übersehen.

Gewagt bis ausgefallene Kollektionen (Foto: Frank Pevec)

Ultimative Farben (Foto: Frank Pevec)

...bei größtmöglichem Stilspektrum... (Foto: Frank Pevec)

Etliche Design-Studenten zeigten sich rege interessiert und holten sich Anregungen bei den dargestellten Abschlußarbeiten des Design-Nachwuchses.

...digitale Themen... (Foto: Frank Pevec)

Neo-Mingzeitlicher Büromöbel-Pop (Foto: Frank Pevec)

Victims of the Ruthless Beauty - Ermahnung an die Mode- und Schönheitsindustrie zur Einhaltung des Tierschutzes (Foto: Frank Pevec)

...gewagtes Spiel der Widersprüche ...(Foto: Frank Pevec)

...die Paul Gautier - Ausstellung in Taipei hinterließ Wirkung (Foto: Frank Pevec)

...traditionelle Papierschnittkunst...

...im Alltag einsetzbar...(Foto: Frank Pevec)

die neuzeitliche Ausprägung: Psychedelic Fan (Foto: Frank Pevec)

Fazit: ein Fest der Fantasie , wir kommen wieder!

Autor: Frank Pevec

Natur pur in Mugumuyu 慕谷慕魚

Inmitten von gänzlich bewaldeten Bergen formt sich ein blaugrüner Fluss seinen Weg durch die Schlucht. Das Wasser ist unglaublich klar und lässt den rauen Grund erkennen. Die Luft ist rein und feucht. Über dem Wald steigt Nebel auf, welcher der Landschaft einen beinahe mystischen Charakter verleiht. Außer einem leisen Zirpen wird die Stille durch nichts unterbrochen.

Zugegeben, das klingt unheimlich kitschig und mag an einen pathetischen Roman erinnern. Doch wenn man das Naturschutzgebiet Mugumuyu besucht und in diese Welt der atemberaubenden Landschaft und Stille eintaucht, dann wird man leicht sentimental und kann sich ein Seufzen nicht verkneifen.

Mugumuyu befindet sich in der Gemeinde Xiulin秀林 im Landkreis Hualien花蓮. Xiulin ist die flächenmäßig größte Gemeinde Taiwans und mit nur 14 000 Einwohner, von denen 85% dem Truko Ureinwohnerstamm angehören, dünn besiedelt. Um das geschützte Naturgebiet zu besuchen ist es nötig sich vorher bei der ortsansässigen Polizeistation zu registrieren. Pro Tag dürfen nämlich nur 300 Besucher das Naturschutzgebiet erkunden. Dies hat zur Folge, dass man zumindest wochentags kaum auf einen anderen Menschen trifft und allein mit der Natur ist. Nachdem man die Kontrollstation passiert hat, eröffnet sich dem Besucher eine Welt aus üppiger und exotischer Vegetation, schroffe Felsen, welche durch die glasklaren Flüsse geformt wurden, tiefe Täler und reißende Wasserfälle. All dies findet sich in dem Landschaftsraum einer Schlucht. Nicht umsonst wird das Gebiet auch „Klein-Taroko“ genannt.

Der Mugua Fluss durchzieht das Naturreservat, sein wichtigster Zufluss ist der Qingshui Fluss. Seit die Lokalregierung Hualiens sich dem Schutz der beiden Flüsse angenommen hat, sind diese wieder sauber und rein und Fischschwärme finden dort ihr Zuhause. Vor allem der Varicorhinus barbatulus Fisch ist hier beheimatet.

Wo das Ufer durch eher flache Felsvorsprünge und Steine geprägt ist, kann man, sofern einen kaltes Wasser und kleinere Fischschwärme nicht abschrecken, ein erfrischendes Bad im Fluss nehmen und dabei die wunderbare Natur genießen.

Die Kraft der Flüsse wissen auch die nationalen Energieanbieter zu nutzen. In Mugumuyu gibt es insgesamt acht Wasserkraftwerke, welche die Umgebung mit Energie versorgen. Das Longjian Wasserkraftwerk stellt dabei das Größte dar. Diesem angeschlossen befindet sich der Longfeng Stausee sowie die Longfeng Schlucht. Das markerschütternde Getöse von zwei reißenden Wasserfällen unterbricht jäh die Stille, die im Mugumuyu Reservat herrscht.

Doch nicht nur die beeindruckende Natur macht Mugumuyu zu einem ganz besonderen Ort. Das Ureinwohnervolk Truko bereichert zusätzlich das Naturschutzgebiet mit seiner individuellen Kultur. Das Dorf Tongmen ist sehr bekannt für seine Messerherstellung. Ursprünglich hergestellt zur Jagd, sind die Messer aus Stahl heute vielseitig einsetzbar und viele Besucher verwenden es auch zum Berg steigen oder zu rein dekorativen Zwecken. Außerdem sind die Frauen der Truko für ihre Handarbeitskunst wie zum Beispiel Weben bekannt. Berühmt sind auch die Gesichtstätowierungen des Trukostammes.

Wenn man auf dem Wanderweg in der Nähe des Tongmen Schlucht spaziert, kommt man an einem einsam gelegenen Minirestaurant vorbei, welches den müden Wanderer mit kulinarischen Speisen verwöhnt und kühlen Getränken erfrischt. Auf der Holzterrasse sitzend kann man auf die weiten bewaldeten Berge blicken und unter dem Klang des im Wind tanzenden Mobiles in Gedanken schwelgen.

Blick von der Restaurantterrasse

Mugumuyu ist der perfekte Ort um zu entspannen und Taiwans vielfältige Natur und Kultur zu genießen. Im Gegensatz zur nahe gelegenen berühmten Tarokoschlucht ist Mugumuyu zwar relativ unbekannt, dafür aber auch ein echter Geheimtipp. Da das Gebiet geschützt ist, wird Mugumuyu hoffentlich auch künftig seine wunderbare Natur behalten und sich weiter entwickeln.

M.Bindel