Kaffee mit Fernweh in Taipei Exchanges 第36個故事

Duftender Kaffee, leckere Desserts und ein Ambiente zum Wohlfühlen – das erwartet man normalerweise in einem Coffeeshop. Auch in Doris’ Café findet man all das, jedoch mit einer starken Prise Fernweh gewürzt. Doris ist die Protagonistin in Hsiao Ya-chuan’s Filmdebut „Taipei Exchanges“ (第36個故事).

Foto: Atom Cinema

Im Jahr 2010 eroberte die vom Tourismusbüro Taipei geförderte Produktion die taiwanische Filmindustrie und wurde auf den Filmfestspielen in London und Tokio vorgestellt. Da der Regisseur Hsiao damit beauftragt wurde Taipeis Image als Konsumhochburg zu revidieren, spielt der Film hauptsächlich in einem eigens für den Film erbauten Café in Taipeis Songshan Distrikt.

„Taipei Exchanges“ erzählt die Geschichte von der 28 jährigen Doris, die sich endlich von den Ansprüchen ihrer Eltern befreien kann und ihren Job in einer renommierten Designfirma aufgibt um ihren Traum vom eigenen Café zu verwirklichen. Doch als das Geschäft nicht so gut anlaufen will und die Geschenke ihrer Freunde für die Einrichtung des Cafés nicht Doris’ Vorstellungen entsprechen droht der Traum zu platzen. Doch zum Glück hat Josie, Doris dynamische jüngere Schwester, die Idee aus dem Café einen Tauschhandel zu machen. So wandelt sich das Café zu einem Tauschgeschäft in dem die Gäste in gemütlicher Atmosphäre ihren Kaffee trinken während sie in Erinnerungen schwelgen, welche sie mit ihrem Tauschobjekt verbinden. Jeder Gast erzählt eine spannende Geschichte aus der weiten Welt und hüllt die Atmosphäre in dem erweiterten Café in eine Wolke aus Fernweh, unverwirklichten Träumen und Melancholie

Eines Tages kommt ein Gast namens Chou in Doris’ Café und möchte seine Sammlung aus 35 Seifenstücken aus 35 verschiedenen Ländern tauschen. Da er sich aber nicht entscheiden kann, gegen was er sie eintauschen möchte, kommt er Tag für Tag vorbei und erzählt bei einer Tasse Kaffee eine neue Geschichte über die Herkunft der Seifenstücke. Die Geschichten der Kunden faszinieren die Schwestern und läßt in ihnen den Wunsch entstehen ihre eigene Geschichte zu erleben…

„Taipei Exchanges“ ist kein sehr tiefsinniger und schwerer Film, doch er ist herzerwärmend und regt die Zuschauer zum Nachdenken und Träumen an über die Geschichten, die sie selbst gerne über sich erzählen würden. Regisseur Hsiao gab auf der Pressekonferenz zu seinem Film zu, dass er selbst auch schon den Traum gehabt hatte, ein Café zu eröffnen.

In der Rolle der Protagonistin Doris ist die heute 27 jährige Schauspielerin Guai Lun-Mei (桂綸鎂)zu sehen. Ihre Filmschwester Josie wird gespielt von der damals erst 19 jährigen Zaizai Lin(林辰唏). Beide Schauspielerinnen überzeugen mit ihrer natürlichen Art und schauspielerischem Können. Der Schauspieler Chang Han (張翰) verkörpert den Reisenden Chou in „Taipei Exchanges“. Die Interviewszenen, welche mit zufällig ausgewählten Menschen in Taipeis Straßen gedreht wurden, verleihen „Taipei Exchanges“ einen sympathischen Charakter. Die Interviewten philosophieren etwa über die Frage, ob sie das Studieren mit Büchern dem Lernen durch Reisen vorziehen würden. Durch die vielen verschiedenen Befragten erhält der Film einen authentischen Charme. Erfrischend wirken die immer wieder eingeführten Comicelemente in Hsiao’s Filmdebut.

Herausragend ist auch die Filmmusik, welche die taiwanische Filmproduktion untermalt. Auf dem Taiwan’s Golden Horse Film Festival im Jahr 2010 gewann „Taipei Exchanges“ den Preis für den besten Filmsong. Das Titellied heißt „Her Changes“ (她的改變) und wird von Lei Kuang-Hsia (雷光夏) inerpretiert.

Die Filmsprache des 86 minütigen Films ist Mandarin. „Taipei Exchanges“ wurde nicht synchronisiert, dafür aber mit chinesischen und englischen Untertiteln versehen.

Doris’ Café ist heute, etwa ein Jahr nach Veröffentlichung des Filmes, ein kleines florierendes Kaffeehaus geworden. Es befindet sich in der Fujin Straße in Taipeis Osten und ist unter dem Namen „Doris’ Coffee Shop“ (朵兒咖啡館) zu finden. Wer dort allerdings einen Tausch abschließen möchte ist hier an der falschen Adresse. Hier werden ausschließlich kulinarische Spezialitäten in angenehmer Atmosphäre serviert.

M.Bindel

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Eine Antwort

  1. Schön, daß Ihr hier einen sehr interessanten Film vorgestellt habt! Ich glaube, man muß rumhören, um ihn mal zu sehen, denn das Thema, so wie Ihr es beschreibt, durchleben wir doch alle, oder?
    Vielen Dank für diese Vorstellung und Anregung!
    Eure Ilona und Bernhard

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