Suming – sein erstes Soloalbum „SUMING“

 … jetzige Ureinwohnermusik ist die Musik, die jetzt unter den Ureinwohnern lebt. Ich sage oft, dass Tradition nicht unbedingt die ursprüngliche Form bedeutet. Wir können nicht die ursprüngliche Form des traditionellen Lebens beibehalten, weil wir die Voraussetzungen dafür nicht mehr haben. Aber ich denke, es ist auch nicht richtig, sich aufzugeben, weil es diese Voraussetzungen nicht mehr gibt. Unsere Musik würde dann auch langsam verschwinden. Die Ureinwohner müssen sich eben der jetzigen Zeit anpassen. Warum ich Musik in verschiedenen Stilrichtungen mache ist, weil Hip-Hop oder Popmusik auch eine Art musikalische Art der Verständigung ist, aber ich möchte das in meiner Muttersprache, in der Sprache Amis ausdrücken … (Suming)

Suming im Studio von RTI

Suming im Studio von RTI

Suming stellt seine CD „SUMING“ in „Musik aus Taiwan“ vor, am Mittwoch, den 15. September und am Mittwoch, den 22. September 2010.

  Musik aus Taiwan on demand (15.9.2010)

  Musik aus Taiwan on demand (22.9.2010)
(Sie haben dabei auch Gelegenheit, eine signierte CD zu erhalten)

Nach der Ausstrahlung auch On Demand auf unseren Webseiten:
http://german.rti.org.tw/

Suming kommt aus Dulan in Osttaiwan, einem Dorf der Ureinwohner Amis. Suming hat bereits mit seiner Band „Totem“ (圖騰) zwei CDs herausgebracht. Die Lieder darauf sind aber zum größten Teil auf Chinesisch.
Die Stücke auf seinem ersten Soloalbum „Suming“, das im Mai herausgekommen ist, sind in der Sprache Amis. Alle Stücke auf der CD hat er selbst geschrieben, bis auf „Fröhliches Trinklied“ – bekannt geworden durch den Themensong der Olympischen Spiele in Atlanta 1996 „Return to Innocence“ von Enigma.
Die Stücke auf dem Album sind in unterschiedlichen Stilrichtungen, manche im traditionellen Gesangsstil der Amis, manche auch eher im Hip-Hop Stil, die er für die Jugendlichen in seinem Dorf geschrieben hat, aber alle in seiner Muttersprache Amis. Suming veranstaltet auch Sommercamps für die Jugendlichen in seinem Dorf, um ihnen die Kultur und Sprache der Ureinwohner Ami näherzubringen. Einnahmen aus seiner CDs, Auftritten oder T-Shirts gehen an das Pakalgungay-Programm, das Sommerprogramm für Jugendliche. Er nimmt auch oft Jugendliche mit zu seinen Auftritten, auch damit sie ihre Kultur als einen positiven Besitz erfahren können.
Hier das Musikvideo zu einem Lied aus der CD „Suming“ – Tangfur – Glöckchen:

… Tangfur ist auch ein sehr besonderes Stück, denn es ist ein bisschen im Stil, wie wenn alte Leute ein Lied vor sich hin singen, kein bestimmtes Lied mit Melodie und Text, es ist wie wenn man eine Geschichte singt, wie wenn man ein Ereignis oder ein Gefühl singend erzählt. Ich singe davon, wie mir meine Mutter Glöckchen gegeben hat. Die Amis sind eine matrilineare Gesellschaft. Bevor die Männer heiraten, gehören sie zur Mutter. Die Glöckchen drücken die Verbindung zur Mutter aus. Dieses Lied handelt von den Glöckchen, die einem die Mutter gegeben hat, wie man diese Glöckchen trägt. Die Geschichte, wie man unterwegs ist, bei sehr schönem Wetter und auf dem Weg zwei Arten wildes Gemüse sieht, Sama und Tatokem und es pflückt, um es Freunden zu schenken, das ist der Inhalt des Liedes. Der Gesang wird von ein bisschen Gitarre und Flöte begleitet. Früher war die Flöte ein oft gespieltes Instrument, aber heute spielt sie kaum mehr jemand. Ich habe die Flöte wieder mit hineingenommen, so dass es die Atmosphäre eines traditionellen Liedes eines Volkes das zwischen Meer und Bergen lebt vermittelt, als ob es ein Lied von einem anderen Land ist … (Suming)

Zu den Liedern „Kapa“ und „Kayoing“  sagt Suming, er sieht, dass die Jugendlichen in seinem Dorf gerne Street-Dance tanzen, aber sie tun das immer zu Liedern auf Englisch. Deshalb hat er sich gedacht, er schreibt Lieder auf Amis, zu denen sie tanzen können.
Hier das Musikvideo zu „Kapa“ – Jungs.

Der Inhalt des Textes ist etwa:  „Gibt es Jungs die singen können, die tanzen können, die gut in der Schule sid, die Geld verdienen können, die Landwirtschaft betreiben können, die Fischen können, die Kochen können, die humorvoll sind, die stark sind, die hart arbeiten, die Teamgeist haben? Es gibt die Jungs von Dulan!“

Ein weiteres Lied ist „Kayoing“ – Mädchen:

Hey, Mädchen, was gefällt Dir? Ich habe kein Geld, aber ich arbeite hart. Ich bin nicht klug, aber ich lerne fleißig. Denk darüber nach, hör genau hin, was ich sage, vielleicht verliebst Du Dich ja doch in mich. Hey Mädchen, bist Du glücklich? Magst Du mich? Hast Du es vergessen?  Hast Du darüber nachgedacht? Ich bin nicht gutaussehend, aber ich bin nett. Ich bin vielleicht etwas langsam, aber ich bin humorvoll. Denk darüber nach, hör, was sich sage, vielleicht verliebst Du Dich ja doch in mich. Halsketten, Ringn, Gold, Taschen, Uhren, Haus, Auto, Kleider, Land, Reichtum? Auf was stehst Du?   

 
 
 

Junge Amis in Dulan in Osttaiwan
Junge Amis in Dulan in Osttaiwan

Suming über das Lied „Zusammenkommen der Jugend von Dulan“:
… Junge Leute haben schon lange kein Lied mehr in der traditionellen vielstimmigen Gesangsweise geschrieben. Früher entstanden oft Lieder, wenn die Leute zusammenkamen und zusammen gesungen haben. Wenn die Lieder Gefallen fanden, dann wurden sie immer weiter gesungen und haben sich verbreitet. Wenn zum Beispiel ein Haus gebaut wurde, und dann ein Lied entstanden ist, dann wurde dieses Lied vielleicht zu einem Lied, das man immer gesungen hat, wenn ein Haus fertig gebaut wurde. Oder zum Beispiel wenn jemand traurig war, weil sein Büffel verschwunden war, hat er vielleicht ein Lied gesungen, und es hat sich weiter verbreitet und überliefert. Früher hat man mit Liedern Ereignisse festgehalten und weitergegeben. Ich habe mit diesem Lied unser Zusammentreffen dokumentiert … (Suming)  

 

(Foto: Suming) ... ich bin in unserem Dorf zu den alten Leuten gegangen und habe von ihnen gelernt, wie sie die Lieder singen. Ich habe ihnen oft beim Singen zugehört ... (Suming)

(Foto: Suming) ... ich bin in unserem Dorf zu den alten Leuten gegangen und habe von ihnen gelernt, wie sie die Lieder singen. Ich habe ihnen oft beim Singen zugehört ... (Suming)

Suming über seine Sommercamps für Jugendliche seines Dorfes, das Pakalungay-Programm:

… Pakalungay ist ein Ausdruck in der Sprache Amis. Es ist die Bezeichnung für Jungs in der Altersgruppe von etwa 12 bis 18, Früher in der traditionellen Gesellschaft der Amis wurden die Jungen in dieser Altersgruppe in einem Gesellschaftshaus zusammen von Älteren unterrichtet. Dort lernten sie bis zum Erwachsenenalter und Heiratsalter, was sie für das Leben in der Gemeinschaft benötigten, ob es sich nun um konkrete Fähigkeiten handelte oder um Verantwortungsgefühl oder Einstellungen. Das gibt es jetzt nicht mehr. Ich hole nun die Jugendlichen in den Sommerferien zu Camps zurück, um wieder eine solche Atmosphäre zu schaffen und ihnen einige traditionelle Dinge beizubringen … es macht ihnen Spaß, mit mir etwas zu unternehmen, mit mir in die Berge oder ans Meer zu gehen …

(Foto: Suming) Pakalungay-Programm: die Jugendlichen sollen mit Spaß und ohne Druck Traditionen und ihre Muttersprache Amis lernen

(Foto: Suming) Pakalungay-Programm: die Jugendlichen sollen mit Spaß und ohne Druck Traditionen und ihre Muttersprache Amis lernen

(Foto: Suming) Konzert in Taipei:  Suming nimmt oft Jugendliche aus seinem Dorf mit auf zu Auftritten und Konzerten

(Foto: Suming) Konzert in Taipei: Suming nimmt oft Jugendliche aus seinem Dorf mit auf zu Auftritten und Konzerten

Suming und "Pakalungay" signieren nach einem Konzert CDs

Suming und "Pakalungay" signieren nach einem Konzert CDs

Suming und "Pakalungay" signieren nach einem Konzert CDs

Suming und "Pakalungay" signieren nach einem Konzert CDs

Suming

Suming

von Eva Triendl

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