Ähnlich wie in Peking, aber doch anders

Vor einer Woche bin ich in Taipei angekommen, um ein zweimonatiges Praktikum in der Deutschredaktion von Radio Taiwan International zu absolvieren.

Sprachprobleme

Von 2006 bis 2007 absolvierte ich meinen Zivildienst in Peking, von 2007 bis 2009 studierte ich dann an der Ruhr-Universität in Bochum Politik Ostasiens mit Sprachschwerpunkt Chinesisch und schließlich absolvierte ich von September 2009 bis Juni 2010 einen einjährigen Sprachkurs an der Capital Normal University in Peking. Vor meiner Ankunft in Taiwan hatte ich also schon insgesamt vier Jahre lang Chinesisch gelernt und zwei Jahre lang in Peking gelebt. Ich dachte, dass ich wohl keine Probleme in Taiwan haben werde, immerhin spricht man hier ja auch Chinesisch. Ich sollte schnell eines Besseren belehrt werden. Dabei stellten sich die Langzeichen, die man ja noch in Taiwan verwendet und die ich nicht gut lesen kann, noch als das kleinste Sprachproblem heraus.

Gerade in Taipei angekommen, wollte ich erst einmal die Stadt erkunden, am besten geht das doch bestimmt mit der U-Bahn dachte ich mir kurzerhand. Ich fragte eine Passantin nach der nächsten U-Bahn Station. Für U-Bahn benutze ich seitdem ich Chinesisch denken kann das Wort ditie 地铁. Ahnungslosigkeit. Auch der nächste Passant muss passen. Gibt es hier vielleicht gar keine U-Bahn?

Doch! Aber die Taipeier nennen ihre Untergrundbahn jieyun 捷運. Kein Wunder also, dass mich die Fußgänger nicht verstanden hatten. Nun gut, wenn ich die U-Bahn nicht finden kann, muss ich mir halt ein Taxi nehmen entschloss ich kurzerhand. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ebenso wie in Peking viele Taxis auf Taipeis Straßen unterwegs sind. Hätte ich nämlich nach einem Taxistand fragen müssen, hätte man mich vermutlich erneut nicht verstanden. Ich habe das Wort chuzuche 出租车für Taxi gelernt, die taiwanesischen Hauptstädter sagen jedoch jichengche 計程車zu ihren Taxis.

 

Manieren in der U-Bahn 

Wie ich bereits erwähnt hatte, blieb mir die Gelegenheit mit der U-Bahn zu fahren am ersten Tag verwehrt, am zweiten Tag fand ich jedoch eine U-Bahn Station. Am Eingang kaufte ich mir einen Toast und eine Flasche Wasser. Völlig unbehelligt riss ich die Verpackung auf und schob mir ein Stück Toast nach dem anderen in den Rachen. und bemerkte nicht, dass ich bereits eine gelbe Markierung auf der dick und fett „Essen verboten“ stand überquert hatte. Am Bahnsteig angekommen wies mich eine ältere Dame auf mein unzivilisiertes Verhalten hin: „Entschuldigung, aber hier darf man nicht essen und trinken“, sagte sie mir nett aber bestimmt noch bevor ich meine Wasserflache angesetzt hatte, um das Toastbrot herunterzuspülen.

Und noch etwas kannte ich so aus Peking nicht. Die Leute stellen sich alle ganz brav in einer Reihe vor den Türen der U-Bahnen auf. Wie langweilig! Es macht doch viel mehr Spaß beim Aufgehen der Türen um die wenigen Sitzplätze zu kämpfen, so wie das ein stattlicher Pekinger machen würde.

Wie konnte ich diese dicke, gelbe Linie nur übersehen?

Wie konnte ich diese dicke, gelbe Linie nur übersehen?

Dieses Bild wurde definitiv nicht in Peking geschossen.

Dieses Bild wurde definitiv nicht in Peking geschossen.

 

Besucher im Büro

Ich habe nach meinem Sprachkurs an der Capital Normal University in Peking ein dreiwöchiges Praktikum bei der Beijing Rundschau in Peking absolviert.

Hier gab es außer meinen drei chinesischen und einem deutschen Kollegen nur noch mich im Büro. Ach ja und ein Dutzend Mücken.

Viel wilder geht es in Taipei zu. Vor unserem Büro zirpen die Zikaden. Aber auch innerhalb des Büros stoße ich auf mir unbekannte Lebewesen: „Oh hören Sie das, das ist ein Gecko, der macht hier jeden Tag im Büro seinen Spaziergang“, sagt meine Chefin, nachdem ich durch ein ungewohntes Geräusch aufgeschreckt wurde. Aber auch in Taipei treffe ich alte Bekannte aus der Tierwelt wieder: Mücken. Die kleinen Tierchen sind hüben wie drüben einfach nur lästig. Alles in allem ist Taipei also ähnlich wie Peking aber doch anders.

von

Christoph Karg

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2 Antworten

  1. Toll, dass man sich fuer die U-Bahn anstaendig anstellt. Das Gedraengel in der U-Bahn, das ich aus Shanghai kenne, finde ich sehr stoerend.
    Hoffentlich isst der Gecko die laestigen Muecken auf 😉

  2. Hallo Christoph,

    viel Spaß, weitere Taiwan-Erkenntnisse und eine gute Zeit mit den netten Kollegen von RTI !

    Vielleicht laufen wir uns ja auch mal über den Weg, ich bin der taiwanreporter.de

    Viele Grüße,
    Klaus

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