Ho-Hai-Yan Gung-Liau Rock Festival 2010

Am Wochende vom 09.-11. Juli 2010 fand zum 11. Mal wieder das alljährliche Ho-Hai-Yan Gung-Liau Rock Festival am Fulong Strand statt. Der im nördlichen Teil Taiwans gelegene Strand bot ein weiteres Mal eine traumhafte Kulisse für das große Musikevent, welches Bands und Besucher aus allen Teilen Taiwans und darüber hinaus nach Fulong zog. Zwischen Sandstrand, begrünten Bergen und dem Meer nutzten ca. 570.000 Besucher die Möglichkeit 3 Tage lang die Musik nationaler und internationaler Musikgroessen zu genießen.

Fulong Strand bietet eine traumhafte Kulisse für das Musikevent.

Der Fulong Strand bietet eine traumhafte Kulisse für das Musikevent

Das Festival ist seit eh und je ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands. Seit einigen Jahren sind nun aber auch regelmäßig kommerzielle Musikgrößen zu Gast. So traten dieses Jahr taiwanische, populäre Musikgruppen , wie “MC Hotdog” und “Chang Chen-Yue” (Hiphop & Rock), “Tizzy Bac” (Rock), “Sodagreen” (Punk-Rock) und “One Republic” (Indierock) auf. Selbstverständlich gab es auch Perfomances internationaler Bands zu sehen, wie die der aus Hong Kong stammende Schauspielerin und Sängerin “Josie Ho” (何超儀) und ihrer Band “Uni Boys”. Und wie jedes Jahr veranstaltete das Festival, einen Musikwettbewerb, an dem dieses Jahr ca. 200 talentierte Bands teilnahmen, für die der Wettbewerb neben dem Preisgeld von NTS 200.000 zusätzlich eine tolle Möglichkeit bot, vor einem großen Festival aufzutreten.

Das Festival ist ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands

Das Festival ist ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands

Auch wir von RTI Deutschland machten uns am letzten Tag des Festivals auf den Weg nach Fulong. Das besondere an dem Festival ist, dass der Eintritt für die Besucher jedes Jahr umsonst ist. Dies ist vorallem dem Taipei County Government zu verdanken, das zu dem Hauptsponsor des Festivals zählt. Scheinbar ließ sich auch kaum jemand die Gelegenheit für einen Strandausflug inklusive Open-Air-Konzert entgehen, denn die Menschen strömten aus ganz Taiwan nach Fulong. Bereits auf der Hinfahrt konnten wir uns einen Eindruck von der Menschenmasse verschaffen, welche uns bei dem Festival erwarten sollte, denn der Zug von Taipei nach Fulong war hoffungslos überfüllt und so mussten auch wir während der gesamten einstündigen Fahrt stehen.

Menschen aus ganz Taiwanströmten nach Fulong zu dem Festival

Menschen aus ganz Taiwan strömten nach Fulong zu dem Festival

In Fulong angekommen, wurden wir bereits von einer Schar hübscher, knapp bekleideter Mädchen erwartet, die den anreisenden Gästen kalte Getränke zum Verkauf anboten. Je nachdem für welchen Getränkehersteller sie warben, gab es außerdem kleine Geschenke und Gutscheine dazu. Da der Weg vom Bahnhof zum Strand nur einen Katzensprung entfernt war, konnte man bereits nach wenigen Minuten den Sandstrand sehen und die Meeresluft riechen. Und es gesellten sich nach kürzester Zeit weitere, himmlische Gerüche hinzu – der Geruch von Essen! Ganz typisch für die Taiwaner durften bei diesem Event natürlich auch die vielen kleinen Essensstände nicht fehlen. Am Strand wurde eigens hierfür eine lange Essensstraße errichtet, in der sich eine Imbissbude nach der anderen befand. Von stinkendem Tofu, knusprigen Maultaschen bis hin zu erfrischender Eiscreme konnten man hier rund um die Uhr nach Lust und Laune schlemmen.

Rund um die Uhr konnte man nach Lust und Laune schlemmen

Rund um die Uhr konnte man nach Lust und Laune schlemmen

Das Festival teilte sich in 2 Bereiche auf, die mittels einer großen Brücke miteinander verbunden waren und dessen eine Ende direkt zum Strand führte. Auf beiden Plätzen waren jeweils eine große Bühne aufgebaut, wobei der Platz, welcher sich unmittelbar am Strand befand, eindeutig den Hauptsammelpunkt bildete. Daher herrschte auf der Brücke stets reger Betrieb, so dass sogar Ordnungshüter stets damit beschäftigt waren den „Fussverkehr“ zu konrollieren. Stehenbleiben war hierbei strengstens untersagt.

Das Festival teilte sich in zwei Bereiche auf, die mittels einer großen Brücke miteinander verbunden waren

Das Festival teilte sich in zwei Bereiche auf, die mittels einer großen Brücke miteinander verbunden waren

Auf der Brücke herrschte stets reger Betrieb

Auf der Brücke herrschte stets reger Betrieb

Die Hauptbühne befand sich direkt am Strand, was viele Besucher dazu anregete, im Meer schwimmen zu gehen, um sich von der glühenden Hitze abzukühlen. Dabei bot sich uns ein überraschender Anblick. Ein Großteil der Menschen behielten beim Schwimmen ihre Kleidung an. Allerdings trugen sie nicht einfach nur ein leichtes T-shirt, um sich zum Beispiel besser von der heißen Sonne zu schützen oder um nicht zu viel nackte Haut zu zeigen, sondern das komplette Outfit ging – im wahrsten Sinne des Wortes – baden. Ob Jeanshose, Stoffjacke oder Schmuck, es wurde auf nichts verzichtet und man bekam den Eindruck, als wollten insbesondere die Mädchen kleidungstechnisch auch im Wasser eine gute Figur machen. Immerhin sorgten die glühenden Temperaturen dafür, dass die Kleidung schnell wieder trocknete.

Viele Besucher gingen im Meer schwimmen

Viele Besucher gingen im Meer schwimmen

Insgesamt war das Festival äußerst gut organisiert. Überall sorgten Festivalmitarbeiter und Aufpasser für Ordnung und einen geregelten Ablauf. Außerdem waren an jeder Ecke große Mülltonnen aufgebaut (ein Phänomen, welches man zumindest in Taipei eher seltener findet), sowie eine unglaublich lange Reihe von Dixitoiletten.

Das Festival war äußerst gut organisiert und sorgt für Ordnung

Das Festival war äußerst gut organisiert und sorgt für Ordnung

Vor der Bühne hatten sich die Besucher eigene Sandkuhlen gebuddelt, in der sie es sich grüppchenweise gemütlich machten, um so auch im Liegen entspannt das Festival verfolgen zu können.

Vor der Bühne hatten sich die Besucher eigene Sandkuhlen gebuddelt...

Vor der Bühne hatten sich die Besucher eigene Sandkuhlen gebuddelt...

... um so auch im Liegen entspannt das Festival verfolgen zu können

... um so auch im Liegen entspannt das Festival verfolgen zu können

Der dritte Tag des Festival stand unter dem Motto “Rocknacht aus aller Welt”. Im Gegensatz zu den ersten beiden Tagen, an denen die Riege der bekanntesten taiwanischen Musiker auftraten, war das Programm diesmal mit internationalen Bands bestückt. Musikgruppen aus aller Welt wie z.B. die japanische Glam-Rock Band “SuG”, die Gruppe “Melee” aus dem sonnigen Kalifornien (Pop/Rock) und die französische Rockband “Stuck in the Sound” gaben ihre Musik zum Besten. Die Bühne selbst war mit aufwendigem technischen Equipment versehen. So wurden z.B. alle Auftritte zeitgleich auf 2 großen Leinwänden, rechts und links von der Bühne, übertragen. Einige Bands benutzten sogar eine eigene Pyrotechnik. Außerdem wurde das komplette Konzert von verschiedenen Radiostationen live in die ganze Welt ausgestrahlt.

Internationale Bands, wie die Gruppe“Melee”aus Kalifornien (Pop/Rock) rockten am 3. Tag die Bühne

Internationale Bands, wie die Gruppe“Melee”aus Kalifornien (Pop/Rock) rockten am 3. Tag die Bühne

Das Festival wurde von Radiostationen in die ganze Welt ausgestrahlt

Das Festival wurde von Radiostationen in die ganze Welt ausgestrahlt

Ein musikalischer Höhepunkt bildete der Auftritt des taiwanischen Aboriginal-Sängers KimboHu. Kimbo ist bereits auf der ganzen Insel auch unter dem Namen Hu Te-fu (胡德夫) bekannt (RTI Deutschland hat schon einige Male von ihm berichtet). Die Stimme dieses unscheinbaren, bereits in die Jahre gekommenden, weisshaarigen Mannes ist überraschend kräftig, bestimmend und warmherzig. Ganz alleine mit seinem Keyboard stand Kimbo rund 40 Minuten auf der großen Bühne, auf der man ihn selbst zwar nur noch schwer erkennen konnte, seine Musik jedoch klar und deutlich zu hören war. Dort, wo Minuten zuvor noch die junge 4-köpfige kalifornische Band “Melee” fröhliche Pop- und Rocksongs performte, konnte man auf einmal eine Musik hören, die eher an die Klänge taiwanischer Ureinwohner erinnerte. Untermalt mit rhtymischen, gefühlvollen Bluestönen, schien Kimbo dem Publikum seine eigenen taiwanischen Geschichten zu erzählen. Und tatsächlich legte sich plötzlich eine friedliche Stille über das Festival. Man konnte beobachten, wie die Menschen sich immer tiefer in ihre Sandkuhlen kuschelten, die Augen schlossen oder in den Sonnenuntergang schauten und dabei gedankenverloren Kimbos Gesang über die Schönheit des Meeres lauschten. Kaum ein anderer hätte die Botschaft des Festival in diesem Moment besser wiedergeben können. Denn der Name des Festivals besteht aus den Silben “Ho-Hai-Yan”, was wiederum einer traditionelle Singweise der taiwanischen Ureinwohner entsprungen ist und Musiker sowie Publikum an ihre taiwanischen Wurzeln erinnern soll.

Aboriginal-Sänger Kimbo Hu ist bereits auf der ganzen Insel bekannt

Aboriginal-Sänger Kimbo Hu ist bereits auf der ganzen Insel bekannt

Kimbos Musik ist eine Mischung aus Klängen taiwanischer Ureinwohner und rhyhtmischen, gefühlvollen Bluestönen

Kimbos Musik ist eine Mischung aus Klängen taiwanischer Ureinwohner und rhyhtmischen, gefühlvollen Bluestönen

Der Name des Festivals“Ho-Hai-Yan" ist einer traditionelle Singweise der taiwanischen Ureinwohner entsprungen und soll Musiker sowie Publikum an ihre taiwanischen Wurzeln erinnern

Der Name des Festivals“Ho-Hai-Yan" ist einer traditionelle Singweise der taiwanischen Ureinwohner entsprungen und soll Musiker sowie Publikum an ihre taiwanischen Wurzeln erinnern

von

Nanja Maung Yin

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