Verkehr in Taipei

Der Verkehr in Taipei ist ein eigenes Mysterium für sich. Bevor ich vor einigen Jahren das erste Mal nach Taipei kam hatte ich noch keine genaue Vorstellung über die hiesigen Verkehrsmittel, und in ganz spezieller Weise über die Verkehrsregeln. Zwar war ich davor schon ein paar Mal in Festlandchina und habe dort die reale Verkehrssituation erlebt, jedoch konnte man dadurch keine eindeutigen Schlüsse auf die Situation in Taiwan ziehen. Was mir am ersten Tag in Taiwan sofort aufgefallen ist, waren die Unmengen von Mofas und kleinen Mopeds die über die Straßen rollten und außer Feinstaub noch schlechte Luft hinter sich ließen. Zwar besitze ich keinen Mopedführerschein, dafür konnte ich auf dem Rücksitz schon einige Mopdesfahrten miterleben. Bis heute habe ich ein mulmiges Gefühl wenn sich die Mopeds mit Mördertempo zwischen den Autokolonnen hindurchschlängeln oder bei schlechtem Überblick in enge Gassen hineindüsen. Aber vielleicht mache ich mir ja zu viele Sorgen.

taiwanesische Straßenszene

taiwanesische Straßenszene

Mit der Zeit habe ich viele Unterschiede zur Verkehrssituation in meiner Heimatstadt Wien gefunden. So ist beispielsweise die „Hackordnung“ der Verkehrsteilnehmer genau umgekehrt als in Wien. Während in Wien die Fußgänger beinahe Königsstatus besitzen, sind die armen Taiwanesen per pedes fast komplett rechtlos. Der taiwanesische Fußgänger hat generell immer Nachrang. Ein Ausnahme bilden die mit Ampeln ausgestatteten Zebrastreifen, jedoch sind die Wartezeiten auf ein Grün meistens äußerst lang. So lautet die goldene Regel auf Taiwans Straßen „der Größere gewinnt“. Jedoch gewöhnt man sich an dieses Prinzip in der Regel recht schnell, auch für mich als eingefleischten Wiener Fußgänger. Zum Ampelsystem sei noch gesagt, dass die Ampeln auch die übrigen Sekunden an Wartezeit anzeigen. So hat man einen wesentlich besseren Überblick über die Grünphasen als in Wien.

ein verwaister Zebrastreifen in Taipei

ein verwaister Zebrastreifen in Taipei

Es scheint, als ob in Taipei eine unglaublich große Anzahl an Linienbussen verkehrt. Bis jetzt habe ich in diesem subjektiv empfundenen Chaos noch keine Logik erkennen können. Besonders verwirrend für mich ist das System mit den in den Bus integrierten Entwertungssystem der Fahrscheine. Dazu muss ich aber etwas ausholen. In Taipei hat man eigentlich keinen echten „Fahrschein“ mehr, sondern man kauft sich in der Regeln eine Plastikkarte die mat mit Geld aufladen kann. Zur Entwertung, egal ob in der U-Bahn Station oder im Bus, wird die Karte über eine Kontaktfläche einer kleinen Entwertungsmaschine gezogen. So wird das Geld für die bevorstehende Fahrt von der Karte abgezogen. Die Karte wird direkt im Bus entwertet, oder eben in der U-Bahn Station bevor man in die Metro einsteigt. Meistens wird die Karte auch entwertet bevor man in den Bus steigt . Nun habe ich aber schon öfter mitbekommen, dass die Karte erst beim Aussteigen über die Kontaktfläche gezogen wird. Bis heute habe ich dieses Rätsel nicht lösen können. Weiterlesen

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Ho-Hai-Yan Gung-Liau Rock Festival 2010

Am Wochende vom 09.-11. Juli 2010 fand zum 11. Mal wieder das alljährliche Ho-Hai-Yan Gung-Liau Rock Festival am Fulong Strand statt. Der im nördlichen Teil Taiwans gelegene Strand bot ein weiteres Mal eine traumhafte Kulisse für das große Musikevent, welches Bands und Besucher aus allen Teilen Taiwans und darüber hinaus nach Fulong zog. Zwischen Sandstrand, begrünten Bergen und dem Meer nutzten ca. 570.000 Besucher die Möglichkeit 3 Tage lang die Musik nationaler und internationaler Musikgroessen zu genießen.

Fulong Strand bietet eine traumhafte Kulisse für das Musikevent.

Der Fulong Strand bietet eine traumhafte Kulisse für das Musikevent

Das Festival ist seit eh und je ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands. Seit einigen Jahren sind nun aber auch regelmäßig kommerzielle Musikgrößen zu Gast. So traten dieses Jahr taiwanische, populäre Musikgruppen , wie “MC Hotdog” und “Chang Chen-Yue” (Hiphop & Rock), “Tizzy Bac” (Rock), “Sodagreen” (Punk-Rock) und “One Republic” (Indierock) auf. Selbstverständlich gab es auch Perfomances internationaler Bands zu sehen, wie die der aus Hong Kong stammende Schauspielerin und Sängerin “Josie Ho” (何超儀) und ihrer Band “Uni Boys”. Und wie jedes Jahr veranstaltete das Festival, einen Musikwettbewerb, an dem dieses Jahr ca. 200 talentierte Bands teilnahmen, für die der Wettbewerb neben dem Preisgeld von NTS 200.000 zusätzlich eine tolle Möglichkeit bot, vor einem großen Festival aufzutreten.

Das Festival ist ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands

Das Festival ist ein bedeutender Treffpunkt für bekannte sowie unbekannte Independentbands

Auch wir von RTI Deutschland machten uns am letzten Tag des Festivals auf den Weg nach Fulong. Das besondere an dem Festival ist, dass der Eintritt für die Besucher jedes Jahr umsonst ist. Dies ist vorallem dem Taipei County Government zu verdanken, das zu dem Hauptsponsor des Festivals zählt. Scheinbar ließ sich auch kaum jemand die Gelegenheit für einen Strandausflug inklusive Open-Air-Konzert entgehen, denn die Menschen strömten aus ganz Taiwan nach Fulong. Bereits auf der Hinfahrt konnten wir uns einen Eindruck von der Menschenmasse verschaffen, welche uns bei dem Festival erwarten sollte, denn der Zug von Taipei nach Fulong war hoffungslos überfüllt und so mussten auch wir während der gesamten einstündigen Fahrt stehen.

Menschen aus ganz Taiwanströmten nach Fulong zu dem Festival

Menschen aus ganz Taiwan strömten nach Fulong zu dem Festival

In Fulong angekommen, wurden wir bereits von einer Schar hübscher, knapp bekleideter Mädchen erwartet, die den anreisenden Gästen kalte Getränke zum Verkauf anboten. Je nachdem für welchen Getränkehersteller sie warben, gab es außerdem kleine Geschenke und Gutscheine dazu. Da der Weg vom Bahnhof zum Strand nur einen Katzensprung entfernt war, konnte man bereits nach wenigen Minuten den Sandstrand sehen und die Meeresluft riechen. Und es gesellten sich nach kürzester Zeit weitere, himmlische Gerüche hinzu – der Geruch von Essen! Ganz typisch für die Taiwaner durften bei diesem Event natürlich auch die vielen kleinen Essensstände nicht fehlen. Am Strand wurde eigens hierfür eine lange Essensstraße errichtet, in der sich eine Imbissbude nach der anderen befand. Von stinkendem Tofu, knusprigen Maultaschen bis hin zu erfrischender Eiscreme konnten man hier rund um die Uhr nach Lust und Laune schlemmen. Weiterlesen

Krankenhaeuser in Taiwan

die Lobby des Wanfang Krankenhauses im Suedteil von Taipei

die Lobby des Wanfang Krankenhauses im Suedteil von Taipei

Betritt man die Lobby des im Südteil von Taipei gelegenen Wanfang Krankenhauses, wird man nicht nur von derer Geräumigkeit, sonder auch von der hellen Beleuchtung und guten Klimatisierung überrascht. Sie ähnelt nicht wirklich den üblichen Krankenhäusern, in denen es meist ruhig, sauber und ordentlich zugeht und stets der Geruch von Desinfektionsmittel in der Luft liegt. Die Lobby des Wanfang Krankenhauses erinnert viel eher an einen viel besuchten Bahnhof, denn hier kommen die Leute hin, um sich an- bzw abmelden oder ihre Rechnungen zu bezahlen. So herrscht immer ein reges Kommen und Gehen.

In der Lobby herrscht immer ein reges Kommen und Gehen.

In der Lobby herrscht immer ein reges Kommen und Gehen.

Fast mittig der Halle befindet sich sogar ein Klavier, auf dem mehrere freischaffende Musiker und Musikstudenten im Wechsel verschiedene Musikstücke spielen. Und obwohl durch die Menschenmenge ein lautes Gedränge in der Lobby herrscht, ist die Klaviermusik stets gut zu hören.

Fast in der Mitte der Lobby befindet sich ein Klavier.

Fast in der Mitte der Lobby befindet sich ein Klavier.

Kommt man durch den Haupteingang rein, sieht man auf der linken Seite der Halle eine Bäckerei mit einem Cafe, in das man sich hineinsetzen und einen Kaffee genießen kann. Auf der rechten Seite befindet sich ein Minisupermarkt, der zu einer großen 24-Stunden-Ladenkette gehört. Das Geschäft des Minisupermarkts scheint gut zu laufen, denn hier kaufen nicht nur die Patienten des Krankenhauses ein, sondern auch deren Familienangehörige, Verwandte oder Freunde. Mit Sicherheit gehört auch die restliche Nachbarschaft des Krankenhauses zu seinen besten Kunden.

Im Zentrum der Halle befindet sich die Informationsstelle. Dort haben sich 4 bis 5 Männer und Frauen zusammengefunden, die in mehreren Sprachen kommunizieren, sei es auf Mandarin, Hakka, Fulao oder gar englisch. Sie sind die freiwilligen Helfer und tragen auffällige Westen, welche sie eigens von dem Krankenhaus ausgehändigt bekommen haben. Die Helfer stehen den Besuchern nicht nur an der Informationsstelle zur Verfügung, sondern sie helfen überall, wo sie gebraucht werden.

Neben der An- und Abmeldungsstelle, der Kasse und den vielen verschiedenen Zimmern, kann man an den Wänden des Krankenhauses diverse Gemälde betrachten. Oft finden hier Kunstausstellungen jeglicher Art statt.

Einzig die vielen Ärzte und Krankenpfleger in ihren weißen Gewändern erinnern daran, dass es sich hier um eine medizinische Einrichtung handelt, ansonsten würde man nicht merken, dass man sich in einem Krankenhaus befindet.

Wenn man sich runter in den Keller begibt, steigt die Bewunderung noch um einiges. Denn hier findet man eine Imbiss- und Geschäftspassage, umrahmt von Restaurants in verschiedenen Geschmacksrichtungen sowie Haarsalons, Boutiquen, Schuhgeschäfte, Minisupermärkte, Drogerien, Obstläden, Massagestellen und vieles andere. In manchen modernen Krankenhäusern befindet sich sogar ein SPA bzw. Sauna, Kino, Fitnessraum und Internetcafe.

Im Keller des Krankenhauses findet man eine Imbiss- und Gesch'ftspassage.

Im Keller des Krankenhauses findet man eine Imbiss- und Gesch'ftspassage.

Bei all der Bewunderung für das Krankenhaus wird man sich nun vielleicht fragen, ob denn hier überhaupt Patienten behandelt und Krankheiten erforscht werden. Die Antwort ist ja. Man hat seine ursprünglichen Aufgaben und Funktion nie vergessen. Es ist nur so, dass die medizinischen Einrichtungen in Taiwan nicht nur erkrankten, sondern auch gesunden Personen einen bestimmten Service anbieten und so eine Möglichkeit haben, zusätzliche Gelder zu verdienen, sei es durch die Patienten oder gesunde Besucher.

vor dem Wanfang Krankenhaus

vor dem Wanfang Krankenhaus

von

Chiu Bihui