Drachen auf dem Jilong-Fluß

Jedes Jahr zum 5. Tag im 5. Monat des Bauernkalenders ist in der Nähe etlicher Flußufer im chinesischen Raum der dumpfle Klang von Trommeln, gemischt mit leicht gequältem Schreien zu vernehmen – klarer Fall von Drachenbootrennen.

Auch in Taipei findet am Jilong-Fluß jährlich ein Wettbewerb im Drachenbootrennen statt. Rechtzeitig anmelden (ca. 2-3 Monate im vorraus) ist wichtig – die Plätze sind begrenzt – und dann bleibt auch noch ein wenig Zeit für das Training. So ganz ohne Training sollte man es hier nicht angehen, sonst könnte schon beim Einsteigen Schluß sein.

Die Teams bestehen aus 18 Paddlern, einem besonders fähigen Steuermann, einem Trommler und einem Flaggenfänger, insgesamt also 21 Personen. Leichtgewichtige Trommler und ein schlanker, großer Flaggenfänger verbessern die Lage des Bootes und erhöhen die Gewinnchancen enorm – prädestiniert dafür sind schlanke  Taiwanesinnen.

Männerteam mit Trommlerin

Dieses Team macht alles richtig: sportliche Jungs und eine schlanke Taiwanesin, die den Ton angibt

Es treten reine Männer- oder Frauenmannschaften und auch Gemischte Teams an.  Sogar aus Neuseeland reisen Teams zur Teilnahme an. Die Stadt Taipei gibt gewährt jedem Team nach Teilnahme ein Startgeld und stellt sogar einen Trainer mit Boot zur Vorbereitung zur Verfügung – insbesondere das Training ist für Langnasen ziemlich wichtig.

Dieses sind wahrscheinlich halbprofessionelle Paddler des Sportinstitutes einer Uni, man dürfte im Wettbewerb wohl nur ihre Rücken sehen.

Die Philippinen waren mit mehreren Teams vertreten.

Eine Firmenmannschaft des Hyatt-Hotels

Sportliches Personal des Hyatt-Hotels in anderer Mission

"Wartehalle" und Verpflegungsstation

„Wartehalle“ und Verpflegungsstation

Der Wettbewerb streckt sich über 3 Tage, doch mehr als zwei Rennen am Tag werden nicht anfallen.  Es geht über eine Distanz von 500 m , die je nach Gezeiten (Mündungsnähe) bei Ebbe in 2 :0x Minuten (Bester) bis 4 Minuten (nicht ganz so gut) bei Flut schnellstens in ca. 2:40 bewältigt wird. Kommt noch Gegenwind dazu, erreichen bei etwaiger Wellenbildung nicht unbedingt alle Boote ihr Ziel, die Mannschaft schwimmt sich dann frei. Weiterlesen

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Drachenbootfest bei RTI: Zongzi statt Drachenbootrennen

Das Drachenbootfest ist eines der wichtigsten traditionellen chinesischen Feste im Jahr. Es wird am 5. Tag des 5. Monats nach dem Mondkalender gefeiert, in diesem Jahr fällt das Drachenbootfest auf Mittwoch, den 16. Juni – also heute. Drachenbootrennen und Zongzi, die in Blätter, meist Bambusblätter eingwickelten Klebereisklöße gehören einfach zum Drachenbootfest. Aber es gibt auch noch einige andere Anzeichen, dass Drachenbootfest ist. Als ich heute  morgens die Treppe unseres Wohnhauses hinunterging,   fiel mir sofort auf, dass heute Drachenbootfest ist – denn viele der Nachbartn hatten bereits grüne Zweige an die Tür gehängt, darunter lange, spitz zulaufende Blätter. Das sieht so aus: 

Zweige an der Tür am Drachenbootfest

Zweige an der Tür am Drachenbootfest

Zweige an der Tür am Drachenbootfest

Zweige an der Tür am Drachenbootfest

 Am Drachenbootfest sieht man auch vor manchen Geschäften Opfertische aufgebaut, mit Lebensmittel darauf und Räucherstäbchen, aber diese Opfertische sieht man natürlich in Taiwan nicht nur am Drachenbootfest. 

Angekommen bei RTI war meine erste Konversation gar nicht typisch fürs Drachenbootfest, der Mitarbeiter vom Wachdienst in der Empfangshalle fragte nämlich nicht, ob ich mir irgendwo Drachenbootrennen ansehen werde, sondern: „wie hat denn gestern Nordkorea gegen Brasilien gespielt?“ 

Später brachte dann Bihui doch noch etwas Drachenbootfest-Stimmung mit ins Büro, sie hatte nämlich eine Tüte Zongzi dabei – unser Praktikant Philip präsentiert hier die Zongzi der Deutschredaktion von RTI 2010!

Philip sieht hier noch ein bisschen skeptisch aus ...

Philip sieht hier noch ein bisschen skeptisch aus ...

... und demonstriert hier, wie man Zongzi NICHT essen sollte...

... und demonstriert hier, wie man Zongzi NICHT essen sollte...

Hier das noch gut verschnürte Zongzi

Hier das noch gut verschnürte Zongzi

... wenn man am richtigen Ende der Schnur zieht, lässt sich die Schnur ganz einfach entfernen...

... wenn man am richtigen Ende der Schnur zieht, lässt sich die Schnur ganz einfach entfernen...... und man kann die Blätter entfernen...... und so sieht der Klebereiskloß aus...

... hier sieht man die Füllung des Zongzi...

... hier sieht man die Füllung des Zongzi...... Zongzi gibt es mit verschiedenen Füllungen, süß oder wie dieses hier mit Fleisch...

... die Zutaten variieren je nach Region, Familie oder Geschmack...

... die Zutaten variieren je nach Region, Familie oder Geschmack...

... nach dem Fotografieren wurde auch dieses letzte Zongzi aufgegessen, obwohl Bihui warnte, dass ein Zongzi etwa 800 Kalorien hat!

... nach dem Fotografieren wurde auch dieses letzte Zongzi aufgegessen, obwohl Bihui warnte, dass ein Zongzi etwa 800 Kalorien hat!

Manche weichen den Klebereis erst in Wasser ein und braten ihn dann mit den Zutaten halb gar, bevor das Ganze in die Blätter eingwickelt und gar gedämpft wird. Manchmal wird der Reis nicht angebraten, sonder die Zongzi samt Füllung in Wasser gar gekocht. Wie gesagt, Zongzi gibt es in vielen verschiedenen Variationen, Geschmacksrichtungen, süß, herzhaft, in Pyramidenform oder länglich. 

Viele interessieren sich wohl bei der Fußballweltmeisterschaft wohl eher für Fußball und nicht so sehr für Drachenbootrennen, wer aber trotzdem ein bisschen Drachenbootrennen-Stimmung erleben möchte, der kann mal in diese Videos der „Drachenreiter“ vom Drachenbootrennen im letzten Jahr reinschauen. RTI wünscht allen ein schönes Drachenbootfest! 

von Eva Triendl

Ein Besuch im Atayal Dorf Smangus.

Dorthin geht es nach Smangus

Dorthin geht es nach Smangus

Vor einiger Zeit hörte ich über ein kleines abgelegenes Dorf namens Smangus, das weit abgelegen in den Bergen östlich der Industriestadt Hsinchu liegt. Besondere Berühmtheit hat das Dorf durch eine Gruppe von Riesenzypressen erlangt, die über 2000 Jahre alt sind. Nun wollte ich selber einmal sehen, ob das Leben dort wirklich noch so ist, wie man sich das erzählt und insbesondere wollte ich die berühmten Riesenzypressen mit eigenen Augen sehen. Daher machte ich mich auf, ein Wochenende in Smangus zu verbringen. Obwohl der Ort nur knapp 100 Kilometer entfernt von Hsinchu liegt, dauerte die Fahrt gute drei Stunden. Gerade die letzten 16 Kilometer waren so schmal, steil und kurvig, dass man fast eine Stunde für dieses Teilstück braucht. Aber die Fahrt war nicht nur aufregend, sondern wirklich sehr schön und auch interessant. Zum einen wegen der teilweise wie

Eine anstrengende Fahrt bei atemberaubender Aussicht

Eine anstrengende Fahrt bei atemberaubender Aussicht

der mal atemberaubenden Landschaft, und zum anderen aufgrund der vielen Hinweise auf die Anwesenheit von Ureinwohnern in dieser Region. Und schließlich kamen wir dann auch an. Nachdemwir am Samstag Nachmittag unser Quartier bezogen hatten, war es allerdings zu spät, die Wanderung zu den Riesenzypressen aufzunehmen, da es bis zu dieser Baumgruppe doch eine mehrstündige Wanderung benötigte. So schlossen wir uns einer Führung durch das Dorf anzuschliessen. Es gab zunächst einige leichte Lektionen in der Sprache der Atayal. Zur Erklärung, die Sprache der Atayal gehört zu der austronesischen Sprachfamilie, während die chinesischen Sprachen oder Dialekte zu der Sino-tibetanischen Sprachfamilie gehört und sie unterscheiden sich dementsprechend. Weiter ging es mit Erklärungen für die Herkunft des Namens Smangus. Die eine ist, dass er von einem Namen hergeleitet wurde, den Vorfahren der Atayal trugen, nämlich „Maa Kuss“ oder „Maa Muss“. So ist der Name Smangus oder „SeeMaaMuss“, wie er von den Atayal ausgesprochen wird, eine Ehrung dieser oder dieses Vorfahrens. Eine andere Erklärung ist, dass dieser Name

Holzstatuen mit den charakteristischen Tätowierungen

Holzstatuen mit den charakteristischen Tätowierungen

von einem Baum, der sehr oft in dieser Gegend vorkommt, abgeleitet wird. Es handelt sich um einen Nussbaum, der in der Atayal Sprache ebenfalls „Maa Muss“ ausgesprochen wird. Als nächstes ging es zu einer Gruppe von Holzstatuen, die in der Dorfmitte aufgestellt waren, mit denen es natürlich eine besondere Bewandnis auf sich hatte. Sie stellte unter anderem den Vorfahren MaaKuss dar, und in den Gesichtern der Statuen waren die Kennzeichen der Atayal zu sehen. Die Gesichtstätowierungen. Diese Gesichtstätowierungen waren ein Zeichen dafür, dass man nun erwachsen ist. Die Männer haben eine Tätowierung auf der Stirn und am Kinn, während die Frauen noch zusätzlich eine V-förmige Tätowierung hatten, die sich beginnend vom Mund über beide Wangen hinzog. In vergangenen Zeiten so heisst es, mussten die Männer einen Feind töten und seinen Kopf zurückbringen, um sich diese Tätowierung zu verdienen. Die Frauen mussten zeigen, dass sie sich in der Webkunst verstanden, ehe sie die Tätowierung bekamen. Das interssante an dem Dorf ist auch die Vielzahl immer noch vorhandener traditioneller Bauten. Beispielsweise eine Hütte, die für die traditionelle Art zum Lagern von Getreide verwendet wird. Sie steht auf vier Pfählen und zwischen dem Boden der Hütte und dem oberen Ende der Pfähle wurden

Traditionelles Getreidelager

Traditionelles Getreidelager

jeweils gewölbte Holzplatten angebracht. Diese Holzplatten sollen Mäuse davon abhalten, in die Hütte einzudringen und das Getreide zu stehlen. Im Dorf stehen noch zwei Hütten dieser Art. Zum einen soll die alte Weise, wie die Atayal Vorfahren Hütten gebaut haben, vorgestellt und bewahrt werden. Aber sie werden auch noch benutzt, zum Lagern von Werkzeugen oder tatsächlich auch noch zum Lagern von Getreide.
Und als nächstes wurde uns ein Aussichtsturm vorgestellt, der ein wenig die Fantasie entfachte, der Gedanken aufkommen liess, an alte aufregende Zeiten.

Der Aussichtsturm

Der Aussichtsturm

Jeder Stamm hatte im Allgemeinen so einen Turm, um bei Gefahren das Dorf zu warnen. Doch wie der Tourleiter erklärte, bestand das Leben der Atayal nicht nur daraus, jeden Tag auf Kopfjagd oder auf die Jagd nach wilden, gefährlichen Tieren zu gehen. Soviel Zeit zum Kämpfen hat man ja gar nicht, erklärte er. Beim Weitergehen sah man des öfteren ein für die Atayal sehr typisches, symbolisches Muster. Man sah es auf Häusern eingekerbt oder auch insbesondere in Kleidung eingewebt. Diese Muster symbolisieren zum einen die Augen der Vorfahren, und zum anderen die Regenbogenbrücke, über die die Atayal nach dem Tode in die Welt marschieren, wo sich die Geister ihrer Vorfahren aufhalten. Nach soviel Einblicke in die die Traditionen und alten Lebensweisen der Atayal erzählte und Lahoi, so der Name des Tourleiters von der heutigen Lebensweise der Bewohner von Smangus. Aufgrund der abgelegenen Position des Dorfes konnten sich die Atayal von Smangus mehr von ihren alten Traditionen und Lebensweisen bewahren, als das oft bei anderen Ureinwohnerstämme der Fall ist. Tatsächlich wurde erst im Sommer 1995 die kleine Strasse zu Smangus hin fertiggestellt. Und erst im Jahr 1980 wurde Smangus an das Stromnetzwerk Taiwans angeschlossen. Lahoi wies aber auf noch eine Besonderheit des Dorfes hin. Nämlich die Art, wie die Bewohner zusammenarbeiten, die schon

dazu geführt hat, dass man Smangus manchmal als kommunistische Kommune betitelt. 70% der Einwohner arbeiten nämlich zusammen und alle bekommen das gleiche Gehalt. Die restlichen 30 % der Dorfeinwohner verwalten sich selber, also führen ihre eigenen Geschäfte. Man kann sich vorstellen, dass das nicht immer einfach ist, aber man versucht, alle

Das Informationszentrum am Abend

Das Informationszentrum am Abend

Einkünfte gleichmässig zu verteilen. So haben die Dorfbewohner zusammen ein Restaurant gebaut, ein Informationszentrum und fünf oder sechs Herbergen, und die Einkünfte hieraus werden gleichmässig verteilt. Und wenn z.B. die Kinder nach der Grundschule woanders hin müssen, um dort zu studieren, von der Mittelschule bis zur Universität, werden die Kosten wie Verpflegung oder Schulgebühren dafür von unserem Dorf übernommen. Apropos Schule fast zum Schluss wurden wir zu einem Schulgebäude geführt, das ganz aus Holz gebaut war. Dabei handelte es sich um die Grundschule. Derzeit beherbergt die Grundschule 3 Klassen mit 9 Schülern und 3 Lehrern. Erwähnenswert dabeit ist, dass die Grundschule noch ziemlich neu ist. Sie wurde erst 2003 erbaut und davor mussten alle Schüler in einem anderen Ort zur Schule gehen. Und vor 1995 mussten die Kinder zu Fuss gehen und zwar über drei Stunden. Die Strecke beträgt zwar nur etwa 9 Kilometer, doch zum einen gab es natürlich keine guten Wege und zum anderen geht es wie man sich denken kann bergauf und bergab. Smangus befindet sich etwa 1500 Meter über dem Meeresspiegel, während das Dorf, in dem die Schüler zur Schule gehen mussten, auf einer Höhe von etwa 1600 oder 1700 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Und das Tal

Die Grundschule fuer 9 Schueler

Die Grundschule fuer 9 Schueler

dazwischen liegt auf etwa 1000 Metern. So heisst es erst mal 500 Höhenmeter hinab und dann wieder über 600 Meter hinauf. Und dann wieder die gleiche Strecke zurück. Natürlich ging das nicht jeden Tag hin und zurück gegangen, sondern die Schüler sind am Montag zur Schule gegangen, haben dann während der Woche im Schulwohnheim gewohnt und am Samstag sind alle wieder zurück marschiert. Sicherlich nicht einfach, und auch wenn man heutzutage immer noch in eines der Nachbarsdörfer gehen muss, wenn man die Mittelschule, Oberschule und Unversitaet besuchen will, muss man das heute nicht mehr zu Fuss machen.

Von Ilon Huang

Weiter Eindruecke vom Besuch in Smangus

Namensschilder

Namensschilder - die Atayal verwenden lateinische Buchstaben fuer ihre Sprache

Unser Tourguide Lahoi vor einer der Holzstatuen

Das fuer die Atayal so charakteristische Muster

Das Innere des Gemeinschaftsrestaurants, alles in Bambus gehalten.