“2009 Kaohsiung City Cup” Drachenbootrennen

 

Das "Chrismas Island" Drachenbootteam
Drachenbootrennen in Kaohsiung

Zu Weihnachten fand in der südtaiwanischen Stadt Kaohsiung ein Drachenbootrennen statt. Ein Drachenbootrennen zu Weihnachten? Normalerweise werden Drachenbootrennen doch mit dem Drachenbootfest in Verbindung gebracht und auch zu dieser Zeit durchgeführt.

Doch tatsächlich sind Drachenbootrennen inzwischen zu einem internationalen Ereignis geworden und viele Länder veranstalten Rennen während des ganzen Jahres. In Taiwan haben Drachenbootrennen bekanntermaßen zwar eine lange Tradition, aber sie werden wohl oft immer noch eher als ein kulturelles denn als ein sportliches Ereignis angesehen und sind daher auch noch stark auf die Zeit des Drachenbootfestes beschränkt.

Lynn Dongli Li, seit 15 Jahren begeisterter Drachenbootfahrer

Lynn Donglong Lee, seit 15 Jahren begeisterter Drachenbootfahrer

Doch nach und nach gibt es auch in Taiwan immer mehr Drachenbootrennen, die zu einer anderen Zeit als während des Drachenbootfestes durchgeführt werden. Und eines dieser Rennen war der „2009 Kaohsiung City Cup“, der auch einen besonderen Grund hatte. Nämlich Mannschaften auszuwählen, die Taiwan im kommenden Jahr Taiwan sozusagen als Nationalmannschaft – als Chinese Taipei – bei internationalen Wettkaempfen vertreten sollen. Eine der teilnehmenden Mannschaften war die „Christmas Island Drachenbootmannschaft“, die aus Ruderern der „Drachenreiter“ und der „Australian New Zealand Chamber of Commerce”. zusammengewürfelt war. Zu der Mannschaft gehörte auch Lynn Donglong Lee, der seit 15 Jahren an Drachenbootwettkämpfen teilnimmt. Lynn, dessen Eltern aus Taiwan kommen, der aber selbst in Tennesse, in den USA aufgewachsen ist, hat uns über den Reiz des Drachenbootfahrens, von den Schwierigkeiten, sozuagen auf den letzten Drücker eine Mannschaft zusammenzukriegen und zu trainieren, und von den Erlebnissen während des Drachenbootrennens in Kaohsiung erzählt:

Lynn: Ich habe mit dem Drachenbootrennen im Jahr 1995 angefangen, also nun etwa 15 Jahre. Was macht Drachenboot für mich so interessant? Es ist die Tatsache, dass es der absolute Mannschaftssport ist. Man kann sich nicht allein auf einen Starspieler verlassen, wie z. Bsp. beim Basketball, American Football oder Fußball, um die Mannschaft voranzutreiben. Jeder muss hart arbeiten, und zwar vollkommen gemeinsam, im gleichen Rythmus und wirklich synchron. Und das macht Drachenboot so interessant für mich. Und der Mannschaftsgeist, der dadurch entsteht, sobald alle vollkommen synchron rudern, und wenn man fühlt, wie das Boot vorwärts gleitet, das ist wirklich ein euphorisches Gefühl.

Warmmachen und die Besprechung der Strategie vor dem Rennen sind äußerst wichtig

Warmmachen und die Besprechung der Strategie vor dem Rennen sind äußerst wichtig.

Was war der 2009 Kaohsiung City Cup, ein Drachenbootrennen sozusagen außerhalb der „Drachensaison“  am Wochenende nach Weihnachten in Kaohsiung in Südtaiwan für ein Ereignis?

Lynn:  Dieses Rennen war der 2009 City Cup Internationale Drachenbootwettkampf und wurde in Kaohsiung durchgefuehrt. Der Hauptgrund für dieses Rennen war, wie es schien, die Mannschaften auszuwählen, die Taiwan im kommenden Jahr sozusagen als Nationalmannschaft, als „Chinese Taipei“ bei internationalen Wettkämpfen vertreten sollen. Es wurden auch ausländische Mannschaften oder Mannschaften, die aus Ausländern zusammengesetzt waren, eingeladen. Aber natürlich würden wir nicht Taiwan vertreten koennen, auch wenn wir beim Kaohsiung City Cup gewonnen hätten. Das war also der Hauptgrund, und dazu gab es noch einige Wettkämpfe am Rande.

Rennen vor zum Teil malerischen Hintergrund

Rennen vor zum Teil malerischen Hintergrund

Dieses Rennen fand um Weihnachten herum statt, und zwar am 26. und 27. Dezember. Normalerweise werden Drachenbootrennen mit dem Drachenbootfest in Verbindung gebracht. Es kommt nicht oft vor, dass Drachenbootrennen außerhalb des Drachenbootfestes stattfinden:

Lynn: Drachenbootrennen sind inzwischen zu einem internationalen Ereignis geworden und viele Länder veranstalten Rennen während des ganzen Jahres. In Taiwan hingegen werden Drachenbootrennen weiter mehr als ein kulturelles als ein sportliches Ereignis angesehen. Daher ist es eher selten, dass Drachenbootrennen außerhalb des Drachenbootfestes abgehalten werden. Bis vor einiger Zeit gab es zum Mondfest ein Rennen auf dem Sonne-Mond See, doch das wurde schon lange nicht mehr durchgeführt. So ist es wirklich eher selten, und auch dieses Rennen war wohl eine Veranstaltung auf den letzten Drücker. Wir haben von dem Rennen erst Ende November erfahren, und zwar war es eine Massen-Email an alle Drachenbootmannschaften mit der Information: “Wir veranstalten diesen Wettkampf in Kaohsiung, habt Ihr Interesse, daran teilzunehmen?” Wir alle hoffen, dass es in der Zukunft mehr Drachenbootrennen gibt, an denen wir teilnehmen könnnen, auch außerhalb des Drachenbootfestes. Denn es macht wirklich sehr viel Spass das ganze Jahr über zu rudern.

Der nervenaufrebendste Teil: in die Boote klettern und zum Start rudern

Der nervenaufreibendste Teil: in die Boote klettern und zum Start rudern

Es ist aber nicht einfach, sozusagen „außerhalb der Saison“ eine Mannschaft zusammen zu bekommen und zu trainieren …

Lynn: Die Mannschaft, mit der ich in den letzten paar Jahren an Wettkaempfen teilgenommen habe, nennt sich “騎龍隊 (Qi Long Dui)” oder “Drachenreiter”, die sich zum größten Teil aus Alumni des Mandarin Training Center der „National Taiwan Normal University“ zusammensetzt. Doch leider hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht genug Teilnehmer, um eine ganze Mannschaft zu melden. Daher haben wir unsere Kräfte mit einer anderen Mannschaft kombiniert, und zwar mit der Mannschaft der „Australian New Zealand Chamber of Commerce“. Auch bekannt als ANZ. Wir haben schon in der Vergangenheit mit dieser Mannschaft zusammengearbeitet. Wir haben also so schnell wie möglich eine Mannschaft zusammengewürfelt, doch das hat trotzdem noch nicht gereicht, um eine komplette Männer- und eine komplette Frauenmannschaft zu melden. Daher haben wir am Ende ein gemischtes Team zusammengewürfelt, das wir dann für die Männerkategorie gemeldet haben, denn das Rennen in Kaohsiung hatte keine gemischte Kategorie. Ja, es war wirklich auf die letzte Minute und wir haben das beste daraus gemacht unter diesen Umständen.

Auch das Training ist außerhalb der Drachenbootsaison schwieriger, schon alleine aus Mangel an Drachenbooten …

Chrimas Island Team": ein eher ungewöhnliches Design für ein Trikot eines Drachenboot Teams

Christmas Island Team": ein eher ungewöhnliches Design für ein Trikot eines Drachenboot Teams

Lynn: Es war, wie gesagt, im letzten Augenblick. Normalerweise trainieren wir mit den Drachenreitern fünfmal pro Woche, Montags bis Freitags, egal wie das Wetter ist, bei Sonnenschein und bei Regen. Die ANZ Mannschaft trainiert während der regulären Saison, als zum Drachenbootfest, normalerweise etwa zwei- bis dreimal pro Woche, soweit ich weiß. Für dieses Rennen, weil es schon so spät war und weil wir Probleme hatten, genügend Teilnehmer zusammen zu bekommen, haben wir am Ende nur am Wochenende trainiert. Samstags und Sonntags an drei Wochenenden in Folge vor dem Kaohsiung Rennen. Außerdem, im Vorfeld zum Drachenbootfest, stellen die Veranstalter etwa einen Monat vor den Rennen die Drachenboote zum Training für die teilnehmenden Mannschaften zur Verfügung. Und diese Boote sind ein Teil der Anmeldegebühren, man kann also so oft trainieren, wie man möchte, ohne jedesmal extra zu bezahlen. Für dieses Rennen hatten die Veranstalter in Kaohsiung nur am Donnerstag und Freitag vor dem Wettkampf Boote zur Verfügung gestellt. Da wir aber in Taipei sind, konnten wir davon natürlich keinen Gebrauch machen. So haben wir dann in San Jiao Du, im Stadtbezirk Shilin trainiert. Dort gibt es das ganze Jahr über Boote, doch mussten wir jedesmal 50 Taiwan Dollar pro Person bezahlen. Und da viele unserer Ruderer noch Studenten sind, sind diese Kosten für viele eine finanzielle Bürde. Daher konnten wir nicht so oft trainieren, wie wir gern gewollt hätten. In den wenigen Tagen, die uns dann zur Verfügung standen, war das Training noch intensiver also normal, da wir zwei verschiedene Mannschaften mit unterschiedlichem Paddelstil vereinen mussten und dazu noch ein paar Paddler trainieren mussten, die vorher noch nie gepaddelt hatten. Am Ende hat es soweit ganz gut geklappt und wir konnten eine gemischte Mannschaft anmelden, die unter dem Namen “Christmas Island Drachenbootmannschaft” ins Rennen ging. Da es sich um einen City Cup handelte und da wir so viele Mannschaftsmitglieder aus vielen verschiedenen Ländern hatten, wie Japan, Argentinien, Korea, USA, Taiwan und Kanada, hatten wir uns entschlossen, eine Stadt zu repräsentieren. Und da es eben Weihnachten war, hielten wir es für passend, Christmas Island in Australien zu wählen.

Lynn Donglong Lee (hockend, 3. v. l.) und die Christmas Island Drachenbootmannschaft mit Weihnachstgrüßen

Lynn Donglong Lee (hockend, 3. v. r.) und die Christmas Island Drachenbootmannschaft mit Weihnachstgrüßen

Nun gibt es zum Drachenbootfest und den dazugehörigen Drachenbootrennen eine Vielzahl von Traditionen und Bräuche, die beachtet und durchgeführt werden müssen, die einfach dazu gehören. Beim City Cup in Kaohsiung stand eher der Sport im Mittelpunkt …

Lynn: Bei diesem Drachenbootrennen in Kaohsiung schienen die meisten normalen Traditionen und Zeremonien zu fehlen, die man sonst so während des Drachenbootfestes sieht. Es könnte aber auch sein, dass wir einiges verpasst haben, da wir nicht schon Donnerstag oder Freitag anreisten, sondern erst am Renntag selbst, also am Samstag. Daher haben wir nichts von dem Abbrennen der Räucherstäbchen, dem Verbrennen des Geistergeldes oder dem Beten gesehen, das normalerweise bei Drachenbootrennen geschieht. Es fand auch nicht das übliche Malen der Pupillen in die Drachenaugen statt, was symbolisiert, dass die Drachenboote ihre Augen öffnen. Es war eher, lass uns ankommen, und dann starten. Die Wettkämpfe selbst waren ein wenig anders, als die normalen Rennen, die wir gewöhnt sind. Bei den traditionellen Rennen hier hat jede Mannschaft einen sogenannten Flaggenfänger, der eine Flagge am Ziel ergreifen muss, um anzuzeigen, wer das Rennen gewinnt. Das verleiht dem Drachenbootrennen ein extra Element. Der Wettkampf in Kaohsiung wurde aber gemäß den internationalen Regularien durchgeführt, das heißt es gab keine Flaggen zu greifen, sondern einfach nur: wer als erstes die Ziellinie überquert, hat gewonnen. Insgesamt machte das Rennen eher den Eindruck einer Sportveranstaltung als einer kulturellen Veranstaltung.

Drachenbootrennen sind immer eine gute Gelegenheit, andere Mannschaften und neue Freunde kennenzulernen

Drachenbootrennen sind immer eine gute Gelegenheit, andere Mannschaften und neue Freunde kennenzulernen

Dass das Drachenbootteam “Christmas Island” relativ bunt zusammengewürfelt war und die  Vorbereitungszeit vor dem Rennen kurz war, wirkte sich auch auf das Abschneiden beim Rennen aus:

Lynn:  Wir haben leider nicht so gut abgeschnitten, wie wir uns das gewünscht hätten. Zum einen waren die Boote in Kaohsiung anders als die Boote, mit denen wir trainiert haben, und beim Training waren wir sowieso niemals vollständig. Als wir dann zum Rennen kamen, mussten wir feststellen, dass die Gewichtsverteilung in unserem Boot alles andere als ideal war. Wir waren insbesondere zu schwer auf der rechten Seite. Und der Steuermechanismus des Bootes war fest, das heißt das Steuerruder war auf der linken Seite des Bootes befestigt und konnte nicht bewegt werden. Daran war unser Steuermann nicht gewöhnt. Er ist daran gewöhnt, dass er das Steuerruder frei bewegen kann und notfalls auf die rechte Seite bewegen kann, um Richtungsänderungen durchzuführen. Beim ersten Rennen waren wir dritter von vier Mannschaften. Beim zweiten Rennen scherten wir leider, fast am Ende des Rennens, aus unserer Bahn aus und rammten ein anderes Boot, was dieses zum Kentern brachte. Das führte zu unserer automatischen Disqualifikation. Später am Nachmittag, beim 2000 Meter Rennen, musste man mehrere Runden fahren, das heißt. man musste nach 500 Metern wenden und das mehrmals. In den Wenden war es schwer für unseren Steuermann das Boot zu kontrollieren und schließlich sind wir wieder aus unserer Bahn geraten, was wiederum zu unserer automatischen Disqualifikation geführt hat. Das ist Pech, doch das passiert. Am nächsten Tag, beim 500 Meter Rennen, waren die Veranstalter so freundlich, uns einen Steuermann zur Verfügung zu stellen, damit uns dieses Missgeschick nicht noch einmal passierte. Berücksichtigt man die kurze Vorbereitungszeit, die uns zur Verfügung stand, und die Tatsache, dass wir eine Horde von Paddlern waren, die zum größten Teil noch nie zusammen gepaddelt waren, stand für uns eher der Spaß im Vordergrund, als den ersten Platz zu ergattern. Wir haben auch an einem Schaurennen teilgenommen, mit ausländischen Mannschaften, und das macht immer Spaß. Es ist immer schön zu sehen, wenn die Veranstalter versuchen, Drachenbootrennen zu fördern und mehr ausländische Teilnehmer zur Teilnahme zu motivieren. Es hat Spaß gemacht, es war großartig, im Winter zu paddeln, etwas das wir noch nie gemacht hatten. Es war auch großartig, in Kaohsiung an einem Drachenbootrennen teilzunehmen. Ich glaube, die meisten Leute hier haben bis jetzt immer nur an den Rennen in Taipei teilgenommen, und haben noch nie im Süden Taiwans gepaddelt. Ich selbst paddle schon seit 15 Jahren und es war das erste Mal, dass ich in Kaohsiung gepaddelt habe. Und es ist großartig, in derselben Stätte zu rudern, wie die Wettkämpfer bei den World Games.

Das Rennen wurde an der gleichen Stelle ausgetragen, an der im vergangenen Sommer die World Games 2009 stattfanden

Das Rennen wurde an der gleichen Stelle ausgetragen, an der im vergangenen Sommer die Wettkämpfe der World Games stattfanden

Hier kann ich (Ilon Huang) mir einen eigenen Kommentar nicht verkneifen. Lynn erwähnte, dass das Rennen in Kaohsiung den internationalen Regeln angepasst war, also es fehlte der sogenannte Flaggenfänger und das Steuerruder war fest am Heck des Bootes befestigt. Das führt dazu, dass der Steuermann nicht nur das Steuerruder nicht bewegen kann, er hat auch nicht mehr die Möglichkeit gleichzeitig zu steuern und zu paddeln. Ein guter Steuermann mit genügend Kraft und Erfahrung kann seine Mannschaft während des Rennens sehr unterstützen, wenn er gleichzeitig noch paddeln kann, während er steuert. Das birgt etwas Risiko, verleiht der Position des Steuermannes aber aus meiner Sicht einen besonderen Reiz. Genauso verleiht der Flaggenfänger, also dass dieser bei der Zielankunft eine Flagge ergreifen muss, um die Zielankunft und den eventuellen Sieg festzumachen, dem Rennen einen besonderen Reiz und noch einen weiteren Spannungseffekt. Denn selbst wenn man das Rennen anführt, kann man immer noch wertvolle Sekunden verlieren, wenn man die Flagge verfehlt. D.h. das Boot bzw. der Steuermann ist auch gezwungen, das Boot noch präziser über die Ziellinie zu steuern, was eben auch eine besondere Herausforderung ist. Diese internationalen Regeln, denen sich jetzt leider auch Taiwan anpasst, vielleicht anpassen muss, rauben der Position des Steuermannes. aber auch dem Rennen somit einen besonderen Reiz, was aus meiner Sicht sehr schade ist.

Wenn Sie noch kein Drachenbootrennen mit Flaggenfänger erlebt haben, dann hier ein Beispiel:  die Drachenreiter “騎龍隊 (Qi Long Dui)” beim Drachenbootrennen der Stadt Taipei zum Drachenbootfest 2009 auf dem Keelung-Fluss:

Doch zurück zu dem von Lynn erwähntem Missgeschick seiner Mannschaft, die bei zwei Rennen die Kontrolle über ihr Boot verlor, aus ihrer Bahn ausscherte und dabei nicht nur einmal ein anderes Boot rammte sondern auch beide Male disqualifiziert wurde. Passiert so etwas öfter?

Lynn: Dass man die Kontrolle über das Boot verliert, ist selten, kann aber passieren. Insbesondere wenn man auf einem Fluss anstatt auf einem See rudert und es eine starke Strömung gibt. Strömungen können einen mit Sicherheit aus dem Gleichgewicht bringen. Während der regulären Saison hat man normalerweise genug Zeit, Feineinstellungen durchzuführen. Man kann die Position der Paddler umorganisieren, so dass das Boot sich im Gleichgewicht befindet usw. Trotzdem kann es auch dann passieren. Ich erinnere mich an ein Rennen vor einigen Jahren, ich glaube, es war 2006, und unser damaliger Steuermann war unser Trainer, Yan Jian Guo, der mehr als 30 Jahre Erfahrung hat. Der Wasserstand war sehr niedrig und es passierte unserem Trainer, dass er mit dem Ruder den Grund des Flusses berührte, wodurch er die Kontrolle über das Boot verlor und es aus der Bahn geriet. Das kann passieren und es ist Pech, wenn es passiert. Aber man kann einfach nur sein Bestes geben und versuchen, in der eigenen Bahn zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren, was man tut. Zusammen paddeln und synchron paddeln.

… und hier nochmals die Drachenreiter:

Tatsächlich können kleine Unfälle oder Missgeschicke bei Drachenbootrennen immer wieder vorkommen, was manchmal zu Verletzungen führen kann, aber glücklicherweise meistens eher zur Unterhaltung der Zuschauer beiträgt. Ich selber war mehrmals Zeuge derartiger Ereignisse. Wie Lynn sagte, kann es auch erfahrenen Steuermännern passieren, doch meistens sind es eher unerfahrene Steuermänner, die auch bei normalen Verhältnissen die Kontrolle verlieren. Denn ein Drachenbboot mit 20 Leuten im Boot ist doch ziemlich schwer. Bei meinen ersten Versuchen, ein volles Boot zu steuern war ich sehr überrascht über das Gewicht und mir ist beim Training trotz größter Kraftanstrengung das Boot des öfteren in Richtung Ufer ausgebrochen. Das hat sich glücklicherweise in meinem zweiten Jahr gegeben. Aus meiner Sicht sollte man niemals als Anfänger in einem Rennen ein Boot steuern, denn in einem Rennen mit anderen Booten neben dem eigenen Boot, sind die Verhältnisse gleich noch einmal viel intensiver. Einmal war ich Zeuge, wie ein Boot von einem jungen Schüler gesteuert wurde, der offensichtlich erst kurz vor den Rennen angefangen hatte, das Steuern zu lernen. Und gleich beim ersten Rennen seiner Mannschaft verlor er die Kontrolle und rammte ein anderes Boot, wobei auch eine Ruderin des anderen Bootes am Kopf verletzt wurde. Die anderen Vorfälle, die ich miterleben konnte, waren glücklicherweise eher unterhaltsam. Bei einem Rennen dauerte es geschlagene 20 Minuten bis die Mannschaften am Startpunkt angelangten, da die Steuermänner aller vier Boote immer wieder die Kontrolle verloren und Kreise schlugen. Am Schluss starteten nur 2 Boote, da zwei Boote inzwischen am Ufer feststeckten, und es nicht mehr so aussah, als ob sie es irgendwann noch zum Start schaffen würden. Von den zwei Boote scherte eines nach 50 Metern tatsächlich auch noch aus, so dass das letzte Boot nur noch ins Ziel ankommen musste, um das Rennen zu gewinnen. Bei einem anderen Rennen war der Wind sehr stark und die Wellen relativ hoch, so dass einige Boote während des Rennens vollliefen und tatsächlich kenterten. Eines kurz nach dem Start und ein weiteres schaffte es noch ins Ziel und konnte die Flagge ergreifen, ehe es im Wasser verschwand. Da das ganze ohne Verletzungen und Schäden abging, war es doch ein eher lustiges Erlebnis und die Rettungsmannschaften in ihren zahlreichen Booten waren sichtlich hocherfreut, konnten sie nun doch mit voller Geschwindigkeit über den Fluss rasen, um die Gekenterten aus dem Wasser zu fischen.

Wie ich gehört habe, soll es jetzt auch Drachenbootclubs in Deutschland und Österreich geben. Suchen Sie doch mal einen auf und probieren sie es mal aus! 

von Ilon Huang
(Fotos: Lynn Lee)
 

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