Erste Eindrücke aus Taiwan

Hunderte Mopeds brausten um mich herum, die Luft stand still bei Temperaturen über  34 Grad im Schatten, dazu eine erdrückende Schwüle und in alle Richtungen, um mich herum Gewirr aus kunterbunten Leuchtreklamen, deren Zeichen für mich nicht zu entziffern waren. Doch inmitten dieses ungeheuren Gewusels haben die Taiwaner trotzdem noch die Ruhe, um einer orientierungslosen Ausländerin den Weg zu zeigen, zur Not auch mit Hönden und Füssen, sich zu erkundigen, woher man komme, weshalb man hier sei und auf diese Weise ihr Englisch ein wenig zu üben.

Das war meine Ankunft in Taipeh, einer Stadt, von der ich vor einem halben Jahr noch kaum etwas gehört hatte, die für mich bisher immer am anderen Ende der Welt lag. Nun sollte ich für einige Monate hier, studieren, chinesisch lernen, ein Praktikum machen, mein Leben leben, bisher ohne Chinesischkenntnisse oder asiatische Auslanderfahrungen. Alles was ich wusste hatte ich, wie die meisten Studenten, aus dem Lonely Planet oder aus Gespaechen mit hingebungsvollen Taiwanliebhabern erfahren.

Vor acht Monaten hat sich die Idee langsam entwickelt fuer ein Semester nach Taiwan zu gehen, mich faszinierte das Ungewoehnliche, die Exotik, wer war denn sonst schon mal in Taiwan gewesen? Die meisten meiner Freunde konnten mir nochnicht mal auf einer Weltkarte die genaue Lage der Insel zeigen und fragten mich beständig, wann es denn nun losginge- nach Thailand.

Der erste Kulturschock kam lange bevor ich überhaupt meinen Flug gebucht hatte. In meiner Universität in Bremen hatte ich mich für einen Mandarinkurs eingeschrieben. Natürlich wusste ich schon vorher, dass es kein Kinderpiel werden würde, aber zumindest einige Floskeln sollten doch wohl drin sein in vier Monaten Unterricht. Nein, das war nicht drin, Unterricht gab es nämlich nach chinesischen Lehrmethoden, das heisst Nachsprechen und Zeichen malen üben. Ohne eine einzige Übersetzung, mit dem für chinesische Maßstäbe normalen Arbeitspensum, also zehn bis fünfzehn Stunden Hausaufgaben pro Woche. Für einen durchschnittlichen deutschen Studenten ein unvorstellbar hohes Mass an Arbeitsaufwand.

Genau das wurde mir allerdings auch für den taiwanesischen Unterricht prophezeit, also nicht so rosige Aussichten fuer ein Studiensemester in Taiwan, bei dem man sich ja eigentlich darauf konzentrieren möchte, das Land kennenzulernen.

Andererseits waren da die anderen Studenten, die bereits im vergangenen Jahr über die Kooperation meiner Universität in Bremen und der taiwanesischen Nationalen Cheng-chi Universität in Taipeh gewesen waren. Sie waren begeistert, ja gerade zu verzaubert von dem Land, der Freundlichkeit der Menschen und sogar dem unendlichen Gewusel auf den Straßen. 

Ein paar Tage des endlosen Staunens sind seither vergangen und ich gewöhne mich an die Athmosphäre, die offenen Menschen, die ungewohnte Umgebung und auch an das eigene Anderssein.

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2 Antworten

  1. Genau so wie am Anfang dieses Berichtes erging es mir auch in Taipeh. Jetzt nach dem zweiten Besuch der Insel Taiwan bin auch ich zu einem „hingebungsvollen Taiwanliebhaber“ geworden.
    Jeder in meinem Bekanntenkreis oder auch die nächste Nachbarschaft bekommt immer wieder „Neuigkeiten“ aus Taiwan übermittelt – ob er will oder nicht ! Dank RTI und der Zeitschrift „Taiwan heute“ ist man immer auf dem neusten Stand. Danke

  2. Da hat die nette Praktikantin wahre Worte verfasst. Zum Glück war es bei unserem Taiwan Aufenthalt nicht so heiß und schwül. Aber die Eindrücke über das Straßenleben kann ich nur unterstreichen. Die angewandten Verkehrsregeln waren mir manchmal ein Rätsel.
    Liebe Grüße an die „Berlinerin“,
    Ralf

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